Zitat von Wake:Ich sage es mal so, da ich es alleine nicht kapieren will, oder mich wohl möglich richtig dumm anstelle, habe ich gestern jemand angerufen, ich darf Freitag direkt kommen. Vielleicht lerne ich was neues.
Bitte verstehe es nicht als Kritik sondern als Hinweis. Es ist aber trotzdem sicher ein Nutzen, wieder einen Therapeuten zu treffen - gratuliere zu Deiner Entscheidung!
Es gibt viele Therapiewege mit denen Angststörungen "behandelt" werden und eine weitverbreitete davon ist die kognitive Verhaltenstherapie. Zahlreiche Menschen bekommen dabei Werkzeuge an die Hand, wie sie mit der Angst umgehen sollen. Bei manchen klappt das, bei vielen jedoch nicht - vor allem langfristig nicht. Weshalb? Weil die Verhaltenstherapie vorwiegend den
akuten Umgang, also die unmittelbare Angstreaktion untersucht und dann entsprechende Manöver anbietet.
Nur sehr selten werden dabei die
Ursachen überhaupt berührt. Es wird auch nur selten überhaupt danach gesucht. Warum? Weil es langwierig, anstrengend, unerfreulich und vor allem zeitraubend ist. Der Therapeut müsste sich mit dem Patienten
wirk-lich beschäftigen, er müsste tatsächlich anteilnehmen und das können bzw. wollen die wenigsten. Es ist letztlich eben auch ein Zeitfaktor. Aus meiner Sicht kann jeder Betroffene selber am besten eine echte Harmonie wiederherstellen,
wenn er die Vorgehensweise beschrieben bekommt, vollständig versteht und konsequent handelt.
Es kann natürlich nicht schaden, wenn man für den akuten Notfall Verhaltensweisen erlernt, mit ihnen umzugehen. Aber wenn die
Ursachen nicht angegangen werden (und das ist mit z. B. Sport oder Freunde treffen alleine nicht zu erreichen...), wird immer die
Basis für Ängste fortbestehen, auch wenn es sich jahrelang so anfühlt als hätten wir "die Angst besiegt".
Deshalb nochmal mein Appell: Mache Dir in Ruhe Gedanken darüber, welche generellen Lebensumstände und Belastungen in der Zeit
vor (!) Deiner ersten Angstattacke herrschten. Das können recht banale Dinge sein: Eltern werden alt und krank, Kinder kommen zur Welt, Ehemann hat berufliche Probleme, man selber hat einen Grippeinfekt, das Geld reicht seit Jahren hinten und vorne nicht, ein geliebter Mensch ist gestorben, eine Freundin will nicht mehr mit mir zu tun haben etc.
Bei all diesen Aspekten fragen wir uns:
1. Wie wirk(t)en diese Dinge auf uns? (Haben sie uns tatsächlich berührt, beeinflusst?)
2. Welches Gefühl löst das bei mir aus? (Trauer, Ärger, Wut, Enttäuschung)
3. Ist dieses Gefühl angemessen? (Oder war z.B. die Trauer oder Wut blockiert und wurde umgeleitet in Angst oder Panik?)
4. Falls das angemessene Gefühl nicht erlebt werden konnte: Woher kommt diese Blockade? (Eltern!?!?!)
5. Falls das Gefühl angemessen war: Welche Reaktion kam nach dem Gefühl? (Eine Verarbeitung des Themas und/oder eine entsprechende Aktion: Reden, Umstände ändern, an der geistigen Haltung arbeiten?)
6. Wenn keine Reaktion erfolgte: Warum?
Diese 6 Überlegungen führen zu einer
Bewusstwerdung. Das bewusste "Mitkriegen", was geistig so abläuft bringt uns aus der (unbewussten) Opferrolle in die (bewusste) Eigenverantwortlichkeit.
Die Symptome wie z. B. die Hitze am Hinterkopf ist völlig irrelevant. Sie ist ein
Symptom der Angst und
die Angst ist ein Symptom der Unbewusstheit. Es hat keinen Sinn, sich am Symptom und dem Untersymptom abzuarbeiten.
Die Unbewusstheit ist der springende Punkt.Wenn Du magst, können wir gemeinsam an einem von Dir gewählten Beispiel das Ganze mal interessehalber durchspielen. Du wirst dann ein Stück weit erleben (!), wie der Geist arbeitet. Diese Einsicht ist der Schlüssel und das Schloss.