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Hallo, wie ihr in der Überschrift sehen könnt habe ich viele Baustellen. ich hoffe sehr ich finde hier im Forum vielleicht Leute die bereits Erfahrung mit Therapien etc haben. Ich möchte gerne endlich etwas ändern und brauche Beratung.
ich bin 27 und habe seit ich 19 bin ein Vermeidungsverhalten entwickelt was generelle soziale Interaktionen angeht. Ich meide, wenn ich es mir selbst aussuchen kann, Events, Urlaube, Reisen, Essen gehen etc. Das übliche. Ausnahmen mache ich nur bei wirklich sehr guten Freunden, es gibt vielleicht fünf Menschen bei denen ich wirklich noch das Gefühl habe "lebendig" zu sein und hier empfinde ich auch eine gewisse Freude bei Gemeinsamen Aktivitäten und gehe auch gerne mal einen Kaffee trinken oder Wandern. Es ist aber nicht so dass ich in pure Panik verfalle oder mir schlecht wird, wenn ich eine Menschenmenge sehe oder mit fremden interagiere. aber ich schirme mich dabei emotional vollkommen ab. Ich fühle mich dann eher wie ein Roboter, der halt funktioniert und sich so verhält wie es alle erwarten, aber das ist nur ein Schutzmechanismus.
So, das war noch harmlos, jetzt kommen wir zu meinen anderen zwei Baustellen, die mich im Alltag wirklich stark einschränken: Ich gehe seit 9 Jahren nicht mehr zum Arzt. Ja. kein Blutabnehmen, kein Hautarzt kein Gynäkologe (da war ich noch nie). Ich schaffe es gerade so einmal im Jahr zur Zahnreinigung. Zum Glück war ich auch tatsächlich, bis auf ein paar Erkältungen nie wirklich krank. Da trinke ich dann einfach Tee und bleibe im Bett. Der Grund ist meiner Meinung nach hauptsächlich die soziale Interaktion, bei der ich und mein Körper im Mittelpunkt stehe. Das entblößen vor fremden Personen und berührt zu werden/Kontrolle abzugeben. (Ich habe keine schlechte Erfahrung mit Ärzten, oder Angst vor Diagnosen.) Ich rede mir immer ein mein Problem sei nicht wichtig genug und andere brauchen den Termin dringender. Ich habe mich jahrelang damit vertröstet, dass ich ja, wenn es ein akutes Problem gibt, schon zum Arzt gehen werde. Aber ich weiß natürlich, dass auch Vorsorgeuntersuchungen wichtig sind. Ich versuche manchmal mich zu überwinden und mache einen Termin, sage dann aber kurz vorher wieder ab. Mittlerweile kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich mal eine Arztpraxis von innen gesehen habe. Und ich bin mir auch nicht sicher, wie ich wirklich in einer Situation reagieren würde, sollte es mir mal wirklich schlecht gehen. Oder ob ich eigene Symptome selbst klein rede. Es ist jetzt einfach schon ein zu langer Zeitraum und ich habe das Gefühl ich kann daraus nicht ausbrechen.
Und als letztes bin ich ein "Absolute Beginner" (falls das jemandem etwas sagt) Ich hatte noch nie eine romantische oder intime Interaktion mit einem anderen Menschen. Nicht geflirtet, geküsst. nichts. Als Jugendliche war ich mit vielen anderen Dingen beschäftigt und bin dann wegen meiner Karriere oft Umgezogen und habe viel gearbeitet. Ich habe mir über die Jahre immer eingeredet, dass ich keine Zeit habe, nicht die richtige Person vorbeigekommen ist oder dass ich asexuell bin. aber die Wahrheit ist eigentlich dass ich diese Situationen konsequent vermeide und mich so immer weiter selbst abschotte. Alles was in Richtung Intimität geht verbanne ich aus meinem leben. Ich spüre keine Anziehung und weis auch nicht wie sich romantische Berührungen anfühlen und wie man sich dann verhält. Und dementsprechend habe ich Angst davor. Und je länger das noch so geht desto einsamer werde ich. Gerade in den letzten Monaten ist es schlimmer geworden und ich kann es nicht mehr so gut verdrängen.
Nun also meine Frage. wie akut ist das und sollte ich es mit einer normalen Therapie versuchen oder gleich nach vielleicht spezialisierten Therapeuten (falls es das gibt) oder Kliniken suchen? Ich kenne mich da nicht so aus. Ich weiß nur dass ich mir vermutlich Hilfe suchen sollte. danke schon einmal und entschuldigt den langen Text!
• • 25.04.2026x 1#1
4 Antworten ↓
Schlaflose Mitglied
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Zitat von Anni654:
Und als letztes bin ich ein "Absolute Beginner" (falls das jemandem etwas sagt) Ich hatte noch nie eine romantische oder intime Interaktion mit einem anderen Menschen. Nicht geflirtet, geküsst. nichts.
Geht mir genauso und ich bin 64 😂 Und auch mit Ärzten geht es mir ähnlich. Das aber nicht, weil ich wirklich Angst habe, sondern es widerstrebt mir einfach. Wenn es aber sein muss, tue ich es schon, z.B. einmal im Jahr zur Kontrolle zum Zahnarzt. Als Kind und Jugendliche hatte ich wirklich Angst vor Ärzten und besonders vor Spritzen und war nie bei einem. Mit Mitte 25-26 zum ersten Mal beim Frauenarzt und bei einem Hausarzt. Danach war die Angst vor Ärzten und Spritzen allerdings ganz weg, weil ich gemerkt habe, dass es keine Schmerzen oder sonstwas bereitet. Glücklicherweise bin ich ganz selten mal krank und brauche keinen Arzt.
Zitat von Anni654:
Ich meide, wenn ich es mir selbst aussuchen kann, Events, Urlaube, Reisen, Essen gehen etc. Das übliche.
Auch das ist bei mir genauso, aber wiederum nicht aus Angst, sondern weil ich dann nicht schlafen kann. Meine letzte Urlaubsreise war 1994. Wenn es sich um einzelne Ereignisse, nehme ich eine Schlaftablette, dann geht es.
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A
Iatrophobie, soziale Angst und noch nie eine Beziehung
x 3
NeonPixie Mitglied
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Es ist nicht akut im Sinne von Krise, aber es ist ernst im Sinne von je länger man wartet, desto tiefer gräbt sich das Muster ein. Neun Jahre Arztmeidung und der Zeitraum machen es subjektiv schwerer, nicht leichter.
Das Roboter-Gefühl bei sozialen Interaktionen, das vollständige emotionale Abschirmen, die Kontrolle abgeben als zentrales Problem beim Arzt, die konsequente Vermeidung von allem Intimen, das klingt für mich strukturierter als eine klassische Angststörung. Das klingt nach einem tiefen Muster von emotionalem Selbstschutz, der irgendwann automatisiert wurde. Nicht als Kritik, sondern als Einordnung.
Es gibt Praxen die explizit auf Angstpatienten eingestellt sind, mit langsameren Abläufen und mehr Kontrolle für die Patientin. Das wäre ein möglicher erster Schritt, einfach ein Blutbild beim Hausarzt mit vorheriger kurzer Erklärung per Mail, was du brauchst.
Was hat dich jetzt dazu gebracht, das zu schreiben?
Bzgl. einer Therapie solltest du dich lieber an einen Experten wenden, aber Expositionsfokus klingt mir nach keiner guten Idee, eher sowas wie Schematherapie oder traumasensible Therapie.
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A
Anni654 Mitglied
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@NeonPixie Danke dir für die Antwort. Ich will einfach versuchen einen Weg da raus zu finden, aber ich weis noch nicht ganz wie ich das selbst definieren soll oder auf was ich bei der Suche oder Recherche nach einer Therapie achten kann, damit es Sinn macht.
@NeonPixie Danke dir für die Antwort. Ich will einfach versuchen einen Weg da raus zu finden, aber ich weis noch nicht ganz wie ich das selbst definieren soll oder auf was ich bei der Suche oder Recherche nach einer Therapie achten kann, damit es Sinn macht.
Nutze die Psychotherapeutensuche über die Kassenärztliche Vereinigung deines Bundeslandes, die hat eine offizielle Therapeutensuche, wo du nach Kassenzulassung und Verfahren filtern kannst.
Beim ersten Kontakt, ob per Mail oder Telefon, musst du nicht alles erklären. "Ich habe Vermeidungsverhalten in sozialen Situationen und bei Ärzten und möchte das angehen" reicht als Einstieg völlig.
Die richtige Therapie zu finden ist eine zentrale Aufgabe des Therapeuten und nicht des Therapierten.