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FlyFree
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Hallo zusammen,

ich bin neu hier. Im Prinzip habe ich Fragen zu einem Medikament, aber die kann man nur einordnen wenn man meine Hintergrundgeschichte kennt, und natürlich wäre ich auch dankbar für jeden anderen Hinweis der mir irgendwie hilft. Oder grundsätzlich einem Austausch mit anderen Betroffenen. Daher weiß ich nicht so ganz ob ich hier im richtigen Unterforum bin, wenn nicht, dann bitte einfach verschieben.

Also wie gesagt erst mal zu meinem Hintergrund: Ich bin ein Mann, Ende 30, Familienvater. Seit kurz nach der Geburt meiner heute 5 Jahre alten Tochter kämpfe ich mit psychischen Problemen, die mit einer massiven Schlafstörung angefangen haben. Damals war ich in einer schwierigen Lebensphase durch die Belastung nach der Geburt, durch den beruflichen Druck und verschiedene weitere Faktoren, sodass irgendwann das Einschlafen einfach nicht mehr klappen wollte. Ich lag stundenlang wach, innerlich angetrieben, aufgedreht, dann zunehmend voller Angst, Gedankenkarussell, Schweißausbrüche, Durchfall, Panikattacken. Oft ging das bis in die frühen Morgenstunden, in denen ich dann irgendwann völlig erschöpft und verheult zusammengebrochen bin. Das Ganze hat mich damals in die psychiatrische Ambulanz geführt, ich bin knapp an einem stationären Aufenthalt vorbei geschrammt. Ich habe damals viele Hebel in Bewegung gesetzt und das Thema so langsam in den Griff bekommen, unter anderem durch eine Verhaltenstherapie (die gerade ausläuft, alle Stunden verbraucht), durch Reduzierung der beruflichen Belastungen, durch weitere kleine und große Veränderungen im Lebensstil und durch niedrig dosiertes Quetiapin, zuletzt eine viertel bis halbe 25 mg Tablette am Abend, die mich ein wenig dämpft und runterholt. Es wurde zwar nie wieder ganz so wie früher, aber ich habe mich insgesamt einigermaßen stabilisiert, so dass ich unterm Strich wieder ein glückliches Leben führen konnte: Die schlimmen Nächte wurden seltener, der Umgang damit wurde entspannter, das Quetiapin konnte ich nach ca. 2 Jahren vollständig absetzen. Ich hatte irgendwie gelernt, damit zu leben. Gegen die Diagnose "Depression" habe ich mich innerlich immer ein wenig gesperrt, weil bei mir das Leitsymptom der Antriebslosigkeit, des Interessensverlustes und der "Lebensmüdigkeit" praktisch fehlt. Es handelt sich aus Sicht meiner Psychiaterin daher eher um eine generalisierte Angststörung. Ich mache mir grundsätzlich viele Sorgen und manchmal verliere ich die Kontrolle darüber, drehe körperlich und gedanklich dann total hohl und verliere mich darin, als würde ich die Bremse nicht mehr finden. Leider verstärkt sich das oft selbst, das ist eine Spirale. In ganz schlimmen Nächten kommt dann auch mal der Gedanke, dass ich das so nicht mehr aushalte, dann muss ich meine Frau wecken weil ich nicht mehr alleine sein kann. Sobald ich dann aber wieder ein paar stabile Nächte habe relativiert sich vieles SEHR und ich sehe alles wieder positiver.

Nach oder Trotz alldem haben wir uns nach längerem Ringen für ein zweites Kind entschieden. Ich habe eine ganz tolle Tochter, liebe meine Familie und bin im Prinzip auch glücklich mit meinem Leben. Ich hatte lange die Befürchtung, dass ich noch eine zusätzliche Belastung nicht tragen könnte, das war für mich der einzige Grund der dagegen sprach. Ich wollte aber der Angst nicht alles opfern, nicht auf diesen Wunsch verzichten, daher sind wir diesen Weg nun doch gegangen. Meine Frau ist nun seit ein paar Monaten schwanger und nunja. Vielleicht ist es eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, aber wie befürchtet habe ich nun einen heftigen Rückfall. Die schlimmen Nächte sind zurück, den ganzen Tag über trage ich eine Grundanspannung um das Thema "Schlaf" und "funktionieren Müssen" in mir, die sich nachts im Bett entlädt, sobald ich die Augen zumache. Ich komme nicht mal dazu, mir selbst die Chance zum Einschlafen zu geben, zu entspannen, ich drehe sofort auf, kriege Schweißausbrüche, mir wird heiß und kalt, ich muss aufstehen, rumrennen, kriege Panik, mache mir unglaublich Sorgen wie das alles weitergehen soll und wie tief ich diesmal falle. Das Schlimmste ist, das alles was ich in den letzten Jahren vermeintlich gelernt und verändert habe nicht zu helfen scheint. Ich habe mich immer mal wieder für einzelne Tage krank schreiben lassen, langsam fällt das aber auch beruflich auf und ins Gewicht (ich bin Führungskraft . ), und natürlich kommt dann die Sorge dazu, wie das alles mit zwei kleinen Kindern weitergehen soll falls ich da nicht mehr funktioniere und als Verdiener ausfalle. Ich übertreibe oft in meinen Ängsten, aber soooo weit weg ist das alles nicht.

Jedenfalls geht es so nicht mehr weiter. Ich habe das Gefühl, ich bin nur ein paar Schritte von einem unsäglichen Abgrund entfernt. Ein Teil von mir weiß, dass es eine Phase ist, dass es auch wieder besser werden wird. Ein anderer Teil kann einfach nicht mehr. Seit das vor ein paar Wochen wieder in der Intensität angefangen hat, habe ich nochmals mit meiner Verhaltenstherapeutin sprechen können (ich bin gerade in den Rezidivprophylaxe-Sitzungen), aber das hat mir kaum geholfen. Ich hatte auch einen Termin bei einer Psychiaterin, die mir nun Sertralin verordnet hat. Ich soll im Abstand von je einer Woche, beginnend mit 25 mg in Schritten von 25 mg auf 100 mg aufdosieren, Wiedervorstellung in 6 Wochen. Nun ist es so, dass ich damals vor 5 Jahren bereits einen Anlauf mit einem SSRI unternommen habe, damals Escitalopram. Ich scheine grundsätzlich sehr sensibel auf Psychopharmaka zu reagieren, daher wirkt bei mir auch eine vermeintlich homöopatische Dosis Quetiapin ganz gut. Jedenfalls hat das Escitalopram bei mir schon beim Aufdosieren zu krassen sexuellen Nebenwirkungen geführt: Die Libido war noch vorhanden, aber mein P. wurde völlig gefühllos, hat sich angefühlt wie ein totes Stück Fleisch, der Orga. war dann mehr Schmerz und kein bisschen mehr Lust. Mir hat das total Angst gemacht und ich bin damals durch Dr. Google auf PSSD aufmerksam geworden, also Menschen bei denen das selbst nach dem Absetzen der Medikamente so bleibt. Ich habe es dann damals abgesetzt (und mich wie beschrieben ja auch anderweitig stabilisiert) und zum Glück hat sich sexuell dann auch alles wieder eingerenkt. Aber ich habe einen rießen Schiss davor, dass das mit Sertralin nun wieder passiert und nicht mehr weggeht. Als temporäre Nebenwirkung während der Einnahme wäre das für mich akzeptabel, dafür ist der Leidensdruck gerade wirklich groß genug, aber potentiell dauerhaft. Woah. Das ist harter Tobak. Ich habe versucht herauszufinden, wie groß das Risiko hierfür ist, aber nunja, es gibt wohl keine belastbaren Zahlen, keine Studien, lediglich eine Reihe von gruseligen Fallberichten im Internet bei denen ich nicht einschätzen kann ob es sich um ganz seltene Ausnahmen handelt oder ob das doch häufiger vorkommt. Meine Psychiaterin hat das leider nicht so ernst genommen und lediglich gemeint es sei eben Bestandteil meiner Störung und ich soll das jetzt trotzdem nehmen. Das ist nun drei Wochen her, ich habe es erst mal nicht angerührt und noch mal einen Versuch mit ordentlicher Schlafhygiene und Quetiapin unternommen. Ich hatte auch Urlaub und das hat für zwei Wochen tatsächlich ganz gut funktioniert. Ich dachte eigentlich ich wäre halbwegs über den Berg. Nun hat diese Woche die Arbeit aber wieder angefangen und es hat wieder voll zugeschlagen. Die heutige Nacht war ein absoluter Tiefpunkt.

Unterm Strich bin ich jetzt an einem Punkt, an dem ich weiß, dass es in Eigenregie nicht mehr weiter geht. Noch ein, zwei so Nächte und ich breche komplett zusammen. Ich kann das auch meiner Familie nicht zumuten. Ich bin jetzt erst mal durch den Hausarzt krank geschrieben für ein paar Tage, die Psychiaterin ist urlaubsbedingt leider nicht zu erreichen. Der Hausarzt meint auch ich soll dem Sertralin mal eine Chance geben. Und im Prinzip weiß ich, dass ich jetzt was ändern muss. Ich bin auch einfach neugierig darauf, ob sich damit nicht einfach wirklich mal alles grundlegend stabilisiert und ich mal nachhaltig aus diesem Elend rauskomme, das wäre mir sooo viel wert. Auf der anderen Seite habe ich WIRKLICH Angst davor, damit einen dauerhaften Schaden anzurichten.

Ja, da stehe ich nun. Das war jetzt viel mehr Text als beabsichtigt. Ich hoffe es liest irgendjemand. Irgendwelche Ratschläge?

11.06.2026 x 1 #1


2 Antworten ↓

Sprotte
Hallo, viel Stress frisst viel Nährstoffe. Bevor du mit deinen Bedenken zum Sertralin greifst, könntest du deine Nährstoffe testen lassen. Eisen ( Ferritin); B Vitamine und vieles mehr. Bewegst du dich genug? Ausdauersport ist mein wichtigstes Tool - genauso wie Entspannungsübungen; z.B. Meditation oder so. Alles Gute für dich

x 1 #2


Schlaflose
Zitat von FlyFree:
Die schlimmen Nächte sind zurück, den ganzen Tag über trage ich eine Grundanspannung um das Thema "Schlaf" und "funktionieren Müssen" in mir, die sich nachts im Bett entlädt, sobald ich die Augen zumache.

Wenn das Schlafproblem so stark im Vordergrund steht, ist Sertralin nicht das richtige Medikament. Es ist ein SSRI und somit anregendes AD und kann Schlafstörungen verstärken. Bei Schlafproblemen sind sedierende/schlafanstoßende Antidepressiva die beste Option. Ich nehme seit 26 Jahren welche. Bei mir wirkt Doxepin sehr gut.

#3






Dr. med. Andreas Schöpf
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