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Hallo in die Runde.
Ich nehme seit inzwischen fast 20(!) Jahren Antidepressiva ein.
Mein Standardmedikament ist nun seit
5 Jahren Fluoxetin. Vor 3 Jahren habe ich die Dosis von 40 mg auf 20 mg reduziert.
Mein Psychiater hat das relativ gleichgültig zur Kenntnis genommen.
Ich sehe ihn ohnehin nur 2-3 mal pro Jahr und sehe auch dann wenig Sinn in diesem Kontakt.
Ich muss allerdings sagen, dass ich einen Therapeuten habe dem ich sehr vertraue und mit dem ich alles besprechen kann.
Nun zu meiner eigentlichen Frage:
Ich trage mich schon seit längerem mit dem Gedanken das Fluoxetin abzusetzen.
Ich hasse es inzwischen einfach zu sehr mir jeden Morgen diese Tablette einzuwerfen ohne zu wissen ob es noch eine Wirkung gibt.
Es geht mir gerade nicht gut, beruflicher Stress, familiäre Konflikte bestimmen meinen Alltag.
Dennoch habe ich das Gefühl meinen Körper schützen zu müssen. Ich habe bereits grenzwertige Nieren und Leberwerte. Vielleicht spielt der jahrelange Konsum von Psychopharmaka dabei auch eine Rolle.
Natürlich ist mir die Gefahr bewusst die im Zusammenhang einer Absetzung von Fluoxetin besteht.
Das ist gerade mein Dilemma.
Gibt es Erfahrungen mit der Absetzung von Fluoxetin oder vergleichbaren Medis nach langer Zeit?
Ich freue mich über Berichte und Erfahrungen.
Dankeschön.


I

06.07.2019 11:22 • 06.07.2019 #1


2 Antworten ↓


Schlaflose
Fluoxetin muss wie jedes andere AD ganz langsam ausgeschlichen werden., am besten über mehrere Monate hinweg. Dan gibt es in der Regel keine Absetzerscheinungen.

06.07.2019 12:23 • x 1 #2


Hallo,

sehr wahrscheinlich ist Fluoxetin die Ursache für die schlechten Organwerte.
Du erwähnst jedenfalls keinen chron. Alk..

Meiner Meinung nach solltest Du reagieren. Ob Du frühzeitig an der Dialyse landest - es wird den Psychiater nicht interessieren.

Das Absetzen von Medikamenten, die im Gehirn wirken, ist - leider - heikel.
Wenn Du Deinem Gehirn keine Gewalt antun willst, solltest Du sehr vorsichtig vorgehen.

Vor allem muss Dir klar sein, dass diverse Absetzerscheinungen auftreten können/werden. Die subtilste mögen die verstärkten Depressionen sein. Aber man kann es schaffen, wenn man sich klar macht, dass es Entzugserscheinungen sind.
Auch ein Gesunder würde Depressionen beim Absetzen bekommen.

Diese Probleme treten oft zeitlich verzögert ein. Insofern nicht täglich reduzieren sondern immer etwas abwarten.
Werden Probleme zu groß, wieder leicht aufdosieren - und wieder warten.

Ich glaube, Fluoxetin hat eine lange Halbwertszeit. Das ist im Hinblick auf Entzugserscheinungen generell günstiger.

Es könnte sein, dass die letzten Dosierungen kurz vor Null die schwierigsten werden und dann man die Geschwindigkeit deutlich reduzieren muss. Regeln wie 10% Schritte halte ich für nicht hilfreich. Es ist individuell auch sehr verschieden.
Es kann sein, dass Du den Schritt von 20 auf 10 gut schaffst aber den von 10 auf Null nicht... Und auch nicht den von 10 auf 5...

Ohne ärztliche Unterstützung hat man keine andere Wahl, als Tabletten zu zerteilen, Kapseln zu öffnen...

Seelische Unterstützung findet man auf der Absetz-Webseite: adfd.org.

Es wäre wirklich fantastisch, wenn Dir der Entzug gelingen würde und es Dir zusammen mit Deinem Therapeuten gelingt, stabil ins neue Leben zu starten!

Ich wünsche es Dir jedenfalls.

06.07.2019 21:12 • x 1 #3




Dr. med. Andreas Schöpf