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Hallo,

ich möchte mich kurz vorstellen.

Vorweg will ich nur schreiben, dass ich erst mal keine bestimmten Erwartungen habe bezüglich Antworten, sondern einfach nur das Gefühl habe, dass ich meine Geschichte loswerden möchte.

Ohne ins Detail gehen zu wollen, kann ich sagen, dass ich Ende 30 bin und seit meiner Kindheit Misshandlungen und Übergriffigkeiten (aber nicht sexuell) auf körperlicher und psychischer Ebene seitens meiner Eltern erlebt habe. Meine Mutter hat starke narzisstische Züge und mein Vater ist co-abhängig. (Das sehen beide natürlich vollkommen anders).
Parallel dazu wurde ich jahrelang auch in der Schule gemobbt/geschlagen und ebenfalls misshandelt, ohne jedoch wirkliche Hilfe bekommen zu haben und war dem über mehrere Jahre täglich ausgesetzt.
Zu meinen Eltern besteht kein Kontakt mehr, ich habe den Kontakt vor einigen Jahren abgebrochen und ihnen auch gesagt warum.

Jahrelang (seit mehr als 20 Jahren) wusste ich nie was mit mir los ist. Ich wusste immer nur, dass ich anders reagiere auf meine Umwelt als andere und halt einfach etwas nicht mit mir stimmt.

Mich triggern die Orte an denen all das stattfand, ich bin quasi immer in Alarmbereitschaft, habe ein Art „Grundwut“ auf andere Menschen und tendenziell eher misstrauisch gegenüber unbekannten Personen. Auf der Arbeit bin ich antriebslos und kann mich nur schwer aufraffen richtig Leistung zu erbringen und auch zuhause kostet es mich extrem viel Kraft den Haushalt in Ordnung zu halten und zu Putzen. Ich bin extrem schreckhaft und meide es zB im Dunkeln rauszugehen, da ich Angst habe Opfer einer Gewalttat zu werden (allerdings auch tagsüber). Ich bin hypochondrisch (glaube zB bei Symptomen irgendwelcher Krankheiten, dass immer sofort Krebs dahintersteckt und bin dementsprechend bei jeder Kleinigkeit sofort beim Arzt). Ich mache mir oft Gedanken, habe Gedankenschleifen (Grübeln) und finde mich gelegentlich in „Filmen“ wieder, in denen sich das erlebte erneut vor einem abspielt. Außerdem habe ich Phasen wo ich schlechter schlafe und dann mitten in der Nacht aufwache und nicht mehr schlafen kann. Ich habe außerdem ein massives Problem mit Vorgesetzten generell und insbesondere mit denen, die sehr autoritär sind und kann mir schlecht von anderen Menschen etwas sagen lassen. (Und es spielen wahrscheinlich noch andere Symptome eine Rolle, die ich aber eventuell nun vergessen habe).

Würdet ihr mich persönlich kennen lernen, würdet ihr diese Symptomatik nie bei mir vermuten, da ich „von außen betrachtet“ wie ein normaler Mensch aussehe und funktioniere und in die Gesellschaft und ein soziales Umfeld eingebunden bin. Auch meine Arbeitskollegen wissen von all dem nichts.

Für all meine Symptome gab es nie ein Krankheitsbild.
Eine gute Freundin von mir hat schon lange Depressionen und daher weiß ich ungefähr, wie sich das ausdrückt. Bei mir trifft das alles aber nicht zu.

Plötzlich fand ich vor einigen Monaten wie durch Zufall auf Youtube ein Video, wo es um „Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung“ geht.
Ich war entsetzt als ich das Video gesehen hatte, denn ich fand mich in ALLEM gesagten wieder. Es fühlte sich gleichzeitig aber auch an wie eine Befreiung, da ich nun scheinbar eine Antwort habe.

Ich habe mir daraufhin therapeutische Hilfe gesucht und bin in meiner Vermutung zur KPTBS bestätigt worden. Mir wurde auch gesagt, dass es die Diagnose erst seit kurzem gibt.

Ich hatte zwar vor Jahren schon mal den Begriff „Posttraumatische Belastungsstörung“ gehört und darüber gelesen, aber mich nie 100% darin wiedergefunden.

Jedenfalls weiß ich nicht wie es weitergeht, außer dass ich es natürlich jetzt angehen werde mit therapeutischer Hilfe. Ich habe diese Erlebnisse nie aufgearbeitet, war nie in psychologischer Behandlung und bin eigentlich ziemlich durch bzw. habe das Gefühl, dass es immer mehr and die Substanz geht.

Danke für das Lesen.

24.05.2023 09:36 • 24.05.2023 x 1 #1


7 Antworten ↓


blue1979
Willkommen im Forum! Ich hoffe, Du findest hier neue Anregungen und guten Austausch.

24.05.2023 10:52 • x 1 #2


A


Diagnose KPTBS

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Danke für die nette Begrüßung!

24.05.2023 11:30 • x 2 #3


4_0_4
Zitat von Anduin:
Ich habe mir daraufhin therapeutische Hilfe gesucht und bin in meiner Vermutung zur KPTBS bestätigt worden. Mir wurde auch gesagt, dass es die Diagnose erst seit kurzem gibt.

Ich hatte zwar vor Jahren schon mal den Begriff „Posttraumatische Belastungsstörung“ gehört und darüber gelesen, aber mich nie 100% darin wiedergefunden.

Jedenfalls weiß ich nicht wie es weitergeht, außer dass ich es natürlich jetzt angehen werde mit therapeutischer Hilfe. Ich habe diese Erlebnisse nie aufgearbeitet, war nie in psychologischer Behandlung und bin eigentlich ziemlich durch bzw. habe das Gefühl, dass es immer mehr and die Substanz geht.


Die kPTBS findet man erst seit diesem Jahr im ICD Katalog.
Diagnoseverfahren gibt es einige, nur diskutieren die Forscher immer noch über einen gemeinsamen Diagnosestandart.
Man zählt sie zu den Persönlichkeitsstörungen. Es gibt Überschneidungen der Symptome zu F60.31

Es gibt spezielle Therapien. Darunter auch die DBT-PTBS. Hier gibt es eine Reihe von Uni-Kliniken, welche an dieser Diagnose und Therapien forschen.

Für die Traumakomponente rate ich zu einer passenden Traumatherapie. Gerade um elementar wichtige Skills zur Stabilisierung / Selbststabilisierung zu erlernen.
Traumatherapieverfahren gibt es viele, jedoch sollte man schauen ob man zu dem Verfahren einen Zugang zulassen kann.

Wichtig - jeder Mensch hat seine eigene Geschwindigkeit um Dinge zu erlernen, emotional zu verstehen und Veränderungen, der zum überleben wichtigen Mechanismen, zu verändern.

24.05.2023 21:19 • x 2 #4


E
@4_0_4 Danke für deinen Beitrag!
Ich habe mittlerweile verstanden, dass Psychotherapeuten meistens mit völlig unterschiedlichen Methoden arbeiten.
Zu der Therapeutin habe ich Vertrauen und glaube aufgrund der wenigen Sitzungen beurteilen zu können, dass es mir bis jetzt schon geholfen hat.
Ich hatte gelesen, dass man KPTBS und Borderline sehr oft verwechselt, da die meisten Symptome ähnlich sind. Allerdings ist das 2. bei mir ausgeschlossen, da ich mich nie selbst verletzt habe.

24.05.2023 21:24 • x 1 #5


4_0_4
Das ist gut das Du deiner Therapeutin einen Zugang zu dir zulassen kannst.

Zitat von Anduin:
Allerdings ist das 2. bei mir ausgeschlossen, da ich mich nie selbst verletzt habe.

SSV / SVV kann auch bei der kPTBS vorkommen, so wie das bei F60.31 nicht zwingend ein Symptom sein muss um diese Diagnoser zu stellen.

Falls es dich interessiert, kannst auf mein Profil gehen - dort findest Du unter meinen Themen auch einen Blog mit Tips.

24.05.2023 21:32 • x 1 #6


E
Zitat von 4_0_4:
Das ist gut das Du deiner Therapeutin einen Zugang zu dir zulassen kannst. SSV / SVV kann auch bei der kPTBS vorkommen, so wie das bei F60.31 nicht zwingend ein Symptom sein muss um diese Diagnoser zu stellen. Falls es dich interessiert, kannst auf mein Profil gehen - dort findest Du unter meinen Themen auch einen ...

Ok, das wusste ich nicht, denn im Artikel den ich las, wurde es so dargestellt.
Aber selbstverletzendes Verhalten trifft halt bei mir eh nicht zu.

24.05.2023 21:34 • x 1 #7


4_0_4
Zitat von Anduin:
Ok, das wusste ich nicht, denn im Artikel den ich las, wurde es so dargestellt.

Ja, ich weiß was Du meinst. Es ist halt noch nicht so verbreitet in den allgemeinen Online Medien.

24.05.2023 21:43 • x 1 #8





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