Pyrojay
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In diesem Monat landete ich mehrmals in der Notaufnahme. Eine Ärztin untersuchte mich ausführlich und sagte schließlich: „Sie sind psychisch krank. Körperlich sind Sie kerngesund.“
Dieser Satz hat meine Angst nicht beruhigt, sondern massiv verstärkt. Ich dachte, jetzt bist du völlig durchgedreht. Ich hatte panische Angst, schizophren zu sein und weggesperrt zu werden. In diesem Jahr bin ich 18 geworden.
Aus Angst ging ich anschließend ein ganzes Jahr lang zu keinem Arzt mehr. Ich dachte: Das war’s jetzt. In dieser Zeit habe ich die Symptome einfach ertragen. Um überhaupt schlafen zu können, bin ich teilweise 20 bis 30 Kilometer am Tag gelaufen – so lange, bis ich vor Erschöpfung meist erst nach Mitternacht nach Hause kam und einschlief. Tag für Tag, ein Jahr lang.
Irgendwann kam der Punkt, an dem ich wusste: Ich halte das nicht mehr aus. Mir war egal, was passiert oder was man mit mir macht – ich konnte einfach nicht mehr. Erst dann wurde mir erklärt, dass ich an einer Angststörung leide. Bis zu diesem Moment wusste ich nicht einmal, dass es so eine Erkrankung überhaupt gibt.
Ich wurde relativ schnell medikamentös eingestellt und lebe seitdem damit. Alle paar Jahre, meist nach einem schweren Schicksalsschlag, falle ich für eine Zeit wieder in diesen Zustand zurück. Diese Phasen dauern zwischen einem und fünf Monaten – und hören dann wieder auf.
Was ich jedoch erst seit Kurzem wirklich verstanden habe: Die Heilung liegt für mich nicht in den Medikamenten, sondern im Lebensstil. Ich sage bewusst nicht „Therapie“, weil sie zumindest in meinem Fall nicht die entscheidende Wirkung hatte.
Ausgelöst wurde mein Zustand durch ein Trauma, das ich mit 15 Jahren erlebt habe.
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