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Hallo,
Ich befinde mich im Moment in einer schwierigen Lage. Mir geht es ziemlich schlecht und das schon länger, allerdings habe ich in den letzten Wochen und Monaten das Gefühl, alles wird noch schwieriger und der Alltag kaum bzw an manchen Tagen gar nicht zu bewältigen. Ich fühle mich mit meinen Problemen ziemlich allein, niemand weiß, wie es mir wirklich geht und ich kann mich keinem wirklich anvertrauen.
Ich habe nun beschlossen, zu meinem Hausarzt zu gehen und mit ihm zu reden. Ich befürchte leider, dass es sich um Depressionen handelt. Ich weiß, solche Selbstdiagnosen zu stellen ist nicht gut, aber ich habe mich ausführlich über das Krankheitsbild mit Ursachen, Symptomen usw informiert. Natürlich bin ich mir nicht zu 100% sicher, aber der Verdacht liegt nahe. Nun meine beiden Fragen:
1. Ich habe von körperlichen Beschwerden als Begleiterscheinung bei dieser Krankheit gelesen, in meinem Fall ist mir aufgefallen, dass ich seit längerem unter regelmäßigen Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Schlafstörungen leide. Sind dies mögliche Begleiterscheinungen und hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
2. Kann mir jemand von seinen eigenen Erfahrungen zur Diagnose Depression erzählen, wie der Weg dahin war und wie Gespräche beim Hausarzt etc. abliefen?
Würde mich interessieren und mir hoffentlich ein wenig die Angst vor meinem eigenen Termin mit dieser eventuellen Diagnose nehmen. Vielen Dank!

01.10.2017 15:19 • 04.10.2017 #1


3 Antworten ↓


la2la2
Hey,
es ist gut, dass du erkannt hast, dass du irgendein gesundheitliches Problem hast, dass durch abwarten und Tee trinken nicht wieder von alleine verschwindet.
"Depressionen" ist eine Modediagnose, die heutzutage viel zu schnell und gerne gestellt wird von Ärzten. Vielleicht hast du bei deinen Recherchen auch schon festgestellt, dass die Diagnose "Depressionen" nur Anhand von Symptomen gestellt wird - es jedoch bis heute unmöglich ist den Nachweis dafür zu finden. Anders als z.B. ein gebrochenes Bein lässt sich im Röntgenbild nachweisen.
Worauf ich hinaus will: Für jedes Symptom gibt es zig bis hunderte mögliche Ursachen. Hier hilft nur eine sehr gründliche Diagnostik. Ein paar Beispiele, was man so untersuchen sollte, da es Symptome hervorrufen kann, die wie eine Depression aussehen: Herzprobleme, Schilddrüsenprobleme, Mangel an B12, Eisen, Folsäure, Vitamin D,......, etc. pp.

Du kannst es natürlich auch zuerst mal bei einem Psychologen versuchen. Wenn 10-15 Sitzungen Gesprächstherapie keine Besserung bringen, dann ist es wahrscheinlich KEIN psychisches Problem (egal was der Psychologe dir erzählt) - dann muss gründlich gesucht werden, bis die Ursache gefunden wird.

01.10.2017 15:29 • x 1 #2



Diagnose Depression, wer hat Erfahrung?

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Hallo,
Genau wie du hab ich es auch gemacht. Über Jahre verstärkte sich mein eigener Verdacht, dass ich Depressionen haben könnte.
Hab dann auch im Internet recherchiert und landete auf einer Seite, die 34 Symptome auflistete. Man konnte bei jedem der Symptome für sich selbst beantworten, ob das zutrifft oder nicht.
Ich kam auf über 25, die zutrafen. Unter anderem auch gestörtes Schlafverhalten, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, die Klassiker halt.

Hab daraufhin einen Termin beim Hausarzt gemacht, weil ich wissen wollte, ob ich bloß zu empfindlich bin oder wirklich Depressionen dahinter stecken.
Der Hausarzt ist natürlich nicht gerade ein Experte auf dem Gebiet, aber das sollte niemanden davon abhalten, sich dort Rat zu suchen.

Als ich da war, hab ich frei raus gesagt, dass ich denke, Depressionen zu haben. Als er mich fragte, wie ich darauf komme, ist alles aus mir raus geplatzt. Das Ergebnis war ein sofortiger Klinik-Aufenthalt und das Wissen, dass mein Verdacht richtig war.

Ich denke, wenn Jemand diesen Verdacht hat, wird da auch was dran sein.
Also geh ruhig zum Hausarzt. Es kann nur zu deinem Vorteil sein.

01.10.2017 15:33 • #3


Bei mir war es ganz anders. Ich wollte lange nicht wahrhaben, dass es etwas Psychisches ist, rannte von Arzt zu Arzt wegen körperlicher Symptome (Schlaflosigkeit, extreme Müdigkeit und Schweregefühl, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit, Verspannungen, Herzrhythmusstörungen etc.), bis mir meine damalige Hausärztin sagte: "Sie haben eine Depression wie aus dem Lehrbuch." Vorher hatte schon ein Internist gesagt, ich soll Psychopharmaka nehmen. Beide Male war ich geschockt und verärgert. Psychisch krank? Ich doch nicht!

Später keimte in mir der Verdacht, dass es doch eine Depression sein könnte. Schließlich wurde es ganz schlimm, ich hatte einen totalen Zusammenbruch, sich aufdrängende Suizidgedanken, Verfolgungswahn. Ich ging deswegen in die Ambulanz einer psychiatrischen Klinik. Dort stellte eine Psychiaterin endgültig die Diagnose "schwere Depression mit psychotischen Symptomen". War deswegen einen halben Tag nur am Weinen und konnte mich lange nicht damit abfinden. Mittlerweile konnte ich die Diagnose annehmen und mein Leben danach ausrichten, geht mir seither insgesamt besser. Auch wenn es immer noch schwere Episoden gibt (die aber immer kürzer werden).

04.10.2017 12:09 • x 1 #4




Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser