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Meint ihr nicht man bekommt Agoraphobie und PA´s durch lesen von viel Selbsthilfe-Fachliteratur und üben selber in den Griff?
Ist denn eine Verhaltenstherapie z.B. nicht das gleiche wie das was in diesen Büchern steht?
Eure Meinung würde mich echt interessieren...
Danke für eure Antworten!

05.06.2009 18:28 • 08.06.2009 #1


17 Antworten ↓


Hm..
Ein Buch kannst du nicht befragen.. Und viel zu fragen hilft auch mehr zu verstehen.
Und ein Buch kann dir nicht sagen ob das was du tust auch das Richtige, speziell für dich, deine Person, dein Leben ist. Ein Buch spricht dich nicht direkt an.
Eine Therapie unterstützt dich in dem was du tust.
Und letztendlich ist es natürlich ganz stark davon abhängig wozu du bereit bist und was du investierst.

Ich mach beides. Bücher lesen UND Therapie.

05.06.2009 18:39 • #2



Agoraphobie und PA´s - Es selber schaffen?

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Sunray
Hey tidility!

Mit viel Kraft kannst du es alleine schaffen, aber es kommt auch immer darauf an, wie weit sich die Angst schon in dein Verahltensmuster eingeschlichen hat.

Ich beispielsweise versuche seit knapp 4 Monaten mit diversen Büchern allein aus meinen falschen Gewohnheiten wieder herauszukommen, aber bei mir geht es immer nur schleppend vorran. Ich erwische mich ständig, wenn ich mit meinen Ängsten konfrontiere, dass ich unter extremer Anspannung stehe. Alles verkrampft sich bei mir...aber wenn ich das merke, habe ich mich meistens schon so lange verkrampft, dass ich die nächsten Tage mit Spannungsgefühlen und Muskelkater in verschiedenen Körperteilen beschäftigt bin und die lösen wiederrum diese Kraftlosigkeit aus und verstärken meine Ängste.

Von daher denke ich, dass in solchen Situationen ein Verhaltenstherapeut sehr gut wäre.

05.06.2009 18:40 • #3


Vielen Dank für eure schnelle Antwort, ich habe zwar erst 4 Bücher gelesen - aber das Fazit ist doch immer das gleiche: nur du selber kannst dir helfen, und nur du selber kannst dich ändern.
Ein Therapeut der meint man solle sein Umfeld ändern, sich sofort scheiden lassen und am besten noch morgen nach New York ziehen und das Leben genießen - das kann doch auch nicht das Wahre sein?!
Ich bin so wütend auf den Therapeuten (hatte nur eine Stunde) und auf mich! Dass ich es nicht schneller und alleine schaffe! Ich war doch sonst immer richtig mutig...
Und ist das jetzt "nur eine Phobie" oder ist das jetzt eine Krankheit?

05.06.2009 18:51 • #4


Sunray
Du hast keine Krankheit. Deine Angst ist doch einfach nur eine negative Bewertung deiner Gefühle und Gedanken. Du bist ein ganz normaler Mensch, der sich im Gegensatz zu Menschen ohne Panikattacken nur in einer Sache unterscheidet: Du bewertest viele Sachen einfach negativ und gewöhnst dir diese Überbewertung an. Andere Leute würden etwas, was wir für schrecklich halten einfach für eine Lapalie halten. Aber du bist nicht krank...

Wieso was für Erfahrungen hast du denn mit dem Therapeuten gemacht?

05.06.2009 18:55 • #5


Christina
Zitat von tidility:
Ist denn eine Verhaltenstherapie z.B. nicht das gleiche wie das was in diesen Büchern steht?
Im Prinzip ja. Aber: Ein Buch kann Dich nicht darauf aufmerksam machen, wenn Du Dich im Therapieverlauf ein wenig selbst beschwindelst. Und trotz genauer Anweisungen im Buch können sich gerade bei Konfrontationsübungen Fehler einschleichen, die die Angst im Endeffekt verstärken. Einen Versuch ist es sicher wert, allein mit Buch zu arbeiten. Daraus sollte m.E. aber kein falscher Ehrgeiz werden...

Liebe Grüße
Christina

05.06.2009 19:05 • #6


Vielen Dank Sunray (ist das nicht eine Art Motorboot?)!
Deine Antwort hat mir jetzt wirklich mehr gebracht als eine Therapiestunde! Der Therapeut hat eigentlich die ganze Zeit selber geredet, ich habe nur 2-3 Sätze gesagt und dann kam er auf die oben genannten Tipps. Am nächsten Tag kam per Telefon die Frage ob ich schon beim Anwalt war...Ich will aber mich weder scheiden lassen noch weg ziehen-no way! Und mein Kind werde ich nie im Leben im Stich lassen, wenn ich auch 1000 Phobien hätte oder auch die Welt untergeht. Aber eine positive Sache hatte es: er hat versucht meinen Eltern klarzumachen dass ich nicht krank bin-leider ohne Erfolg. Mittlerweile denken eh alle ich bin psychisch krank. Agoraphobie sagt ihnen nichts, und sie informieren auch nicht weiter.

05.06.2009 19:09 • #7


Danke Christina,
soll keine Unterstellung sein aber ich denke das einige auch ihren Therapeuten nicht alles sagen bzw. auch etwas schwindeln, aber stimmt, das kann leicht passieren. Was meinst Du mit falscher Ehrgeiz genau?

05.06.2009 19:14 • #8


Sunray
Sunray heißt Sonnenstrahl übersetzt..

Das ist schön, dass ich dir etwas helfen konnte. Wenn ich dir noch einen Tip mit deinen Eltern geben kann: Ich hatte anfangs das selbe Problem. Meine Mutti wollte mir nicht glauben, dass alles mit meiner Psyche zusammenhängt und wollte auch nie hören, was ich darüber zu berichten hatte. Deshalb habe ich mir gedacht ich schreibe ihr die wichtigsten Sachen einfach mal per E-Mail(knnst natürlich auch den Postweg wählen..) und habe ihr da all meine Ängste und Sorgen beschrieben. Was du auf alle Fälle nicht vergessen solltest zu erwähnen ist, dass uns eins sehr stark hilft: Das Zuhören und Verstehen werden von anderen Menschen, gerade von seiner Familie.

Ich denke, dann wird sie sich auch die Zeit nehmen und deine Zeilen lesen und verstehen wie wichtig es dir ist.

Ich wünsche dir viel Glück dabei.

P.S. was du natürlich auch machen kannst: Zeig ihr dieses Forum einfach einmal, dann kann sie sich selbst ein Bild darüber machen..

05.06.2009 19:28 • #9


Christina
Hallo Tidility,

ich finde nicht einmal, dass man seinem Therapeuten "alles" sagen muss. Auch in der Therapie behält man sein Recht auf Intimsphäre. Außerdem entscheidet man als Patient und somit Auftraggeber der Therapie sowieso selbst, was man in der Therapie in welchem Umfang ansprechen und bearbeiten möchte. Es ist ja auch nicht so, dass der Therapeut nur genug über seinen Patienten wissen muss, um ihm dann - beinahe hellsichtig - zu helfen und ihn anzuleiten. Es ist eine Zusammenarbeit, bei der der Patient idealerweise völlig offen sein kann, das aber nicht bis in den letzten Winkel der Seele sein muss.

Damit, sich selbst zu beschwindeln, meinte ich die Verharmlosungen und Beschönigungen, mit denen man so manches Mal die Vermeidung aus Angst vor sich selbst als sinnvoll darstellt - womit ich nicht einmal meine, dass Vermeidung niemals sein dürfe. Es ist aber nützlich, sich über seine wahren Beweggründe im Klaren zu sein, und dabei hilft ein Therapeut - manchmal durch penetrantes, nerviges Nachfragen.

Mit falschem Ehrgeiz meine ich ganz einfach, dass man nicht - nur um es allein zu schaffen - Jahre an die Selbsttherapie hängen sollte, sondern sich besser frühzeitig in professionelle Hände begibt.

Liebe Grüße
Christina

05.06.2009 19:33 • #10


Hallo, danke euch nochmal, ihr habt Recht.
Ich habe gerade da ich eh wütend war versucht das Beste daraus zu machen - und bin einkaufen gegangen, ohne Ablenkung- und es hat glücklicherweise geklappt...mal guckn was morgen ist

05.06.2009 20:32 • #11


Sunray
Siehst du, so muss es sein..

Ich freu mich wirklich ganz doll für dich...

Also dann wünsch ich dir mal noch nen tollen Abend...Bis bald hoffe ich, natürlich nur bei positiven Beiträgen..

05.06.2009 20:51 • #12


ZZerRburRuSs
Hi

Meine persönliche Meinung dazu ist

Das grade die Angewohnheiten,
sich nicht ausreichend mitzuteilen,
nicht wirklich jede Möglichkeit zu nutzen die man zur evtl. Problemlösung zur Verfügung hat,
überhaupt mangelhafter Wille zu Komunikation
und innere Verschlossenheit

Angst und Panik erstklassig auf die Bühne helfen .

Wenn man "es" alleine schaffen will, führt man ein Verhalten fort welches Angst und Panik eher begünstigt .

(wie gesagt nur meine persönlich Ansicht)


Wenn ein Therapuet in der ersten Stunde zur Scheidung und zum Umzug nach ... Pussemuckel rät . Kann man getrost über nen neuen Therapeuten nachdenken

lg ZZ

05.06.2009 21:05 • #13


Wollt ich auch grad schreiben.

Neulich stand in einer Zeitschrift, dass Therapie über Beziehung funktioniert.
Wie gut eine Therapie also anschlägt hängt also auch davon ab gut wie man mit dem Therapeuten klarkommt.
Und man kann ja nun einfach nicht mit jedem.

05.06.2009 21:23 • #14


Also von den Leuten die ich im bekanntenkrei hab und auch aus eigender erfahrung weiß ich dass wir alle immer erstma "probestunden" hatten, wo es darum ging ob sich therapeut und patient überhaupt eine zusammenarbeit vorstellen können - in meinem fall warens sogar 6 probatorikstunden bei meiner freundin z.B. nur 3.
Keine Ahnung ob das gesetzlich festgelegt ist oder ob das freiwillig ist, aber ein Therapeut der derartig mit der tür ins Haus fällt und solche rabiate lösungen vorschlägt wäre in meinen augen auch nicht das richtige

so far

05.06.2009 22:53 • #15


Hallo,

also ich zähl mich zu denen, die es alleine (fast) geschafft haben.
Aber auch ohne zuHilfenahme von Büchern, Ratschlägen usw. Man braucht dazu noch nicht mal Lesen zu können. Ich hab einen Körper und mein Verstand. Das ist alles, was man braucht um zu Erkenntnissen zu kommen.

Ich bin heute der Meinung, das man im Alleingang mehr lernt als mit Hilfe von Dritten. Was ich über Psyche und Verhalten bei mir erkannt habe, hat für mein weiteres Leben enorme Außmaße.

Also ich würde ein Herangehen im Alleingang empfehlen. Aber wirklich dann auch ohne irgendwelche Anleitungen. Als Voraussetzung würde ich aber sagen, das man keine Medikamente dann einnehmen sollte, sonst lernt man vermutlich nicht seinen Körper zu verstehen.

Ich kann sagen, daß mein Körper immer alles richtig gemacht habe. Nur ich war zu doof und wollte immer vieles falsch machen.

VG

08.06.2009 10:32 • #16


queer fallow

wie hast du es denn geschaft und wie lang hat es gedauert

erzähl mal bissel

08.06.2009 10:41 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Hallo,

ja, was soll ich nun darauf antworten. Ich könnte einerseits unendlich viel da nennen, aber das würde den Rahmen sprengen und auch so keinem hier helfen.

Für wichtige Voraussetzungen halte ich:

- keine Tabletten
- Bereitschaft sein Alltagsleben über längere Zeit zu verändern (Selbstdisziplin)
- Hineinhorchen in sich
- Gedanklich alles über den Haufen hauen, was man von all den professionellen Therapien erfahren hat, Nichts aus Büchern oder so was übernehmen oder sich was angelesenes annehmen, so daß man wirklich nur seinen Körper als Informationsquelle hat.

Was dann zu machen ist, ist sein verhalten zu beobachten und seine Körperreaktionen zu registrieren. Dann sein Verhalten unter möglichst gleichen Umständen zu verändern und wieder die Körperreaktionen zu beobachten.
Mehr dürfte hierzu nicht zu sagen sein.

Die Auswertung ist aber nicht ganz einfach. Und es kann schon lange dauern bis dort was rauszubekommen, da das Gesamtverhalten zu betrachten ist.

Der Weg ist sehr zeitaufwendig. Wenn aber alles andere bisher nicht geholfen hat (wie in meinem Fall) - was bleibt einem dann übrig ? Medikamente nehmen und so weitermachen wie bisher ? Dann hätte ich nichts aus meiner Angst gelernt und ich glaube zu erahnen, welchen Einfluß das verhalten nicht nur auf die Psyche hat, sondern auch auf viele andere krankheiten, wie Krebs, Herzinfarkt usw.
Und auch deswegen lohnt sich der Aufwand für sich selbst. Es ist ja auch nicht so, das man von heute auf morgen gleich wieder psychisch gesund wird. Das ist ein Prozeß und eigentlich ist man schon zufrieden, wenn es bergauf geht.
Wann man wieder gesund wird bestimmt man ja größtenteils selbst. Wer sich radikal ändern kann, der wird auch schnell wieder gesund. Das wird sicher jüngeren Menschen schneller gelingen als Älteren. Aber es ist nie zu spät.

Und ich kann selbst psych. gesunde Menschen in meinem umfeld besser hinsichtlich ihres Verhaltens und ihrer psych. Reaktionen beobachten. Die reagieren überhaupt nicht anders, kommen bloß eben noch nicht auf das Niveau, wie wir hier.

VG

08.06.2009 17:41 • #18



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