Guten Morgen. Erst einmal glaube ich das es eher das ausgeliefert sein ist, was dir so zusetzt. Du kannst nicht beeinflussen wann Ruhe auf dem Balkon ist, wann das Fenster zugemacht wird und nicht die Geräusche ansich. Kann das sein?
In einem Mehrfamilienhaus gibt es immer Geräusche, wahrscheinlich sind das ganz normale Alltagsgeräusche die dich, warum auch immer, triggern.
Du kannst daran mit deiner Therapeutin arbeiten, was du ja machen willst, wie du ja schreibst.
Ansonsten könntest du Oropax nutzen oder Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung.
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#21
M
Merkur1985 Mitglied
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Hallo liebe @Hilde92 , danke dass du ein Update deiner Phonophobie mit uns teilst. Erstmal muss ich dir sagen, dass ich mich voll und ganz in deine Situation einfühlen kann. Wenn man einmal so eine Geräuschüberempfindlichkeit entwickelt hat, kriegt man diese nicht mehr los, leider. Und ehrlich gesagt weiß ich nach intensiver Recherche auch keinen "Weg", den man gehen könnte, um irgendwann nicht mehr mit Angst, Wut und Verzweiflung auf Nachbargeräusche zu reagieren. Medikamente - ja klar, aber die verändern nur die körperlichen Reaktion, erfassen aber nicht das eigentliche Problem hinter der Phonophobie. Ich hatte eine Verhaltenstherapie wegen der Phonophobie gemacht und auch wenn sich mein Therapeut wirklich Mühe gegeben hat, so richtig bin ich die Phonophobie nicht los geworden, trotz Konfrontation, Angstbewältigungsstrategien und Entspannungsübungen. Ich selbst habe die Phonophobie entwickelt, als ich über viele Jahre neben einen sehr lauten Nachbarn gewohnt habe. Dann bin ich ausgezogen in eine neue Wohnung. Hier war es viel ruhiger, die Nachbarn hat man nur manchmal gehört. Nun sind auch bei mir vor einigen Monaten neue Nachbarn über mir eingezogen, die objektiv betrachtet nicht laut sind, aber trotzdem irgendwie ständig zu hören sind. Und sofort ist meine Phonophobie wieder da. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Neben den Geräuschen kommt der Fakt hinzu, dass die neuen Nachbarn intensiv rauchen, was in meine Wohnung zieht und mich ständig daran erinnert, dass da wer ist und möglicherweise gleich Geräusche kommen. Mich macht diese ständige Angespanntheit auch fertig, stresst mich sehr. Eine Frage an dich: Hast du die Phonophobie auch, wenn du dich nicht in deiner Wohnung aufhälst, also wenn du beispielsweise im Hotel übernachtest oder bei Familie oder Freunden und dort Nachbarschaftsgeräusche wahrnimmst? Du vermutest einen Zusammenhang mit Stress, was ich auch vermute. Hast du mal versucht, die Angespanntheit durch Sport zu reduzieren? Ich hatte im Rahmen meiner Verhaltenstherapie angefangen, zu joggen und muss sagen, dass es tatsächlich geholfen hat, der Geräuschüberempfindlichkeit ein klein bisschen gelassener zu begegnen (auch wenn Sport kein Wundermittel ist). Noch eine Frage: Welche "Bilder" oder "Gedanken" hast du in dem Moment, wenn du Geräusche der Nachbarn wahrnimmst, noch bevor dein Körper mit Angst und Verzweiflung reagiert? Fühlst du dich - auch wenn es nur für eine Millisekunde ist - irgendwie "zurückversetzt" in eine frühere Zeit, vielleicht in eine frühere Sitaution mit Lärm und Stress oder eine Situation, in der du von Menschen enttäuscht worden bist? Der Körper reagiert mit Angst auf Geräuschen, aber bevor er das macht, hat man ein ganz, ganz kleines Zeitfenster, in dem erst nur der Kopf reagiert und da kann man herausfinden, warum man auf Geräusche reagiert, dann erst folgen die körperlichen Reaktionen wie Angst und Wut, dann kann man aber nichts mehr rausfinden, weil die körperlichen Reaktionen das "Ergründen" nicht mehr zulassen. Das war eine Übung aus der Psychotherapie. Lieben Gruß.
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#22
A
Phonophobie - starke Angst vor Geräuschen/Schlafstörung
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H
Hilde92 Mitglied
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@Greta__ Hey ,
ich habe hier ganz lange nicht reingeschaut. Wie schade, denn ich finde deinen Beitrag wirklich hilfreich! Und ja, mittlerweile habe ich auch weiter mit meiner Therapeutin daran gearbeitet und ja, das Ausgeliefert sein ist wirklich das Schlimme an der Situation. Ich habe parallel auch soziale Ängste und häufig Probleme Dinge, die mich stören anzusprechen. Ich bin sehr konfliktscheu und habe Angst vor Konfrontationen. Dennoch hat meine Therapeutin mich ermutigt mit meiner Nachbarin zu sprechen. Das hat mich extrem viel Überwindung gekostet, aber jetzt echt dolle geholfen. Ich habe meine Nachbarin höflich gebeten, dass Fenster zu schließen bei Telefonaten und lauten Küchentätigkeiten und nun ist es zum Glück immer ausreichend ruhig. Ich bin echt froh! Allerdings war es schon noch ein paar Tage so, dass mein Körper sehr angespannt und nach jedem Geräusch gelauscht hat. Es hat aber sehr geholfen, dass ich mir innerlich sagen konnte "Ich habe mit ihr gesprochen, sie weiß Bescheid". Ich glaube das hat mich schon sehr aus dieser "Ausgeliefert sein" - Situation rausgeholt.
@Merkur1985 Auch dir nochmal vielen Dank (wenn auch sehr verspätet) für deinen Beitrag! Ich habe die Phonophobie ganz besonders, wenn ich nicht Zuhause übernachte. Ich mache mir dann meist schon viele Wochen vorher Sorgen, dass ich nicht schlafen kann. Ich nehme, wenn ich verreise immer ein Schlafmedikament, was ich von meiner Hausärztin erhalten habe, mit. Häufig muss ich dieses dann auch nutzen, muss dann aber viel schlafen & bin am nöchsten Tag durchgängig müde.
Generell hilft mir Sport auf jeden Fall auch total, allerdings habe ich aktuell mit einer Verletzung zu kämpfen und mein Sportprogramm ist auf Spazieren gehen begrenzt. Interessant, was du zu diesem Moment vor der Angst schreibst. Tatsächlich nehme ich immer nur die Angst wahr und kann mir gar nicht vorstellen, dass davor noch ein Moment ist. Darauf werde ich mal achten! Ich weiß auf jeden Fall, dass in meinem Elternhaus oft laut gestritten wurde, aber würde jetzt nciht sagen, dass das bildlich in mir hochkommt in den Situationen...
Und ja, ich habe mich auch schon damit abgefunden, dass ich wahrscheinlich mein Leben lang mit der Phonophobie zu tun haben werde. Sie begleitet mich jetzt schon so lange und wird wirklich nur durch ruhige Wohnverhältnisse besser...