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Annimani
Hallo an euch alle

Seit dem 16.10 mache ich nun ein FSJ in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und bin einfach maßlos überfordert.

Anfangs bin ich ganz gerne hingegangen, schließlich mag ich die Kinder sehr und die Betreuer sind auch sehr nett (wobei meine Chefin eher etwas "böse" ist. Das liegt aber daran, dass sie sehr gestresst ist. Ich bin in der Hinsicht aber sehr sensibel und "leide mit").

Allerdings nahm das immer weiter ab. Ich kam jeden Tag nach Hause und konnte mich für nichts mehr motivieren. Ich zeichne sehr gerne und bin auch sonst sehr kreativ, aber mich hat es maßlos überfordert, etwas zu tun. Ich musste mich wirklich regelrecht dazu zwingen...

Nun ja, letzten Donnerstag war es dann vorbei... Ich hab den ganzen Morgen nur geweint und konnte einfach nicht in den Bus einsteigen, weil mir dazu einfach die Kraft fehlte. Ich hab mit meinen Eltern gesprochen, bin dann doch zur Arbeit gefahren und hab mit meiner Chefin gesprochen. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ich erstmal weniger mit den Kindern mache... für mich ist das allerdings keine dauerhafte Lösung, 8 Stunden lang nur zu putzen.

Gestern hab ich dann einen Brief an meinen Träger geschrieben und morgen reden wir erstmal drüber.

War auch heute bei meiner Ärztin, die mich krangeschrieben und eine Überweisung für den Psychologen gemacht hat.

Wenn ich ehrlich sein soll: ich glaube ein FSJ weiter zu machen, bringt mir nichts. Ich hab einfach eine innere Blockade, die sich so eher nur noch verschlimmert. Hab überlegt, in die ökologische Schiene umzusteigen, aber ob ich dann 8 Stunden körperliche Arbeit schaffe, ist auch fraglich
Wobei es mich schon motiviert, schließlich mache ich sehr gerne was. Und ich denke als "Therapie" würde mir das sehr helfen

Ich bin auch schon auf der Suche nach Minijobs, da ich viel Geld verdienen möchte, damit ich unabhängiger von meinen Eltern werde (ja, ich plane schon sehr weit in die Zukunft ^^)

Jetzt würde ich gerne mal eure Meinung dazu hören. Habt ihr ein paar Tipps für mich? Denn so wie ich das jetzt bei mir lese, steht das ganze eigentlich schon fest.

Ich danke euch

13.11.2017 18:15 • 16.11.2017 #1


8 Antworten ↓


Perle
Hallo Annimani,

es ist für einen jungen Menschen nicht einfach, ins Berufsleben einzusteigen. Ich jedenfalls habe mich damals sehr schwer mit der Umstellung getan.

Nun hast Du Dir aber auch einen mental anstrengenden Bereich ausgesucht. Magst Du mal erzählen wie Du zu dieser Entscheidung gekommen bist? Hat es damit zu tun, dass Du ursprünglich geplant hast, Psychologie zu studieren? Was genau überfordert Dich und meinst Du nicht, dass Du Dir etwas mehr Eingewöhnungszeit zugestehen könntest?

LG, Perle

13.11.2017 19:25 • #2



FSJ - was soll ich tun?

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Annimani
@perle

Ja. Mein Wunsch ist es, Psychologie zu studieren und anschließend in die Psychotherapie zu gehen. Doch nur das Wort Therapie reicht aus, um mich in Angst zu versetzen...

Ich denke zum einen sind es wirklich die 8 Stunden arbeiten, die ich einfach nicht gewöhnt bin. Zum anderen aber all das "negative", was die Kinder ausstrahlen. Ich bin bei sowas sehr empfänglich und besitze keine dicke Haut, an der das alles abprallt.

Ja, das mit der Eingewöhnungszeit stimmt schon. Nur im Moment kann ich es mir nicht vorstellen, dort noch weiter zu arbeiten, da ich denke, dass es dadurch nur noch schlimmer wird.

13.11.2017 19:33 • #3


Hoffnungsfroh
Liebe Annimani,

ich kann deine Überforderung und deine innere Blockade so gut nachempfinden! Ich habe mich auch einmal in einem Bereich (körperlich und geistig behinderte Menschen) versucht. War zu Beginn ganz sicher, dass es genau der Berufsbereich meines Lebens ist, den ich unbedingt machen möchte. Bis an den Rest meines Leben Ich kam nach exakt 2 Wochen bereits an meine Grenzen. Dazu kann ich sagen, dass ich ansonsten überdurchschnittlich belastungsfähig bin; gar ein richtiges Leitungstier. Auch im Aus- und Durchhalten immer vorne dabei. Zumindest war das früher so. Ich bin mir sicher, dass dir die Zeit, die du bislang "geschafft" hast, irgendwann einmal als Geschenk vorkommen wird. Dennoch bin ich gerade hin und her gerissen... dem Gefühl folgen, dass es nicht dein Bereich und dein Weg ist oder durchhalten?

Zu früh das Handtuch zu werfen, ist nicht immer klug. Nur durchzuhalten, allerdings auch nicht. Gut für dich zu sorgen, ist hier bestimmt wichtig. Gespräche mit den Kollegen und Vorgesetzten suchen und ihnen ehrlich eröffnen, wie du dich fühlst und dass dir das alles gerade viel zu viel wird? Freiräume schaffen und in der Freizeit auftanken?

Das sind meine Gedanken dazu. Ich habe allergrößten Respekt vor jedem, der so einen Job macht! Ich könnte das nicht und bin dankbar, dass es andere machen.

13.11.2017 19:33 • x 1 #4


Perle
Tja, ganz schön schwierig, Dir da etwas zu raten.

Generell finde ich es gut, wenn sich junge Menschen ausprobieren und sich auch mal in der Welt umschauen, bevor sie sich festlegen. Andererseits ist es auch wichtig, schwierige Situationen durchzuhalten, um zu erkennen wie viel Kraft in einem stecken kann, wenn's drauf an kommt. Aber eben in Maßen. Und um das zu erkennen, muss man in sich hinein hören. Du kennst Dich selbst am besten.

Du schreibst von ökologischer Schiene. Woran denkst Du denn da?

13.11.2017 19:51 • #5


Annimani
Danke für die Antwort.

Ich muss sagen, ich bin genau deiner Meinung.

Nun ja, gerne was mit Tieren. Hab da auch erstmal meine Mama angerufen, und sie meinte, dass es von der körperlichen Anstrengung her zu viel wäre. Ich denke ich muss erstmal das gesunde Gleichgewicht finden
Aber ich rede ja morgen erstmal mit meiner Trägerin

13.11.2017 19:59 • #6


Annimani
@Hoffnungsfroh

Irgendwie hab ich deine Antwort jetzt erst bekommen

Ja, großen Respekt vor all meinen Kollegen, die da jeden Tag herkommen und das knallhart durchziehen. Ich denke vor allem in dem Bereich gibt es nie Routine,weil jeder Patient einfach anders ist.
Meiner Meinung nach brauchst du selber die Leidenschaft in dir, das jeden Tag durchziehen zu wollen. Im Moment spüre ich bei mir nichts davon. Ob das noch kommt weiß ich auch nicht. Vielleicht ist es auch einfach zu früh, um das zu sagen.

Bin gerade dabei, Gespräche zu führen, wie es jetzt mit mir weitergehen soll. Mal schauen, was morgen rauskommt. Ich denke auf biegen und brechen wird das nie was, und wenn ich immer noch sage, dass ich das nicht machen will, dann ist das eben so. Das hat nichts mit Schwäche zu tun

13.11.2017 20:13 • x 1 #7


Hoffnungsfroh
Zitat von Annimani:
und wenn ich immer noch sage, dass ich das nicht machen will, dann ist das eben so. Das hat nichts mit Schwäche zu tun


So ist es, liebe Annimani!
Gut für sich zu sorgen, ist stark und mutig.

14.11.2017 09:11 • x 1 #8


Annimani
Hallo
Ich melde mich mal zurück

Heute hatte ich glücklicherweise einen Termin bei meinem Psychotherapeuten bekommen, und ich weiß auch nicht, wie er es schafft, aber mir geht es erstmal wirklich wesentlich besser ^^
Mein Papa saß auch mit darin und wir haben erstmal versucht herauszufinden, warum ich denn diese Blockade hab.... und ich muss sagen, dass ich jetzt wesentlich schlauer bin als vorher ^-^

Was jetzt mein FSJ betrifft... Ich denke ich werde Montag erstmal wieder hingehen und dort in Ruhe arbeiten... Ich hab zwar ehrlich gesagt ein bisschen Angst davor, aber durch das Gespräch fühle ich mich wesentlich stärker als vorher. Am Donnerstag sitzen wir dann alle zusammen und klären, wie das nun entgültig weitergehen soll. Aber bis dahin möchte ich erstmal weiter meine Grenzen kennenlernen

Ich wünsch euch allen noch einen schönen Tag ^-^

16.11.2017 17:27 • #9