Hallo zusammen!
Danke für eure Anteilnahme und den vielen klugen und richtigen Ratschlägen! Mir geht es derweilen nicht besonders gut. Zum Glück verspüre ich keine Gefühle mich selbst in irgendeiner weise zerstören zu wollen, dennoch ist die Welt in einen dunklen Grauton gefärbt. Die Einsamkeit beginnt mich von innen aufzufressen. Ja, die Einsamkeit macht mich richtig fertig. Ich fühle mich im Angesicht meines inneren Zustand hilflos, obwohl ich eine Reihe von Möglichkeiten hätte, meinen Zustand zu verändern. Gerne, würde ich jetzt und sofort aufspringen und mit gute Laune eine Diskothek stürmen und mit anderen einfach Spaß haben. Für viele scheint das ja auch gar kein Problem zu sein. Die Diskothek um die Uhrzeit zu stürmen klingt für mich so absurd und unrealistisch, dass ich dies in die genau gleiche Kategorie absurder Handlungen packen würde wie *beep* in der U-Bahn fahren oder im Pyjama einkaufen gehen. Ich habe keinen Zugang zu einen Großteil der scheinbar normalen Aktivitäten. Stundenlang mache ich mir Gedanken darüber, warum ich so bin, wie nun einmal bin. Ich mache mir Gedanken über die Dinge die ich ändern muss und auch darüber wie ich diese Veränderungen angehen könnte. Obwohl ich mich auf eine mögliche Veränderung innerlich vorbereite, kommt diese „eine Enttäuschung“ die mich dann aus der Bahn wirft. Dann bin ich für Stunden oft auch Tage schlecht gelaunt. Kommt es richtig heftig, dann möchte ich mich selbst zerstören. In diesen Momenten stelle ich mir vor, wie ich unter möglichst grausamsten Umständen zu Tode komme. Oft richte ich sogar einen Plan ein, wie ich das machen könnte. Ich gucke dann auf der Bahnseite, wann und wo die ersten ICE fahren um mich irgendwo auf die Schiene zu stellen und überfahren zu werden. Nicht selten bettle ich innerlich, dass mich endlich ein Krimineller mir auflauert und mich niedersticht. Oder ich stelle mir vor, wie es ist, sich zu erhängen.
Wenn ich das so schreibe, mit den jetzigen Zustand, dann kommt das mir befremdlich vor. Aber diese schlimmen Gedanken sind von mir, auch wenn ich mir das kaum eingestehen mag. Das Traurige daran ist, dass diese Phase unweigerlich wieder kommen wird. Und nie kann ich mir sicher sein, es wirklich zu überleben. Wenn ich schreibe, dass ich mir wünsche zu sterben, dann meine ich das in den Moment wirklich so, aber wenn ich in einer anderen Phase, vielleicht in der ich glücklicher bin, dann käme mir so ein Gedanke nicht in den Sinn. Ich bin nicht nur unglücklich und tot unglücklich. Oft bin ich auch lustig und freudig, auch wenn es dazu keinen Anlass gibt. Geht es mir gut, dann ist das die Phase der unrealistischen rosaroten Brillen-Phase. Dann schreibe sowas hier:
Zitat von Lost_Soul: Die Welt dreht sich nicht um mich, sie dreht sich um die Welt in der ich lebe. Nicht ich als absolutes Ich bin wichtig, sondern die Herausforderungen „da draußen“ , die Menschen die mich brauchen, aber auch die ich brauche.
Ich bin nicht blauäugig. In der Zukunft wird der Weg noch sehr steinig werden. Aber ich habe zum ersten Mal kapiert wie ich aus der Einsamkeit entkommen: Ich muss nicht entkommen, ich muss sie schlicht loslassen.
Ich bin dann tatsächlich von meinen eigenen Geschreibsel überzeugt. Während der Schulzeit habe ich dann sonderbar gute Laune. Oft glaube ich nun endlich den Schlüssel zu haben, ein neuen Lebensstil zu entwickeln. In diesen Phasen mache ich „verrückte Sachen“ wie sich an einen Sprachkurs anmelden (den ich heute zum ersten Mal besucht habe) oder mit anderen Leuten Treffen auszumachen. Aber die Freude hält nicht lange an. Ein falscher Kommentar, ein Missverständnis, eine Absage, die klitzekleine Enttäuschung katapultiert mich in das „Tal der Tränen“. Geht es mir gut, dann lüge besonders oft. Auf Fragen wie „Was hast du an diesen Wochenende gemacht?“ kommen die tollsten Geschichten. Später, wenn es mir dreckig geht, bereue ich all dies und bin damit beschäftigt den Schaden in Grenzen zu halten und nicht weiter Müll zu erzählen.
Die Schule sollte meine Chance sein, vollkommen neu anzufangen. Bereinigt von den vielen Quatsch den ich in der Vergangenheit erzählt habe. Bisher hielt sich dieser Quatsch noch in Grenzen, aber ich kann mir einfach nicht selbst vertrauen. Ich habe schon richtig Angst vor Fragen nach meinen Privatleben.
Ich muss mir wohl eingestehen, dass ich unter einer, wie auch immer bezeichneten Störung leide. Mir entgleitet meine eigene Psyche. Ich fühle mich mehr und mehr gespalten. Wenn ich nur Menschen hätte die mir beistünden und mir Mut zu sprächen. Aber ich bin wirklich alleine. Ich muss mit mir fertig werden.
Ich weiß nicht, ob es hier jemanden gibt, der das Gleiche fühlt. Aber ich habe unheimlich Angst vor der Zukunft. Wie soll ich in dieser Welt überleben, wenn es mir so schlecht geht und meine Gefühlswelt so schwankt? Wie kann ich sicher gehen, dass ich nicht aus einer Laune die Schule schmeißen oder mich nicht doch vor den Zug schmeiße? Wie kann ich den sicher sein, dass wenn ich einen Therapeuten aufsuche, nicht Ende in einer Psychiatrie lande und meine Freiheit verliere? Wie kann ich sicher sein, dass das was ich schreibe und empfinde, noch morgen für mich Gültigkeit hat?
Ich denke, niemand kann diesen Kampf in mir nachvollziehen. Ich versteh mich selbst noch kaum.
Zitat von chase:Hallo Lost_Soul,
mir geht es ähnlich, nur müsste ich eigentlich LostPlanet heißen. Ich habe mein ganzes Leben schon das Gefühl, dass ich nirgends dazugehöre. Wie Alf – hier gestrandet und nicht wieder abgeholt.
Zwar mache ich mir mein Leben nicht erträglicher indem ich Lügen erfinde, ich glaube dafür habe ich nicht genug Phantasie aber ich zog und ziehe mich in oft SciFi-Welten oder Comic Storys zurück. Aber die behalte ich ganz für mich alleine.
Dir alles Gute.
chase
Darf ich fragen, wie du Frage wie "Was hast du gestern gemacht?", "Was hast du am Wochenende gemacht?" beantwortest, falls andere Menschen dir so eine Frage stellen.