Zitat von Kara-velle:@Tekton Vor nicht all zu langer Zeit wurde ich gefragt warum ich mich so einfach vor jeden Wagen spannen lasse? Ich dachte was für eine tolle Frage ...
Danke für deine Worte, Kara.
Bei mir war es wohl so, dass ich früh gelernt habe Verantwortung für die emotionale Entwicklung übernehmen zu müssen, weil meine Eltern (gerade meine Mutter) emotional überfordert damit waren, es bei mir und auch bei sich selbst zu übernehmen.
Meine Mutter ist ja im Kinderheim aufgewachsen und hat ihre leibliche Mutter nie kennengelernt. Und die Pflegemutter war nicht liebevoll zu ihr. Sie war stets das Dritte Rad am Wagen. Zudem war mein Vater auch nicht liebevoll zu ihr. Hat sie psychisch und körperlich misshandelt. Also habe ich schlussendlich diese Rolle aufgefüllt, ihr zu zeigen, dass es OK ist, Gefühle zu haben und ich habe sie vor ihm beschützt - zumindest so gut ich es als Kind konnte.
Mnaja. Und ich glaube, dass ich dieses Muster später unbewusst wiederholt habe - nur eben bei einem Menschen, der gar nicht mich mit seiner Liebe meinte und selbst starke Probleme hat. Es ging im Prinzip nur darum, dass dort jemand ist, der die Führung übernimmt. Sie beschützt. Ihr hilft.
Und so bin ich dann wieder in dieses Trauma vom Kind-Ich gerutscht. Ich hab mich daran aufgeraucht, ihr alles zu geben. Mit meinem Kind hat sich diese Aufgabe dann multipliziert, weil ich auch dort die emotional präsente Bezugsperson war, die alle heiklen und nervlich anstrengenden Situationen übernommen hat.
Mnaja. Und dieses Muster, Menschen, die schlecht behandelt werden aus dem "Dreck" zu helfen oder ihnen mit allen Mitteln einen Halt zu geben, hat mich am Ende selbst fertig gemacht - als mir bewusst wurde, dass ich es eigentlich gar nicht mehr möchte, aber machen muss, weil das Haus auf dieser einen Karte steht. Es hat sich wie eine Falle angefühlt, aus der ich nicht mehr guten Gewissens rauskommen kann.
Und so kam erst die Depression, dann die Panikattacken und danach die körperlichen Symptome, etwas nicht verarbeitet oder verdaut zu kriegen.
Von daher, hab ich (natürlich auch durch die Reflexion des Therapeuten) herausgefunden, was mein Problem ist, aber wie ich mich davon abgrenzen kann, dass mein Körper nicht sofort auf Kampf schaltet, wenn jemand ungerecht behandelt wird - nun ja. Bei mir selbst ist es mir Banane, wenn ich keinen Bezug zu der Person habe, aber nicht bei anderen. Gerade bei Frauen.
Mein Körper hat die Reaktion durch das komplexe Trauma gespeichert und sofern ich das merke, brennt der Baum und ich muss gebremst werden, dass mir nicht die Sicherungen rausfliegen.
Weil eben genau das damals die notwendige Vorraussetzung war, meinen Vater zu überwinden, der mir zwar körperlich, aber nicht mental überlegen war, weil ich es tot ernst gemeint habe, aber er nicht.
Und dieses Schild halten + Kontrollverlust gegenüber Männern oder Menschen, die sich dominant verhalten, ist halt das körperlich gespeicherte Problem, das wohl noch Jahre der Therapie in Anspruch nehmen wird, um dem Stier das Rote Tuch wegzunehmen oder es vielleicht erstmal in ein rosa Tuch zu verwandeln.