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Hallo liebe Community,

ich schreibe hier, weil ich mit meinem Problem wirklich nicht mehr weiter weiß. Ich habe schon einige Foren durchforstet, aber nie etwas Brauchbares gefunden, was meiner Symptomatik entsprechen würde. Deshalb erhoffe ich mir hier Anregungen, Feedback und vielleicht auch Lösungsansätze.

Seit gut einem Jahr habe ich das Problem, dass bestimmte Ereignisse (ich nenne sie an dieser Stelle mal Trigger) mich auf magische Weise dazu zwingen, Dinge bzw. Aktivitäten rückgängig zu machen.
Ich werde probieren, das Ganze so vereinfacht wie möglich an Beispielen zu erklären.

Beispiel 1:
Morgens lade ich mir eine neue App auf mein Smartphone. Am selben Tag abends höre ich im Radio von einem grausamen Gewaltverbrechen. Fortan muss ich immer (auch Tage, Wochen danach), wenn ich die neue App benutze, an dieses Gewaltverbrechen denken, auch wenn es mich selbst gar nicht betrifft. Die einzige Möglichkeit, diesen aufdringlichen Gedanken wieder los zu werden, besteht darin, die App zu deinstallieren. Dann ist wieder alles gut. Behalte ich die App aber, wird der Gedanke immer quälender, sodass ich dem Drang die App zu deinstallieren doch irgendwann nachgebe.

Ich interpretiere die Sache so: Der Radiobeitrag ist der anfangs erwähnte Trigger, der den Gedanken aus irgendwelchen Gründen mit der Aktivität (Installieren der App) verknüpft. Der Gedanke ist unangenehm und verunreinigt die damit verknüpfte Aktivität, sodass diese fortan schlecht ist. Deshalb mache ich sie rückgängig.

Beispiel 2:
Ich zeichne gerne. Morgens fange ich an, ein neues Bild zu zeichnen. Mittags fange ich an, ein neues Buch zu lesen. Abends sehe ich im Fernsehen eine (für mich empfundene) gewalttätige Szene eines Films. Als Folge muss ich nun immer, wenn ich an meinem Bild weiterzeichnen möchte oder das Buch weiterlese, an diese Filmszene denken. Was mache ich? Ich schmeiß das Bild in den Müll und lege das Buch weg. Das ist für mich der einzige Ausweg, die Erinnerung an die Filmszene aus meinen Gedanken zu verdrängen.

Auch hier wieder meine Interpretation: Ähnlich wie bei Beispiel 1 ist die Filmszene der Trigger, der die am selben Tag neu gestartete Aktivitäten verschmutzt. Die negative Verknüpfung betrifft aber nicht nur eine Aktivität, sondern alle an dem Tag gestarteten. An dieser Stelle sei erwähnt: Bei den Triggern handelt es sich immer um Gewalt, oder etwas, das Ekel erregt.

Beispiel 3:
Hier wird es jetzt richtig absurd. Ich bestelle mir morgens ein Produkt im Internet. Am Nachmittag kommt mir ohne Vorwarnung wie aus dem Nichts eine Erinnerung an eine gewalttätige Filmszene in den Kopf, die ich vor 10 (!) Jahren gesehen habe, und zwar nicht nur verschwommen oder bruchstückhaft, nein, so real als hätte ich sie gestern erst gesehen. Vor 10 Jahren hatte sie mir nichts ausgemacht. Heute ist diese Erinnerung mir so unangenehm, dass sie mir das bestellte Produkt verdirbt. Die Folge: Ich muss das Produkt stornieren.

Interpretation: Hier bin ich ratlos.

Ich hoffe, ich konnte es einigermaßen verständlich erklären. Nun meine Frage an Euch: Was habe ich für ein Problem? Fest steht, dass es mein Leben extrem beeinträchtigt, denn dadurch erlebe ich quasi einen kompletten Stillstand, weil ich nichts Neues mehr machen kann, ohne es in den meisten Fällen direkt rückgängig machen zu müssen, denn die Trigger finde ich inzwischen fast jeden Tag.

Abschließend noch ein paar Kurzinfos zu meiner Person, die bei der Interpretation vielleicht helfen könnten: 22 Jahre alt, männlich, sehr sensibel, verabscheut jegliche Art von Gewalt zutiefst. Glückliche Kindheit, (über-) behütet aufgewachsen, Einzelkind. Seit 5 Jahren leide ich an chronischer Übelkeit, für die es nach zahlreichen Untersuchungen bis heute keine Ursache gibt. Mir ist also täglich ohne erkennbaren Grund übel, mal Minuten, mal Stunden. Das belastet mich psychisch enorm, aber dass eine Symptomatik wie die von mir oben beschriebene deshalb auftritt? Ich weiß nicht so recht.

Danke fürs Lesen und Eure Antworten!

Gestern 10:40 • 15.01.2022 #1


4 Antworten ↓


Icefalki
Zitat von Kleiner-Igel:
: Was habe ich für ein Problem?


Lassen wir das Wort Problem mal aussen vor, da du eine Lösung gefunden hast. Dadurch, dass du Negativität durch Handlungen auflösen kannst, fühlst du dich sicher. Dass das natürlich unterm Strich sehr ungewöhnlich ist, ist auch klar.

Therapeutisch würde man jetzt eher die Hintergrundsprobleme anschauen wollen, warum du bei Gewalt so reagierst. Da schaut man sich an, ob du Formen von Gewalt selbst erlebt haben könntest.

Gestern 11:12 • #2



Zwanghaftes Rückgängigmachen von Aktivitäten

x 3


Hallo Icefalki,

es ist in der Tat eine Lösung, allerdings keine brauchbare, weil ich ja quasi alle positiven Dinge opfere, um die negativen Gedanken zu neutralisieren.

Dass ich so empfindlich auf Gewalt reagiere wundert mich sehr, da ich wirklich in keinster Weise jemals real damit konfrontiert wurde.

Was mich noch interessieren würde, wie würde man mein Verhalten am Besten beschreiben? Ist das eine Zwangsstörung? Zwangsgedanken? Oder gar ein begrabenes Trauma? Ich war bisher bei keinem Arzt deswegen, traue mich nicht so recht.

Vor 6 Stunden • #3


Icefalki
Ich denke, ist eine Zwangsstörung mit magischem Denken. Kannst ja das mal bissle googlen. Und natürlich einen Therapeuten aufsuchen, da es dich ja belastet.

Schäm dich nicht, man darf zu seinen Neurose stehen. Kann man alles lernen.

Vor 20 Minuten • #4


moo
Willkommen @Kleiner-Igel,

wir hatten kürzlich ein m. E. sehr ähnliches Thema, das in der Folge ziemlich in die Tiefe ging - vielleicht kann das auch Dir helfen:

zukunftsangst-generalisierte-angststoerung-f57/assoziationen-mit-gegenstaenden-was-ist-das-t111171.html

Vor 12 Minuten • #5




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