Zitat von Tymalous:Wenn jemand masochistisch veranlagt ist, diese Vorliebe aber nicht ausleben will, warum will er das nicht? (Ueber dominant-devote Paarungen muessen wir gar nicht erst reden, die sind noch viel harmloser.)
Ganz oft liegen keine objektiven Gruende vor, sondern es liegt rein an gesellschaftlichen Zwaengen. Eine bestimmte Lebensweise soll einfach im Keim erstickt werden, denn sie sei ja krank und abartig und alles was krank sei, muesse entfernt werden.
Das hat mit der Gesellschaft nichts zu tun. Die Gesellschaft dient immer wieder als Vorwand und als Erklärung für alle möglichen Phänomene. Die Leute sind einfach zu faul, um tiefer zu schürfen, deshalb kratzen sie an der Oberfläche und erfinden solche Theorien über Gesellschaft & Co.
In Wirklichkeit haben wir in diesem Fall ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sich die sog. "7 Sünden" gegenseitig kontrollieren und für das Gleichgewicht beim Menschen sorgen. Der Stolz (die Eitelkeit) lässt in diesem Fall nicht zu, dass ein masochistischer Mensch sich vor einem anderen erniedrigt, obwohl seine Wollust ihn dazu bewegen will.
Ein anderes Beispiel eines solchen automatisch hergestellten Gleichgewichts wäre zb die Situation, in der die Gefräßigkeit ebenfalls durch die Eitelkeit gedämpft wird, weil der Betreffende um ein gutes Aussehen sich bemüht und aus diesem Grund weniger zu essen beginnt.
Überhaupt finde ich den Stolz bzw. die Eitelkeit super. Ohne sie wäre der Mensch nichts wert und nur noch ein Wurm.
Jeder will mächtig sein und herrschen, sogar die Masochisten, davon bin ich überzeugt. Nur zieht die Wollust Letztere in die entgegengesetzte Richtung, arbeitet also gegen die Eitelkeit. Die Frage ist: welche von den beiden Kräften ist stärker? Und wofür soll man sich entscheiden? Im Zweifel würde ich der Eitelkeit immer den Vorrang geben.
Die sog. Tugenden sind dagegen überflüssig, weil die "Sünden" in ihrer Gesamtheit ganz allein für alles notwendige sorgen. Die Eitelkeit steht dabei im Mittelpunkt und ist die stärkste Kraft. Um sie herum gruppieren sich die restlichen 6 und bilden so ein Sechseck - das Symbol der Macht. Zufall? Ganz sicher nicht.
Zitat von Tymalous:Natuerlich gibt es auch in diesem Randbereich Missbrauchspotential. Der wichtigste Schritt, dieses zu verringern, waere aber den Randbereich aus der Schattenzone raus zu holen und in der Mitte der Gesellschaft zu akzeptieren.
Und dann sollte ganz allgemein aufgeklaert werden ueber das Missbrauchspotential, das sich ergibt, wenn der eine den anderen um den Finger wickelt. Das hat allerdings nichts mit Sadismus zu tun, sondern ist bereits in der Mitte der Gesellschaft und stellt die weitaus groessere "Gefahr" dar.
Dagegen ist nichts einzuwenden.