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A

Anksiety
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Hallo zusammen,

ich schreibe hier, weil ich langsam wirklich am Ende meiner Kräfte bin. Seit über 2 Jahren kämpfe ich mit einem Zustand, der sich kaum noch kontrollieren lässt, und trotz Facharztbehandlung und Medikamenten wird es eher schlimmer als besser.

Meine aktuelle Situation:

Schon kurz nach dem Aufstehen beginnt bei mir ein massiver Prozess, den ich als „Overdrive“ beschreibe. Es fühlt sich an, als würde mein Nervensystem komplett überfluten. Dieser Zustand wiederholt sich mehrmals täglich und ist von extremen körperlichen Symptomen begleitet:
Massives Zittern am ganzen Körper.
Schwere Atmung und das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen.
Paralyse / Starre: Mein Körper schaltet plötzlich ab und ich kann mich kaum noch bewegen.
Derealisation & Verwirrtheit: Alles fühlt sich unreal an, wie in einem Film, und ich habe Schwierigkeiten, klare Gedanken zu fassen.
Starke innere Unruhe, die mich völlig auslaugt.

Was ich aktuell unternehme:
Medikamente: Ich nehme derzeit Sertralin, Lyrica (Pregabalin) und Depakine (450 mg) und Setralin (75 mg), Setralin schon seit 3 Jahren. Bis vor einem Monat war auch noch Wellbutrin dabei, was aber abgesetzt wurde wegen zu starker körperlichen Reaktionen. Trotz dieser Kombination spüre ich keine wirkliche Dämpfung des Overdrives.
Eigene Maßnahmen: Ich mache täglich Atemübungen (z. B. 4-7-8) und versuche es mit Skill-Techniken wie Kältereizen (Eiswasser-Bowl), aber das System schaltet oft einfach nicht mehr runter.
Ich bin mittlerweile seit drei Monaten krankgeschrieben und habe keine Ahnung, wie ich so jemals wieder in den Arbeitsalltag zurückkehren soll. Es fühlt sich an, als würde mein Körper auf normale Prozesse (wie den morgendlichen Cortisolanstieg) mit einem totalen Fehlalarm reagieren.

Meine Fragen an euch:
Kennt jemand diese Form der totalen körperlichen Starre und Zittrigkeit trotz starker Medikamente?
Hat jemand Erfahrungen mit dieser speziellen Medikamenten-Kombination und ähnlichen Nebenwirkungen (Verwirrtheit/Derealisation)?
Gibt es alternative Ansätze oder Medikamente (evtl. Neuroleptika zur Deckelung der Spitzen), die euch bei solch massiven Traumaähnlichen Zuständen geholfen haben?

Ich freue mich über jede Rückmeldung. Ich bin für jeden Strohhalm dankbar, da mich dieser tägliche Kampf komplett auszehrt.

Danke fürs Lesen!

11.05.2026 #1


15 Antworten ↓

Greta__
Hallo & willkommen im Forum.

Es tut mir sehr leid das es dir so geht. 🫤

Für mich hört es sich eher an das du Medikament(e) benötigst, welche beruhigen und nicht pushen. Ich kenne nur Sertralin, aber das pusht ja.

Ist je deine Schilddrüse, Cortison, Testosteron untersucht worden? Also beim Nuklearmediziner/Endokrinologe sowie Nephrologie?

Ich habe eine zeitlang Bupropion bekommen und bin abgegangen wie "Schmidts Katze", war kaum auszuhalten, habe es nach 5 Monaten abgesetzt und mir ging es Welten besser.

Schilddrüse hatte ich eine Überfunktion und es hat lang gedauert bis das festgestellt wurde, auch da war ich in einem ständigen "over the top" mit Angst und Panikattacken.

Viele Grüße 🌼

x 2 #2


A


Extremer Overdrive-Zustand trotz Medikation

x 3


Pyrojay
Hey,
das kenne ich auch zu gut. Das ist meistens wenn der Körper im Alarmmodus ist und nicht mehr runterkommt.
Hast du mal mit deinem Arzt gesprochen das Sertralin umzustellen?
War es von den Medikamenten schlimmer?
Und gibt es am Tag Zeiten wo es dir besser geht? Eventuell abends wo der Körper etwas zur Ruhe kommt.

x 1 #3


Greta__
Ich hab mal Google wegen Depakine gefragt. Hast du Epilepsie oder eine bipolare Störung, weil es dafür ist. Ich bin kein Arzt, aber wenn du das nicht hast, warum wurde dir das verordnet?

x 1 #4


A
@Greta__
Hallo,

vielen Dank für deine Nachricht und die lieben Worte! 🌼

Zu deinen Fragen: Ich habe tatsächlich schon alle körperlichen Untersuchungen durch. Schilddrüse (Endokrinologe), Hormone und auch die Organe wurden gecheckt, da ist alles top, organisch fehlt mir zum Glück nichts.

Ich vermute mittlerweile auch sehr stark, dass es ein tiefsitzendes Trauma ist. Vor etwa 10 Jahren hatte ich einen schweren Burnout, und seitdem wurde die Symptomatik schleichend immer schlimmer, bis es jetzt in diesem extremen körperlichen Overdrive gipfelte. War/ bin auch extrem Stressempfindlich und habe oft das gefühl der Überwältigung wenn ich in der Öffentlichkeit auch in Arbeit bin. Was auch auffällig ist: Mein Vater leidet an ähnlichen Symptomen, allerdings bei weitem nicht so extrem wie ich und vor allem ohne diese heftigen körperlichen Reaktionen.

Wegen der Medikamente: Das Sertralin nehme ich zwar, aber eigentlich sollen das Lyrica und vor allem das Depakine (als Stimmungsstabilisierer) ja genau diesen beruhigenden Effekt haben und den Deckel draufhalten. Nur scheint das bei mir aktuell einfach nicht gegen diese massiven Alarmzustände anzukommen.
Danke auf jeden Fall für den Hinweis mit dem Bupropion (Wellbutrin) das habe ich ja bereits vor einem Monat abgesetzt, weil es bei mir auch vieles eher befeuert hat.
Viele Grüße!

x 2 #5


Greta__
Zitat von Anksiety:
@Greta__ Hallo, vielen Dank für deine Nachricht und die lieben Worte! 🌼 Zu deinen Fragen: Ich habe tatsächlich schon alle körperlichen ...

Dieser Overdrive muss aus deinem Körper raus, ich weiß wie schlimm sich das anfühlt.

Ich würde zeitnah mit dem behandelnden Arzt die Medikation besprechen und ändern. Dein Körper wird grad biochemisch gepusht, da hilft ja leider Atemtechnik, Meditation etc. nur kurzfristig.

Vielleicht auch eine Reha beantragen und/oder Therapie?

x 2 #6


A
@Greta__
Genau das ist der Punkt, es fühlt sich an, als würde mein Körper biochemisch ständig Vollgas geben, egal was ich mental versuche.

Über eine Reha habe ich tatsächlich schon nachgedacht, aber ehrlich gesagt ist mein größtes Ziel, endlich wieder stabil arbeitsfähig zu werden. Ich würde das Problem lieber „ambulant“ lösen und einen Weg finden, der mich im Alltag wieder funktionieren lässt, statt mich für Wochen komplett auszuziehen... auch wenn ich weiß, dass es so momentan nicht geht.

Mich würde brennend interessieren: Hat jemand von euch schon mal so eine massive körperliche Symptomatik (Zittern, Starre, totale Überreizung) gehabt und was hat euch am Ende wirklich geholfen, das Nervensystem „abzukühlen“? Gab es bei euch vielleicht eine spezifische Medikation oder Kombination (vielleicht auch im Bereich Neuroleptika zur Dämpfung), die den entscheidenden Unterschied gemacht hat?

Ich habe das Gefühl, dass ich mit den Standard-Sachen bei mir nicht mehr weiterkomme.

x 1 #7


Greta__
Zitat von Anksiety:
@Greta__ Genau das ist der Punkt, es fühlt sich an, als würde mein Körper biochemisch ständig Vollgas geben, egal was ich mental versuche. Über ...

Ja ich hatte das. 1:1 plus Angst, Panikattacken, Konzentrationsprobleme, total fahrig und das Gefühl verrückt zu werden.

Bei mir wurde das durch das Bupropion getriggert sowie Schilddrüse. Seitdem das Bupropion weg ist, Schilddrüsenhormon angepasst, ist es runter gefahren.

Deshalb ist ja mein Rat unbedingt die Medikation besprechen und ändern.

Vertrau da deinem Bauchgefühl.

x 2 #8


S
Zitat von Anksiety:
Mich würde brennend interessieren: Hat jemand von euch schon mal so eine massive körperliche Symptomatik (Zittern, Starre, totale Überreizung) gehabt und was hat euch am Ende wirklich geholfen, das Nervensystem „abzukühlen“? Gab es bei euch vielleicht eine spezifische Medikation oder Kombination (vielleicht auch im Bereich Neuroleptika zur Dämpfung), die den entscheidenden Unterschied gemacht hat?

Ja, hatte ich über Monate. In der schlimmsten Phase habe ich ein paar Wochen Benzodiazepin genommen, da war der Spuk recht schnell vorbei. SSRI wurde versucht, hat aber alles eher schlimmer gemacht. Dann eine Zeitlang Opipramol 150mg am Anfang, was mir sehr gut geholfen hatte und ich wieder "normal" wurde. Viel Bewegung in der Zeit hat auch geholfen, bin seeehr viel Rad gefahren.

x 3 #9


Greta__
Zitat von silberauge:
Ja, hatte ich über Monate. In der schlimmsten Phase habe ich ein paar Wochen Benzodiazepin genommen, da war der Spuk recht schnell vorbei. SSRI ...

Ja, SSRI können heftig pushen.

Opipramol habe ich schon von gehört, dass soll ja gut "runter holen".

x 2 #10


Feuerschale
@Anksiety ich kenne diese Gefühle auch, auch dass sie dann wochenlang so gipfelweise da sind und dann alles nur noch durchrauscht, lähmt und pusht gleichzeitig, geht in die Motorik, Gleichgewicht, depressiver Druck usw.

Trotzdem weiß ich nicht ob das alles vergleichbar ist, weil jeder Mensch ja am Ende doch anders tickt.

Was auch schon die Vorschreiber sagten, denk ich dass diese Mischung aus antidepressiv und deckeln im Medikament stimmen muss. Und in einer akut Phase helfen auch keine sanftere Mittel mehr so wirklich, weil der Körper da schon umgeschaltet hat

Wenn alle Stricke reißen müsste da vielleicht sogar eine Akutbehandlung, Klinik o ä her...also dass ist so das, was ich als Vertrag mit akut intervenierenderen Psychologen ausgearbeitet hatte. Bin allerdings auch ein großer Klinikschisser und hab Angst dass das System da und die Reize da mir eher schaden als nützen.

Wann immer es geht versuche ich auch irgendwie runterzukommen mit Atem, social Media Entzug oder Schlaf, wobei in der ganz akuten Phase alles so hoch gedreht ist dass dann an Schlaf kaum zu denken ist. Aber wenn du vielleicht etwas schlafanstoßendes nimmst, vielleicht bringt das so nach und nach runter.

Ich hab bei mir kein Kontrollgefühl, wann der Schalter von unerträglich und hochgepusht zu geht jetzt so wieder umswitched.
Aber Schlaf macht oft was aus...Allerdings war es in den akuten Phasen so dass Schlaf dann iwann halbwegs ging mit Medis, und der Wachzustand ein einziger Alptraum war und das Nervenkostüm wieder nur im Alarm Druck Brechzustand....also ich denke sowas solltest du dann schon mit deinem Psychiater besprechen....

Was kann dich akut dämpfen, und wenn das nicht hilft Plan B, wo kannst du konkrete Hilfe finden.
Irgendwie die Hoffnung hochhalten dass der Teufelskreis doch nochmal irgendwann endet. (und wie John Irving sagte - halte dich in der Zeit fern von offenen Fenstern)

Wünschenswert wäre so langfristig ja ggf auch eine Traumaaufarbeitung, dass das System grundsätzlich wieder mehr zur Ruhe finden könnte. Das ist aber nun auch ein längerer Prozess und man muss ja erstmal die passenden Stellschrauben finden..Und es muss auch erstmal ein sicherer Ort- Kontrolle gefunden werden....bei weiteren Triggern und Traumatisierung arbeitet man da ja gegen Windmühlen.

x 2 #11


S
Zitat von Greta__:
Opipramol habe ich schon von gehört, dass soll ja gut "runter holen".

Bei mir hat es gut gewirkt. Macht nur am Anfang ziemlich müde, aber das ging nach ein, zwei Wochen weg.

x 1 #12


Feuerschale
Zitat von silberauge:
Bei mir hat es gut gewirkt. Macht nur am Anfang ziemlich müde, aber das ging nach ein, zwei Wochen weg.

Das war mir in dem Moment auch egal. Wichtig ist, erstmal wieder Boden unter den Füßen zu kriegen und aus diesem Strudel dann rauszukommen. Bei mir bremste etwas das Quetiapin (NL) und als Bedarf hab ich noch Promethazin.

x 3 #13


A
@silberauge
Interessant, dass du das mit dem SSRI auch so beschreibst bei mir habe ich nämlich auch das Gefühl, dass es die Sache eher befeuert als beruhigt. Sport mache ich auch extrem viel, ich fahre auch sehr viel Fahrrad, um die Energie irgendwie loszuwerden, aber es hält leider immer nur ganz kurz an.

Tatsächlich wurden mir im letzten Gespräch mit dem Arzt auch Benzos empfohlen, eben weil bisher nichts anderes funktioniert hat. Da habe ich aber großen Respekt vor. Wie lange hast du die Benzos denn genommen und welche waren das bei dir? Man hört ja immer wieder, dass die auf Langzeit richtig abhängig machen können, was mir natürlich Sorgen bereitet. Hattest du Probleme beim Absetzen oder ging das durch das Opipramol dann gut?

#14


S
Also ich hatte Bromazepam genommen so ca. 4 bis 6 Wochen. Und das Opipramol dann ungefähr ab der dritten Woche dazu genommen. Dann das Bromazepam langsam ausgeschlichen, hatte keine Probleme damit. Wollte auch erst kein Benzo nehmen, aber es war dann wie das Erwachen aus einem bösen Traum und mit ging es schon nach ein paar Tagen deutlich besser. Dauerhaft sollte man die Dinger natürlich nicht nehmen.

x 1 #15


A
@silberauge Vielen Dank für deine Rückmeldung, das hört sich wirklich gut an und gibt mir ein bisschen Hoffnung.
Ich werde das am Montag auf jeden Fall genauso bei meinem Arzt ansprechen.

Ich habe mittlerweile auch das Gefühl, dass ich ohne Benzos als „Feuerlöscher“ am Anfang wahrscheinlich nicht mehr weiterkomme, um diesen extremen Kreislauf erst einmal zu durchbrechen. Es ist ermutigend zu hören, dass das Ausschleichen bei dir mit der Unterstützung von Opipramol so gut funktioniert hat.

#16


A


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Mira Weyer
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