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Franz97
Mitglied

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Hi,
ich habe mich hier angemeldet, weil ich ein wenig Hilfe suche und mit meinem Problem zunächst nicht wirklich mit meinen Freunden sprechen will.

Vor vier Wochen bin ich 29 geworden, habe mit meinem kleinen Freundeskreis gefeiert.

Ich habe einen Job in der IT, der mir Spaß bereitet, ich habe zwei Hobbys, denen ich nachgehe. Ich merke aber, dass bei mir zunehmend die Luft im Leben raus ist. Ich lasse mich körperlich gehen, habe weniger Lust auf Sozialleben und fokussiere mich noch mehr auf meinen Beruf. Ich esse durchgehend mehr Portionen, als eigentlich nötig, ich gehe deutlich weniger auf Veranstaltungen und rede mir das alles „schön“, indem ich an meine bisherige berufliche Laufbahn denke und mir einrede, dass ich nicht allzuviel falsch machen kann in meinem bisherigen Leben.

Nun suche ich Hilfe, wie ich diese dumme Ernährung (das damit einhergehende Übergewicht und den niedrigen Selbstwert) loswerde und im Gegenzug meine soziale Ader wieder finde.

Gibt es hier Leidensgenossen?

16.02.2026 x 1 #1


1 Antwort ↓

M
Servus & willkommen Franz,

als ich an einem ähnlichen Punkt im Leben stand wie Du, war es schwierig, einen Plan zu bekommen. Es war nur klar: so kann es langfristig nicht weitergehen. Heute, in der Rückschau, ist das etwas einfacher und vielleicht hilft Dir folgendes.

Alles, was man (vermeintlich) "freiwillig" tut, macht man aus einem Antrieb heraus. Dieser Antrieb ist sehr oft nicht ersichtlich (und deshalb keineswegs "freiwillig") und ergo kann auch nur schwer quellenorientiert vorgegangen werden. Im Gegenteil gehen wir zielorientiert vor: "Es soll besser/anders werden!" Doch was ist ein Ziel wert, das eher diffus anstatt klar definiert ist?

Es hatte Gründe, weshalb Du Dir a) diesen Beruf gewählt hast, b) diesen beiden Hobbies nachgehst und c) Du heute weniger ausgehst und stattdessen mehr isst usw.

Sich dieser Gründe bzw. Ursachen bewusst zu werden ist m. E. ein äußerst wichtiger, wenn nicht gar elementarer Schritt, um sich und sein (bisheriges) Handeln kennenzulernen und zu verstehen. Wir glauben normalerweise, dass wir "wissen was wir tun" - doch wenn eine Krise daherkommt, stehen wir ratlos da und fragen uns, wie "es" soweit kommen konnte. Dabei waren wir es, die soweit kamen zwinkern. Ich stellte für mich fest: Ich wusste mitnichten, was ich tat...und vor allem, warum.

Ein Psychologe würde übrigens angesichts Deines Alters automatisch fragen: Was macht Ihre Beziehung? Ich bin zwar nicht der Ansicht, das eine Beziehung per se notwendig ist für ein "erfülltes, sinnvolles Leben" aber generell schaut es schon so aus, dass (zufriedene) Paare in Summe glücklicher sind als Singles. Zumindest herrscht hierüber angeblich psychotherapeutisch nachgewiesener Konsens.

Eins ist mal klar, Erfolg im Beruf und Hobbies können offenbar nicht (mehr?) ausgleichen, dass Dir etwas "fehlt" derzeit. Mal ne Frage ins Blaue: Perspektive?

Ich hatte meine erste richtig schwere Krise mit 35. Heute, 20 Jahre später sieht mein Leben zu nahezu 100% anders aus als damals und ich fühle mich angemessener als seinerzeit. "Glücklicher" wäre nicht der richtige Begriff, da ich die Idee (!) "Glück" inzwischen sehr infrage stelle.

Vielleicht ist bei Dir gerade der Punkt gekommen, wo Du einen wesentlichen Wechsel vollziehen müsstest, wenn Du wüsstest, wie dieser aussehen soll? Je integrierter wir in Beruf und sozialem Umfeld sind, umso fixierter ist idR auch unser Blick auf uns selbst und auf die Welt. Es ist wie der (ausgetretene) Weg zur Arbeit: Wir kennen ihn in- und auswendig und gleichzeitig verlieren wir den Blick auf die potenziellen "Ränder" unseres Daseins. Diese Ränder sind oft Türen in andere, mögliche Lebensentwürfe.

Du erwähntest eine ehemals vorhandene soziale Ader - magst Du mehr dazu schreiben?

x 2 #2





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