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Ilovechocolate

09.01.2015 08:07 • 30.11.2019 #1


37 Antworten ↓


Meine Therapie ist das Leben:

die Einstellung, der Sport, die Musik, Entspannungen, Kontakte, ein Medikament, und mein Denken....

Ich habe mit Depressionen, Panikgefühlen unter Menschen, und Überreizungsgefühlen zu kämpfen. Klinik hat alles schlimmer gemacht, die Psychotherapie bringt mir was, ist aber nicht von alleine ausschlaggebend. Sie dient eher zum Reflektieren und Planen, Umsetzen muss ich das im Alltag.

Das Medikament hilft gegen die morgendliche Traurigkeit. Der Sport tut in jeder Hinsuicht gut. Musik macht glücklich und ist mittlerweile eine Leidenschaft geworden und somit auch ein Lebenssinn. Die Entspannungen helfen gegen das Gefühl durchzudrehen. Kontakte sind schwer auszuhalten, tun aber in jeder Beziehung gut. Und last but not least - ich bin positiver geworden, was die Lebensqualität verbessert und mich auch zum Ausprobieren neuer Dinge gebracht hat.

Unter dem Strich würde ich sagen, dass die Beschwerden besser werden, je stabiler ich insgesamt bin. Und dass ich damit wesentlich besser leben kann. Ein normales Berufsleben ist zwar genauso unmöglich wie das Gründen einer Familie oder ähnlichem, aber mir geht es zumindest nicht so schlecht.

Ich denke an das Gute und bleibe bei mir und meinem Leben ohne mir einzureden, dass ich wie andere leben muss. Freue mich auf den Sport und die glücklichen Stunden danach vorm Fernseher. Freue mich auf das Spielen und Singen von scvhönen Liedern. Freue mich darauf meine Mutter zu besuchen oder mit Bekannten kickern zu gehen.

Ich mache täglich ein kleines Programm: Bude aufräumen, Pflichten für den Tag erledigen, lesen, entspannen, Sport, Musik, und mindestens 1 x nach draussen bzw. unter Menschen. Jeden Morgen gehts mir schlecht und dann nach jeder Tätigkeit etwas besser. Ab Nachmittags gehts mir relativ gut.

Was mir derzeit zu schaffen macht ist der Winter, aber ansonsten gehts. Und ich merke, dass ich und mein Leben sich zum Positiven verändern. Das freut mich und solange ich mich über kleine Schritte freue, kann ich mich ja freuen .-)! Schwarzmalerei und Gehenlassen macht alles nur schlimmer und bringt nix. Wenn man das begruiffen hat, kann man aus jeder Situation etwas Schöneres machen.

Und wenn das denn mein Leben sein soll, dann ist es halt so.

09.01.2015 11:58 • #2


Ilovechocolate
Klingt nach einer guten Struktur, was du dir da aufgebaut hast!

Ich gehe seit drei Jahren zur Psychotherapie aber ich bin gerade an einem Punkt an dem ich nicht weiß ob es wirklich sinnvoll ist...
Nehme auch Tabletten seitdem hat sich meine soziale Phobie etwas gebessert, PAs auch, nur die Derealisation ist immer noch so aktuell...

Sport habe ich früher viel gemacht, nur die Derealisation macht alles so unerträglich =(

11.01.2015 09:56 • #3


Misfire
Gegen meine Ängste, soziale Phobie und PA hat mir eine stationäre, kognitive Verhaltenstherapie sehr gut geholfen.
Viele Konfrontationen, war sehr heftig aber es hilft und man hat nachhaltige Strategien um weiter dran zu bleiben.
Danach regelmäßig ambulante Sitzungen min. 1x im Monat.....und natürlich viel Geduld, Rückschläge werden deutlich weniger.

Leider hat sich zwischenzeitlich die Depression verstärkt, als mir die "verplemperte" Zeit (viel kaputt gegangen) bewusst geworden ist.
Hätte viel früher eingreifen sollen, aber wer gesteht sich schon so schnell etwas ein und akzeptiert diese Formen von Krankheit.
Vor allem in einem lebhaften Umfeld nicht.

Jetzt eben versuchen wieder ambulant und mit Medis die Depression zu bewältigen, wird nicht einfach.
Bin froh das Medikament reingekämpft zu haben.....zwar müde, aber teilweise schon sehr entspannte Stunden, wie seit vielen Jahren nicht mehr.

so früh wie möglich alles was geht ausschöpfen, nicht warten....diese Empfehlung lege ich allen ans Herz, auch wenn dieses eh schon manchmal
danebenpumpert.

11.01.2015 10:53 • #4


Ich bin ja der Meinung, dass sich die Beschwerden nicht wegzaubern und auch nicht wegtherapieren lassen. Man kann nur daran arbeiten insgesamt stabiler und ausgeglichener zu werden. Dadurch bessert sich manches und man kann vor allem besser damit leben.

Meine Panikgefühle beim Einkaufen in den Kassenschlangen hab ich immer noch, aber sie sind etwas besser auszuhalten und dadurch dass ich erst Abends einkaufen gehe (wenn nicht mehr soviel los ist) und mich ansonsten ganz ok fühle (wenn ich was tue), stört mich das nicht.

Ich denke eigentlich kaum noch darüber nach.

In der Therapie wird auch schon länger nicht mehr über Symptome gesprochen. Das ist alles bekannt un es geht eigentlich nur noch darum Positives zu reflektieren und aktuell auftauchende Probleme zu analysieren, die aber dann auch konstruktiv im Alltag von mir angegangen werden.

Weiss nicht wie ich das richtig erklären kann - ich konzentriere mich auf das, was möglich ist und auf das, was ich schaffe bzw. schaffen kann. Der Rest wird ausgeblendet. Werde immer damit leben müssen, aber das ist überhaupt kein Problem.

11.01.2015 14:46 • #5


Misfire
Gutes Beispiel, ich stehe zwischenzeitlich in der Kassenschlange und kann es geschehen lassen, keine Attacken mehr.
Ebenso bei anderen Situationen im Alltag, ohne Therapie, viel Zeit und Übung hätte ich das nie mehr geschafft.

Wie bei so vielem, da gibt es wohl auch keine pauschale Strategie, da doch jeder anders tickt.

11.01.2015 15:58 • #6


Hi,
mir hat eine tiefenpsychologische Therapie geholfen bzw. eigentlich die Art über sich selbst nach zu denken, die ich da gelernt habe in Kombination mit der Konfrontation. Also, rein in die Angst und kucken, wo sie am stärksten ist oder wo sie weniger wird, was mich komplett aus der Bahn wirft, und dann überlegen, was das mit meiner Vergangenheit zu tun hat. Träume analysieren, sich erinnern, weinen...
Vor 8 Jahren hab ich mich kaum aus demm Haus gewagt, heute arbeite ich im sozialen Bereich

Es gibt natürlich immer noch Ängste, Teamsitzungen oder Liebesbeziehungen, aber Supermarktkassen machen mir Gott sei Dank keine Angst mehr.

Grüße, sub

14.01.2015 22:18 • #7


Ilovechocolate
@ sub1

Tiefenpsychologisch klingt gut, warst du bei einem Psychotherapeut? oder Heilpraktiker ?

An der Kasse geht es jetzt zur Zeit auch ganz gut, sind denke ich aber die Medis. Meistens auch die Tagesform.


Grüße

17.01.2015 16:33 • #8


War ein Psychotherapeut, ich hatte auch ziemliches Glück, dass er so gut gepasst hat (irgendwann muss man ja auch mal Glück haben ). Ich denke es ist die nachhaltigste Therapieform, ich hab halt jetzt keine Angst vor einem Rückfall oder so, weil ich meinen Keller kenne. Aber es ist schon ein mühsamer Weg ohne schnelle Erfolge. Ein Schritt nach dem anderen und dann wieder zwei zurück.

Ich nehm auch immer noch Medis, dosier jetzt aber im Halbjahrestakt runter, inzwischen bin ich bei einem Drittel der Dosis, die ich vor ein paar Jahren hatte.

17.01.2015 21:44 • #9


shg-admos
Mir hat die dialektische Verhaltenstherapie in Bad Bramstedt sehr geholfen. Ich bin jetzt 7 Wochen hier und es passiert was
Kann ich nur empfehlen....

20.01.2015 19:51 • #10


Was ist eine dialektische Verhaltenstherapie? Bist du in einer Klinik? Gut, dass was passiert!

21.01.2015 13:52 • #11


Carsten1974

18.11.2019 19:46 • x 1 #12


Hallo Carsten,

ich hoffe ich kann mich an dieses Thema dranhängen. Denn ich bin auch auf der Suche nach Therapien oder Erfahrungen zu Medikamenten bei einer generalisierten Angststörung.

Ich nehme seit 3 Monaten 50-50-50 Pregabalin also Lyrica. Ich habe bereits jetzt das Gefühl, dass die Wirkung nachlässt und ehrlich gesagt habe ich großen Respekt davor dieses Medikament weiter hochzudosieren. Jeder Mensch reagiert anders auf Medikamente, aber es sind schon sehr viele die davon berichten dass die Wirkung nachlässt...

Aber abseits der Medis, wäre ich wie gesagt auch an Therapie Meinungen interessiert.

LG

18.11.2019 19:55 • x 1 #13


Berggeist
Hallo Carsten,
seit 4 Jahren kämpfe ich mit einer generalisierten Angststörung.
Nach diversen Therapieversuchen, Psychosomatischer Reha und unterschiedlichen Medikamenten bin ich seit knapp 2 Jahren bei Pregabalin gelandet.
Begonnen habe ich Anfang 2018 mit 100 mg/Tag. Dadurch hat sich kaum was gebessert, nur die Intensität der Angstphasen ist zunächst etwas schwächer geworden. Ich hatte nach einem guten Jahr das Gefühl, daß die Wirkung nachläßt und mußte immer mal noch 0,5 Tavor zusätzlich nehmen.
Seit August 2019 bin ich bei 150 Pregabalin. Seitdem sind die Angstanfälle seltener geworden, dafür aber kurz und heftig. Mit kurz meine ich so etwa 12 - 18 Stunden.

Eine Hilfe ist für mich großen Sportmuffel tatsächlich Bewegung! Wenn möglich gehe ich in's Grüne oder einfach dahin, wo ich möglichst wenig bekannte Leute treffe. (Bin in meiner Stadt bekannt wie ein bunter Hund.) Für Mistwetter habe ich mir ein "Zimmerfahrrad" gekauft und benutze es gelegentlich. Das hilft! Wenn ich mich bewege, spüre ich, daß ich lebe.

Zum Abschalten und körperlich auspowern habe ich mir einen Schrebergarten gepachtet und komme dort tatsächlich komplett runter. Beim Buddeln und Werkeln hatte ich bisher noch nie! Angstanfälle, es geht mir körperlich hervorragend und der Kopf wird herrlich frei.

Ich habe im Alltag die gute Erfahrung gemacht, daß ich besser mit den Angstphasen klarkomme, wenn ich nicht versuche sie zu verbergen oder zu verdrängen. Wenn ich z.B. kurzfristig eine Einladung ausschlagen muß weil es mir gerade besch...en geht, suche ich keine Ausrede mehr sondern sage, daß ich gerade in einer solchen Phase bin und lieber nicht komme.
In meiner beruflichen und privaten Umgebung gibt es noch ein paar Menschen, die ebenfalls unter einer ähnlichen Angststörung leiden und sich mir gegenüber geoutet haben. Der Austausch mit ihnen hilft sehr. Allein schon das Wissen darum, daß nicht jeder von uns der / die einzige Betroffene in der Stadt ist, ist sehr hilfreich.

19.11.2019 21:07 • x 2 #14


Hallo!
Habe zu spät gesehen, dass es nur um Angststörungen geht, deshalb wieder gelöscht.
Hast du schon Antidepressiva probiert?
Liebe Grüße

19.11.2019 21:16 • #15


Carsten1974
Zitat von Berggeist:
Eine Hilfe ist für mich großen Sportmuffel tatsächlich Bewegung! Wenn möglich gehe ich in's Grüne oder einfach dahin, wo ich möglichst wenig bekannte Leute treffe. (Bin in meiner Stadt bekannt wie ein bunter Hund.) Für Mistwetter habe ich mir ein "Zimmerfahrrad" gekauft und benutze es gelegentlich. Das hilft! Wenn ich mich bewege, spüre ich, daß ich lebe.


Bewegung, Sport, Yoga hilft mir tatsächlich auch sehr!

20.11.2019 11:43 • #16


Carsten1974
Zitat von nektarine:
Hast du schon Antidepressiva probiert?


Diverse...

Die, die Trizyklika, die für mich in Bezug auf die GAD in Frage kommen, haben aber sehr unangenehme Nebenwirkungen, also vor allem starke Tagesmüdigkeit, Gewichtszunahme und die Gefahr erhöhter Leberwerte. Alle anderen vertrage ich nicht wegen Restless Legs.

20.11.2019 12:02 • #17


Icefalki
Zitat von Carsten1974:
ich habe seit meiner Kindheit wechselnde Ängste, angefangen von der Angst vorm Alleinsein, bis hin zur Angst vor Krieg, Terror und der Klimakatastrophe


Also mit der Hintergrundsproblematik, dass du dich ausgeliefert fühlst. Dass andere Menschen in der Lage sind, dich zu vernichten und du null Möglichkeiten hast, das zu verhindern.

Woher kommt das?

20.11.2019 12:52 • #18


Carsten1974
Zitat von Icefalki:
Woher kommt das?


Vermute mal, weil ich 1. kaum Einfluss auf meine Eltern hatte, was die Erfüllung meiner Bedürfnisse anging und 2. meine Mutter immer wieder mit Suizid gedroht hat. D.h., ich war dem hilflos ausgeliefert.

20.11.2019 14:02 • #19


Icefalki
Zitat von Carsten1974:
Vermute mal, weil ich 1. kaum Einfluss auf meine Eltern hatte, was die Erfüllung meiner Bedürfnisse anging und 2. meine Mutter immer wieder mit Suizid gedroht hat. D.h., ich war dem hilflos ausgeliefert.



Eben, und deshalb überträgst du das auf Umwelt und Katastrophen. Man darf natürlich ein gewisses Unbehagen spüren, wenn man sieht, was gerade vor sich geht. Allerdings sollte man versuchen, dem nicht zuviel Raum zu geben und im eigenen Umfeld so leben, wie man sich wünscht, dass das alles tun sollten. Ich denke, mehr geht als einzelner nicht.

20.11.2019 15:39 • #20




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