Hallo miteinander
Ich bin Anfang 30 und habe seit einiger Zeit immer häufiger das Gefühl, dass mein Leben an mir vorbeizieht. Ich weiss selbst nicht genau, was mir fehlt, deshalb würde mich interessieren, ob jemand das kennt.
Objektiv betrachtet geht es mir eigentlich nicht schlecht. Ich habe einen sicheren Job, Familie, Freunde und Hobbys. Ich restauriere Oldtimer, gehe gelegentlich auf Reisen und unternehme immer wieder etwas mit anderen. Es gibt also durchaus schöne und abwechslungsreiche Tage.
Trotzdem lande ich danach immer wieder bei demselben Gefühl: „Und das war's jetzt?“
Mein grösstes Problem ist wahrscheinlich mein Alltag. Ich arbeite acht Stunden in einem Bürojob, der mich kaum fordert und teilweise ziemlich langweilt. Die Arbeit ist repetitiv und ich habe oft das Gefühl, dass meine Interessen und Fähigkeiten dort gar nicht wirklich vorkommen. Der soziale Kontakt ist dort eher gering.
Wenn ich bei der Arbeit sitze und mal nichts zu tun habe, denke ich manchmal:
„Was mache ich hier eigentlich?“
„Ich könnte gerade irgendwo ganz anders sein.“
„Warum mache ich nicht etwas, bei dem ich unterwegs bin, Menschen treffe oder ständig etwas Neues sehe?“
Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass es nicht nur um den Job geht.
Wir hatten einmal wenig zu tun und ich sagte einem Kollegen, er könne doch nach Hause gehen. Er wusste sofort, was er machen wird: mit seinen Kindern ins Freibad.
Eine Kollegin schickte ich anderntags ebenfalls früher nach Hause. Sie sagte, sie würde mit ihrem Mann schon einmal einen Kuchen für den Geburtstag eines Freundes vorbereiten.
Als man mir dann sagte, ich könne an jenem Tag früher gehen, dachte ich nur:
„Naja, ich habe eigentlich nichts vor. Dann gehe ich halt in die Werkstatt.“
Und genau das hat mich getroffen.
Nicht weil ich meine Werkstatt nicht mag. Im Gegenteil, sie ist eines meiner liebsten Dinge.
Sondern weil ich gemerkt habe, dass bei mir relativ wenig davon abhängt, was ich mache.
Wenn ich heute nach der Arbeit drei Stunden in der Garage bin, schlafen gehe oder irgendwo alleine etwas unternehme, verändert das für andere Menschen kaum etwas.
Ich glaube, mir fehlt dieses Gefühl, im Leben anderer Menschen wirklich eine Rolle zu spielen.
Ich habe durchaus Freunde und Bekannte. Aber vieles ist eher: Man sieht sich irgendwann, wenn etwas organisiert wird. Bei anderen Menschen sehe ich dagegen, wie sie sich untereinander ständig schreiben, sich spontan besuchen, gemeinsam einkaufen, Sport machen oder einfach selbstverständlich Teil des Alltags des anderen sind.
Ich kann mich mit "meinen" Menschen treffen und einen schönen Abend haben. Aber danach gehe ich wieder nach Hause und mein Leben läuft im Grunde genauso weiter wie vorher.
Vielleicht fehlt mir deshalb weniger „mehr Leute“ als mehr Verbundenheit.
Eine Partnerschaft stelle ich mir beispielsweise genau deshalb so attraktiv vor. Nicht nur wegen Liebe und Nähe, sondern weil plötzlich zwei Leben miteinander verbunden sind. Man muss sich absprechen, plant gemeinsam, hilft sich, beeinflusst den Alltag des anderen und wird gebraucht.
Natürlich kann das auch nerven. 😄 Aber genau diese gegenseitige Abhängigkeit scheint mir gleichzeitig etwas zu geben, das mir momentan fehlt.
Dazu kommt, dass ich eigentlich ein sehr neugieriger und interessierter Mensch bin. Ich interessiere mich für andere Länder, Technik, Natur, Autos, Sprachen, Geschichte und vieles mehr. Man nennt mich oft "wandelndes Wikipedia".
Ich habe oft Vorstellungen davon, wie es wäre, irgendwo anders zu leben, einen anderen Beruf zu haben, länger zu reisen oder einfach einmal für eine Weile komplett aus meinem gewohnten Umfeld herauszukommen.
Mir ist bewusst, dass ich dabei wahrscheinlich auch romantisiere. Wenn andere von ihrem Leben erzählen, hört man schliesslich meistens die interessanten Geschichten und nicht die 200 langweiligen Tage dazwischen.
Trotzdem schmerzt es mich manchmal.
Ich höre jemanden erzählen:
„Wir waren damals fünf Tage campen.“
„Wir sind nach dem Club noch zu ihm gefahren.“
„Während meines Auslandssemesters in Mexiko haben wir . “
„Wir sind jedes Wochenende zusammen an den See.“
Und ich frage mich:
Warum habe ich so wenige Geschichten?
Ich möchte nicht das Leben dieser Menschen kopieren. Ich möchte einfach das Gefühl haben, dass mein eigenes Leben mehr passiert, dass ich irgendwo dazugehöre und dass Dinge passieren, auch spontan, die später einmal zu Erinnerungen werden.
Gleichzeitig weiss ich nicht, wo ich anfangen soll.
Vielleicht ist mein Job tatsächlich ein grosser Teil des Problems. Vielleicht brauche ich mehr soziale Kontakte. Vielleicht sollte ich stärker daten, mehr reisen oder mich beruflich verändern. Vielleicht fehlt mir eine Partnerschaft. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus allem.
Ich habe bereits Pläne für eine berufliche Weiterbildung, die mir neue fachliche und soziale Möglichkeiten eröffnen könnte. Aber bis dahin vergeht noch etwas Zeit.
Deshalb würde mich interessieren:
Kennt jemand dieses Gefühl, obwohl das eigene Leben objektiv gar nicht schlecht ist?
Und vor allem: Was hat euch tatsächlich geholfen, euer Leben wieder stärker als „euer eigenes Leben“ zu empfinden statt einfach nur von Tag zu Tag weiterzumachen?