Hallo,
hab mir den Thread gerade durchgelesen und möchte ein paar meiner Gedanken in die Runde werfen:
Zitat von sevens:In dem Moment, wo ich jammere, mache ich mir mein Leid erst recht bewusst. Ich lasse zu, dass es sich in mir ausbreitet und mich ausfüllt, indem ich es in Worte kleide und ihm Namen gebe. Das Leid wird greifbar und zum Wesen, das sich nur schwer wieder abschütteln lässt.
Wenn ich jammere, geht es mir hinterher um so schlechter.
So empfinde ich das auch. Als wenn ich nach dem Jammern mein Leid in die Welt gesetzt hätte und es dort als eigenständiges Wesen sein Unheil treibt, indem es schlechte Energien auf mich zurückwirft.
Zitat von Schlaflose:Mir persönlich wäre es total peinlich, dauernd zu jammern
Das kommt noch hinzu, es ist mir peinlich zu jammern. Es ist mir sogar peinlich, jemandem nur zu sagen, dass es mir schlecht geht. Das hat aber zu meiner Isolation beigetragen. Viele denken, ich melde mich einfach nicht mehr, in Wirklichkeit möchte ich nicht mitteilen, wie es mir geht.
Es ist aber auch traurig, dass das nicht einfach möglich ist.
Ich finde nicht, dass alles Jammern ist. Man kann sachlich erzählen, was einen bewegt und im Blick haben, ob es dem anderen zu viel wird. Einander gar nichts Negatives mehr mitzuteilen, verstärkt die Isolation. Der Mittelweg ist vielleicht die Art,
wie man etwas erzählt.
Deshalb muss ich tautröpfchen zustimmen:
Zitat von tautröpfchen:Oft gehts einfach um menschliche Zuwendung, um das Gefühl, in seiner Not verstanden zu werden.
Es gibt Geschehnisse, bei denen es angebracht ist, mit einem vertrauten Menschen darüber zu sprechen. Nicht alles ist dafür geeignet, geteilt zu werden, doch gibt es Dinge, die man allein nicht tragen kann und nicht allein tragen sollte. Und es gibt die Chance, dass Vertrauen verbindet.
Zitat von amber:Viele Menschen geben der Person der Schlimmes widerfahren ist, die Schuld daran auch wenn sie keine hat!
Das ist eine schlimme Entwicklung in der Gesellschaft, die ich auch beobachte.
Zitat von Kern12:Wir haben ja mittlerweile so eine Kultur, dass egal, wie schlecht es einem geht, man dazu noch gefälligst dazu lächeln soll und sich und anderen etwas vorlügen soll und mittlerweile gar keine Probleme mehr haben darf.
Dieses Phänomen ist aufgetreten, seitdem das "Positive Denken" zu einer gesellschaftlichen Verpflichtung geworden ist. Alle müssen "gut drauf" sein.
Das trägt auch dazu bei, dass ich nicht mehr über mich sprechen mag - es sei denn, es ist positiv.