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Anonym100604
Mitglied

Beiträge:
48
Themen:
10
Danke erhalten:
41
Mitglied seit:
Hallo zusammen!

Ich melde mich mal seit langer Zeit wieder und hoffe, einiges aus meinem Beitrag mitnehmen zu können.
Ich bin 21 Jahre alt und mein Vater ist 55 geworden. Er redet mittlerweile sehr oft darüber, dass er nicht damit klarkommt, dass er älter wird. Für sein Alter (wie er immer sagt) sieht er sehr jung und sogar vergleichsweise fit aus.

Nun zum Dilemma:
Nicht nur, dass er mir sagt, dass er sich unwohl mit seinem Körper fühlt und dass er etwas machen müsste. Er redet auch oft darüber, wie schlimm seine Kindheit war und dass er diese Kindheit nachholen will. Seine Aussage hierzu immer: "Es ist nue zu spät für eine glückliche Kindheit".
Tut mir leid, das so schreiben zu müssen, aber langsam aber sicher macht es nicht nur mich, sondern meine Familie fertig.
Auf der Arbeit fängt er wegen jeder Kleinigkeit Stress mit den Kollegen an. Letztens: Er sollte ein Bücherregal saugen und hatte dies verweigert, da er sich daher wie eine "Person der zweiten Klasse" fühlte. Er ist Bibliothekar und dies gehört zu seinem Aufgabenbereich. Daraufhin hat er blau gemacht.
Dies tut er allerdings immer öfters, sogar manchmal mit Ankündigung. Er sagt manchmal, dass er keine Lust auf Arbeiten habe und am nächsten Tag ist er zufälligerweise krank. Dieses Jahr war er schon drei- oder viermal krank. Wenn er dann zu Hause ist, redet er oftmals über seine emotionalen Probleme. Es macht mich nur noch fertig.
Ein eigenes Zimmer zum Zurückziehen habe ich nicht. Ich weiß, es ist Jammern auf hohem Niveau. Er gibt fast alle Haushaltsaufgaben an meine Familie ab. Aktuell habe ich Semesterferien und gehe auch ab und zu arbeiten. Wenn ich dann alleine zu Hause bin, bin ich aber meistens mit dem Haushalt beschäftigt, da ich sonst Ärger von meinem Vater bekomme.

Einmal am Wochenende war er den ganzen Vormittag zu Hause und hatte das Haus zu Mittag verlassen. Es war weder gespült, noch gesaugt, Katzenklo gemacht noch der Müll rausgebracht oder gewischt.

Long story short: Er gibt immer mehr emotionale und funktionelle Aufgaben ab und bis jetzt konnte ich dem immer gerecht werden.

Er trinkt abends gerne "sein Bierchen", aber wird dann aber auch gerne streitsüchtig, zickig zutiefst melancholisch. Er sagte einfach, dass er mal reisen möchte, da er als alter Mensch nicht mit Reue sterben möchte. Alles sei so trostlos.


Während ich versuche, mein Studium, Minijob (in Zukunft natürlich einen Werkstudentenjob!), Ehrenamt und meinen Sport als Ausgleich unter einen Hut zu bringen, kommen die Sachen von und mit meinem Vater noch dazu. Im Januar hatte ich meine allererste Köausurenphase, Stress auf der Arbeit und komme mit meinem Vater nicht mehr klar. Letzte Woche hat sich dann eine komplette Haarsträhne von meinem Scheitel verabschiedet, ich gehe davon aus, dass das der Stress war, der mir den Rest gegeben hat. Naja, nun habe ich ein Stück Glatze.

Da ich aus finanziellen Gründen nicht zeitnah ausziehen kann und keine Partnerin in meinem Leben habe, wollte ich euch mal nach Strategien zur Bewältigung fragen. Mittlerweile merke ich auch, dass ich wegen jeder S****** in die Luft fliege, besonders ihm gegenüber.

Lieben Dank im Voraus! <3

30.03.2026 x 1 #1


20 Antworten ↓

Backaru
Was dein Vater betrifft, scheint er in eine Art Midlife-Crisis zu sein, und mit sich, seiner Vergangenheit und seiner Gegenwart unzufrieden zu sein.
Du kannst versuchen mit ihn zu reden, zuzuhören und Verständnis zeigen.
Aber du solltest auch auf dich achten, und wenn es dir Zuviel wird, dann sage es ihn klipp und klar und ziehe dich Notfalls aus Selbstschutz zurück.

Wenn es absolut nicht mehr geht, erkundige dich beim Amt ob du Unterstützung für eine eigene Wohnung bekommst.

x 6 #2


A


Vater-Tochter-Beziehung Hilfe erwünscht

x 3


Nick21
Zitat von Anonym100604:
Hallo zusammen! Ich melde mich mal seit langer Zeit wieder und hoffe, einiges aus meinem Beitrag mitnehmen zu können. Ich bin 21 Jahre alt und mein ...

Das ist eine sehr schwierige Situation.
Wenn man eine traumatische Kindheit hatte wird es einen irgendwann einholen.

Ehrlich gesagt könnt ihr nichts für ihn tun wenn er nicht will. Er benötigt eine Therapie in der er das Ganze aufarbeitet.

Er scheint verzweifelt zu versuchen damit klarzukommen, aber es kommt alles hoch und entgleitet ihm immer mehr.

Das Einzige was du tun kannst ist deine eigene Seele zu retten.
Aber dafür müsstest du da raus....

x 7 #3


Gittini
Schwierige Situation.
Er sollte seine Probleme nicht auf dich abwelzen! Wenn er dich schon nicht unterstützen kann, dann sollte er dich zumindest in Ruhe lassen.

Ich verstehe manche Leute in meinem Alter (56) nicht. Ich hab selbst zwei 23 - jährige Töchter, wovon eine noch zuhause wohnt und würde sie nie so behandeln.

Auch wenn ich nicht immer so zufrieden im Leben bin.

Aber wieso hast du kein eigenes Zimmer? Was macht deine Mutter?

x 3 #4


Astrid63
Ich denke, es könnte sich auch um eine Depression handeln. Bei Männern äußert sich diese oft anders als bei Frauen. Fakt bleibt aber, dass er sich Hilfe suchen müsste. Und so wie es klingt, wird er das sicher nicht tun. Du wirst ihm auch nicht wirklich helfen können, selbst wenn Du immer zuhörst. Das Problem liegt tiefer. Und es sollte auch einfach nicht Deine Aufgabe sein, Deinen Vater zu therapieren. Das Schlimme ist, dass auch ich denke, eigentlich müsstest du da raus. Und wenn das nicht geht, brauchst du einen Rückzugsraum. Aber sobald du den verlässt, ist die Situation ja wieder die selbe. Also über kurz oder lang hilft meiner Meinung nach doch nur eine eigene Bleibe. Es tut mir sehr leid, dass ich nicht wirklich eine Bewältigungsstrategie anbieten kann. Da hilft nur Distanz

x 3 #5


A
@Backaru Danke dir!

#6


A
@Nick21 Ja, es ist leider ein richtiges Drama. Ich war in Therapie, um meine Mobbingerfahrungen aufzuarbeiten bzw. um zu lernen, mit diesen umzugehen.

Er ist fest der Meinung, dass er keine Therapie braucht...

x 2 #7


A
@Gittini Meine Mutter geht wie mein Vater in Vollzeit arbeiten. Sie ist bselbst überöastet und wenn sie es bei meinem Vater anspricht, gibt es Streit.

Ein eigenes Zimmer hat keiner von uns, da der Platz fehlt. Früher gab es zwei Kinderzimmer, aber mein Vater wollte unbedingt ein Schlafzimmer. Früher haben meine Eltern im Wohnzimmer geschlafen, aber mein Vater wollte das nucht mehr.

x 2 #8


A
@Astrid63 Du brauchst dich nicht entschuldigen, um Gottes Willen! Danke dir, dass du dennoch geantwortet hast!

x 1 #9


A
@Anonym100604 Nachtrag: Was mich ins Grübeln gestoßen hat, ist die Tatsache, dass ich das Gefühl habe, jeden Moment "crashout" zu gehen. Auch, dass meine Haare an einer Stelle auf einmal weg waren, kann nur am Stress liegen...
Auch habe ich das Gefühl, selbst wieder in eine depressive Phase zu rutschen, welche ich eigentlich wegen anderen Dingen mal hatte. Sein Verhalten scheint aber auch ein Faktor zu sein...

#10


A
@Gittini Und noch eine Sache, dir mir gerade eingefallen ist: Ich denke, dass er in seiner Kindheit nie wirklich die Empathie gelernt hat, welche man generell, egal ob Vater oder nicht, aufbringen sollte.
Als ich mein erstes Studium geschmissen hatte (wegen Angststörung und Depressionen) wurde mir gesagt, dass man keinen Hartz Vier Empfänger grosgezogen hätte. Seitdem an ist er bei mir unten durch. Manchmal weine ich, aber tue dies meistens nicht in seinem Beisein. Sonst kommen Sprüche wie "Du machst dir einen Kopf über Dinge... unfassbar. Es gibt Leute, die hatten keine gute Kindheit/Arbeitsplatzverlust/körperliche Behinderung und du heulst rum?"
(Mein Vater hatte zusätzluch zu dem ganzen Mist vor zwei Jahren wegen Werkschließung seinen Arbeitsplatz verloren)

#11


Greta__
Du studierst, also: Bafög beantragen, Elternunterhalt, Kindergeld, Nebenjob. Damit kannst du dein Leben selbst finanzieren sprich Auszug.

Eins meiner Kinder ist mit 20 wegen Studium ausgezogen und ich bin allein erziehend, musste trotzdem Unterhalt zahlen. Was im übrigen völlig okay für mich war, da es um die Bildung meines Kindes ging.

Eure Wohnsituation ist schrecklich und das Verhalten deines Vaters ohne Worte.

Es ist nicht dein Job das auszuhalten oder alles hinzunehmen. Dein Vater ist erwachsen und soll sich um seinen Kram allein kümmern.

x 3 #12


K
Es scheint mir, dass du dich verantwortlich fühlst für deinen Vater. Als Kind deines Vaters solltest du aber nicht in dieser Rolle sein. Dennoch passiert das in den besten Familien, dass sich die Rollen vertauscht haben. Warum und wie du in diese Rolle geraten bist oder wer von euch beiden dich in diese Rolle gedrängt hat, ist jetzt unwichtig. Wichtig ist, wie du dich aus dieser Rolle lösen kannst. Eine eigene Wohnung wäre ein guter Schritt um erst mal physisch Abstand zu kriegen. Das weitere wird sich von alleine geben, mit einigen Rückschritten, die dazu gehören und grossen Fortschritten, die für dein Alter typisch sind. Du wirst deine Eltern nicht komplett verlassen, das kannst du deinen Eltern so erklären zu ihrer Beruhigung, wenn du den Wunsch nach Auszug anmeldest, und dass du selber auch ein Leben leben willst.
Um in der Eltern-Kind Beziehung wieder zueinander zu finden, muss man sich zuerst voneinander lösen. Das Kind muss eigene Wege gehen dürfen, um glücklich zu werden.
Leider müssen da alle Eltern und Kinder durch. Der Nachwuchs hat ein Recht auf eigene Entfaltung und sollte ein eigenes Leben führen können. Die Eltern bleiben ein Teil des Lebens und man wird sich im Alter um sie kümmern wollen.
Ich würde versuchen, den Schritt zur eigenen Wohnung zu wagen. Das könnte dir wirklich gut tun.
Ich kenne die Angst, die Eltern könnten dir Vorwürfe machen und du hättest ein schlechtes Gewissen. Wenn du das befürchtest, dann suche eine gute Therapeutin, die dir helfen kann, dich von deinen Eltern in Liebe abzulösen. Wichtig ist, dass du weisst, dass du deine Eltern nicht verlässt, sondern dass du deinen eigenen Weg gehen möchtest.

x 2 #13


A
@Greta__ Vielen Dank für deinen Rat. Bafög eollte ich beantragen, nur, dass mein Vater seine Lohnabrechnungen nicht rausgibt. Er hatte mir nur mündlich gesagt, was er verdient. Im Bafög-Rechner kam dann raus, dass meine Eltern jährlich 200Euro brutto (!) zu viel im Jahr verdienen - trotz angegebener jüngerer Geschwister. Hatte ich vergessen zu erwähnen lachen

x 1 #14


Greta__
Zitat von Anonym100604:
@Greta__ Vielen Dank für deinen Rat. Bafög eollte ich beantragen, nur, dass mein Vater seine Lohnabrechnungen nicht rausgibt. Er hatte mir nur ...

Das Amt wird sich darum kümmern das er seinen Lohn angeben wird, das ist nicht dein Job. 😉
Nur Mut 👍👍

x 2 #15


Elisabeth71
@anonym 100604 Zu dem Thema fällt mir auch etwas ein , was du tun könntest. Du bist zwar nicht dafür verantwortlich , dass er momentan in einer Krise steckt ,aber du könntest trotzdem versuchen , ihm zu helfen. Du könntest ihn fragen , was er sich derzeit wünscht . Möchte er ein Aussteiger werden ? Wovon träumt er ?
Was war schlimm an seiner Kindheit ? Wurde er mißhandelt ? War er einfach nur arm ?
Weiß er , dass andere unter seinem Verhalten leiden ?
Es natürlich trotzdem wichtig , dass du selbständig wirst.

x 1 #16


A
@Elisabeth71 Er hat mir mehr als genug über seine Probleme und seiner Kindheit erzählt. Er fing damit an, als ich 11 Jahre alt war. Demnach tut er dies seit knapp 10 Jahren.Zuhören werde ich ihm nicht mehr, er hört mir auch nicht zu. Er weiß immer noch nicht, was ich studiere, obwohl wir jeden Tag aufeinanderhocken. Er verdrängt es jedes Mal.
Helfen wollte ich ihm, aber ich tue es nicht mehr. Ich trage schon genug Versntwortung und wenn ich mich nicht abgrenze, nutzt er mich weiterhin als Therapeutin. Dabei habe ich selbdt Probleme. Von diesen weiß er nur in Teilen bescheid, aber er redet diese klein. Egal, was ist. Er ist 55 Jahre alt und er muss es selbst herausfinden - das Gleiche sagt er auch immer zu mir.

Tut mir leid, dass es so herz- und respektlos klingt... ich bin einfach nur dicht und kann ihm leider nicht mehr helfen.

x 3 #17

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K
Für mich klingt es weder herzlos, noch respektlos von dir. Du bist jung. Er ist der Vater, du das Kind. Er muss deine Mutter beschützen und unterstützen. Dir muss er helfen, die ersten Schritte in die weite Welt hinaus zu wagen. Das ist seine Rolle als Vater. Er muss dich gehen zu lassen. Du solltest dir kein schlechtes Gewissen einreden lassen.

x 1 #18


A
@Kunigunde-die45 Danke dir. Er hat wiedermal aus dem Nichts krank gemacht und verlängert nun zum dritten Mal hintereinander seinen Urlaub. Er scheint auch wieder in eine Art depressive/krisenbehaftete Zeit zu rutschen und es macht mich fertig...

x 1 #19


K
@Anonym100604 Versuche, so schwierig es emotional auch für dich ist, dich auf deine Ausbildung und dein Leben zu konzentrieren. Eltern wollen eigentlich, dass ihr Kind glücklich ist, auch wenn Eltern es im Laufe der Jahre und durch eigene Krisen vergessen, so steckt, so glaube ich, der Wunsch, den Nachwuchs glücklich im Leben zu sehen, doch tief in jedem Elternteil drin. Somit wäre deinem Vater zur Heilung seiner Depressionen beigetragen, wenn es dir gut geht, was er jetzt aber durch seine Krankheit nicht sehen kann.
Versuche dich freundlich und sanft aus dieser ungesunden Abhängigkeit zu schälen, indem du dich auf deine eigenen, im Moment doch für deine Zukunft sehr wichtigen, Themen konzentriert.
Sich zu trennen von den eigenen Eltern ist sehr schmerzhaft. Es ist, als ob man sich zum ersten Mal bewusst wird, dass das Leben veränderlich ist, und es ist auch der erste Vorgeschmack darauf, dass man sich irgendwann ganz voneinander trennen muss, weil die Zeit gekommen ist. Deswegen ist es besonders schwierig wenn die Ablösungsphase zeitgleich mit der Krankheit eines Elternteils einhergeht, weil noch das schlechte Gewissen mit hinein spielt.
Vielleicht hilft dir eine kognitive Gesprächstherapie in dieser Phase, um dich zu kräftigen und damit du dir nicht einredest, du würdest deinen Vater im Stich lassen oder wärst Schuld an seiner depressiven Stimmung?

x 2 #20


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