Hallo Divio,
durch Zufall bin ich auf dein Thema gestoßen und habe mich nur angemeldet um dir eins zu sagen: Ich habe exakt die gleichen Erfahrungen gemacht.
Da du bereits angefangen hast dir Gedanken drüber zu machen, obs an deinen Klamotten oder deinem Fitnesszustand liegt:
Nein. Ich habe Ahnung von Klamotten und bin schlank
Als ich angefangen habe zu studieren habe ich die gleichen Erfahrungen gemacht.
Die Stoffmenge ist unglaublich, gerade in technischen Studiengängen. Ich kam immer wieder in Situationen, wie du sie beschrieben hast. Situationen, die mich teilweise sehr mitgenommen haben, da ich eigentlich ein umgänglicher Typ bin und vorher mit Freunden
und Kontakten keine großen Probleme hatte.
Wo ich mich besonders wiedererkannt habe, in dem was du schreibst, war die Gruppenbildung ganz am Anfang, wo man das Gefühl hat, alle anderen kennen sich schon.
Genau wie du, habe ich mich trotzdem einfach zu den Leuten hingesetzt und Gespräche gesucht, auch Hilfe angeboten oder mich dazugesetzt, wenn es darum ging eines der zahlreichen Übungsblätter zu bearbeiten.
Und genau dort bin ich zum ersten mal auf eine soziale Situation bzw. auf ein Typ von Mensch gestoßen, der mir vollkommen fremd war.
Ich hatte nichtmal das Gefühl, die können mich nicht leiden. Es war vielmehr das Gefühl, dass ich denjenigen vollkommen gleichgültig war.
Wenn ich da war, war ich halt da. Wenn ich plötzlich niemehr gekommen wäre, hätte es keinen Menschen interessiert.
Mit diesen Leute habe ich 3 Semester lang gearbeitet. Wenn wir uns heute begegnen, laufen sie an mir vorbei, als hätten sie mich noch nie gesehen.
Eine andere Sorte von Situationen waren die, wo ich aus unbegreiflichen Gründen auf vollkommene Zurückweisung stieß.
Eines Tages beispielsweise, bin ich mit einem Mitstudenten ins Gespräch gekommen und es hat sich herausgestellt, dass wir zur gleichen Vorlesung müssen. Da mir derjenige eigentlich ganz sympathisch war und wir uns auf Smalltalkebene auch ganz gut unterhalten hatten, sind wir zusammen zur Vorlesung gelaufen und haben uns auch zusammengesetzt.
Dann kamen noch ein paar Bekannte von ihm, die mich (noch bevor ich überhaupt richtig vorgestellt wurde) auf eine Art und Weise ignoriert und behandelt haben, die einfach unverschämt war.
Als der Mitstudent erklären wollte wer ich bin, kam nur ein "Mhm", ein desinteressierter Blick, und ein Wegdrehen.
Ein wenig später habe ich mich dann neben einen gesetzt, der auch gern etwas abseits saß, im Hintergedanken, dass derjenige vielleicht die gleichen Schwierigkeiten hat. Dann hat sich herausgestellt, dass derjenige nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems war

:
Er hat während der gesamten Vorlesung auf mein Blatt gestarrt und jeden Fehler, der beim Abschreiben von der Tafel so entstehen kann, kommentiert mit dem Unterton, dass ich einfach ein dummer kleiner Student bin.
Der Grundton in meinem Studiengang war, dass jedes Gespräch, welches ich mit jemandem beginnen wollte, mit einer einwortigen Antwort im Keim erstickt wurde. Es war ein einziges: "Ich will nichts mit dir zu tun haben".
Aber wie gesagt, nicht nur mir gegenüber, die Leuten SIND so.
Auf die Frage, warum die unsympathischen Leute, im Gegensatz zu mir, immer in einer Gruppe waren, habe ich folgende Antwort lernen dürfen:
Gleich und gleich gesellt sich gern
Es sind halt unsympathische Idioten unter sich. Das ist anscheinend eine ziemlich stabile Gruppenkonstellation.

Um jetzt mal nach viel Gerede zu einer Konklusion zu kommen: Ich habe den Studiengang gewechselt.
Ich habe auch ständig Ratschläge bekommen der Form "Konzentrier dich auf dein Studium, nicht auf die anderen".
Ein äquivalent hilfreicher Ratschlag wäre: "Ignorier doch einfach das gebrochene Bein und konzentrier dich lieber aufs Joggen"
Ein funktionierendes soziales Umfeld ist ein wesentlicher Bestandteil im Studium.
Ich würde dir ja jetzt sagen: "Dooch, da gibts auch Typen, die mit niemandem Kontakt haben und trotzdem ganz gut durchkommen." Aber das wäre einfach gelogen, nach allem was ich bisher erfahren durfte.
Diejenigen, die keine wirklichen Kontakte haben, waren eher grundsätzlich die, die mit den vielen Übungsblätter nicht hinterherkamen, da sie keine Lerngruppe hatten, wo sie Hilfe (oder Lösungen

) finden konnten.
Es waren die, die nicht mitbekommen haben, dass sich ein Termin kurzfristig verändert, oder Problemen hatten ihren Studenplan einzurichten, da sie sich mit niemandem abgleichen konnten.
Und vorallem waren's die, welche bei einer Teamarbeiten (wie z.b. Programmierprojekte) entweder kein Team gefunden haben oder in ein Team kamen, die aus gleichartigen Einzelgänger bestand, und erst noch Kontaktschwierigkeiten überwinden mussten, während andere schon munter losprogrammieren konnten.
Ehrlich, man zerbricht früher oder später im Studium daran, keinen Anschluss zu finden, und ständig mit unsympathischen Gestalten arbeiten zu müssen.
Und an einem gewissen Punkt habe ich mich gefragt, was das eigentlich soll. Es war keine Forderung mehr, es war nurnoch eine Qual.
Dann habe ich einen Schlussstrich gezogen und mir eingestanden, dass ich kein Teil von dieser Menschengruppe bin.
Studium ist aber nicht gleich Studium, glaub mir, das soziale Klima, das in den einzelnen Studiengängen herrscht, könnte unterschiedlicher nicht sein.
Mathe und Informatik sind da leider schon etwas berüchtigt, was genau solche Geschichten angeht

Ich hätte früher erkennen sollen, dass es manchmal nicht unbedingt an einem selbst liegt.
Dort wo ich jetzt bin, geht's mir nämlich nicht so. Da sind die Leute ähnlich, wie die aus deinem Sprachkurs. Man nimmt sich zuerstmal gegenseitig wahr und verhält sich nicht total angeekelt, wenn man angesprochen wird.
Im Gegenteil, man sucht ein Gespräch miteinander. Man ist interessiert.
Es war ein wahrer Segen, besonders wegen den vielen Selbstzweifel, die bereits aufkamen.
Die Erlebnisse, die ich in meinem Studiengang vorher gesammelt habe, sorgen jetzt nurnoch für ungläubige Gesichter

Und mit dem sozialen Umfeld haben sich auch meine Motivation und meine Leistung im Studium deutlich verbessert.
So genug Text, hoffe ich konnte dir einen Denkanstoß geben und dich etwas aufmuntern. Sei ehrlich zu dir selbst und gegebenenfalls auch kritikfähig, aber bedenke, dass es tatsächlich manchmal alle anderen sind, die Irre sind.
Liebe Grüße und alles Gute, du bist nicht alleine!
