App im Playstore
Pfeil rechts
×

Lieber Forenbesucher,

dieses Forum dient dazu, Menschen zu unterstützen und Austausch zu ermöglichen. Wer Hilfe braucht, findet sie hier, und wer helfen möchte, ist willkommen. Moderatoren achten darauf, dass der Umgang respektvoll bleibt. Für eine angenehme Atmosphäre sind verständnisvolle, ermutigende und einfühlsame Beiträge explizit erwünscht. Verletzende oder verurteilende Beiträge sind nicht erlaubt.

P

Phil46
Mitglied

Beiträge:
29
Themen:
8
Danke erhalten:
9
Mitglied seit:
Guten Morgen,
seht diesen Beitrag bitte nicht unbedingt als Hilferuf oder als Frage nach Rat. Ich möchte mir gerade einfach meine Gedanken und Gefühle von der Seele schreiben – und vielleicht hilft es mir zu wissen, dass jemand das liest und nachvollziehen kann, wie ich mich gerade fühle.
Natürlich dürft ihr trotzdem gerne kommentieren, solange es freundlich und ohne Vorurteile bleibt.
Um das Ganze besser zu verstehen, muss ich etwas weiter ausholen.
Früher war ich der Typ Mensch, den man heute wahrscheinlich als zu gutherzig bezeichnen würde. Jemand, der seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse für andere zurückstellt und selten an sich selbst denkt.
Durch einige schwere Erlebnisse ist jedoch ein Teil von mir innerlich abgestorben. Zurück blieb eine Seele, die Schmerz intensiver wahrnimmt, aber besser damit umgehen kann. Ich komme mittlerweile besser mit Ablehnung klar und lächle vieles einfach weg.
Über die Jahre habe ich so viel weggelächelt, dass heute niemand mehr vermutet, wie schlecht es mir innerlich manchmal wirklich geht.
Damals verlor ich all meine Freunde – meinen besten Kumpel und eine Freundin, bei der ich mich immer sehr geborgen gefühlt habe. Alles kam auf einmal, und ich fühlte mich völlig gebrochen.
Monatelang bestand mein Alltag aus denselben Abläufen. Keine Abwechslung, immer nur zuhause. Ich war kurz davor, mir eine Überdosis einzuwerfen und allem ein Ende zu setzen.
Doch eines Abends stand ich auf und sagte mir, dass es so nicht weitergehen kann. Dass ich endlich anfangen muss, auf mich selbst zu hören.
Ich holte mir nach vier Jahren wieder eine Katze aus dem Tierheim. Ich verliebte mich sofort in einen Kater und nahm ihn mit nach Hause. Kurze Zeit später kam noch ein zweiter dazu.
Plötzlich hatte ich wieder das Gefühl, gebraucht zu werden. Die Einsamkeit wurde weniger, und ich fühlte mich wieder wichtig.
Ich nahm all meinen Mut zusammen, kündigte meinen Job, den ich über alles gehasst hatte, und fand eine neue Stelle, bei der mir die Tür offen stand, einen Lebenstraum zu erfüllen. Ich liebe meinen Job – und finanziell geht es mir mittlerweile auch sehr gut.
Es ging Stück für Stück bergauf.
Ich verkaufte mein kaputtes Auto, brachte wieder Ordnung in meine Wohnung, legte schlechte Gewohnheiten wie exzessives Computerspielen immer mehr ab und hatte nicht mehr den Drang, jeden Tag vor dem PC zu sitzen.
Dann lernte ich eine Frau kennen. Es kam auch zu körperlicher Nähe – und dann kam der Knall.
Sie ging davon aus, dass wir nach der gemeinsamen Nacht ein Paar wären. Ich fühlte zu dem Zeitpunkt aber noch nichts und sagte ihr ehrlich, dass ich mehr Zeit brauche. Damit kam sie nicht klar, und der Kontakt brach ab.
Das ist jetzt zwei Jahre her. Seitdem hatte ich keinerlei sozialen Kontakt zu Frauen – und ich kam damit eigentlich gut klar.

Bis gestern.

Gestern wurde mir bewusst, dass mein Kopf nach Nähe schreit. Nach dem Gefühl, einfach mal in den Arm genommen zu werden und all die Gefühle rauslassen zu können, die sich über Jahre angestaut haben.
Erinnert ihr euch an die gute Freundin, die ich erwähnt habe?
Wir haben seit einiger Zeit wieder Kontakt und waren am Wochenende zusammen feiern. Nach all den Jahren fühlte es sich an, als wäre nie etwas gewesen.
Auf dem Weg zur Party sprachen wir über die alte Zeit und erzählten ihrer Freundin, wie wir uns damals kennengelernt haben.
Während der Feier lockerte der Alk. natürlich die Stimmung. Wir tanzten, tranken und lachten den ganzen Abend.
Und da war dieses Gefühl, nach dem ich mich so lange gesehnt hatte:
Akzeptiert werden, Spaß haben, Nähe spüren, Körperkontakt, wieder Kontakt zu einer Frau.
Gegen Ende suchte sie dann immer mehr die Nähe zu mir.
Ich hatte mir vorher vorgenommen, nicht zu viel zu trinken, damit ich die beiden sicher nach Hause bringen kann. Ich übernahm die Getränke, passte im Hintergrund auf und zog mich zurück, wenn sie von anderen Männern angesprochen wurden.
Ich war sozusagen der stille Wächter, der ihren Freiraum respektiert.

Als wir gingen, liefen drei Jungs vor uns, die von den beiden angesprochen wurden. Je näher wir dem Bahnhof kamen, desto mehr näherten sich die vier einander an.
Zuerst hakten sich alle ein, dann teilten sie sich in zwei Gruppen. Ihre Freundin lief vorne mit einem der Jungs, meine gute Freundin hinten mit dem anderen.
Sie wollte, dass ich mich bei ihr einhake – was ich auch tat. Doch schnell merkte ich, dass die beiden sehr aufeinander fokussiert waren. Also zog ich mich zurück, um nicht zu stören oder anhänglich zu wirken.
Und plötzlich war ich vergessen.

Ich lief still hinter ihnen her.

Ich verzichtete sogar auf meinen früheren Zug, um die beiden nach Hause zu begleiten.
Am Bahnhof trennten sich aber dann unsere Wege – und sie gingen einfach vor, ohne sich nochmal umzudrehen.
Als sie mich schließlich wieder bemerkten, kam nur ein:
"Willst du dich nicht ordentlich verabschieden?"
Ich lächelte nur und sagte, ich müsse meinen Zug bekommen – obwohl mein nächster erst 1,5 Stunden später fuhr.

Darauf kam nichts mehr.

Ich saß dann alleine am Gleis und mir wurde bewusst, dass ich mir gerade selbst wehgetan hatte – aber gleichzeitig auch sehr reif reagiert habe.
Ich machte kein Drama daraus, dass ich innerhalb weniger Minuten völlig uninteressant geworden war. Dass ich plötzlich nur noch das dritte Rad am Wagen war.
All das, wonach ich mich so lange gesehnt hatte, wurde mir an diesem Abend kurz gegeben – und dann wieder genommen.
Die Nähe, das Gefühl sich öffnen zu können, der Körperkontakt … und dann plötzlich weg.

Ich habe keine romantischen Gefühle für sie. Trotzdem fühlte es sich an wie ein Schlag ins Gesicht.
Vor allem, weil ich die ganze Zeit auf sie aufgepasst, die Getränke bezahlt und nur das Beste für sie wollte.
Natürlich freute ich mich auch für die beiden, dass sie bekommen haben, was sie wollten.
Aber so schnell ersetzt zu werden, tat weh.
Ich lächelte es weg – bis ich zuhause war.
Dort habe ich dann geweint, weil mir all das fehlt … und ich es für einen kurzen Moment wieder gespürt hatte.
Sie haben mich sicher nicht bewusst verletzt aber trotzdem tut es gerade einfach verdammt weh.

07.04.2026 #1





Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl
App im Playstore