Meiner Meinung nach geht es nicht um diesen Ansatz, ob man "wertvoll ist oder nicht". Die meiste Zeit seines Lebens ist man nicht wertvoll, auch nicht leistungsfähig. Wenn man klein ist, macht man viel Arbeit und macht die Windeln dreckig und brüllt und hat immer Hunger oder kleckert. Und wenn man alt ist, ist es wieder fast genauso....

Zwischendrin sind wir - wenn es gut läuft - eine Weile richtig fit und tragen uns, unsere Familie, unsere Freunde und die Gesellschaft.
Es ist ganz genau umgekehrt, es ist total egal, ob wir was wert sind oder nicht, weil:
WIR SIND DA!
Wir sind da. Das ist die Kernessenz, aus der das Leben ist und worauf alles basiert. Jemand hat uns in die Welt gesetzt, wir haben unseren Körper und wir haben uns. Wir sind Lebewesen mit Bedürfnissen. Unsere Kernaufgabe ist zu leben. Dafür, dass das geht, brauchen wir Sauerstoff, also Atmen wir. Wir brauchen Nahrung, als müssen wir was essen, müssen sehen, woher es kommt, arbeiten und Geld verdienen oder anpflanzen . Wir brauchen Schlaf, um zu regenerieren und brauchen einen Schlafplatz, ein Bett, ein Dach über dem Kopf, um Schutz vor Wind und Wetter zu haben. Wir brauchen Parnter, um eine Familie zu gründen, sonst stirbt unsere Art aus. Wir brauchen Beziehungen, um zu leben, uns beschützt zu fühlen und wenig Angst und Stress zu erleben oder uns erholen zu können.
Psychologie ist Evolution.
Wir sind lebende Geschöpfe. Wir bauchen keinen Wert zu haben. Unsere bloße Existenz berechtigt und verpflichtet uns dazu, für uns und unsere Nachkommen und für unsere Alten zu sorgen. Wir sollen es nicht nur, sondern wir müssen es. Wenn wir es nicht tun, belasten wir die Gruppe, weil dann jemand für uns sorgen muss.
Das ist der wahre Hintergrund im Leben. Und deswegen halte ich auch von Philosophie und von Gesprächstherapien wenig, weil sie auf der falschen Ebene ansetzen. Es geht viel früher und primitiver los und viel einfacher.
Wir sind von unserer Mutter geboren worden und sie hat uns das Leben geschenkt, unter vielen Opfern und unter dem Risiko ihre eigene Gesundheit zu schädigen und ihr Leben zu verlieren.
Und jetzt sollten wir dieses Geschenk annehmen und das tun, was der Körper der Mutter für uns in der Startphase getan hat: Uns ernähren, uns beschützen und ein freundlicher Mensch werden, der sich auf das Lelben und seine Mitmenschen mutig und mit Energie und Neugier und Spieltrieb einlässt.
Das ist der Sinn des Lebens und die Marschroute und es hat gar nix mit Wert zu tun. Es geht im Leben nicht darum, wertvoll zu sein, sondern lebendig zu sein und zu leben. Es geht um Vitalität und nicht um Wert.

Das haben aber die meisten Therapeuten bis heute nicht verstanden und reden über diese Themen viel Quatsch und ziehen ihre Patienten in diese ungute Dynamik mit rein.
Die meisten von uns sind jung und gesund genug, um einfach im Leben mitzumachen. Wenn sie mal verstehen würden, wie sich ein Körper mit 95 und total kaputt anfühlt, würden sie rausgehen und leben, statt sich selbst fertig zu machen und an sich zu zweifeln. Das Leben zu genießen und zu begehen, ist der Sinn des Lebens, nicht sich wertvoll zu fühlen.
Ich war heute den ganzen Tag nicht wertvoll. Und ist mir total egal. Es kommt auf andere Dinge an.

Z.B. darauf, dass man Spaß hatte.
