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Icefalki

Icefalki


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Zitat von Yannick:
Ich weiß gerade nicht, ob es einfach nur Zeit braucht jetzt ,ob es doch falsch war, ob es richtig war.
Immerhin hab ich die letzten 2 Jahre auch ganz gut ohne gelebt - warum fällt mir das plötzlich so schwer?


Wenn die Seele angegriffen ist, beginnen die Probleme. Eigentlich der beste Hinweis darauf, dass irgendwas nicht mehr stimmig ist. Anstelle nun mit Gelassenheit darüber zu reflektieren , stürzt man eher in Angst. Und dann hat man diese Schwere in sich, die man so schlecht beschreiben kann.

Ich helfe mir zwischenzeitlich damit, dass ich jeden Gedanken erstmals zulasse, OHNE sofort lösungsorientiert handeln zu wollen. Damit "erlaube" ich mir, alles in Frage stellen zu können, um hinter meine wirklichen Probleme zu kommen.

Nimm deinen Job. Darüber nachzudenken und Angst vor Veränderung zu haben, macht Stress. Aber nachdenken, ohne Druck, sondern nur um innere Klarheit zu bekommen, ist aktiv, und du bist raus aus dieser Hilflosigkeit.

Weisst du, man kann sich später auch dazu entscheiden, bewusst keine Veränderung vorzunehmen. Alles denkbar, alles möglich, alles darf sein.

Dazu brauchst du aber eine innere Ehrlichkeit zu dir selbst. Selbst wenn man feststellen würde, jetzt gerade in einem Feiglingsmodus drinzustecken, ist das auch eine Erkentniss. Je mehr Möglichkeiten vorhanden sind, und das sind sie immer, desto weniger Stress.

14.04.2019 10:52 • x 2 #21


Sara80

Sara80


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Yannick, als ich deinen Beitrag gelesen habe war mein erster Gedanke "im Leben verrannt, Verlustangst, beginnende Depression". Das muss nicht richtig sein, was ich denke aber ich sehe immer wieder Parallelen zu meinen eigenen Leben.

Den sicheren Job zu behalten halte ich für die richtige Entscheidung.
Ein Hobby das keinen Spaß mehr macht im Moment ruhen zu lassen ist bestimmt auch richtig. Da gibt es doch hoffentlich ein zurück oder? Also falls du in einem Jahr rückwirkend feststellst das Dir dieses Hobby total fehlt, meldest du dich dort wieder an. Geht das?
Warum zweifelst du an deiner Entscheidung? Wirst du etwas vermissen, die Menschen, eine Aufgabe?

Für mich sind Entscheidungen unendlich schwer geworden, oft bin ich unfähig eine Entscheidung zu treffen und wenn sie getroffen ist, verzweifel ich daran und überlege es mir wieder anders. Wieviel die Depression zu diesem Verhalten beiträgt weiß ich nicht. Es ist ein Zustand der Veränderung unmöglich macht, ich fühle mich wie festgebunden.

14.04.2019 17:25 • x 2 #22


Yannick

Yannick


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Zitat von Icefalki:
Wenn die Seele angegriffen ist, beginnen die Probleme. Eigentlich der beste Hinweis darauf, dass irgendwas nicht mehr stimmig ist. Anstelle nun mit Gelassenheit darüber zu reflektieren , stürzt man eher in Angst. Und dann hat man diese Schwere in sich, die man so schlecht beschreiben kann.

Die Seele ist garantiert nicht mehr im Gleichgewicht. DafÜr sind allein in diesem Jahre zuviele Dinge passiert, die das Gefüge gestört haben. Hinzu kommt der Dauerzustand von der Unterforderung im Arbeitsleben, welches ja leider einen Großteil unseres Gesamtlebens ausmacht.
Ja, das ist die Sorge, die ich habe. Das ich aus Angst, aus Panik heraus falsche Entscheidungen treffe zurzeit.

Zitat von Icefalki:
Dazu brauchst du aber eine innere Ehrlichkeit zu dir selbst. Selbst wenn man feststellen würde, jetzt gerade in einem Feiglingsmodus drinzustecken, ist das auch eine Erkentniss. Je mehr Möglichkeiten vorhanden sind, und das sind sie immer, desto weniger Stress.

Ich bin immer noch überzeugt, dass ich diese innere Ehrlichkeit durchaus besitze. Vielleicht auch nicht immer perfekter, aber doch ausgeprägter als bei anderen. Ich übertreibe schon oftmals mit meiner Selbstreflexion. Das wiederum führt dazu, dass ich öfter zu hart zu mir. Vielleicht dreht sich darum das Problem: ich weiß irgendwie, dass weder die eine, noch die andere Entscheidung wirklich "richtig" waren/sind. Nun habe ich die eine getroffen, die mein Inneres mir mit einer weiteren schlaflosen Nacht als die Richtige untergeschoben hat. In dem Moment waren alle anderen Besorgnis verursachenden Gedanken abgeschaltet - man war irgendwie "frei". Und das ist die Zeit jetzt, nun hat die andere Hälfte diese Freiheit, um zu fragen, warum hast du das getan. Aber eben nur solange die anderen Besorgnisse schlafen. Denn was anderes tun sie nicht. Könnte ich mich wieder umentscheiden, wären diese wieder da.

Zitat von Sara80:
Yannick, als ich deinen Beitrag gelesen habe war mein erster Gedanke "im Leben verrannt, Verlustangst, beginnende Depression". Das muss nicht richtig sein, was ich denke aber ich sehe immer wieder Parallelen zu meinen eigenen Leben.

Sara, das ist schon richtig. Dieser Entwicklung bin ich mir durchaus bewusst. Es gibt viele Puzzlestück in meinem Leben, die derzeit nicht passen. Wenn man sich den Weg des Lebens als Straßen mit gelegentlichen Abzweigungen oder Kreuzungen vorstellt, dann gleich mein Leben derzeit einem Autobahnknoten, wo die Bauarbeiter sich total vermessen haben und alle Straßen jetzt miteinander verbunden und verknotet sind.

Zitat von Sara80:
Den sicheren Job zu behalten halte ich für die richtige Entscheidung.
Ein Hobby das keinen Spaß mehr macht im Moment ruhen zu lassen ist bestimmt auch richtig. Da gibt es doch hoffentlich ein zurück oder? Also falls du in einem Jahr rückwirkend feststellst das Dir dieses Hobby total fehlt, meldest du dich dort wieder an. Geht das?

Naja, von einer Seite aus hat man mir gesagt, dass man sich das vorstellen könnte. Diese Seite hat aber keinen Einfluss in den offiziellen Prozess. An dem bestimmten Ort gibt es ein richtiges Bewerbungsverfahren. Ich denke, man kann sich immer wieder bewerben. Aber nach einem Rückzug hat man natürlich nun einen "Stempel" und die Frage wäre, ob man das Risiko nochmal eingehen würde...
Ich hab schon auch das Gefühl, dass die Leidenschaft, die es bzw. die ich bräuchte, wirklich nicht mehr da ist. Es fühlt sich an, wie ein junger Geist in einem alten Körper, wo der Geist auch Zeit braucht zu erkennen, dass man mit dem alten Körper eben nicht mehr das Gleiche machen kann wie mit einem genauso jungen Körper.
Naja, zum Teil sind das auch Erfahrungen wie ich sie ganz genau mache und schon beschrieben habe (plötzlich andere Wahrnehmung in Situationen wie dunklen Räumen oder allgemein Riskoeinschätzung).

Zitat von Sara80:
Warum zweifelst du an deiner Entscheidung? Wirst du etwas vermissen, die Menschen, eine Aufgabe?

Weil ich immer zweifle vielleicht einfach... Ich habe fast immer Angst gehabt im Leben, irgendwann mal eine falsche Entscheidung zu treffen. Ich würde mich am Liebsten immer gegen alles absichern. Es ist schon besser geworden über die Jahre und ich hab ja auch diesen großen Umzug gewagt. Aber nun scheint mich das doch wieder einzuholen. Ganz loslassen wird wohl nie gehen...

Vermissen werde ich auf jeden Fall die Leute dort. Auch war es schon spannend, lernen zu dürfen wie hier die Dinge laufen. Aber wie gesagt, gleichzeitig war da, wenn die (mir durchaus bekannten) Risiken ging, diesmal diese Stimme, die da nie zuvor war, nach dem Motto "möchte ich das wirklich?"....

Zitat von Sara80:
Für mich sind Entscheidungen unendlich schwer geworden, oft bin ich unfähig eine Entscheidung zu treffen und wenn sie getroffen ist, verzweifel ich daran und überlege es mir wieder anders. Wieviel die Depression zu diesem Verhalten beiträgt weiß ich nicht. Es ist ein Zustand der Veränderung unmöglich macht, ich fühle mich wie festgebunden.

Sara, da haben wir eine deutliche Parallele! Aber das hast du in meinen Beschreibungen sicher schon gemerkt, spätestens im Absatz weiter oben. Entscheidungen sind auch mir oft ein Graus bzw. werden es immer mehr.
Ich denke, es liegt auch daran, dass man alleine ist. Jahrelang muss man schon alles alleine entscheiden. Nie hat man mal die Chance den "Familienrat" zu befragen. Nie hat man das Gefühl etwas Rückhalt zu bekommen.
Ich würde nie meine Entscheidungen auf andere abwälzen wollen, nach dem Motto "der oder die hat aber gesagt". Und doch muss es unendlich schön sein, eine Vertrauensperson (guter Freund, Freundin oder Partnerin) zu haben, dem man sich mal anvertrauen kann im realen Leben.
Jahrelang hat man das alles hinbekommen. Aber so langsam geht mir vielleicht die Kraft aus, immer und ständig alleine seine Wege zu finden. An manchen Abzweigungen wäre es so schön, wenn da mal jemand stünde, der bzw. die sagt "ich gehe ein Stück mit dir". Warum kriegen gefühlt alle anderen das immer gebacken?!

Naja, Leben ist was es nun mal ist. Nur weil zwei Menschen das Gleiche tun, ist das Ergebnis noch lange nicht das selbe. Es sind kleine Zufälle, die den Unterschied machen. Vielleicht summiert sich das über viele Jahre und dann werden die Zufälle, die man benötigt, noch größer und somit unerreichbarer.

Ich bin sehr froh, dass ich euch alle hier habe, die mir gerade zurzeit soviel Aufmerksamkeit schenken, soviel Zeit nehmen, meine langen Texte zu lesen! Ich werde versuchen, das möglichst oft an anderer Stelle, in euren Themen zurückgeben zu können.
Und wenn mir jemand lieber privat schreiben möchte, so freue ich mich immer, wenn ich da mal eine Mail finde.

Vielen Dank!

15.04.2019 05:53 • x 1 #23




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