Hallo JaneDoe,
es tut mir leid für dich, dass du in dieser Situation steckst! Ich habe selber eine schwere kPTBS und kenne daher eher die "andere Seite" solcher Situationen.
Ich selber habe auch die Tendenz, mich komplett abzuschotten, wenn es mir nicht gut geht, und das kann auch mal länger dauern.
Aber: Ich bin wegen meiner psychischen Erkrankungen in Therapie, schon seit Jahren, ambulant und immer wieder auch in Kliniken.
Darum kann ich dir auch sagen, was (gute) Therapeuten ihren Patienten immer wieder sagen, wenn es um partnerschaftliche Beziehungen geht: Eine Beziehung darf keine Einbahnstraße sein, auch dann nicht, wenn einer oder beide Partner psychisch krank sind.
Es geht um klare Absprachen, gerade für solche Zeiten. Auch wenn der erkrankte Partner gerade in einer Krise steckt, darf es auf Dauer trotzdem nicht dazu kommen, dass der andere Partner so dermaßen im Ungewissen gelassen wird und immer nur aushalten muss, so funktioniert eine Partnerschaft nicht. Eine Diagnose entbindet den erkrankten Partner nicht davon, seinen Teil zur Partnerschaft beizutragen, es muss immer fair bleiben. Und wenn dein Partner gerade Rückzug braucht, ist das ja völlig ok, aber es ist nicht ok, völlig ohne Absprache in den Rückzug zu gehen und dich im Ungewissen zu lassen. Eine Diagnose entbindet ihn nicht davon, dem Partner gegenüber fair zu bleiben.
Und Absprachen gehören zu solchen Situationen dazu.
Ich würde dir auch raten, jetzt erstmal abzuwarten, bis sich die aktuelle Krise bei ihm etwas gelegt hat und würde danach, nach Abklingen der Krise, in Ruhe mit ihm das Gespräch suchen und mit ihm über Vereinbarungen sprechen.
Das können, wie hier auch schon vorgeschlagen, kleine Zeichen sein, mit denen ihr euch verständigt. Es gibt ja unterschiedlichste Möglichkeiten, wie man eine solche Krisen-Kommunikation ausgestaltet.
Du bist ja schon bereit, ihm seinen Raum zu geben und auf Abstand zu bleiben, das ist auch sehr gut so. Er sollte aber von seiner Seite auch auf dich zukommen und mit dir zumindest eine minimale Kommunikation vereinbaren, und wenn es nur ist, dass er sagt, dass er sich in 3 Wochen (o.ä.) bei dir meldet, und sei es nur, ein Emoji per WhatsApp zu verschicken, das ist nicht zu viel verlangt.
Selbst in meinen allerdüstersten Zeiten war ich dazu in der Lage, alle paar Wochen mal ein Emoji zu schicken.
Auch wenn ich in Kliniken war und dort mal eine zeitlang keinen Kontakt zur "Außenwelt" haben durfte, habe ich das vorher angekündigt und meinem Partner mitgeteilt, dass ich mich jetzt 3 oder 4 Wochen nicht melden kann, bevor ich dann "abgetaucht" bin.
Wie gesagt, es muss fair bleiben für beide Partner.
Du gibst ihm seinen Raum und bedrängst ihn nicht, das ist sehr fair von dir. Und es ist völlig ok, für zukünftige Krisen-Situationen eine Vereinbarung mit ihm treffen zu wollen, wie solche Zeiten künftig auch für dich aushaltbar gestaltet werden können, damit du nicht wieder völlig im Ungewissen sein musst.
Ich habe schon viele therapeutisch begleitete Partnergespräche miterlebt und kann dir daher sagen, dass die meisten Therapeuten da eine ganz klare Haltung haben und kommunizieren: Natürlich soll auf den psychisch erkrankten Partner Rücksicht genommen werden, aber das bedeutet nicht, dass der andere Partner einfach nur auszuhalten hat und gar keine Bedürfnisse artikulieren darf, solange diese sich in einem fairen und angemessenen Rahmen bewegen. Es ist immer noch eine Partnerschaft, auch mit psychischer Erkrankung.
Ein offener Umgang mit solchen Situationen führt eher dazu, dass Beziehungen halten und auch solche Krisen immer wieder überstanden werden können. Wenn solche Gespräche nicht geführt werden und keine Vereinbarungen getroffen werden, führt es leider langfristig eher dazu, dass Beziehungen dann irgendwann vielleicht auch scheitern.
Du tust es also für euch beide und kämpfst für eure Beziehung, wenn du darüber das Gespräch mit ihm suchst (vielleicht auch therapeutisch begleitet), sobald die aktuelle Krise abgeklungen ist.
Alles Gute! LG