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A
Vor zwei Wochen verstarb mein Vater nach zwei Wochen Krankenhausaufenthalt und drei Wochen zu Hause. Wir erfuhren durch den Krankenhausaufenthalt, das er an einer unheilbaren Erkrankung im Endstadium litt. Eine Prognose zur verbleibenden Zeit konnte keiner aufstellen. Ich pflegte meinen Vater dann in der Zeit, als er wieder zu Hause war. Er wurde immer schwächer und letztendlich tauschten wir die Rollen. Früher als Kind versorgte er mich, und nun war ich an der Reihe mit Windeln und Füttern. Ich erlebte diese Zeit gleichzeitig als schlimm , aber auch als gut. Eine solche Nähe habe ich mit meinem Vater seit meiner Kindheit nicht mehr gespürt. Ich versuchte ihm alles so angenehm wie möglich zu machen. Bis einem Tag vor seinem Tod hatte ich Hoffnung, das er am Leben bleibt. Ich war der Meinung, ihn wieder stärker zu machen. Stattdessen habe ich Sterbebegleitung geleistet. Ich frage mich, warum uns niemand vorbereitet auf den Tod, wie er aussieht und wie wir damit besser umgehen können. Ich habe vermisst, das Ärzte mir sagten wie es aussieht und ich mich vorbereiten konnte. Ich frage mich natürlich auch, wenn ich es so gewusst hätte, ob ich so mit meinem Vater hätte umgehen können, mit soviel Hoffnung und mit viel Lachen und Liebe an seinem Krankenbett. Ich bin zutiefst traurig, das er nicht mehr da ist. Aber die letzte Zeit mit ihm möchte ich nicht missen.
Wenn jemand auch ähnliche Erfahrungen gemacht hat, bin ich dankbar für einige Zeilen.

31.10.2018 11:03 • 09.12.2018 x 2 #1


16 Antworten ↓


Schlaflose
Zitat von Aprikose:
Ich frage mich, warum uns niemand vorbereitet auf den Tod, wie er aussieht und wie wir damit besser umgehen können.


Das muss jeder für sich selber machen. Wer soll einen denn vorbereiten? Das passiert durch die Erfahrung mit dem Tod. Es ist auch jedesmal anders. Und jeder geht anders damit um.
Als mein Vater starb, war ich 21. Er war 61 und es ging innerhalb von ein paar Tagen. Er starb zuhause in der Nacht. Niemand hat damit gerechnet. Als meine Oma 2002 im Alter von 82 starb, lief es völlig anders ab. Sie war schon 3 Jahre davor Jahre immer pflegebedürftiger und meine Mutter pflegte sie zuhause (wir wohnten alle drei zusammen). Sie hatte mehrere Krankenhausaufenthalte und wurde am Schluss nachhause geschickt, wo sie nach 4 Wochen starb. Das war von vornherein klar und wir wussten, dass es kein zurück gibt. Meine Mutter starb vor 3 Jahren mit 79 ziemlich unerwartet an den Folgen eines Schlaganfalls nach 1 Woche im Krankenhaus. Ich bin sehr froh, dass ich nie in die Situation kam, jemanden pflegen zu müssen. Das hätte ich nie gekonnt. Wenn meine Mutter nicht gestorben wäre, hätte ich sie in ein Pflegeheim gegeben.

31.10.2018 11:54 • x 1 #2


A


Tod meines Vaters

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enten
Zitat von Aprikose:
mit soviel Hoffnung und mit viel Lachen und Liebe an seinem Krankenbett


..das ist die Antwort.
Einen schöneren Abschied gibt es, glaube ich, nicht.
Auch für mich war es eine schwierige,vor allem aber eine sehr intensive und zeitweise wunderschöne Zeit.
Möchte keine Stunde missen und auch wir waren uns so nah, wie niemals zuvor.
Durch Dich konnte Dein Vater ohne (oder mit weniger Angst) in Ruhe und Liebe gehen.
Diese Zeit wird Dich für immer begleiten und ist sehr kostbar.

LG

31.10.2018 12:19 • x 7 #3


kalina
Zitat von Aprikose:
Ich frage mich natürlich auch, wenn ich es so gewusst hätte, ob ich so mit meinem Vater hätte umgehen können, mit soviel Hoffnung und mit viel Lachen und Liebe an seinem Krankenbett. Ich bin zutiefst traurig, das er nicht mehr da ist. Aber die letzte Zeit mit ihm möchte ich nicht missen.


Ich hab die Erfahrung noch nicht gemacht, aber irgendwann kommt das auf jeden zu.

Ich möchte Dir mein herzliches Beileid aussprechen.

Deine Zeilen haben mich berührt.

Es ist bestimmt auch tröstlich, trotz allem Schmerz über den Abschied von Deinem Vater, dass

Dein Vater zuhause und in Deiner Nähe sterben konnte.

31.10.2018 12:57 • x 2 #4


Luna70
Wir haben meinen Vater auch zuhause gepflegt bis zu seinem Tod, am Ende war er vollständig bettlägerig. Bei uns war es allerdings eine viel längere Zeitspanne und wir hatten in den letzten Monaten Begleitung durch ein ambulantes Palliativ-Team aus Ärzten und Krankenpflegern.

Das ist Unterstützung, wie du sie dir wahrscheinlich gewünscht hättest. Diese Menschen sprechen auch darüber, wie es sein wird in den letzten Stunden oder Tagen. Normale Ärzte in den Krankenhäusern haben da, glaube ich, zu wenig Zeit und auch zu wenig Berührungspunkte. Die hetzen durch den Klinik-Alltag und bekommen davon wahrscheinlich gar nicht so viel mit. Ich denke, die sind eher auf Leben erhalten programmiert als sich mit dem Sterben zu beschäftigen.

Uns hat die Zeit auch sehr geprägt, das ist einfach so existentiell und intensiv dass es Teil des Lebens wird. Und es verbindet einem tatsächlich sehr mit dem Verstorbenen, ist also in gewissem Sinn ein Geschenk. Meine Mutter starb nach wenigen Tagen auf der Intensivstation, zwar in unserem Beisein, trotzdem war es eine andere Situation. Ich würde was dafür geben, wenn sie auch noch einmal nach Hause hätte kommen können.

Zitat von Aprikose:
Ich erlebte diese Zeit gleichzeitig als schlimm , aber auch als gut.
Genauso ist es. Gegensätzliche Gefühle sind in der Situation ganz normal, denke ich.

31.10.2018 15:22 • x 2 #5


Uropanoel
Zitat von Luna70:
Palliativ-Team aus Ärzten und Krankenpflegern


Werde mich da auch mal schlau machen, denn zum Schluss geht es bei mir nur noch um Schmerzminderung.
Und wie du geschrieben hast, den anderen Ärzte geht es nur ums am Leben bleiben.
Da schaut es bei Palliativ Ärzte anders aus.

31.10.2018 15:41 • x 2 #6


A
Vielen Dank für Eure Antworten, es ist ja ein sehr persönliches und schmerzliches Thema.
Mit dieser Erfahrung jetzt finde ich, das sich die Gesellschaft zu wenig damit beschäftigt, wo doch der Tod nicht nur vor uns, sondern gewissermaßen auch hinter uns liegt. Was wir bis hierhin erlebt haben, ist doch vergangen. Keiner redet gern darüber und dabei betrifft es jeden. Vielleicht verdrängen wir es auch und es beschäftigt die Menschen wirklich erst nach so einer Erfahrung. Mir gehen viele Dinge durch den Kopf, viel Durcheinander und Chaos.
Meine Schwester zum Beispiel konnte das Sterben nicht ertragen und konnte auch keine Pflege übernehmen. Emotional nicht möglich. Ich verurteile sie deshalb nicht. Vielleicht bekommt jeder das Päckchen, was er auch tragen kann
Aber Mut gemacht werden sollte den Menschen für diesen Weg der Sterbebegleitung.

01.11.2018 16:36 • x 1 #7


A
Ich bin nach wie vor unfassbar traurig. Oft kommen die Tränen, weil ich an etwas denke oder etwas höre was mich an meinen Vater erinnert. Heute kann ich z.b. überhaupt nichts sinnvolles machen...Bald gehe ich wieder zur Arbeit. Ich habe zwar viel Kundenkontakt und fürchte , das mich Menschen ansprechen werden. Aber ich brauche Aufgaben zur Ablenkung. Vor einiger Zeit dachte ich daran , was wird sein wenn... Ich war nicht vorbereitet auf diese Art von Schmerz. Manchmal fühle ich mich ihm hilflos ausgeliefert. Hat jemand einen Ratschlag oder möchte mir jemand mitteilen ,wie er diese Situation gemeistert hat am Anfang ? Ich bin die einzige in der Familie , die so sehr leidet.
Bin dankbar für Eure Antworten.

11.11.2018 14:00 • x 1 #8


Schlaflose
Zitat von Aprikose:
Hat jemand einen Ratschlag oder möchte mir jemand mitteilen ,wie er diese Situation gemeistert


Als meine Mutter vor drei Jahren starb (und ich damit vollkommen alleine im Leben war, weil ich weder Geschwister noch eine eigene Familie habe), bin nach den zwei Tagen Sonderurlaub, die einem zustehen, wieder arbeiten gegangen. Das war besser als die ganze Zeit daheim herumhägen. Ich war während der Arbeit so abgelenkt, dass ich gar nicht daran dachte. Nur auf dem Nachhauseweg fing mein Herz wieder an, sich zusammen zu krampfen. Und in bestimmten Situationen anfangen zu weinen, weil man an die Person erinnert wird, ist vollkommen normal. Das hält ein paar Monate an und wird langsam seltener.

11.11.2018 15:36 • x 1 #9


A
Morgen gehe ich wieder zur Arbeit. Du hast recht, das man Ablenkung braucht. Hier grübel ich und schaue in Foren und grübel wieder. Obwohl, das Schreiben hilft mir, es befreit wenn man so schreiben kann wie man im Moment denkt. Habe ein direktes Trauerforum gefunden. Freue mich jedoch weiterhin über Antworten. Man fühlt sich trotz Familie oft allein.

12.11.2018 16:59 • x 1 #10


Abendschein
Zitat von Aprikose:
Morgen gehe ich wieder zur Arbeit. Du hast recht, das man Ablenkung braucht. Hier grübel ich und schaue in Foren und grübel wieder. Obwohl, das Schreiben hilft mir, es befreit wenn man so schreiben kann wie man im Moment denkt. Habe ein direktes Trauerforum gefunden. Freue mich jedoch weiterhin über Antworten. Man fühlt sich trotz Familie oft allein.


Liebe @Aprikose ich habe Deinen Thread jetzt grade erst entdeckt, weil ich danach gesucht habe.
Du warst lange nicht online und ich hoffe das Du nochmal wiederkommst. Ich habe grade jemanden geschrieben
und fange an zu weinen, ich vermisse meine Mama/Eltern noch sehr stark. Meine Mama ist jetzt bald zwei Jahre
nicht mehr da und bei meinem Papa werden es bald 14 Jahre. Durch den Tod meiner Mama, vermisse ich auch meinen
Papa wieder sehr. Meine Eltern, die Wurzeln, meines Lebens sind nicht mehr da. Ich fühle mich oft alleine, ohne sie
und denke manchmal, ich muß Mama anrufen und ihr erzählen aber es geht nicht mehr.

Ich war mit meinem Bruder und dessen Frau und mein Mann, bei meiner Mama, als wie ihre letzten Atemzüge tat.
Das war schön und so traurig zugleich. Aber die Trauer ist geblieben. Ich vermisse sie und denke jeden Tag an sie.
Manchmal wenn ich alleine bin, denke ich an meine Kindheit und auch da noch, wo sie da war.

Ich möchte mich einer Trauerbegleitung anschließen. Keine Trauergruppe. Lieber ein Einzelgespräch.
Ich hoffe das ich da was finde, so habe ich noch nicht das Passende gefunden.
In einem Trauerforum bin ich auch. Das hat mir auch geholfen, aber nur zum Teil.
Vielleicht bekomme ich das auch alleine hin, mit der Trauerbewältigung, aber ich habe seitdem auch
wieder verstärkt Angst, das meinem Mann etwas passiert und ich ganz alleine bin.

16.11.2018 23:44 • x 1 #11


BellaM85
Hallo Aprikose!

Erstmal möchte ich dir mein herzliches Beileid aussprechen! Das tut mir unheimlich leid gerade weil es eben auch in deinem Fall so schnell und unvorbereitet ablief.

Zu den Ärzten im KH kann ich nur sagen das diese ( meist auch das generelle Pflegepersonal) wenig Zeit und auch Geduld dafür haben sich mit den Angehörigen zu befassen, bei den meisten ist es einfach ein Patient der zwar sterben, wo man auch nichts mehr machen kann, aber die Angehörigen wissen ja bescheid, - aber es gibt ja noch so viele andere die zu retten sind. In einem Hospiz zb läuft es anders ab, meistens zumindest.

Es ist aber ganz toll das du das die Wochen so gut geschafft hast, das du es überhaupt gemacht hast ( bin ja auch in der Pflege tätig, und Sterbebegleiterin und hatte schon viele die trotz großer Familie ohne einen von denen gingen- wo wir eigentlich Fremde daneben saßen und die Hand hielten usw) . Du hast genauso wie alle anderen die schon in der Situation waren alles richtig gemacht, und das sind Erfahrungen die bleiben ein Leben lang und dir wird dafür auch ewig gedankt ( halte mich für verrückt ich glaube daran).
Zu deiner Trauerverarbeitung kann ich nur sagen das es da keine Sache gibt die 100 pro hilft, jeder macht es anders und ich hoffe du und alle anderen die das gleiche Problem haben findet für euch den richtigen Weg.

Alles Gute und LG!

17.11.2018 00:49 • x 1 #12


A
Liebe Abendschein,
danke für Deine Zeilen. Es tut mir sehr leid, das Du solche Sehnsucht hast. Die Zeit spielt keine Rolle, wenn man Mama und Papa vermisst. Ob nach Tagen oder Monaten oder Jahren, der Schmerz ist gleich. Heute fühle ich auch diese Leere in mir, trotz Kuscheldecke und Schokolade. Deshalb kann ich nicht viel schreiben. Sei tapfer und hab keine Angst.
Liebe Grüße Aprikose

20.11.2018 22:45 • x 1 #13


A
Liebe BellaM85,
danke für Deine Anteilnahme.
Sicherlich kann man das Verhalten der Ärzte erklären und ich habe volles Verständnis, das sie anderen helfen wollen. Ich sah auch, wie das Pflegepersonal eingespannt war und in unserem Falle übrigens trotzdem immer freundlich, hilfsbereit,lustig, eben menschlich.
Danke auch für Deine Wertschätzung des Begleitens. Ob es mir gedankt wird, weiß ich nicht. Ehrlich ich habe meinem Papa angemerkt das er glücklich damit war und mehr möchte ich nicht. Ich werde auch meine Mama nicht allein lassen, wenn die Zeit kommt. Das habe ich für mich entschieden.
Die Trauer hält mich noch gefangen, zumindest Worte wie Deine trösten mich und wärmen. Danke

20.11.2018 22:56 • x 1 #14


A
Liebe Abendschein,
ich hoffe Du hast den gestrigen Tag gut überstanden. Es muss sehr schwer gewesen sein für Dich. Habe an Dich gedacht. Ich hoffe Dir geht es gut.
Liebe Grüße von Aprikose

26.11.2018 22:05 • x 1 #15


Abendschein
Zitat von Aprikose:
Liebe Abendschein,
ich hoffe Du hast den gestrigen Tag gut überstanden. Es muss sehr schwer gewesen sein für Dich. Habe an Dich gedacht. Ich hoffe Dir geht es gut.
Liebe Grüße von Aprikose

@liebe @Aprikose das ist lieb das Du nachfragst. Gestern wurde es gar nicht richtig hell, das
hätte ein Depri Tag werden können. Wir haben uns mit Freunden getroffen.

Aber meine Mama/Papa fehlen mir jeden Tag mehr,...

26.11.2018 22:30 • #16


A
@abendschein: wie geht es Dir ?

Mir macht die Adventszeit zu schaffen. Es ist schön und grausam zugleich. Im Moment überwiegt die dunkle Seite. Mein Herz ist regelrecht schwer. Vermisse meinen Vater und denke viel an Vergangenes. Ich wollte ihm noch so viel zeigen, so viel zusammen erleben. Meine Eltern wollten mich besuchen kommen. Immer hieß es im nächsten Jahr bestimmt Jetzt gibt es kein nächstes Jahr für einen Beuch mehr. Bin unendlich traurig.

09.12.2018 23:12 • x 1 #17


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