@astra
Ich habe hier jetzt nicht alles gelesen und die letzten Dinge mehr überflogen und kann daher nicht sagen, ob ich jetzt jemanden in seinem Gesagten Wiederhole, aber ...
Ich kenne das. Richtig wahr genommen habe ich es das erste Mal, als ich mir während einer sehr stressigen Phase ein Hörbuch von einem Buch anmachte, dass ich in meiner Schulzeit verschlungen hatte. Mein Herz pochte und ich würde unglaublich traurig.
Erinnerungen an früher können furchtbar schmerzlich sein, da es eben niemals wieder so sein wird wie es war.
Meine Kindheit war wunderschön, wenn auch durch mein Wesen für mich teilweise schwierig. Manches, was eigentlich sehr gut ist, war für mich nicht immer geeignet.
Ich habe allerdings noch meine Familie und auch einen Plan für meine Zukunft, wenn er auch sehr anders zum 'normalen' Weg ist.
Ich war auch nie richtig arbeiten. Bin aber auch nur bis zur 7. Klasse den 'normalen' Weg gegangen.
Meine Trauer kommt eher davon, dass alles anders wird und dass, was besonders schön war, weg ist.
Bei mir ist mein Opa ein großer wunder Punkt.
So einen Freund werde ich nie wieder haben und mein Vater ist irgendwann auch nicht mehr da (wenn das hoffentlich noch lange hin ist).
Ich denke, dass das große Problem darin liegt, dass wir einfach nicht so gut darin sind gewisse Veränderungen zu akzeptieren.
Aber ich denke auch nicht, dass es die Lösung ist, dem Problem dann aus dem Weg zu gehen. Ich denke, dass es wichtig ist sich damit auseinander zu setzen und eben langsam Akzeptanz lernen zu können. Dabei ist es in Ordnung zu weinen und wütend zu sein. Das Leben kann unfair sein.
Aber ich denke, dass es auch wichtig ist, dann danach im hier und jetzt bewusst nachzudenken und zu sehen, was nun dennoch gut ist und das zu greifen und daran zu arbeiten, dass es entweder so bleibt und vor allem noch weiteres Gutes hinzukommt.
Zum Beispiel habe ich kurz vor dem Tod meine Großtante angefangen damit Socken zu stricken. Das war ihr Ding. Ich hatte keine enge Bindung zu ihr, aber mein Vater. Ich leide sehr mit ihm, auch wenn er es nicht zeigt. Seine Mutter strickte auch Socken. Er freut sich sehr, wenn er Socken bekommt. Und ich denke in guter Erinnerung an meine Oma und ihre Schwester.
Gleichzeitig erfreue ich mich daran, wie sehr sich andere über mein Hobby freuen, wenn sie was davon bekommen. Es ist also zu etwas geworden, das auch mir gehört.
Hätte ich so etwas für meinen Opa, würde ich es nehmen. Leider ist er früh gegangen und da war mein Kopf noch nicht so weit, auch ihn als Person tiefer in Frage zu stellen.
Aber es gibt eine alte Lederjacke. Inzwischen riecht sie natürlich nicht mehr nach ihm. Aber nach Leder. Und inzwischen ist der Geruch für mich Zuhause.
Ich habe diese Melancholie auch bei aktuellen Ereignissen. Wie Weihnachten.
Ich sitze da und sehe nur, dass das alles endlich ist. Es ist furchtbar deprimierend. Inzwischen arbeite ich daran, dass ich mich stattdessen auf das Hier und Jetzt konzentriere. Darüber traurig sein kann ich, wenn es soweit ist.
Denke nicht, dass du "nur deine Freundin(?)" hast. Ändere den Gedanken so, dass er positiv formuliert wird. Das macht sehr viel aus.
"Trotz allem habe ich meine Freundin."
Ansonsten; Das Problem mit einer perfekten Kindheit ist das selbe Problem mit dem Elternhaus ohne Geldsorgen, mit Haus und allem was man braucht:
Es ist unwahrscheinlich, dass man es steigern kann. Man wird nicht die Menge Geld haben. Deswegen wird man kein Haus haben. Die ganzen Informationen bombardieren und jeden Tag und es kann passieren, dass uns das anfällig für psychische Krankheiten macht. Wir sind nicht unsere Eltern, die vielleicht lange und gesund gelebt haben oder leben werden. Wir werden nie wieder die Tage aus der Kindheit haben, weil unser Gehirn anders ist.
Und das ist alles ok. Und es ist OK traurig zu sein. Es ist OK zu weinen. Aber man kann damit anfangen zu gucken, wie man darüber nachdenkt, indem man Gedanken versucht positiv zu formulieren. Kleine Änderungen können eine riesige Wirkung haben.
Und manchmal tut es gut mit jemanden darüber zu reden. Vielleicht sogar mit deiner Freundin(?).
Vielleicht nimmt man eine alte Serie und guckt sie gemeinsam mit besagter Freundin. Die alte Erinnerung ist vielleicht schmerzhaft, aber in dem Moment macht du daraus eine weitere und neue.
Hoffe, dass du das liest, wo ich mir bei der letzten Nachricht nicht sicher bin, ob du nochmal hier rein guckst.
Ich wünsche dir jedenfalls viel Kraft.
