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Herzenswaerme
Moment mal, wie bitte hat das "Team" der Gemeinschaftspraxis bitte rausbekommen, dass Du auf der Suche nach einem neuen Arzt bist? Die Ärzte haben doch ganz bestimmt nicht die Zeit, um jeden einzelnen Patienten über Facebook zu durchleuchten. Oder liege ich falsch?
Und wozu benötigt man noch eine Überweisung für den Rheumatologen? Ich dachte, Überweisungsscheine seien abgeschafft worden, es sei denn, man ist im Hausarzt-Modell; zumindest ist mir das erst kürzlich so telefonisch mitgeteilt worden.
Eins kann ich Dir sagen: auch ich habe bereits am eigenen Leibe festgestellt, dass Ärzte extrem negativ reagieren, sobald man auch nur den Hauch von Kritik anbringt bzw. etwas, was nur ansatzweise danach klingen könnte. Beispiel: ich war über Jahre hinweg in einer gynäkologischen Praxis, dort musste ich jedes Mal privat für eine Untersuchung zahlen, nachdem Auffälligkeiten in der Brust festgestellt wurden usw. Das erste Mal war ich so in Panik, dass ich deswegen sogar in die Klinik gerannt bin, obwohl mich normalerweise KEINE 10 PFERDE in ein Krankenhaus bringen. Und natürlich ließ man sich zuvor immer mit der Unterschrift bestätigen, dass man diese Untersuchung auch so gewünscht hat. Natürlich hat man sie "gewünscht", da es hier schließlich um die eigene Gesundheit geht. Irgendwann kam der Brief zweimal im Jahr nach Hause und es waren jedes Mal mehrere Hundert Euro, also habe ich mir "erlaubt", nachzufragen, warum diese Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen werden, wenn die Untersuchung doch jedes Mal angeraten wurde. Die Mitarbeiterinnen verwiesen - natürlich - auf die Ärztin und die Krankenkasse äußerte auf Nachfrage, dass diese für die Untersuchungskosten aufkommen werden, wenn die Ärztin diese zuvor als entsprechend notwendig begründet, was so natürlich nicht der Fall war. Ich war zuvor in der Gemeinschaftspraxis auch bei einem anderen Arzt, der sich für das "viele Geld" auch fast eine Stunde Zeit genommen hat, während sie, die Tochter, das Ganze eher in einem 15-Minuten-Takt abhandelte. Anscheinend war das Nachhaken wegen der Kosten schon "zu viel", weil man danach plötzlich mit mir als Patientin ganz anders umging, viel distanziertet und ja, einfach merkwürdiger. Plötzlich bekam ich erst nach Monaten wieder einen Termin, musste in der Praxis ewig warten und während des Gesprächs kam ständig jemand rein, was ich als Patientin sehr unangenehm empfand. Und der Hammer war dann noch, dass man mich auf dem gynäkologischen Stuhl hat "hängen lassen", während die Ärztin aufgrund eines angeblich dringend Termins aus dem Zimmer gegangen ist, was man mir aber nicht gesagt hat. Ich hab mich zum Schluss dort einfach so unwohl gefühlt, dass ich die Praxis gewechselt habe.

12.07.2021 12:05 • x 1 #21


Xanaxdu
@Herzenswaerme Vielen Dank für die Antwort, die mir bestätigt, dass ich nicht ganz allein so dastehe. Man fängt ja irgendwann an, an sich selbst zu zweifeln. Gerade war ich in einer anderen Praxis, die Ärztin ließ durchblicken, dass es ihr lieber wäre, wenn ich nicht wiederkomme...
Offenbar hat eine der Arzthelferinnen in der Gruppe einen Account unter einem Fake-Namen. Ich denke tatsächlich auch nicht, dass der Arzt selbst eine "Vanity Search" macht oder die Gruppen nach Kritik durchsucht. Aber hier ist alles sehr spießig-dörflich, vermutlich hat eine der 4 Damen meinen Eintrag gesehen und "gepetzt".
Bei der Ärztin, die mich gerade auch herauskomplimentiert hat, kam auch deutlich die Einschätzung druch, dass ich -wenn ich nicht mehr bei dem Arzt bin, der "mein" Dorf versorgt- keine gute Chance habe, irgendwo als Dauerpatient aufgenommen zu werden. Sie hat ihren Kollegen auch verteidigt - ich müsste also schon mit veieln Lügen irgendwo aufschlagen: "frisch zugezogen" und am besten die psychiatrischen Diagnosen verschweigen, denn die haben auch für Irritation gesorgt.
Ich denke, ich versuche es jetzt in der nächsten Großstadt in einem MVZ (Medizinischen Versorgungszentrum). Denn eine Überweisung zum Rheumatologen habe ich immer noch nicht, und für's Asthmaspray hat es auch nicht gereicht, weil sie mein Cortison nicht in ihrem Computer fand.
Und Überweisung: das will der Rheumatologe so. Ohne Überweisung Termin absagen, das war klare Aussage.

12.07.2021 12:28 • #22



Kein Therapieplatz zu finden/Terminservicestelle sinnlos

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heartstowolves
Zitat von Xanaxdu:
Kernaussagen: 1. "Wir haben festgestellt, dass Sie in den sozialen Medien nach einer Ärzt*in gesucht haben, die noch freie Termine hat". Das stimmt - nachdem ich immer stärker das Gefühl hatte, dem männlichen Arzt in der Gemeinschaftspraxis 'lästig' zu sein, wollte ich sondieren, ob bei uns im Kreis überhaupt jemand neue Patienten annimmt. Damit habe ich aber noch lange keine Entscheidung getroffen, weil die weibliche Ärztin in der Praxisgemeinschaft immer sehr empathisch war. 2. "Wir sehen uns außerstande, Ihre 'ausgeprägten' Anforderungen zu erfüllen." Das geht klar auf die Arzthelferinnen zurück. Ich habe nach wie vor Sorge wegen Corona, während die Praxis das Schild zur Maskenpflicht entfernt hat. Ich möchte die Praxis nur betreten, wenn unbedingt nötig. Für ein Rezept habe ich also von meiner KK einen Behandlungsschein für das gesamte Quartal bekommen - der aber nicht abzeptiert wurde. Also habe ich die Karte mit frankiertem Rückumschlag in den Briefkasten der Praxis geworfen. Und statt eines Rezeptes bekam ich die Aufkündigung der Behandlung


Zitat von Xanaxdu:
Offenbar hat eine der Arzthelferinnen in der Gruppe einen Account unter einem Fake-Namen. Ich denke tatsächlich auch nicht, dass der Arzt selbst eine "Vanity Search" macht oder die Gruppen nach Kritik durchsucht. Aber hier ist alles sehr spießig-dörflich, vermutlich hat eine der 4 Damen meinen Eintrag gesehen und "gepetzt".


Zitat von Xanaxdu:
Bei der Ärztin, die mich gerade auch herauskomplimentiert hat, kam auch deutlich die Einschätzung druch, dass ich -wenn ich nicht mehr bei dem Arzt bin, der "mein" Dorf versorgt- keine gute Chance habe, irgendwo als Dauerpatient aufgenommen zu werden.

Mal völlig wertfrei und ohne es angreifend zu meinen: wie gibst du dich, wenn du bei Ärzten bist?

Ich lese bei deinen Beiträgen auch der Suche betreffend nur negatives und anklagendes. Es kommt rüber, als wären nur die anderen Leute schuld und hätten keine Ahnung, von dem was sie tun.

Zu dem Thema Behandlungsschein: Ein Arzt darf selber darüber entscheiden, ob er diesen geltend machen möchte oder nicht, dementsprechend kann er dies auch ablehnen, was man akzeptieren sollte. Hattest du nochmal versucht mit einem Gespräch bevor du die Karte hingeschickt hast?
Die Aufkündigung der Behandlung ist schon legitim und auch wenn es für dich blöd ist ein Recht der Praxis bzw. des Arztes.

Ich drücke dir die Daumen, dass du über das MVZ an deine Rezepte kommst.

12.07.2021 14:48 • x 1 #23


Xanaxdu
@heartstowolves Ja, Du wirst nicht Unrecht haben: Dadurch, dass ich ja seit meiner Kindheit krank bin, und dass ich erst mit 40 Jahren die passenden Diagnosen und den Versuch einer Behandlung bekam, waren Arztbesuche natürlich fast immer auch "Standpauken". 1985 konnte niemand mit Angst umgehen, da wurde man auch angebrüllt: "Stellen Sie sich nicht so an!". Oder: "Jemand wie Sie gehört zum Psychiater!". Das stimmt ja auch, war aber damals natürlich OHNE Erklärung pures Stigma und hat mich zittern lassen.
Dann kommt dazu: ich habe 10 Jahre verantwortlich in der Pflege gearbeitet - formal als Helfer - aber in der Praxis war ich in den 90er Jahren Stationsnachtwache. Und wurde von den Kollegen auf Augenhöhe behandelt und habe mich vor allem selber fortgebildet: Alles, was ich nicht wusste, habe ich hinterfragt, entweder alte Schwestern um Rat gebeten oder nachgelesen - damals noch aus Fachbüchern und medizinischen Lexika. Ich rede mit den Ärzten in ihrer Sprache. Und meine Angstkrankheit kenne ich besser als jeder ambulante Psychiater und noch sehr viel besser als ein Hausarzt. Du hast also recht: ich werde auf diese Leute zumindest ungewöhnlich wirken, eventuell auch verunsichernd. Und je nach Charakter halten sie das dann für angeberisch oder respektlos. Aber was soll ich machen? Ich kann nicht devot dumm spielen. Ich versuche zu zeigen, dass ich reflektiere und beide Seiten sehe. Aber natürlich will sich allein schon aus Zeitgründen niemand damit auseinandersetzen. Insofern hast Du den Punkt getroffen: Ich bin schuld an meinem Dilemma. Aber wenn Du mehr schlechte als gute Ärzte erlebt hast (und es gab sehr gute Ärzte, das kann ich sagen), dann wirst Du auch müde über das Ganze. Der beste Patient ist der brave Patient. Der "gehorcht". Dann habe ich wohl Pech und muss gucken, wie ich ohne Hausarzt klarkomme. Und bitte: das, was ich schreibe, ist von Traurigkeit getragen, nicht von Trotz. Glaube mir, ich bin sehr höflich, aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht, was ich weiß. Das klappt einfach nicht. Ich frage um Rat und nicht um magische Zaubersprüche. Mein Automechanikermeister muss auch nicht gebauchpinselt werden. Ärzte sind mehrheitlich fehlbar, haben (wie wir alle) Charakterschwächen und Empfindlichkeiten und müssen auch ihren Teil tun, um ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.

12.07.2021 15:06 • x 1 #24


heartstowolves
@Xanaxdu ich kann mir vorstellen, dass das früher noch unangenehmer war als jetzt, wenn man wegen psychischen Erkrankungen Hilfe sucht. Vielleicht ist es auch genau da der Knackpunkt.

Ich habe mit meiner Antwort keine Schuldsuche machen wollen, das kam wohl etwas falsch rüber.

Was mir aber so durch den Kopf geht:

Zitat von Xanaxdu:
Und wurde von den Kollegen auf Augenhöhe behandelt und habe mich vor allem selber fortgebildet: Alles, was ich nicht wusste, habe ich hinterfragt, entweder alte Schwestern um Rat gebeten oder nachgelesen - damals noch aus Fachbüchern und medizinischen Lexika. Ich rede mit den Ärzten in ihrer Sprache. Und meine Angstkrankheit kenne ich besser als jeder ambulante Psychiater und noch sehr viel besser als ein Hausarzt.

Ich bin selber auch aus der Medizin und auch schon aufgefallen, dass man zum einen Teil eine gewisse Anspruchshaltung gegenüber dem Arzt hat und/oder es durch missverstandene Kommunikation (ich schreib gleich nochmal was dazu) zu diesen Konflikten kommt.

Zitat von Xanaxdu:
Aber wenn Du mehr schlechte als gute Ärzte erlebt hast (und es gab sehr gute Ärzte, das kann ich sagen), dann wirst Du auch müde über das Ganze. Der beste Patient ist der brave Patient. Der "gehorcht". Dann habe ich wohl Pech und muss gucken, wie ich ohne Hausarzt klarkomme. Und bitte: das, was ich schreibe, ist von Traurigkeit getragen, nicht von Trotz. Glaube mir, ich bin sehr höflich, aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht, was ich weiß. Das klappt einfach nicht.

Das kann ich absolut nachempfinden, dass man müde davon wird. Es geht auch nicht darum, dass du der brave Patient sein musst und nur gehorchst - denn das musst du absolut nicht.

Ich schreib dir mal etwas ähnliches von mir, ich hoffe das ist verständlich (ich hab heut Gehirnnebel ohne Ende und falls manche Sätze verwirrend sind, einfach nachfragen):

Ich geh jetzt erstmal darauf ein, wo ich schrieb, dass das so negativ rüber kommt. Manchmal merken wir selber auch nicht, wie genau wir in dem Moment rüberkommen. Mir ist das selber an mir auch aufgefallen, dass ich mich über Ärzte aufrege oder denke ich werde schlecht behandelt aufgrund der vorherigen Erfahrungen. Unterbewusst zeigt sich das dann schon über die Gestik und alles. Dadurch kann es schon dazu kommen, dass sich die Ärzte/Behandler angegriffen fühlen. Und im Gegenzug steigt bei einem dann selber Frust und Traurigkeit, weil einem nicht geholfen wird, so wie man es sich wünscht. Das ist dann ein fortlaufender Teufelskreis.
Also ich kann dich da schon ein Stück nachvollziehen. Und es gibt natürlich auch schlechte Ärzte von Grund auf, keine Frage.
Ich glaube auch ein "Problem" ist, wenn bekannt ist, dass du Vorwissen hast. Da ist das Verhältnis schon etwas geknickter. Auch das hab ich schon selber erfahren und wird auch vermutlich so weitergehen.

Bei mir war es besonders schlimm, als ich vor knapp 3 Jahren ganz ekelhaften Drehschwindel hatte. Mein Hausarzt hat ohne mit mir zu reden den Psychostempel aufgedrückt. Ich hatte aber vorher einen Vorfall auf der Arbeit, der meine HWS geschädigt hat. Jeder Arzt schickte mich weg, weil es ja nicht davon kommen kann. Dann kamen Herzprobleme dazu. Pulsfrequenzen im Liegen von 110, beim Aufsetzen 140. Das hat mich dann tatsächlich irgendwann panisch gemacht. Ich war dann beim Kardiologen der mich auch mit den Worten "Name der Psychiatrie mach die Tore auf, Frau X sucht ein Zimmer" aus der Praxis geschmissen hat, weil ich im Wartezimmer solche Herzprobleme und Schwindel bekam, dass ich in Tränen ausgebrochen bin. Wenn man eben 5 Wochen lang dauernd umfällt usw. hätte man das verstehen sollen, dass man auch Angst hat. Ende vom Lied: Rauswurf aus der Praxis, 2 Tage später lag ich im KH auf der Überwachungsstation der Kardiologie. Vorhofflimmern, kurz vorm Herzinfarkt. Und wieso? Weil Wirbel verrutscht sind und die Muskulatur so auf das Herz gedrückt hat. Seitdem bin ich da noch misstrauischer, was Ärzte angeht.
Und genau das ist es eben...tief drin haben wir dann das Misstrauen und negative Denken, was dann beim nächsten Arzt unterbewusst rauskommt und es wieder schlecht läuft. Und das ist von mir kein Vorwurf oder eine Schuldzuweisung. Es ist ja irgendwo verständlich, man muss nur genau drauf achten, wenn man wieder in der Situation ist.

Meine Psychiaterin hatte mich da nämlich mal drauf angesprochen, weil ich völlig unterbewusst immer Grimassen gezogen hab (das war noch vor Corona) und abweisend dran saß. Seitdem mir das selber bewusst ist, laufen Gespräche auch viel besser. Vielleicht hilft dir das ja weiter.


Zitat von Xanaxdu:
Aber natürlich will sich allein schon aus Zeitgründen niemand damit auseinandersetzen.

Da gebe ich dir recht. Zwar ist unser Gesundheitssystem im Vergleich zu anderen recht gut aber genau da, wo es wichtig ist, nicht mehr.

Was ich noch fragen wollte: wieso möchte die Ärztin, wo du heute warst, nicht weiterbehandeln?
Dir steht Hilfe zu und da du auf Medikamente angewiesen bist, kann es doch nicht sein, dass du nichtmal die von ihr bekommen hast...das find ich traurig. Wenn man bedenkt, dass es einige Leute gibt, die Ärztehopping machen und gefühlt alles bekommen.

12.07.2021 15:42 • x 1 #25


Xanaxdu
@heartstowolves Es tut mir leid zu hören, dass auch Du diese "Luschigkeit" und das Hinweggehen über Patienten-Befindlichkeiten kennst. Mit Vorwissen können nur wenige Ärzte umgehen, die meisten möchten einem den Stempel "Dr. Google" aufdrücken - machen sich ein wenig lustig ("Sie dürfen nicht alles glauben, was Sie bei Wikipedia lesen") -. und dann erkläre ich Ihnen, wo sie die amerikanische Studie zum Thema finden, was sie nicht gern haben, denn von der haben sie noch nicht gehört. Ich habe soviele Unverschämtheiten aggressionslos eingesteckt, dass ich jetzt tatsächlich schon angespannt bin, bevor ich nur irgendwo hingehe. Das waren Sätze wie "Ach, Sie sind ja eher nicht der Typ, der die Medikamente, die ich Ihnen verschreibe, am Bahnhof verkauft". Oder: "Keine Sorge, sie können alles sagen, ich weiß ja, wo ich hier arbeite...." Oder (bei starkem Husten vor Behandlungsbeginn): "Ihnen ist klar, dass ich ab jetzt nicht mal 30 Euro für Sie bekomme?" Oder: "Sie schwitzen so stark, Sie sind vermutlich kein Simulant". Oder: "Sie sind so freundlich, das KANN nicht echt sein, wenn ich Sie nur anschaue, dann werde ich wütend. Ah, jetzt weiß ich, Sie sind passiv-aggressiv. Ich kann Sie nicht ertragen." Oder: "Ich mache doch für Sie nicht den Dro.". Oder: "Jetzt geben Sie es zu, ich habe Ihnen eine Packung 300mg Lyrica verschrieben, wieso wollen Sie jetzt nach der Hälfte der Zeit schon wieder ein Rezept?...Ach, ich sehe gerade, ich habe mich in der Zeile vertan, das war das Antidepressivum. Trotzdem! Sie müssen bei der Einnahme Disziplin wahren!". Oder: "Ach, jetzt sehe ich gerade, Sie sind ja der Herr x., da war ich im falschen Datensatz. Ups". Ich bin nun einmal mein ganzes Leben lang angstkrank. Wie zumindest vor 10 Jahren von GUTEN Ärzten in 6 Monaten Behandlung beschrieben wurde und dann vom habilitierten Gutachter der RV bestätigt - so dass ich innerhalb von 2 Jahren unbefristet verrentet wurde. Schwerbehindert bin. All das KÖNNTE man für mich in die Waagschale werfen, aber ca. 10 Jahre nach dieser Doppeldiagnose durch 2 international anerkannte Professoren gelte ich eher als nerviger Abhängiger. Ich bin müde. Und wie der Thread ja anfängt: Therapie will auch keiner machen. In der Tat wird es irgendwie an mir liegen. Ich weiß nur nicht, in welche Richtung ich mich verstellen soll. Eins weiß ich aber: was ich aus meiner Geschichte nicht kann, ist, den dummen braven Patienten geben, der sich für ein paar warme und wenig hilfreiche Worte bedankt. Mir wird wohl wirklich nur ein möglichst großes MVZ helfen (für die somatischen Sachen), wo ich jedes Mal einen anderen Arzt/eine andere Ärztin sehe. Dabei hatte ich mal eine Hausärztin, die hatte ich richtig gern. Allerdings war die ursprünglich Stationsärztin dort, wo ich während des Studiums jobbte. Die war immer offen für andere Interpretationen und hat immer betont: "Es ist Ihr Körper, Sie entscheiden".

12.07.2021 16:11 • #26


Xanaxdu
@heartstowolves Ach so, die Ärztin war nicht un-nett. Aber sie hat sich (wie alle) an der Angsterkrankung so lange festgebissen, dass ich gar nicht mehr zu meinen Schmerzen kam. Außerdem merkte man im Gespräch, wie das Interesse erlosch. Ich hatte einfach das Bauchgefühl, dass es nichgt klappen wird, und habe es ihr leicht gemacht, indem ich testweise sagte: "OK, dann lasse ich Sie in Ruhe", worauf sie sofort aufstand und mich ziemlich erleichtert zur Tür begleitete. Ein Rezept für 2 von 3 Medikamenten habe ich aber bekommen, das dritte kannte sie nicht.

12.07.2021 16:14 • #27


heartstowolves
@Xanaxdu ohman. Das ist einfach nur traurig zu lesen. Und macht mich auch etwas sauer.
Bei mir sind/waren es eher Sprüche wie "Man sieht Ihnen das nicht an", "Sie haben keine Ahnung", "Sie sind zu jung für dies und jenes". Ich hab auch von Geburt an einen Darmschaden mit OP und hab bis heute noch Beschwerden, da werde ich auch nicht für voll genommen.
Da ist es auch nicht verwunderlich wenn ich - und auch du - schon angespannt bei den Ärzten sitze. Egal wegen was.
Ich glaube, dass mit solchen Sprüchen die meisten Ärzte ihre Unsicherheit überspielen wollen - das richtige Verhalten ist das auf gar keinen Fall. Vorallem der Satz mit den Medikamenten am Bahnhof verkaufen ist so unfassbar unprofessionell.

Verstellen solltest du dich nicht müssen. Das macht ja auch wenig Sinn, finde ich. Sind die Erkrankungen, die deine Doppeldiagnose bilden, wenig bekannt?
Ich bin da gerade etwas fassungslos, dass man da jegliche Hilfe verweigert. Ich mein, klar, nicht jeder Arzt oder Psychologe kann bestimmte Probleme behandeln oder angehen ABER es sollte zumindest eine Weiterempfehlung kommen, an wen du dich wenden kannst. Es kann auch nicht sein, dass das aufgrund der Länge der Erkrankung keine Hilfestellung kommt. Es geht ja nicht um die vollkommene Heilung (je nach Erkrankung ist das ja auch nicht möglich) aber zumindest so, dass du Lebensqualität zurückbekommst.
Gibt es bei dir in der Nähe Spezialkliniken?

Zitat von Xanaxdu:
Aber sie hat sich (wie alle) an der Angsterkrankung so lange festgebissen, dass ich gar nicht mehr zu meinen Schmerzen kam. Außerdem merkte man im Gespräch, wie das Interesse erlosch. Ich hatte einfach das Bauchgefühl, dass es nichgt klappen wird, und habe es ihr leicht gemacht, indem ich testweise sagte: "OK, dann lasse ich Sie in Ruhe", worauf sie sofort aufstand und mich ziemlich erleichtert zur Tür begleitete. Ein Rezept für 2 von 3 Medikamenten habe ich aber bekommen, das dritte kannte sie nicht.

Das ist echt ohne Worte...auf der einen Seite gut, dass du wenigstens 2 Medikamente bekommen hast (wobei ich mich auch frage, wenn man ein Medikament nicht kennt gibt es die rote Liste?) aber trotzdem schlecht, weil ein Hausarzt fehlt.
Ich drücke dir echt die Daumen, dass du was im MVZ erreichen kannst und die dir auch gewillt sind, zu helfen. Und sei es nur, dass man dir geeignete Kontakte vermittelt.

12.07.2021 16:30 • x 1 #28


Icefalki
@xanadu , die Diskrepanz Wissen zu haben, aber gleichzeitig "Wissen" zu wollen führt zu deiner Problematik.

Verstehst du, was ich meine? Du schreibst auch, dass du äußerlich ohne Probleme wirkst, gleichzeitig aber sehr problemhaft sein kannst und das passt nicht in die Schnelligkeit heutiger Arzttermine.

Arbeite auch in einer Praxis und es fehlt hinten und vorne an Zeit, deswegen werden Patienten von hier bis nach Rom geschickt, damit irgendjemand was finden kann.

Berührt wird eh keiner, ach, lassen wir das, liegt echt am System.

Vielleicht reduzierst du Informationen und Erwartungen. Im System so mitspielen, dass du behandelt werden kannst und nicht rausgeworfen wirst. Solange du Medis brauchst, solange bist du auf Ärzte angewiesen.

12.07.2021 17:40 • x 1 #29


Herzenswaerme
@Xanaxdu Wie hoch ist Deine Lyrica-Dosis täglich, wenn ich das fragen darf? - falls du es hier irgendwann erwähnt haben solltest, dann tut es mir leid, dass ich nochmal frage -
Und bitte, was hast Du studiert?

Dass es Dir "auf dem Dorf" so mit den Ärzten ergeht, kann ich nachempfinden. Und Du kennst sicherlich den Spruch "Keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus" ...Mehr braucht man an dieser Stelle wohl nicht mehr dazu zu sagen. Mir tut es wirklich sehr leid, wie mit Dir umgegangen wird.

12.07.2021 18:01 • x 1 #30


Xanaxdu
@Herzenswaerme Ich nehme kein Lyrica mehr, weil es nach ca. 4 Jahren Einnahmedauer auch bei 600mg nicht mehr gegen die generalisierte Angst half. Ein Psychiater hat das dann auf Benzodiazepine umgestellt. Und ab dem Tag, an dem er es selbst freiwillig und in eigener Auswahl umgestellt hat, in die Diagnosen geschrieben: "Abhängigkeit von psychotrophen Substanzen". Da geht das für mich schon los mit dem gestörten Vertrauenverhältnis. Und ich habe nicht Medizin studiert, nur um das klarzustellen, ich war damals im Pflegenotstand der 90er eine begehrte Lückenbüßerkraft, weil man zu der Zeit 20 Monate Zivildienst mitbrachte. Ich will damit nicht angeben, aber zum Schluß meiner "Karriere" als Aushilfe hat man mich sogar auf die Intensivstation versetzen wollen, also war an meiner Arbeit vermutlich nichts auszusetzen. Das allerdings habe ich selbst ausgeschlagen, weil ich mich mit dem permanenten Druck "Auf Leben und Tod" überfordert sah. Auf "Normalstation" hatte man zwar auch ständig die Risikopatienten im Blick, aber wenigstens nicht jede Nacht eine maximale Verschlimmerung.
@Icefalki Da Du selbst aktuell offenbar in einer Praxis arbeitest: ich sehe durchaus, was das Medizinische Fachpersonal leistet, und wie schwierig es oft sein kann, mit Patienten umzugehen, die (anders als ich das von mir behaupte) ja auch penetrant sein können. Einfach fordernd ohne Anstand. Genau weil ich das ja selbst jahrelang erlebt habe, war mein Bemühen immer, die "Damen" freundlich und humorvoll zu behandeln, mich nach ihrem Befinden zu erkundigen, ein Schwätzchen zu halten, wenn sie Zeit hatten, sie zu bedauern in der Corona-Zeit. Und oft auch mir Wünsche zu "verkneifen". Umso mehr bin ich jetzt gefrustet, dass es zu dieser unangekündigten Aktion kam: denn die Helferinnen müssen zumindest beteiligt gewesen sein, irgendwer hat meine Suche nach einem Arzt mit freien Terminen weitergegeben, und dass ich zu hohe Ansürche hätte - das war ausschließlich in der Corona-Zeit mein Wunsch, Rezepte zugeschickt zu bekommen, um möglichst selten in die enge Praxis gehen zu müssen. Selbst das hatte ich mit frankierten Rückumschlägen vorbereitet - ich finde, es gibt da Patienten mit viel höheren Ansprüchen und vor allem einer höheren Besuchsfrequenz. Im Kern sind das aber alles nur Begleitfaktoren, es geht in erster Linie darum, dass der Arzt nicht gewillt war, sich kontrollieren zu lassen - wie ich das ja mit dem Anfordern von Patientenquittungen tue. Ich finde allerdings auch, dass dies nötig ist. Denn ich habe über die Quittungen Codierungen entdeckt, die nie besprochen wurden. Leber-, Nierenleiden. Vitaminmangel. Alles Dinge, die mir nie mitgeteilt, geschweige denn behandelt wurden.
Und ja, Du hast völlig recht: ich werde bei Hausärzten ab jetzt meine Psychiatrischen Diagnosen so weit wie möglich außen vor lassen. Und (entgegen meiner Art) weinerlicher und hilfsbedürftiger auftreten. Offenbar erwartet eine Mehrheit eingeschüchterte, gehorsame und stille Patienten. Ich finde es krass, dass man eine Rolle einnehmen muss, um dann (auch eine Rolle) professionelles Mitleid zu bekommen - was aber wenigstens zielführend ist: Rezept und Überweisung sind dann sicher.
@heartstowolves Meine Hauptdiagnosen sind jedem vom Hören bekannt, aber selbst niedergelassene Psychiater interpretieren sie oft falsch. Generalisierte Angststörung bedeutet aus Sicht vieler, dass man charakterlich ein "Kaninchen" ist. Tatsächlich ist es so, dass ich in einer gefährlichen Situation fast immer der Nervenstärkste bin: ich hatte schon einen bewusstlosen Nachbarn mitten auf der Straße liegen und habe einen Einbrecher verjagt. Um nur Beispiele zu nennen. Das funktioniert deshalb, weil meine "frei flottierenden Ängste" immer da sind, oder mich engmaschig überfallen. Ich habe quasi alles antizipiert: verschiedene eigene Todesarten, wie ich am Sterbebett meiner Frau sitze, Überfälle, Unfälle - all diese Katastrophen sind ständig vor meinem Auge, sozusagen, so dass ich (anders als Gesunde) gar nicht überrascht bin, WENN etwas passiert. Ich habe zwar Probleme mit Menschenmassen, engen Räumen, damit, meinen aufgedunsenen Körper andern zu zeigen. Aber insgesamt habe ich in den "unbehandelten" Jahrzehnten (früheste Angsterfahrungen datiere ich auf mein 4. Lebensjahr, also fast 50 Jahre zurück) gelernt, "Sicherheit" zu spielen. Das heißt, ich kann selbst unter größtem Stress noch eine Rolle spielen, und was mich dann höchstens verrät, ist mein Körper, der mit nicht fassbaren Schweißausbrüchen reagiert. Das war mein Glück, denn erst nachdem das der behandelnde Chefarzt einmal live gesehen hat, war ich wirklich glaubwürdig. Es ist dann so, dass der Schweiß vom Gesicht auf den Boden tropft, dass ich Hosen und sogar Sakkos durchschwitze, nicht nur unter den Armen, nein, komplett - als wolle alles Körperwasser sofort raus. Dabei habe ich (weil ja auch recht lange berufstätig) lernen müssen, z.B. eine Präsentation unbewegt weiterzumachen, so als sei ich gar nicht in meinem Körper drin.
Hausärzte und auch Psychiater können das nicht nachvollziehen, sie assoziieren mit Angst fast immer den kindlichen Rückzugsreflex. Und so ist die Krankheit zwar als Diagnose bekannt, aber kaum jemand versteht, was in mir abläuft. Deswegen benutze ich oft zur Erklärung die ebenfalls bestehende Diagnose "Posttraumatische Belastungsstörung" und verweise auf Afghanistan-Rückkehrer, die beim Anblick eines Kinderwagens in höchste Alarmbereitschaft fallen und kaum weiter können. DAS verstehen nämlich sogar Laien. Die zweite wichtige Diagnose ist eher langweilig: früher nannte man es "chronische Depression" - mein Opa väterlicherseits ist sogar an Depression gestorben. 1970 hat man ihn nicht behandelt oder behandeln können, ich erinnere mich dunkelst an einen bewegungslosen Mann, der gefüttert wurde - und er ist dann im Stupor in einer Psychiatrie an der klassischen Bettlungenentzündung gestorben.

13.07.2021 08:53 • #31


Herzenswaerme
@Xanaxdu Ich weiß nicht, ob es Dir hilft aber mir - als Frau - würdest Du die GAS ebenfalls nicht anmerken, weder die GAS noch die Depression.

Und generell ist es zwar leicht eine Diagnose zu verschweigen aber spätestens wenn es bei den Aufnahmefragebögen um die Medikation geht, ist es vorbei. Entweder man sagt die Wahrheit oder man lügt. Und wenn man keine Wechselwirkungen mit Medikamenten riskieren möchte, macht man die Angaben besser vollständig - und wenn das dann geschehen ist, kommen die Fragen der Ärzte ganz automatisch. Spätestens dann flog alles auf, in meinem Fall jedenfalls. Wobei ich dann aber zu hören bekam, dass eine Depression keine Krankheit ist, für die man sich heutzutage noch schämen müsste. Mit am schlimmsten empfinde ich, dass dann auch alle Beschwerden gleich auf die Psyche geschoben werden.

Ich finde es allerdings nicht in Ordnung, dass der Behandlungsvertrag auch Deiner Frau gegenüber mit aufgekündigt wurde.

13.07.2021 10:41 • x 1 #32


Herzenswaerme
Hm und mal eine Frage nebenbei: könnte es sich hier nicht um einen Verstoß gegen Verschwiegenheitsverpflichtungen handeln? Je nach dem, um welche Gruppe es sich dabei handelt aber normalerweise haben doch die Mitglieder untereinander Sachverhalte, die ihnen im Rahmen ihrer Gruppenmitgliedschaft bekannt werden, vertraulich zu behandeln und darüber zu jeder Zeit Stillschweigen zu wahren; anderseits denke ich, dass selbst dann, wenn man rausbekommen würde, um welches Mitglied es sich im Einzelnen handelt, das Dich hier "verpetzt" hat, es nur wenig Sinn machen würde, die Sache weiterzuverfolgen, denn dann würde der behandelnde Arzt eben einen anderen Grund "vorschieben", um Dich nicht weiterbehandeln zu müssen.

13.07.2021 13:12 • #33


Xanaxdu
@Herzenswaerme Ich habe in einer lokalen Facebook-Gruppe unter meinem echten Namen die neutrale Frage gestellt, ob es (was hier alles andere als selbstverständlich ist) evtl. eine Ärztin oder einen Arzt gibt, die sich neu niedergelassen haben und (anders als fast alle anderen Ärzte hier) noch Patienten annehmen. Das ist "geleaked" worden und wurde dann als einer von mehreren Gründen für den Verlust des Vertrauensverhältnisses angegeben. Der Versuch, über das Vertrauensverhältnis zu sprechen, wurde nicht gemacht.

14.07.2021 16:12 • #34


Herzenswaerme
@Xanaxdu Ich hoffe, Du findest schnell einen neuen Arzt. Ich hatte heute morgen auch schon wieder so ein "tolles" Erlebnis mit einer Hautärztin, ähnlich dem Deinen. Ich bekam vor einigen Wochen plötzlich Atemnot bzw. nachts einen schweren Brustkorb. Wollte zum Lungenfacharzt, nachdem es zum x-ten Mal aufgetreten ist. Als ich jedoch beim Lungenfacharzt anrief, bekam ich zu hören, dass zunächst einmal der Hausarzt in der Praxis anrufen solle und erst danach könne man mir überhaupt einen Termin geben, da man derzeit von Post-Covid-Patienten überlaufen sei. Der Hausarzt meinte daraufhin, dass ich zuerst eine Allergie bei der Hautärztin ausschließen sollte, bevor er die Lungenfachärztin anruft. Heute war nun der Termin. Die Hautärztin schnauzte mich an und meinte, dass man bei mir aufgrund von AD-Einnahme doch überhaupt keine Allergietests vornehmen könne. Das wusste ich aber nicht, hab lediglich getan, was der Hausarzt angeraten hat. Allergietests können bei meiner Medikation nicht durchgeführt werden. Sie fiel mir fast in jeden Satz und das wiederum erinnerte mich erneut daran, warum ich es so sehr hasse, zum Arzt zu gehen und davor jedes Mal Nächte nicht schlafen kann. Sie hat es mir praktisch wieder "bestätigt"' und damit meine Angst nur noch weiter genährt ... Mir ist jedenfalls wieder mal zum Heulen zumute. Und genau wie bei Dir, ließ sich mein Körper nichts von der Angst anmerken und jetzt falle ich zusammen wie so ein Häufchen Elend.

Ich nehme schon seit mehreren Jahren Lyrica und frage mich seit längerem nach dem eigentlichen Sinn, denn wirklich besser sind meine Ängste nicht geworden. Zudem habe ich Angst, dass ich davon irgendwann Alzheimer bekomme, denn etwas Derartiges war vor kurzem irgendwo in der Presse.

15.07.2021 11:33 • x 1 #35


Xanaxdu
@Herzenswaerme Ja, ich muss gestehen, auch nach so vielen Jahren "Übung" ist die Information, dass ein Alllergietest (also vermutlich "Prick") bei AD-Einnahme nicht geht, für mich völlig neu. Würde aber erklären, warum mein Prick-Test zu keinem Ergebnis führte, obwohl ich deutlich auf bestimmte Pollen und Hundespeichel reagiere. Das muss ich mal recherchieren. Schön, wenn ein Lungenfacharzt sowas nicht weiß (meiner), falls es stimmt. Der Lungenfacharzt meldet sich übrigens auch nicht zurück, obwohl ich Cortison brauche, also hat der wohl auch #longcovid-Blues.
Und ja, was so gemein ist, man ist durch die eigenen und BELEGTEN Krankheiten tatsächlich empfindlicher und meiner Ansicht nach auch schutzbedürftiger. Das ist dann nicht das Label "Extrawurst", wie ich das zu hören bekam, das ist so, als wenn man einen barrierefreien Zugang zur Praixs baut: man stellt sich auf die Behinderungen der Patienten ein. Aber selbst viele Psychiater haben einen maximalen Mangel an Empathie und Mitgefühl. Halt die Ohren steif!
Was Lyrica angeht: es hat mir in hoher Dosierung ein paar Jahre ähnlich gut geholfen wie Benzodiazepine. Allerdings weiß ich, dass viele Ärzte entgegen den Fachinformationen deutlich unter der empfohlenen Dosierung bleiben. Für Generalisierte Angst war diese meiner Erinnerung nach zwischen 300 und 600mg. Viele Patienten bekamen aber nur 50mg am Tag. Das ist dann unnötig, weil nicht so geplant und unwirksam. Ich hatte das Glück, in der Klinik Privatpatient zu sein, und der Professor hat deshalb nicht aufs Geld geschaut. Allerdings war die ersten zwei Jahre Lyrica noch im Patentschutz, und der niedergelassene Psychiater hatte damals schon mit den Kosten von mehr als 300 Euro im Monat ein Problem. Als dann die Generika rauskamen, entspannte er. Ich war allerdings am Schluss auch bei 600mg, und hatte bei 375mg begonnen.

15.07.2021 12:09 • #36


Xanaxdu
@Herzenswaerme Ach so, die Langzeitfolgen. Bei Lyrica habe ich das ab 2012 sehr verfolgt - während es in Deutschland mit kindlicher Euphorie verwendet wurde (vielleicht auch noch wird), war in den USA eine starke Klagewelle im Gang. In Deutschland hat so gut wie niemand Nebenwirkungen gekannt, in den USA wurde Millionenklagen rausgehauen. Das ist aber nur mit Vorsicht zu genießen: in den USA motivieren die Anwälte Patienten bzw. Mandanten allgemein ja zu abstrusen Schadenersatzklagen, weil sie ihre Honorare frei gestalten können - das ist geplantes Abkassieren. Und da wird dann auch dramatisiert.
Leider ist es so, dass ja fast alle Medikamente im Dauergebrauch zu Langzeitfolgen führen können, aber natürlich nicht müssen. Und alle paar Tage kommen neue schockierende Erkenntnisse hinzu, man liest dann etwas in der Presse, wobei es sein könnte, dass im Jahre 2021 ein deutscher Journalist einen amerikanischen Artikel aus 2013 als Vorlage verwendet hat. Also kann das auch nur Panikmache sein. Bei anderen Medikamenten weiß man ja, dass sie dauerhaft Puls oder Blutzucker erhöhen, die Leberwerte verändern. Letztlich müssten wir panisch in der Ecke sitzen, ohne Medikamente, um solche Langzeitfolgen zu vermeiden. Dann hätten wir aber gar keine Lebensqualität mehr. Dennoch hast Du mit Deinem Hinterfragen natürlich recht: auch ich würde heute vieles nicht mehr schlucken, weil es mir mehr Schlechtes als Gutes gebracht hat - das gilt vor allem für die Antidepressiva. Wobei ich damit bei Ärzten schon wieder gegen Wände laufe, weil die sich an ihren Leitlinien entlanghangeln und (ohne es selbst je erfahren zu haben) behaupten, das Medikament sei ausgesprochen verträglich. Wiviel Lyrica nimmst Du denn?

15.07.2021 12:20 • x 1 #37

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Herzenswaerme
@Xanaxdu 3 x 200 mg = 600 mg/Tag - schon seit vielen Jahren -. Und wenn ich jetzt merke, wie mein Herz nach dem Arzttermin hämmert, frage ich mich wirklich, ob das weiterhin einen Sinn macht mit dem Pregabalin. Citalopram habe ich vor kurzem schon auf eigene Faust abgesetzt, nachdem ich etliche Kilos zugelegt habe und mir dennoch alle Ärzte versuchen immer noch einzureden, dass mein Gewicht absolut im Normalbereich läge und die Zusatz-Pfunde dabei überhaupt keine Rolle spielen - hatte allerdings vorher Untergewicht und seit Beginn der AD-Einnahme ging es stetig nach oben -.

Im Übrigen lebe ich genau wie Du in einem Ortsteil "in dem man sich kennt", kann mir daher so richtig vorstellen, wie es Dir gerade mit dem Arzt geht (und dem Tratsch der "Damen"). Aus eigener Erfahrung kann ich ebenfalls bestätigen, dass es meistens so ist, dass man "im Ort" nichts gegen einen anderen Kollegen "im Ort" sagen würde ... aus diesem Grunde bin ich mittlerweile ebenfalls dazu übergegangen, Ärzte in der nahe gelegenen Großstadt aufzusuchen, weil es hier "vor Ort/auf dem Dorf" einfach nichts mehr bringt.

15.07.2021 12:43 • x 1 #38


Xanaxdu
@Herzenswaerme Ja, wenn 600mg letztlich nicht gespürt werden, dann wirken sie auch erst einmal sinnlos, gerade weil Lyrica/Pregabalin ja auch durchaus massive Nebenwirkungen haben kann. Die Frage ist: wie ist es ohne? Ich hatte ja letztes Jahr versucht, mein Alprazolan auszuspiegeln, weil ich die ganzen dummen Bemerkungen in Richtung: "Medikamentenabhängigkeit", "Dro.", "mangelnde Selbstkontrolle" leid war. Und ich kam recht heldenhaft auf 1/6 der Dosis runter - und dann ging es nicht mehr. Ärzte nennen das dann "Rebound" - was eine totale Verarschung ist aus meiner Sicht: was passiert denn? Man nimmt den Angstlöser weg, und dann kommt Angst zurück. "Rebound" impliziert, dass nach einem kurzen Wiederaufblitzen des Leidens dieses einfach weg ist. Warum sollte das so sein? Wenn ich die Zeit seit meinem 16. Lebensjahr anschaue, dann habe ich also 37 Jahre Angst gehabt, davon wurden 10 Jahre NACH Diagnosenstellung mit Lyrica und Alprazolam gedeckelt, und vorher von gnädigen Hausärzten mit irgendwelchen Benzos oder von mir selbst "klassisch" mit Alk.. Hauptsache funktionieren. Warum sollte jetzt ein Absetzen aller angstlösenden Medikamente dazu führen, dass ich nach einer kurzen "Rebound"-Phase GESUND bin? Diese Logik habe ich nie verstanden. Für viele Ärzte ist es einfach Dogma: keine Angstlöser! Aber dann ist es auch eine Aggression gegen den Patienten. Den man ja letztlich zum "eingebildeten Kranken" erklärt. Welche Alternativen gibt es? Laut Literatur die SSRI - haben bei mir Nebenwirkungen hervorgerufen, aber nicht den gewünschten Effekt Angstlösung und antidepressive Wirkung. SNRI - keine Angstlösung, aber massive Antriebssteigerung mit Selbstverletzung (unwillkürlich) - also zerbissene Lippe und vollkommen ausgefranster Fingernagel. Chirurgen waren nötig. Bliebe Buspiron, aber bislang hat jeder Psychiater dabei abgewunken. Gleichzeitig ist auch jeder Psychiater gegen Benzodiazepine.Ich fühle mich wirklich verloren in diesem Kreislauf. Was Dein Pregabalin angeht: mach still und heimlich einen Reduktionsversuch, in kleinen Schritten. Geht es Dir dann schlechter, dann weißt Du, dass Du es brauchst. Viel mehr fällt mir dazu leider nicht ein. Ich fand es 4 Jahre lang wirksam.

31.07.2021 00:27 • x 1 #39



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Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf