@TomLoane
Dass du dir so Sorgen machst – das zeigt, wie sehr du deine Mutter liebst. Und das ist was Schönes. Aber was du gerade erlebst, ist genau dieser brutale Moment, in dem Liebe an ihre Grenze stößt. Weil: Du kannst ihr nicht abnehmen, was sie selbst nicht will. Du kannst sie nicht retten, wenn sie nicht gerettet werden will. Und ja, das zerreißt einen innerlich.
In einem alten Beitrag hast du schon mal etwas über deine Mutter geschrieben:
Zitat von TomLoane: Sie jeden Tag zu sehen wie Sie depressiv rumläuft, noch kränker wird macht mich fix und fertig. Sie muss wegen dem Herzen Tabletten einnehmen, gegen Depressionen Antidepressiva und auch wegen Bluthochdruck. Sie nimmt nichts mehr ein. Gestern habe ich alles versucht dass sie wenigstens eine Nimmt. Keine Chance.
Zitat von TomLoane: Sie sagt es sei Ihr egal was passiert sie will es nicht. Ich leide extrem darunter weil ich JEDEN tag angst habe es würde Ihr passieren.
Aber die harte Realität ist: In Deutschland darf jeder Mensch selbst über seinen Körper entscheiden. Auch dann, wenn’s von außen betrachtet völlig verantwortungslos aussieht. Wenn deine Mutter sagt, ihr ist es egal, was passiert – dann ist das nicht nur unfassbar egoistisch, sondern auch eine Entscheidung, die du erstmal nicht ändern kannst. Das Einzige, was du tun kannst: Da sein. Hilfe anbieten. Und dann auch wieder zurücktreten, wenn sie die Hilfe ablehnt. Nicht weil’s dir egal ist – im Gegenteil. Sondern weil du kapierst: Ich kann nur meine Verantwortung tragen, nicht ihre gleich mit.
Und ich sag dir noch was – auch wenn’s richtig wehtut: Es ist nicht deine Aufgabe, stark für sie zu sein. Du darfst verdammt nochmal heulen. Du darfst zusammenklappen. Du darfst dir Hilfe suchen. Weil das hier ist viel zu viel für einen Menschen allein. Und du versuchst seit Tagen, da irgendwie durchzukommen, während sie dir mit einem „Mir geht’s gut“ die Tür vor der Nase zuschlägt.
Sie ist erwachsen. Du bist nicht ihr Vormund, nicht ihr Arzt, nicht ihr Therapeut. Du bist ihr Kind. Und als Kind hast du jedes Recht, am Boden zerstört zu sein, wenn du zusehen musst, wie sich jemand selbst kaputtmacht. Aber du hast auch das Recht, irgendwann zu sagen: Ich hab alles versucht. Und jetzt muss ich mich selbst schützen, weil ich sonst an ihrer Selbstzerstörung mit untergeh.
Mach dir klar: Du hilfst ihr nicht, indem du dich mit kaputtmachst. Du hilfst, indem du klar bleibst. Und für dich sorgst. Auch wenn das vielleicht bedeutet, einen Schritt zurückzugehen. Auch wenn’s sich falsch anfühlt. Aber es ist der einzige Weg, wie du diesen Wahnsinn überstehst, ohne selbst darin zu zerbrechen.
Und falls du dich fragst, ob man sie gegen ihren Willen ins Krankenhaus bringen kann: Nur wenn jemand psychotisch, akut verwirrt oder suizidal ist – also sich selbst oder andere ernsthaft gefährdet – greift eine Zwangseinweisung. Wenn sie bei klarem Verstand ist und bewusst ihre Medikamente verweigert, dann greift der Staat nicht ein. Auch wenn das für Angehörige unfassbar schwer auszuhalten ist.
Sie hat das Recht dazu, Medikamente und Behandlung zu verweigern.Und du "musst" lernen damit zu leben und sie "ihr Ding" machen zu lassen. Weil du wirst sie nicht mehr ändern. Sie hat sich entschieden ihr Leben so zu leben, wie sie es lebt.
Auch wenn meine persönliche Meinung ist, dass es schon ne Sauerei deiner Mutter ist, dir das im Zusammenleben so unter die Nase zu reiben.
Mein guter Rat:
Zieh aus. Bau du dir dein Leben auf. Und lebe du dein Leben so wie du es möchtest. Weil genau das macht sie auch.
Ich rede nicht von Kontaktabbruch, sondern von gesunder Distanz, die du aufbauen solltest.