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Ibreaktogether
Zitat von Sara80:
Angst habe ich eigentlich nicht, weil ich normalerweise nicht damit rechne das mich jemand anspricht. Ich kann nur spontan nicht mehr das richtige sagen. Manchmal denke ich dann wochenlang darüber nach wie ich besser und freundlicher antworten hätte können.War bei mir auch nicht immer so aber in den letzten Jahren ist es mir öfters aufgefallen das ich nicht weiß was ich sagen soll oder etwas komisch antworte.Etwas beruhigend das es anderen ähnlich geht.

Genau das hat mir die ersten 30 Jahre meines Lebens verdorben. Ich konnte bis dahin nie Selbstwertgefühl aufbauen, weil ich mich ungewollt überall rausgekickt habe. Danach ging es ganz langsam aufwärts. Aber die Defizite konnte ich nie ganz aufholen. Aber ich sehe das heute nicht mehr so dramatisch. Im Gegensatz zu früher fühle ich mich schon erst seit einigen Jahren zu Menschen mit Kommunikationsproblemen hingezogen.

02.02.2020 01:13 • #1001


Hotin
Zitat von Ibreaktogether:
Genau das hat mir die ersten 30 Jahre meines Lebens verdorben. Ich konnte bis dahin nie Selbstwertgefühl aufbauen, weil ich mich ungewollt überall rausgekickt habe. Danach ging es ganz langsam aufwärts. Aber die Defizite konnte ich nie ganz aufholen. Aber ich sehe das heute nicht mehr so dramatisch. Im Gegensatz zu früher fühle ich mich schon erst seit einigen Jahren zu Menschen mit Kommunikationsproblemen hingezogen.


Dies finde ich ist eine aufschlussreiche Beschreibung von Dir.
Bedeutet das, wer beim Wettlaufen immer nur bestens auf dem 10. Platz ankommt, der fühlt sich dann
besser, wenn er sich mit Menschen umgibt, die keinen Sport machen?

02.02.2020 09:54 • #1002



Hallo Katzenfan,

Soziale Phobie / ängstlich verm Persönlichkeitsstörung

x 3#3


Ibreaktogether
Zitat von Hotin:
Dies finde ich ist eine aufschlussreiche Beschreibung von Dir.Bedeutet das, wer beim Wettlaufen immer nur bestens auf dem 10. Platz ankommt, der fühlt sich dann besser, wenn er sich mit Menschen umgibt, die keinen Sport machen?

Naja, ich umgebe mich dann lieber mit Menschen, denen Sport nicht wichtig ist. Nebenbei war ich bis 16 Jahren amateurmäßig dermaßen an der Spitze, dass ich im Landkreis in der Leichtathletik nicht mehr viel Konkurrenz hatte. Beim Laufen war ich unschlagbar, immer auf dem 1. Platz, hatte die höchste Punktzahl bei den Bundesjungendspielen der ganzen Gesamtschule und fuhr wahnsinnig schnell Rennrad.

Nur: Es hatte keinen interessiert. Einfach nur, weil mich niemand neben sich haben wollte. Ich konnte ja nicht richtig sozial interagieren, und so war denen meine sportliche Leistung schon fast unangenehm. Das war so beschämend, dass für die Siegerehrung plötzlich keine Zeit mehr war, und ich von meinem Spitzenplatz erst Wochen später aus der Schülerzeitung erfuhr. Das hatte mich so verprägt, dass ich ab da mit Amateursport nie wieder was zu tun haben wollte. Das war 1985.

02.02.2020 13:56 • x 1 #1003


Sara80
Zitat von Hotin:
Dies finde ich ist eine aufschlussreiche Beschreibung von Dir.Bedeutet das, wer beim Wettlaufen immer nur bestens auf dem 10. Platz ankommt, der fühlt sich dann besser, wenn er sich mit Menschen umgibt, die keinen Sport machen?


Ich finde diesen Vergleich sehr interessant. Ja, es ist so, weil dann der Druck weg ist besser sein zu müssen und dieses Wissen nicht mithalten zu können.
Ich kann viel entspannter mit jemanden umgehen der die gleichen Probleme hat, da weiß ich das ich verstanden werde und muss mich nicht verstellen.

02.02.2020 17:51 • x 2 #1004


Hotin
Zitat:
Zitat von Hotin:
Dies finde ich ist eine aufschlussreiche Beschreibung von Dir .Bedeutet das, wer beim Wettlaufen immer nur bestens auf dem 10. Platz ankommt, der fühlt sich dann besser, wenn er sich mit Menschen umgibt, die keinen Sport machen?


Zitat:
Sara80
Ich finde diesen Vergleich sehr interessant. Ja, es ist so, weil dann der Druck weg ist besser sein zu müssen und dieses Wissen nicht mithalten zu können.
Ich kann viel entspannter mit jemanden umgehen der die gleichen Probleme hat, da weiß ich das ich
verstanden werde und muss mich nicht verstellen.



Hallo Sara,

Man kann das so machen, wie Du es schreibst.
Beinhaltet solches Verhalten aber nicht auch eine große Gefahr, wenn Du Dich immer zu den Schwächeren
hingezogen fühlst?
Wann und wodurch willst Du Dich dann selbst noch fordern, Dich versuchen zu verbessern?
Was gibt Dir dann noch Selbstbewusstsein?

02.02.2020 21:32 • x 1 #1005


Entwickler
Zitat von Hotin:
Hallo Sara,Man kann das so machen, wie Du es schreibst.Beinhaltet solches Verhalten aber nicht auch eine große Gefahr, wenn Du Dich immer zu den Schwächeren hingezogen fühlst?Wann und wodurch willst Du Dich dann selbst noch fordern, Dich versuchen zu verbessern?Was gibt Dir dann noch Selbstbewusstsein?

Ist das nicht die falsche Sichtweise? Wenn ein Behinderter an Paralympics teilnehmen will, dann würde man ihm auch nicht raten, sich an den "gesunden" Sportlern zu orientieren. Wird es jetzt deutlicher? Außerdem nimmst du eine Bewertung vor, die gar nicht nötig ist. Spätestens nach dem Buch von Manfred Lütz ist mir ein Licht aufgegangen:
"Irre - Wir behandeln die Falschen (Das Problem sind die Normalen)

07.02.2020 21:13 • x 1 #1006


Hotin
Zitat von Entwickler:
Ist das nicht die falsche Sichtweise? Wenn ein Behinderter an Paralympics teilnehmen will, dann würde man ihm auch nicht raten, sich an den "gesunden" Sportlern zu orientieren. Wird es jetzt deutlicher? Außerdem nimmst du eine Bewertung vor, die gar nicht nötig ist. Spätestens nach dem Buch von Manfred Lütz ist mir ein Licht aufgegangen:"Irre - Wir behandeln die Falschen (Das Problem sind die Normalen)


Dein Beispiel kann ich nicht nachvollziehen.
Bei einer körperlichen Behinderung handelt es sich um eine Beeinträchtigung, die gewisse Grenzen setzt.

Im geistigen Bereich läuft das völlig anders ab. Unser Gehirn möchte gefordert werden, damit ein
Zufriedenheitsgefühl entsteht. Es besteht zwar die Möglichkeit, auch ohne Leistung zufrieden zu sein.
Allerdings wird das nur selten funktionieren, da sich der Mensch meistens mit anderen vergleicht.
Sage mal jemandem, er braucht keine materiellen Dinge mehr und es reicht, wenn er ausreichend zu
essen hat und sonst nur ausruhen kann.

08.02.2020 10:40 • x 1 #1007


Hoffnungsblick
Zitat von Hotin:
Unser Gehirn möchte gefordert werden,


Wahrscheinlich muss jeder sein richtiges Maß finden.

Ich glaube auch, dass wir uns immer weiterentwickeln wollen.
Andererseits muss man zwischendurch mal Pause machen, damit es später umso weiter geht.
Manchmal muss man eben auch "grundlos" mit sich zufrieden sein.

10.02.2020 11:41 • x 2 #1008


Sara80
Zitat von Hotin:
Dein Beispiel kann ich nicht nachvollziehen.Bei einer körperlichen Behinderung handelt es sich um eine Beeinträchtigung, die gewisse Grenzen setzt.Im geistigen Bereich läuft das völlig anders ab. Unser Gehirn möchte gefordert werden, damit ein Zufriedenheitsgefühl entsteht. Es besteht zwar die Möglichkeit, auch ohne Leistung zufrieden zu sein.Allerdings wird das nur selten funktionieren, da sich der Mensch meistens mit anderen vergleicht.Sage mal jemandem, er braucht keine materiellen Dinge mehr und es reicht, wenn er ausreichend zuessen hat und sonst nur ausruhen kann.


Das ist sicher sehr individuell zu betrachten. Was den einen noch fordert, überfordert den anderen eben schon. Ich habe für mich meine eigenen Grenzen teilweise herausgefunden und finde es besser diese zu akzeptieren als lebenslang dagegen anzukämpfen. Vielleicht kommen bessere Zeiten und ich sehe das dann anders.

16.02.2020 13:14 • x 4 #1009


Hotin
Zitat von Sara80:
Das ist sicher sehr individuell zu betrachten. Was den einen noch fordert, überfordert den anderen eben schon. Ich habe für mich meine eigenen Grenzen teilweise herausgefunden und finde es besser diese zu akzeptieren als lebenslang dagegen anzukämpfen. Vielleicht kommen bessere Zeiten und ich sehe das dann anders.

Fast immer sollte man Dinge persönlich betrachten.
Welche Dinge würden Dich denn überfordern?
Wo hast Du Grenzen, die enger sind, als bei anderen?
Bernhard

16.02.2020 15:38 • #1010


SoulFeather
Meine ÄVPS, verbunden mit den Zwangsgedanken, macht mir aktuell wieder so arg zu schaffen und steht mir so oft im Weg... oder ich steh mir selbst im Weg.

Was das Thema Grenzen angeht, hab ich irgendwie aktuell gar kein Gefühl mehr, wo meine sind.

Wie kann man nur lernen mit Situationen irgendwie umzugehen, die einen zwar komplett überfordern, die man aber trotzdem eigentlich nicht vermeiden will? Aber man wegen der Überforderung trotzdem immer in dieses Vermeidungsverhalten rutscht... Das ist aktuell so eine Frage, die ich mir oft stelle.

05.03.2020 01:35 • #1011


Idefix13
@SoulFeather
Was mir immer auffällt ist sobald sich Routine einschleicht und zwar im Vermeidungsverhalten und man auf die eine oder andere Art nicht mehr dazu gezwungen wird, (durch äußere Einflüsse, aber auch durch einen Selbst, also wenn an einem Tag der Schweinehund gewinnt) sich den täglichen Herausforderungen stellen zu müssen, dann beginnt wieder die Überforderung überhand zu nehmen.
Klar will man eigentlich eine gewisse Routine beibehalten, aber in unserem Fall, ist wohl zuviel Routine, ein abrutschen in alte Verhaltensmuster und dadurch kommt es unzweifelhaft zur Vermeidung. So habe ich das bei mir immer wieder sehen dürfen. Also darf man sich in gewissen Abständen immer wieder neu erfinden oder anders man muss immer gefordert werden.
Wie das funktioniert, weiß ich auch noch nicht, aber im Moment ist es wieder so, dass ich gerade recht gut klarkommen muss und das ist ein guter Start, um zu testen wie lange ich in dieser Hinsicht weitermachen kann, bis ich etwas ändern muss, um wieder mehr Herausforderung zu haben, die ich meistern muss, damit sich alte Verhaltenmuster nicht wieder zu stark einschleichen.
(Wären da nicht all die anderen Merkmale, Symptome und Veränderungen die man zusätzlich zur ÄVPS hat...)

05.03.2020 09:02 • x 1 #1012





Dr. Reinhard Pichler