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Kirsche1
Hallo!

Ich hatte wieder einen ziemlichen Rückfall, nachdem ich eigentlich dachte das es langsam bergauf geht. Aber irgendwie kommt mir meine Zwangsstörung jetzt um einiges schlimmer vor als vor dem Rückfall. Mittlerweile zweifle ich ja wirklich an allem was mir so durch den Kopf geht und das grübeln nimmt kein Ende. Angst zum Soziopath zu werden/oder schon einer zu sein, Schizophren zu sein/werden, so im Grunde alle Krankheiten die mit Kontroll und Realitätsverlust zu tun haben. Wieder mal riesige Angst meinen Freund und meine Tochter nicht mehr zu lieben, gar zu hassen. Dann kommt wieder dieses Abneigungsgefühl das mir innerlich einfach unfassbar weh tut. Dazu kamem jetzt die Impulse einfach loszuschreien, fühlt sich so an, als würde mir ein Schrei fast dauerhaft im Hals stecken. Dazu kommt natürlich wieder die Angst die Kontrolle zu verlieren, denen Menschen die mir am liebsten sind etwas anzutun. Und fast dauerhaft bin ich davon überzeugt ein schlechter Mensch zu sein, was böses in mir zu haben. Und es fühlt sich so dermaßen real an gleich auszuflippen oder durchzudrehen, das ich nicht mehr einschätzen kann ob es meine Angst- und Zwangsstörung ist. Noch dazu kommt das ich sehr schnell gereizt reagiere. Jetzt da fünf Wochen die Schule erstmal ausfällt, ist meine Tochter dauerhaft bei uns, was ich an sich absolut nicht schlimm finde. Aber die Angst und die Impulse sind wirklich schrecklich momentan. Gehört das alles noch zu der Angst- und Zwangsstörung ? Oder geht das schon in eine andere Richtung ? Sind Rückfalle immer schlimmer als es zuvor war ?

17.03.2020 20:26 • 18.03.2020 #1


8 Antworten ↓


cube_melon
Eine Diagnose als Nicht-Arzt und so aus der Ferne zu stellen ist de Fakto unmöglich.

Die erste Frage die sich mir stellt ist, ob Du mit dieser Form/Anzahl der Symtome und Leidensdruck in Behandlung bist und ob da schon eine Diagnose gestellt wurde.

Das dies alles verunsichernd sein kann verstehe ich durchaus. Bis man die Diagnose Schizophrenie bekommt muss schon einiges vorliegen. So lange Du nicht wie bei "The Sixth Sense" jemanden anflüsterst mit "Ich sehe tote Menschen", halte ich das für unwahrscheinlich.

Den Zwangsgedanken den Liebsten was anzutun habe ich schon in einigen Threads gelesen. Damit umzugehen ist eine Herausforderung.
Woher das kommt kann unterschiedliche Ursachen haben. Angefangen von Kindheitstraumata bis hin zu Persönlichkeitsstörungen.

Rückfälle kann man nicht pauschalisieren. Aber Stress und eine, der Diagnose unangepasste Lebensweise, können Faktoren dafür sein. Wie intensiv das ist kann keiner in dem Moment sagen. Dabei spielt auch das eigene, subjektive Empfinden eine große Rolle. Wenn man eine Weile Symptomfrei ist, kann sich das verstärkt anfühlen, ob wohl das nicht der Realität entspricht.
Das Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber den Rückfällen ist da auch nicht wirklich hilfreich.

Was ich dir raten kann ist da umgehend und der Situation angepasst zu reagieren und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

17.03.2020 21:04 • #2



Hallo Kirsche1,

Zwangsstörung oder Impulsstörung ?

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Kirsche1
Zitat von cube_melon:
Die erste Frage die sich mir stellt ist, ob Du mit dieser Form/Anzahl der Symtome und Leidensdruck in Behandlung bist und ob da schon eine Diagnose gestellt wurde.


Ja, eine Diagnose wurde vor einigen Monaten schon gestellt. Generalisierte Angststörung und Zwangsstörung mit hauptsächlich Zwangsgedanken und Zwangsimpulsen. Bei mir wurde Schizophrenie, Persönlichkeitsstörung etc alles ausgeschlossen, aber ich kann trotzdem nicht aufhören daran zu zweifeln. Ich hab am Montag auch einen Termin bei meinem alten Psychologen. Also ich bin sozusagen in Behandlung und hab auch meine Diagnose.

Danke für deine Antwort.

17.03.2020 21:11 • #3


cube_melon
Das ist gut zu hören, dass Du da eine Anlaufstelle hast und auch eine Diagnose. Denn dann ist es einfacher sich darauf einzustellen.

Jede Diagnose die solch deutliche Symptome hat, erfordert auch eine Therapie, wenn man das behandeln will.
Und ich nehme mal an das Du eine solche erhalten hast. Dort wird man auch mit dir Strategien entwickelt haben um den Therapieerfolg stabil zu halten.

Stell dir das so vor - Du hast eine Diagnose und auch eine gewisse grundlegende Resillienz. Diese wird in der Therapie verbessert und es werden auch Strategien entwickelt um sich gegen gewissen Grad an schwierigen Lebensumständen zu wappnen.
Vereinfacht gesagt - Du bist nach der Therapie Widerstandsfähiger und vor allen Dingen hast Du bessere Werkzeuge zur Hand.

Was das alles bei dir ausgelöst hat kann ich nicht einmal ansatzweise sagen.
Nur habe ich die Erfahrung das man, wenn man eine Zeit seine "Lebensdiät" vernachlässigt und/oder unerwartet schwere Lebensumstände sind, Symptome wieder hervortreten können. Und wie ich bereits sagte kann sich das selbst subjektiv fatal anfühlen, aber in der Realität komplett anders sein.

Willst Du wissen wie das wieder Zustande kam, solltest Du reeflektieren wie gut Du mit dir und der Diagnose umgegangen bist und ob sich deine Lebenssumstände so verändert haben das sie mit deiner Diagnose kollidieren.
Denn das alles bewirkt das der innere und vorher stabil niedrige Stresslevel wieder steigt oder auch kurzfristig durch die Decke geht. Mit den Folgen die Du spürst.

Kennst Du das Skillstraining?

17.03.2020 21:28 • #4


Kirsche1
@cube_melon

Also ich hab den Termin erst bei ihm, sozusagen mein "erstes" Gespräch mit ihm zwecks der Zwangsstörung. Vor einigen Jahren war ich bei ihm "nur" wegen meiner Angststörung. Allerdings hat mir ein Arzt wirklich gute Tipps zur Überbrückung gegeben wie ich am besten damit umgehe, bis die Therapie anfängt - und es hat echt gut funktioniert, bis letzte Woche. Aber da muss ich jetzt einfach Geduld haben.

Die Sache ist, es hat sich eigentlich nichts an meiner Lebenssituation geändert, das etwa auslösen hätte können. Natürlich, das mit dem Virus jetzt und allem drum und dran macht mich unruhiger als sonst, keine Ahnung ob es damit zusammenhängt.

Nein, das Skillstraining kenne ich nicht. Gehört schonmal, ja, aber bis jetzt noch nicht gemacht. Aber klingt interessant.

17.03.2020 21:45 • #5


cube_melon
Ok nun verstehe ich das besser. Auch warum dich das so beunruhigt.

Innerer Stress kann von nur einem Ereignis kommen, so wie auch von kleinen Dinge die sich aufaddieren.

Skillstraining ist ganz vereinfacht (und ausschnittsweise) gesagt das Erkennen des eigenen Stresslevels und die Strategie um für jedes Level eine Fähigkeit (Skill) zu entwickeln, mit dem man dieses Stresslevel wieder senken kann. Einfaches Beispiel - habe ich ein leichtes Stresslevel, nehme ich mir Zeit und mache Entspannungsübungen. Oder lege mich in die Badewanne, falls ich zu hause bin. Bei anderen, höheren Leveln solche Dinge wie Kontrollierte Atemübungen aus dem Bio-Feedback (Ergotherapie).
Kannst das ja mal googeln. Gibt auch gute Lern-CDs vom Schattauer Verlag (Online kaufbar über Klett Cotta Verlag).

18.03.2020 00:07 • x 1 #6


Kirsche1
@cube_melon

Oh super, Dankeschön! Ich google nachher gleich mal was es da so alles gibt, vielleicht ist da ja etwas dabei, was mir bisschen helfen könnte!

18.03.2020 08:17 • x 1 #7


cube_melon
Noch etwas zum Thema Ergotherapie, was ich vergaß zu erwähnen.

In der Ergotherapie gibt es einen Bereich der heitßt "Neuro- und Biofeedback".
Es gibt da leicht unterschiedliche M'ethoden.

Bei Biofeedback versucht man seinen Atem zu kontrollieren. Durch Messungen der 'Gehirnströme und des Hautwiderstandes wird der Stresspegel gemessen. Ich saß vor einem Bildschirm und habe einen Geländewagen in einer Art Videospiel fahren sehen. Habe ich mich entspannen können ist der Wagen gut gefahren, ansonsten wurde er langsamer bis zum Stillstand.

Neurofeedback, wo mir gut geholfen hat, war das Sitzen vor einem Monitor und das anschauen von Filmen. Dabei wurden über Elektroden am Kopf (reversiebel) befestigt, welche die Hirnströme messen. Sind diese im Gleichgewicht war das Bild hell, waren diese im Ungleichgewicht wurde das Bild dunkler. Das Gehirn lernt damit die Verhältnisse der Gehirnströme wieder im Gleichgewicht zu halten.

Ergotherapie wird von den Psychiatern gut verschrieben. Die Kontingente sind hoch und die Wartezeit zwischen den Kontingenten relativ kurz. Nagel mich nicht fest, aber das sind glaube nur 3-6 Monate.

18.03.2020 10:54 • #8


Kirsche1
@cube_melon

Danke für die ausführliche Antwort, hilft mir wirklich weiter und hört sich interessant an! Ich werde das, wenn ich es nicht vergesse, bei meinem Psychologen ansprechen.

18.03.2020 19:51 • x 1 #9




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