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FlyFree
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Hallo zusammen,

ich bin neu hier. Im Prinzip habe ich Fragen zu einem Medikament, aber die kann man nur einordnen wenn man meine Hintergrundgeschichte kennt, und natürlich wäre ich auch dankbar für jeden anderen Hinweis der mir irgendwie hilft. Oder grundsätzlich einem Austausch mit anderen Betroffenen. Daher weiß ich nicht so ganz ob ich hier im richtigen Unterforum bin, wenn nicht, dann bitte einfach verschieben.

Also wie gesagt erst mal zu meinem Hintergrund: Ich bin ein Mann, Ende 30, Familienvater. Seit kurz nach der Geburt meiner heute 5 Jahre alten Tochter kämpfe ich mit psychischen Problemen, die mit einer massiven Schlafstörung angefangen haben. Damals war ich in einer schwierigen Lebensphase durch die Belastung nach der Geburt, durch den beruflichen Druck und verschiedene weitere Faktoren, sodass irgendwann das Einschlafen einfach nicht mehr klappen wollte. Ich lag stundenlang wach, innerlich angetrieben, aufgedreht, dann zunehmend voller Angst, Gedankenkarussell, Schweißausbrüche, Durchfall, Panikattacken. Oft ging das bis in die frühen Morgenstunden, in denen ich dann irgendwann völlig erschöpft und verheult zusammengebrochen bin. Das Ganze hat mich damals in die psychiatrische Ambulanz geführt, ich bin knapp an einem stationären Aufenthalt vorbei geschrammt. Ich habe damals viele Hebel in Bewegung gesetzt und das Thema so langsam in den Griff bekommen, unter anderem durch eine Verhaltenstherapie (die gerade ausläuft, alle Stunden verbraucht), durch Reduzierung der beruflichen Belastungen, durch weitere kleine und große Veränderungen im Lebensstil und durch niedrig dosiertes Quetiapin, zuletzt eine viertel bis halbe 25 mg Tablette am Abend, die mich ein wenig dämpft und runterholt. Es wurde zwar nie wieder ganz so wie früher, aber ich habe mich insgesamt einigermaßen stabilisiert, so dass ich unterm Strich wieder ein glückliches Leben führen konnte: Die schlimmen Nächte wurden seltener, der Umgang damit wurde entspannter, das Quetiapin konnte ich nach ca. 2 Jahren vollständig absetzen. Ich hatte irgendwie gelernt, damit zu leben. Gegen die Diagnose "Depression" habe ich mich innerlich immer ein wenig gesperrt, weil bei mir das Leitsymptom der Antriebslosigkeit, des Interessensverlustes und der "Lebensmüdigkeit" praktisch fehlt. Es handelt sich aus Sicht meiner Psychiaterin daher eher um eine generalisierte Angststörung. Ich mache mir grundsätzlich viele Sorgen und manchmal verliere ich die Kontrolle darüber, drehe körperlich und gedanklich dann total hohl und verliere mich darin, als würde ich die Bremse nicht mehr finden. Leider verstärkt sich das oft selbst, das ist eine Spirale. In ganz schlimmen Nächten kommt dann auch mal der Gedanke, dass ich das so nicht mehr aushalte, dann muss ich meine Frau wecken weil ich nicht mehr alleine sein kann. Sobald ich dann aber wieder ein paar stabile Nächte habe relativiert sich vieles SEHR und ich sehe alles wieder positiver.

Nach oder Trotz alldem haben wir uns nach längerem Ringen für ein zweites Kind entschieden. Ich habe eine ganz tolle Tochter, liebe meine Familie und bin im Prinzip auch glücklich mit meinem Leben. Ich hatte lange die Befürchtung, dass ich noch eine zusätzliche Belastung nicht tragen könnte, das war für mich der einzige Grund der dagegen sprach. Ich wollte aber der Angst nicht alles opfern, nicht auf diesen Wunsch verzichten, daher sind wir diesen Weg nun doch gegangen. Meine Frau ist nun seit ein paar Monaten schwanger und nunja. Vielleicht ist es eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, aber wie befürchtet habe ich nun einen heftigen Rückfall. Die schlimmen Nächte sind zurück, den ganzen Tag über trage ich eine Grundanspannung um das Thema "Schlaf" und "funktionieren Müssen" in mir, die sich nachts im Bett entlädt, sobald ich die Augen zumache. Ich komme nicht mal dazu, mir selbst die Chance zum Einschlafen zu geben, zu entspannen, ich drehe sofort auf, kriege Schweißausbrüche, mir wird heiß und kalt, ich muss aufstehen, rumrennen, kriege Panik, mache mir unglaublich Sorgen wie das alles weitergehen soll und wie tief ich diesmal falle. Das Schlimmste ist, das alles was ich in den letzten Jahren vermeintlich gelernt und verändert habe nicht zu helfen scheint. Ich habe mich immer mal wieder für einzelne Tage krank schreiben lassen, langsam fällt das aber auch beruflich auf und ins Gewicht (ich bin Führungskraft . ), und natürlich kommt dann die Sorge dazu, wie das alles mit zwei kleinen Kindern weitergehen soll falls ich da nicht mehr funktioniere und als Verdiener ausfalle. Ich übertreibe oft in meinen Ängsten, aber soooo weit weg ist das alles nicht.

Jedenfalls geht es so nicht mehr weiter. Ich habe das Gefühl, ich bin nur ein paar Schritte von einem unsäglichen Abgrund entfernt. Ein Teil von mir weiß, dass es eine Phase ist, dass es auch wieder besser werden wird. Ein anderer Teil kann einfach nicht mehr. Seit das vor ein paar Wochen wieder in der Intensität angefangen hat, habe ich nochmals mit meiner Verhaltenstherapeutin sprechen können (ich bin gerade in den Rezidivprophylaxe-Sitzungen), aber das hat mir kaum geholfen. Ich hatte auch einen Termin bei einer Psychiaterin, die mir nun Sertralin verordnet hat. Ich soll im Abstand von je einer Woche, beginnend mit 25 mg in Schritten von 25 mg auf 100 mg aufdosieren, Wiedervorstellung in 6 Wochen. Nun ist es so, dass ich damals vor 5 Jahren bereits einen Anlauf mit einem SSRI unternommen habe, damals Escitalopram. Ich scheine grundsätzlich sehr sensibel auf Psychopharmaka zu reagieren, daher wirkt bei mir auch eine vermeintlich homöopatische Dosis Quetiapin ganz gut. Jedenfalls hat das Escitalopram bei mir schon beim Aufdosieren zu krassen sexuellen Nebenwirkungen geführt: Die Libido war noch vorhanden, aber mein P. wurde völlig gefühllos, hat sich angefühlt wie ein totes Stück Fleisch, der Orga. war dann mehr Schmerz und kein bisschen mehr Lust. Mir hat das total Angst gemacht und ich bin damals durch Dr. Google auf PSSD aufmerksam geworden, also Menschen bei denen das selbst nach dem Absetzen der Medikamente so bleibt. Ich habe es dann damals abgesetzt (und mich wie beschrieben ja auch anderweitig stabilisiert) und zum Glück hat sich sexuell dann auch alles wieder eingerenkt. Aber ich habe einen rießen Schiss davor, dass das mit Sertralin nun wieder passiert und nicht mehr weggeht. Als temporäre Nebenwirkung während der Einnahme wäre das für mich akzeptabel, dafür ist der Leidensdruck gerade wirklich groß genug, aber potentiell dauerhaft. Woah. Das ist harter Tobak. Ich habe versucht herauszufinden, wie groß das Risiko hierfür ist, aber nunja, es gibt wohl keine belastbaren Zahlen, keine Studien, lediglich eine Reihe von gruseligen Fallberichten im Internet bei denen ich nicht einschätzen kann ob es sich um ganz seltene Ausnahmen handelt oder ob das doch häufiger vorkommt. Meine Psychiaterin hat das leider nicht so ernst genommen und lediglich gemeint es sei eben Bestandteil meiner Störung und ich soll das jetzt trotzdem nehmen. Das ist nun drei Wochen her, ich habe es erst mal nicht angerührt und noch mal einen Versuch mit ordentlicher Schlafhygiene und Quetiapin unternommen. Ich hatte auch Urlaub und das hat für zwei Wochen tatsächlich ganz gut funktioniert. Ich dachte eigentlich ich wäre halbwegs über den Berg. Nun hat diese Woche die Arbeit aber wieder angefangen und es hat wieder voll zugeschlagen. Die heutige Nacht war ein absoluter Tiefpunkt.

Unterm Strich bin ich jetzt an einem Punkt, an dem ich weiß, dass es in Eigenregie nicht mehr weiter geht. Noch ein, zwei so Nächte und ich breche komplett zusammen. Ich kann das auch meiner Familie nicht zumuten. Ich bin jetzt erst mal durch den Hausarzt krank geschrieben für ein paar Tage, die Psychiaterin ist urlaubsbedingt leider nicht zu erreichen. Der Hausarzt meint auch ich soll dem Sertralin mal eine Chance geben. Und im Prinzip weiß ich, dass ich jetzt was ändern muss. Ich bin auch einfach neugierig darauf, ob sich damit nicht einfach wirklich mal alles grundlegend stabilisiert und ich mal nachhaltig aus diesem Elend rauskomme, das wäre mir sooo viel wert. Auf der anderen Seite habe ich WIRKLICH Angst davor, damit einen dauerhaften Schaden anzurichten.

Ja, da stehe ich nun. Das war jetzt viel mehr Text als beabsichtigt. Ich hoffe es liest irgendjemand. Irgendwelche Ratschläge?

20.06.2026 x 1 #1


14 Antworten ↓

Sprotte
Hallo, viel Stress frisst viel Nährstoffe. Bevor du mit deinen Bedenken zum Sertralin greifst, könntest du deine Nährstoffe testen lassen. Eisen ( Ferritin); B Vitamine und vieles mehr. Bewegst du dich genug? Ausdauersport ist mein wichtigstes Tool - genauso wie Entspannungsübungen; z.B. Meditation oder so. Alles Gute für dich

x 2 #2


A


Angststörung, nächtliche Panikattacken, Sertralin

x 3


Schlaflose
Zitat von FlyFree:
Die schlimmen Nächte sind zurück, den ganzen Tag über trage ich eine Grundanspannung um das Thema "Schlaf" und "funktionieren Müssen" in mir, die sich nachts im Bett entlädt, sobald ich die Augen zumache.

Wenn das Schlafproblem so stark im Vordergrund steht, ist Sertralin nicht das richtige Medikament. Es ist ein SSRI und somit anregendes AD und kann Schlafstörungen verstärken. Bei Schlafproblemen sind sedierende/schlafanstoßende Antidepressiva die beste Option. Ich nehme seit 26 Jahren welche. Bei mir wirkt Doxepin sehr gut.

x 2 #3


Sonja77
Das ist absolut 👍 korrekt,also wer bereits an schweren Schlafstörungen leidet und daher angespannt ist und eh eher aufgedreht,da ist das Sertralin als medi so ziemlich das verkehrteste so wie jedes dieser Gruppe denn wie bereits erwähnt ist es sehr anregend 🤔 und von daher kaum geeignet

Mir hat man mal aus einer Fehlentscheidung des Arztes in der Psychiatrie das Sertralin gegeben,nach einer Woche hab ich es weggelassen weil ich schon fast die Wände hochgeklettert bin nicht mehr geschlafen hab und einen Puls und BD hatte der jenseits von gut und böse war und das alles weil ich sowieso schon auf 3000 war 24 Stunden am Tag und dann noch so ein medi,na dann gute Nacht 😨😨

Wenn dein Hauptproblem das schlafen ist und es das ist was dir wirklich am meisten zu schaffen macht dann muss es auch nicht immer ein Psychopharmaka sein…Es gibt auch Schlafmittel die keine Psychopharmaka sind und da gibt es von ganz leichten bis zu den Hammer Dingen alles

Ansonsten empfehlen viele Psychiater auch das Quetiapin zum schlafen in der Dosierung von 25mg soll es Wunder wirken

x 1 #4


Greta__
Hallo und willkommen im Forum.

Opipramol soll sehr helfen gegen Ängste, Panik und hilft auch ruhiger zu werden. Da würde ich den Hausarzt ansprechen. Sertralin kann anregend sein, muss es aber nicht. Mich hat Escitalopram z. B. extrem müde gemacht (ist ja auch ein SSRI), da reagiert jeder anders.

Ich würde über eine Tagesklinik nachdenken. Morgens hin, nachmittags nachhause. Dort kannst du z. B. auch auf Antidepressiva eingestellt werden. Das würde ich als ernsthafte Option in Betracht ziehen.

Quetiapin, wenn es dir geholfen hat, wieder nehmen?

Ich wünsche dir gute Besserung.

x 1 #5


P
Mir hat Sertralin sehr geholfen. Ich hatte Panikattacken, Angststörung und im Zuge dessen oder evtl auch initial Depression.

Ja, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sind Antidepressiva, die zunächst antriebssteigernd wirken, deswegen können sie Unruhe, Ängste und Schlafstörungen in der Einschleichphase zunächst verstärken, aber wenn das Einschleichen durch ist und man eine Weile auf der Zieldosis ist, die antidepressive Wirkung eingetreten ist, reduzieren sich die Depressionssymptome. Waren das Ängste oder Unruhe oder Schlafstörungen, gehen diese also zurück bis weg.

#6


F
Also ihr lieben, erst mal vielen Dank für die vielen Antworten. Mal der Reihe nach: Zum Thema Nährstoffe, ich habe auch die Vermutung, dass hier etwas im Argen liegt. Vor Jahren wurde bei mir mal ein Vitamin D Mangel festgestellt, ich habe dann ein paar Wochen hochdosiertes Vitamin D genommen, das wurde seitdem dann aber nicht mehr untersucht. Leider fällt es mir grundsätzlich sehr schwer, mich ausgewogen und gesund zu ernähren. Das ist auch so ein Thema, mit dem ich seit Jahren kämpfe. Sport mache ich aber regelmäßig. Im Rahmen der jetztigen Diagnostik wurde ich einmal beim Hausarzt durchgecheckt, also Organultraschall und Blutwerte. Die Blutfette und Blutzucker sind erhöht, was mich nicht ziemlich überrascht. Schilddrüsenwerte waren ok. Mehr wurde nicht untersucht. Generell habe ich das Gefühl, das hier noch mehr hätte untersucht werden können, ist wohl aber als gesetzlich Versicherter nicht drin. Ich habe jetzt im August (früher ging leider nicht) einen Termin bei einer Ärztin, die auf psychosomatrische Erkrankungen im Zusammenhang mit Ernährung und Darmgesundheit spezialisiert ist um das nochmal anzuschauen, das muss ich dann aber wohl selbst zahlen. Vielleicht bringt es mich aber noch mal einen Schritt weiter.

Jetzt zurück zum aktuellen Problem: Vielleicht kam das nicht so klar rüber, aber es geht mir im Moment schon SEHR schlecht, zumindest in den Nächten. Heute Nacht war ich kurz davor, mich direkt selbst in die Psychiatrie einzuweisen. Die Angst- und Panikspirale dreht da so hoch, dass ich das Gefühl habe, das keinen Augenblick länger etragen zu können. Auf eine gewisse Art ist das sogar faszinierend, weil mir ganz objektiv gesehen klar ist, dass das alles "nur" im meinem Kopf ist. Ich weiß, dass es nicht so schlimm ist mal nur ein, zwei Stunden zu schlafen, ich habe das schon oft geschafft. Nur finde ich im Moment die Bremse nicht. Ich merke sogar selbst, dass ich mich da arg reinsteigere. Da kommen dann ganz viele Existenzängste hoch, Richtung "ich darf jetzt nicht ausfallen", "ich verliere meinen Job", "dann kann ich die Wohnung nicht mehr bezahlen und es wird erst richtig schlimm" etc etc.. Ich gebe mir selbst nich mal die Chance, mal eine halbe Stunde ruhig liegen zu bleiben und runterzukommen, sobald ich mich ins Bett lege "fährt alles hoch".

Ja, Quetiapin hat mir damals sehr geholfen und das nehme ich auch gerade wieder regelmäßig. Mein erster Ansatz war ja jetzt auch, es damit wieder zu regeln, aber es klappt halt nicht mehr so ganz wie früher. Ich nehme allerdings auch nur eine Viertel 25 mg Tablette und habe selbst davon am nächsten Vormittag einen Überhang, wenn ich mehr nehme wird es schwieriger mit Autofahren/Arbeitsweg. Trotzdem wäre das eigentlich meine bevorzugte Lösung gewesen, einfach weil es schon mal gut funktioniert hat, deshalb war ich ja auch wieder bei der Psychiaterin.

Die meint allerdings - was ich logisch gesehen schwer abstreiten kann - dass das Quetiapin nicht die Grunderkrankung, nämlich die Angst behandelt, sondern nur dämpft. Ich quäle mich jetzt seit Jahren, Verhaltenstherapie war nur mäßig erfolgreich, und der Ansatz jetzt mal medikamentös an die Angst und Panik zu gehen ist vielleicht nicht ganz falsch. Daher der Vorschlag mit dem Sertralin, dem ich ja auch erstmal zugestimmt habe. Das Quetiapin darf ich begleitend weiter nehmen, für den Notfall auch Lorazepam. Es ist halt nur so, dass ich auch vor dem Sertralin super Angst habe. Die Erfahrungsberichte damit gehen halt total auseinander. Ich habe im Moment eh das Gefühl, kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen und wenn die Einschleichphase wirklich so heftig ist wie es manche beschreiben weiß ich nicht wie ich das aushalten soll. Und dazu halt die Panik vor PSSD, ich hatte eben unter Escitalopram genau solche Probleme, die dann zum Glück wieder weggegangen sind. Auf der anderen Seite finde ich es halt auch schwierig: Man geht mit einem Leidensdruck zu den Ärzten, die beraten und verschreiben nach bestem Wissen und Gewissen und ich.. mach es dann einfach nicht, weil ich die Hosen voll habe, komme aber morgen wieder und jammere dass es nicht besser wird. Ich weiß einfach überhaupt gar nicht mehr was richtig ist und bin total durcheinander.

Zum Thema Tagesklinik: Hat meine Hausärztin schon angesprochen ... Die Wartezeiten sind da im Moment im Bereich einiger Wochen und ich denke schon, dass ich jetzt früher ins Handeln kommen muss. Außerdem habe ich auch hier Angst, dass ich mich durch so einen Schritt beruflich endgültig rausnehme.


Was mir hier super helfen würde wären ein paar Erfahrungsberichte wie Sertralin bei euch gewirkt hat ... Danke insofern an Pauline, toll wären natürlich auch Erfahrungen von Männern, wie sah das mit Libido und Gefühl im P. aus und so weiter? Auch wenn ich weiß, dass das natürlich "nur" Einzelerfahrungen sind.

Ach sch., ich habe jetzt total durcheinander geschrieben.

x 1 #7


Burn
Ich verstehe dich sehr gut und kenne all diese Gedanken.
Du wirst hier sehr unterschiedliche Meinungen bekommen und die sind alle logisch.
Pauline hat es perfekt erklärt wenn es gut läuft.
Ansonsten bin ich da auch bei der Fraktion es kann dich schier zum Wände hochklettern bringen.

Interessant ist das dies gar nicht so deine Angst ist.
Sondern das Libido Problem.

Ist das deine Hauptangst?

Tagesklinik einige Wochen Wartezeit ist echt nicht lang. Psychiatrie geht natürlich schneller aber jetzt mal ganz ehrlich, in der Psychiatrie da wird eingestellt! Es ist für einen geschützten Raum da und für Medis.
Überlege dir welchen Weg du gehen möchtest.
Eine zeitlang Wartezeit kann sich immer lohnen, Psychiatrie ist schon noch mal was anderes.
Was nicht heißt das es schlecht sein muss.
Aber überleg es dir gut

#8


F
Das habe ich vielleicht falsch rübergebracht. Die Psychiatrie will ich unbedingt vermeiden, die wäre für mich nur der letzte Rettungsanker, wenn gar nichts mehr geht. Dann lieber in die Tagesklinik (auch wenn ich denke, dass sie dort ja ebenfalls medikamentös einstellen werden). Aber auch das ist ein Schritt, vor dem ich im Moment noch zurückschrecke. Möglicherweise würde es mir gut tun, ich weiß es nicht. Ich lehne es nicht ab, aber es ist eher die nächste Eskalationsebene, ein Plan den ich in der Schublade habe, aber (noch) nicht ziehen möchte.

Meine Hauptsorge ist, dass ich beruflich den Boden unter den Füßen verliere. Ich möchte vermeiden, durch zu lange und zu viele Ausfälle auffällig zu werden. Leider sind psychische Erkrankungen halt immer noch ziemlich stigmatisiert. Wenn ich jetzt wochenlang in eine Klinik gehe, dann wird der Druck sicher nicht kleiner und das wird meine ganzen Existenzängste ganz bestimmt nicht mindern. Diese Existenzsorgen treiben mich halt nachts um, in der Lebenssituation vielleicht verständlich. Ich denke, dass sich das ganze wieder stabilisiert, wenn mein zweites Kind erst mal geboren ist und das erste Jahr mit Elternzeit wieder rum ist, wenn meine Frau beruflich wieder einsteigen kann und sich die Lasten wieder verteilen, so war es jedenfalls beim ersten mal.

Was ich sagen wollte mit dem Psychiatriebeispiel war: Ich war eben letzte Nacht wieder so verzweifelt, dass mir völlig klar wurde, dass das so nicht weiter geht. Ich muss jetzt irgendetwas verändern, sonst ist die Klinik wirklich nur noch eine Frage der Zeit. Vielleicht ist das jetzt einfach der Zeitpunkt, wo man medikamentös was ausprobieren und von "Selbsttherapie" Abstand nehmen muss. Der nächse Schritt wäre hier nach Auffassung meiner Ärzte der medikamentöse, und wenn der ambulant nicht zieht, ja, dann werde ich um die Klinik nicht mehr rumkommen. Meine Ängste sind sehr davon abhängig, wie die letzten Nächte waren. Wenn der Druck morgens aufzustehen und zu funktionieren raus ist, so wie jetzt die letzten zwei Wochen im Urlaub, dann kann ich auch viel besser mit weniger Schlaf umgehen. Dann stört es mich nicht, wenn ich schlecht einschlafe und/oder häufiger aufwache. Unterm Strich schlafe ich dann nicht einmal länger, aber die Ängste und der Druck kochen nicht so hoch. In solchen "entspannteren Phasen" denke ich dann ich schaffe es so, mit Quetiapin und guter Entspannungsübungen. Bis ich dann in den nächsten Einbrurch stürze, der mich eines besseren belehrt. Und diese Einbrüche werden eben gerade immer häufiger und intensiver, immer existentieller. Ich möchte nicht ausprobieren, wie weit das noch nach unten geht. Das ist ein dunkles Loch, das mir furchtbar Angst macht.

Was das Sertralin angeht: Ich habe Antidepressiva nie wirklich eine Chance gegeben. Ich bin einfach auch neugierig, ob ich vielleicht eine ganz andere Lebensqualität damit erreichen kann, ob ich nicht irgendwann sagen kann "Mensch, das hätte ich früher tun sollen". Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht, welche anderen Optionen es noch groß gibt und was man in der Klinik denn sonst tun würde als mich eben unter besserer Aufsicht einzustellen. Klar habe ich Angst davor, dass die ersten Wochen schwierig werden. Aber den Preis wäre es mir vermutlich wert, wenn ich wüsste, dass das vorüber geht und ich danach eine Chance auf eine deutlich bessere Lebensqualität habe. Meine Angst bzgl. Medikamente bezieht sich hauptsächlich darauf, dauerhaft etwas kaputt zu machen, einen irreversiblen Schaden anzurichten .. Natürlich habe ich Schiss, dass es die Ängste noch weiter vertstärkt, jedenfalls Anfangs. Am meisten beschäftigt mich aber PSSD, die dauerhafte sexuelle und emotionale Abstumpfung. Unter Escitalopram habe ich auch keinen klassischen Libidoverlust erlebt, sondern eine komplette Taubheit der Genitalien, die zum Glück reversibel war. Das alles hat sich angefühlt, als wäre es überhaupt nicht mehr mit meinem Nervensystem verbunden, als hätte es jemand lokal betäubt, als wäre es eingeschlafen. Wenn sowas irreversibel wird..Keine Ahnung wie man damit leben kann.

#9


Pyrojay
Hey und Willkommen im Forum,

ich bin ein Mann und nehme schon sehr viele Jahre ein SSRI namens Paroxetin.
Bei mir hat es am Anfang zu erschwertem Orga. geführt. Libido war da alles bestens nur hat es lange gedauert bis zum Höhepunkt. Mit den Jahren hat sich das aber auch normalisiert. PSSD habe ich bis heute nicht.
Nun aber zu deinem Problem. So wie es aktuell ist geht es auch nicht weiter. Du steuerst regelrecht auf einen Nervenzusammenbruch zu. Dann wird die fehlende Libido durch ein SSRI das kleinste Problem sein.
Sertralin finde ich auch nicht unbedingt als Mittel erster Wahl. Alle die ich kenne mit einer Angststörung sind damit komplett an die Wand gefahren.
Wenn SSRI würde ich in erster Linie zu Venlafaxin greifen oder Paroxetin.
Wenn dein Hauptproblem der Schlaf ist würde ich Schlaflose recht geben und Doxepin oder Trimipramin probieren. Ruhig auch mal eine Höhere Dosis. Doxepin ab 50 mg wird dich sicherlich in den Schlaf bringen.
Wenn deine Angst aber im Vordergrund steht und dich abends nicht zur Ruhe kommen lässt würde ich wie gesagt Venla oder Paroxetin probieren.

#10


Schlaflose
Zitat von FlyFree:
Was mir hier super helfen würde wären ein paar Erfahrungsberichte wie Sertralin bei euch gewirkt hat

Im Forum gibt es jede Menge Erfahrungsberichte über Sertralin. Gib den Begriff bei der Suche ein und dir werden zig Titel angezeigt.

#11


F
Statusupdate: Ich war gestern und heute durch den Hausarzt krank geschrieben. Das hat ein bisschen den Druck genommen. Die letzte Nacht war ok. Ohne Medikamente eingeschlafen und ca. 4 Stunden gut durchgeschlafen, dann aufgewacht, und nicht mehr richtig in den Tiefschlaf gefunden. Noch 3-4 Stunden "gedöst", in denen ich wild geträumt habe und alle 20 min aufgewacht bin, habe es aber geschafft dabei entspannt zu bleiben und nicht in Panik zu geraten, für meine Verhältnisse eine ganz gute Nacht.

Trotz all der gegenteiligen Ratschläge hier habe ich heute Morgen mit der ersten 25 mg Sertralin begonnen. Nachdem mir nun Psychiater, Hausarzt und Psychotherapeutin unabhängig voneinander dazu geraten hatten und es ja so auch nicht weitergehen kann wollte ich jetzt einfach mal den Versuch starten. Ich weiß, nach einer Tablette kann man noch gar nichts sagen, aber ich habe die soweit erst mal ganz gut vertragen. Leichter Schwindel, leichte Kopfschmerzen, aber alles völlig im Rahmen, sonst alles komplett ok.

Trotzdem bin ich innerlich nicht klar damit. Es ist ein SSRI und damit die gleiche Substanzklasse wie Escitalopram, das bei mir damals diese krasse genitale Taubheit verursacht hat. Und die ist ein starkes Warnsignal für PSSD: https://www.reddit.com/r/PSSD/ - Für die, die es nicht kennen: Da geht es NICHT um verzögerte Orgasmen oder verminderte Libido, sondern um völlige Gefühllosigkeit, als wäre der komplette Bereich "da unten" in Narkose. Ich habe einfach sch. Angst, dass Sertralin das wieder auslöst und ich es diesmal gar nicht mehr weg bekomme.

Und ich ärgere mich tierisch über mich selbst, dass ich mir das von der Psychiaterin aufschwatzen lassen habe. Ich habe zwar meine Bedenken geäußert und das angesprochen, aber sie hat es nicht ganz für voll genommen und ich habe mich dann irgendwie drauf eingelassen. Jetzt fühle ich mich total schlecht damit. Die ist jetzt im Urlaub.. Ich habe das Gefühl, dass ich IRGENDWAS unternehmen muss, weil es so ja nicht weitergehen kann, gleichzeitig aber auch, dass das der falsche Weg ist.

x 1 #12


P
Geh davon aus, dass du PSSD nicht bekommen wirst, denn das ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Libido- oder Gefühlsstörungen können auftreten, oft gehen sie aber im weiteren Verlauf zurück.
Also blicke jetzt erstmal voller Vertrauen auf die stabilisierende Wirkvon Sertralin, die du spätestens in 2, 3 Wochen spüren solltest, wenn du in 1 Woche auf 50 gehst.
Mir und vielen anderen hat es genau aus solchen verzweifelten, fest gefahren Situationen geholfen, wie du es jetzt empfindest.
Du gehst den richtigen Weg.

Zusätzlich wäre es gut, wenn du den Schlaf förderst. Vielleicht solltest du mehr Quetiapin nehmen. Der Hangover nimmt vermutlich ab, wenn du das jetzt aufdosierst.

Ansonsten hat mir Promethazin gut geholfen. Das ist ein anderer Wirkstoff.

Irgendwann musst du dann mal dein Grundproblem angehen: Dein übertriebenes Verantwortungsgefühl, das dich ja zusammen mit Katastrophendenken in den Wahnsinn treibt.
Ja, du bist für Frau und Kinder verantwortlich. Aber deine Frau ist für dich und die Kinder verantwortlich. Du bist also nicht allein verantwortlich, sondern ihr seid ein Team. Solltest du länger ausfallen, werdet ihr gemeinsam eine Lösung finden. Hab Vertrauen.

x 1 #13


P
Lass dich zur Not länger krank schreiben. Dann kommst du schneller auf Spur, wenn du dich auf deine Gesundheit konzentrierst.

Bei meiner ersten Krise 2009 war ich auch Führungskraft und 5 Wochen krank geschrieben. Davor 1 Woche Urlaub, also insgesamt 6 Wochen raus. Hat meiner Karriere überhaupt nicht geschadet, ich bin danach noch weiter die Leiter rauf.

2020, anderes Unternehmen, kein Führungsjob mehr aber Expertenrolle und Stabsstelle an Bereichsleitung, war ich insgesamt ca. 3 Monate raus. War auch nicht schlimm.
Es geht alles, mach dir nicht so einen Kopf. Auch dein Arbeitgeber will, dass du gesund bist und deinen Job gut machen kannst.

x 1 #14


F
Danke dir erstmal Pauline für deine ermutigenden Worte!

Mittlerweile ist eine Woche vergangen und es hat sich einiges getan. Der Versuch mit dem Sertralin ist leider gescheitert. Ich habe mit 25 mg gestartet. Es gab leichte Übelkeit und Durchfall sowie ein wenig mehr innere Unruhe und so ein flattriges Gefühl im Bauch, aber alles völlig im Rahmen und aushaltbar. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass mir das Essen erheblich besser schmeckt, aber das ist wahrscheinlich zu schräg um wahr zu sein. Allerdings sind bereits nach drei Tagen Einnahme wieder genau die Probleme aufgetaucht, die ich bereits mit Escitalopram vor ein paar Jahren schonmal hatte: Genitale Taubheit und vollständiges Ejakulationsversagen.. Nicht falsch verstehen, ich muss jetzt nicht ständig Sex haben, aber ich habe eben einen rießen Schiss davor, dass sich das mit längerer Einnahmezeit verfestigt, das hatte ich ja schon geschrieben. nterm Strich hat mich das so sehr verrückt gemacht, dass ich einen weiteren nächtlichen Nervenzusammenbruch hatte und dann zur Stellvertretung der verordnenden Psychiaterin gefahren bin (die ist leider nach wie vor im Urlaub).

Dort wurde ich zum Glück sehr freundlich empfangen und es wurde gemeinsam entschieden, dass Sertralin wieder rauszunehmen und das Quetiapin je nach Bedarf auf bis zu 25 mg aufzudosieren um den Schlaf zu stabilisieren. Ehrlich gesagt ist das genau das, was ich eigentlich von Anfang an innerlich selbst wollte und diese Entscheidung hat wahnsinnig viel Druck rausgenommen. Ich bin nun seit Montag bei 12,5 mg und habe damit seitdem jede Nacht gut und zuverlässig geschlafen, auch der Arbeit konnte ich die Woche über dann so wieder nachgehen, was mir gut getan hat. Ich stelle für mich fest, dass es zwar kurzfristig Erleichterung verschafft wenn ich mich nach so einer üblen Nacht krankschreiben und ausruhen kann, auf der anderen Seite hänge ich dann erst recht im Grübelkarussell fest und mache mir noch mehr Sorgen um die Zukunft.

Unterm Strich geht es mir nun viel besser als letzte Woche, jedoch mit einem großen Haken: Trotz der immer noch sehr geringen Dosis hat das Quetiapin bei mir einen wahnsinnigen Überhang bis in den Nachmittag des Folgetags hinein. Es dämpft irgendwie auch die Stimmung, was ich langfristig schwierig finde. Dazu kommt, dass es metabolisch wohl nicht ganz unbedenklich ist und ich sowieso nicht die besten Blutwerte habe. Letztes mal habe ich auch Monate gebraucht, um es wieder abzusetzen. Wirklich glücklich bin ich damit also auch nicht. aber ich schätze es ist wohl für mich derzeit das geringste Übel.

Einen Folgetermin bei meiner Psychiaterin habe ich leider erst wieder spät im Juli. Da möchte ich auf jeden Fall nochmal besprechen, ob es nicht doch noch irgendeine bessere Alternative gibt, wie man den Schlaf und das Nervenkostüm jetzt mal stabilisieren kann, ohne mir gleich diesen Blumenstrauß an Nebenwirkungen einzufangen ....

x 2 #15


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Dr. med. Andreas Schöpf
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