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Hallo liebe FCommunity,

vor einem Jahr habe ich schon einmal von meiner Angststörung berichtet. Als mein Studium losging und die ersten Erfolgserlebnisse eintraten, habe ich mich für geheilt gehalten - wohl ein etwas zu optimistisch...

Seit 2 Monaten habe ich wieder das ganze Paket an Symptomen: Schwindel, Herzstolpern, Schlaflosigkeit, Atemnot und nun leider auch: Sozialer Rückzug. Nun sitze ich seit 3 Wochen nur noch allein zu Hause rum und habe keine Lust mehr raus zu gehen. Immer häfiger bin ich einfach nur traurig und erschöpft und frage mich, was da eigentlich alles noch soll. Jetzt hab ich panische Angst an einer "richtigen" Depression zu erkranken und wollte deshalb mal fragen, ob ihr solche depressiven Momente nach längeren Angstphasen auch kennt!?Ist es eine logische Folge bei lang anhaltender Angststörung? Oder habt ihr einfach nur Angst?

Wäre euch für eure Erfahrungen sehr dankbar!

Liebe Angsthasengrüße,
Sonnenblume

14.11.2009 18:08 • 14.11.2009 #1


4 Antworten ↓


Huhu,

Ist vielleicht einfach dein Studium nicht das richtige für dich?
Wenn einen die Uni nicht richtig ausfüllt, man nicht das Gefühl hat, dass es da gut ist, dann kann einem das, finde ich, sehr nahe gehen.
Ich hab im Moment auch so meinen Durchhänger, aber das liegt mehr an den Profs als am Studium, so dass ich trotzdem noch gut bei der Sache bin. Trotzdem: Wie die Profs teilweise mit uns umspringen macht mich sauer und trotzig, und das schlägt sich auch sofort auf meiner Motivation nieder.
Außerdem wird's jetzt wieder früher dunkel, es ist kalt und nass draußen.. das kann einem schon aufs Gemüt schlagen.
Ich weiß ja nicht, wie dein Stundenplan aussieht, aber wenn man Früh bevor es hell wird in die Uni geht und Abends wenn es dunkel ist wieder Heim kommt -das ist schon irgendwie niederschlagend.

Kann es sein, dass es bei dir daran liegt?
Ich meine, es muss ja einen Grund haben, dass die Symptome jetzt wieder auftreten. Irgend etwas scheint dich ja unterbewusst sehr zu belasten.

Bist du mal auf die Auche nach dem Auslöser gegangen oder kennst du ihn vielleicht sogar schon?

Jedenfalls bist du mit deinem Durchhänger nicht allein. Bei uns in der Uni melden sich auch schon die ersten Stimmen, die keine Lust mehr haben, die keinen Sinn im Studium sehen, die ohne Motivation und Lebenslust bloß noch vor sich hin rotieren und versuchen, es den Profs recht zu machen, Viele schwänzen auch tagelang, bleiben wochenlang Daheim, um sich irgendwie zu erholen.. auch, wenn es bei dir andere Gründe und Ursachen hat, dass es dir derzeit nicht so gut geht: Du bist nicht allein.
Ich kenne viele mit der gleichen Unlust, und ich selber ringe im Moment auch etwas mit mir

Ich denke aber nicht, dass du an einer Depression leidest oder jetzt eine bekommst. Wieso auch? Ich glaube eher, dass du den für Studenten scheinbar total normalen Kurzzeit-Burn-Out hast.
Oder eben, dass dich etwas sehr belastet, weswegen die Symptome zurück kommen.

Geh doch mal an eurer Uni zur psychologischen Beratung!
Unsere Uni hat gleich zwei Psychologen angestellt, die geben Seminare zum Thema Motivation, Leistungsdruck, Prüfungsangst, Burn-Out, etc.
Und wenn man mal Probleme hat, kann man 5 kostenlose Beratungsstunden belegen, in denen man gemeinsam mit den Psychologen über seine Probleme reden und Lösungswege dafür finden kann. Die Psychologen kennen die Probleme genau, die man als Student so haben kann, und haben gleichzeitig ein fundiertes Studium hinter sich, kennen sich also auch mit Angsterkrankungen, Depressionen, etc. aus.
Wenn sie dir nicht weiter helfen können, leiten sie dich an einen Psychologen weiter, der mehr Zeit für dich hat. Manchmal auch an eine passende Beratungsstelle.
Sehr gut, wie ich finde, denn so ein Studium ist Alles Andere als einfach. Nimm das doch mal in Anspruch.
Eigentlich gibt es an jeder Uni, Berufsschule und Schule solche psychologischen Stellen für Notfallberatungen.

Liebe Grüße,
Pilongo

14.11.2009 18:28 • #2



Depressiv durch Angst?

x 3


Christina
Hallo Sonnenblume,

depressive Momente sind bei jeder belastenden oder langwierigen Erkrankung, ganz besonders bei psychischen Problemen, völlig normal. An sich ist das kein Grund, sich nun noch zusätzliche Sorgen zu machen. Aber: Es ist leider auch oft genug so, dass sich zu Angststörungen auf Dauer "richtige" Depressionen hinzu gesellen. Gerade dann, wenn man z.B. schon viel versucht hat und scheinbar nichts hilft, wenn man hilflos der Sache ausgeliefert ist oder auch wenn man sich (bei ausgeprägter Agoraphobie z.B.) komplett zurückzieht, keine positiven Erlebnisse und keine sozialen Kontakte hat. Aber auch "richtige" Depressionen fallen unterschiedlich (stark) aus und meist entstehen aus Angststörungen eher leichte bis mittlere Depressionen. Ich habe übrigens welche - allerdings erst nach Jahren der Angststörung entwickelt...

Zitat von Sonnenblume84:
Nun sitze ich seit 3 Wochen nur noch allein zu Hause rum und habe keine Lust mehr raus zu gehen. Immer häfiger bin ich einfach nur traurig und erschöpft und frage mich, was da eigentlich alles noch soll.
Jetzt bitte keine Panik - mit diesen drei Wochen manövrierst du dich noch nicht in die Depression. Aber wehre den Anfängen. Wenn du (angstmäßig) raus gehen kannst, aber "nur" keine Lust dazu hast, solltest du dich unbedingt überwinden. Aber plane das so, dass es dir gut tut, dass deine Überwindung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit belohnt wird. Sorg dafür, dass dein Alltag Struktur behält, mach dir notfalls einen Stundenplan, in dem sich aber - das ist wichtig - Pflicht und Kür abwechseln sollten. Du brauchst positive Erlebnisse, die dich bestätigen und/oder einfach nur Spaß machen. Spann' dafür getrost Freunde und Bekannte ein, verabrede dich, auch wenn es schwer fällt.

Trotzdem überfordere dich nicht. Im Vordergrund steht ja schließlich die Angst. Die beste Depressionsprophylaxe dürfte daher eine wirksame Angsttherapie sein bzw. die begründete Hoffnung, die Angst in absehbarer Zeit los zu werden. Machst du etwas in dieser Richtung? Falls nicht, sieh dich nach einem Verhaltenstherapeuten um. Wenn die Symptome sehr einschränkend sind, wäre vielleicht auch eine medikamentöse Unterstützung angebracht.

Liebe Grüße
Christina

14.11.2009 18:43 • #3


Hallo Sonnenblume,

ich hatte mehrmals im Laufe des Studiums z.T. erhebliche, sekundäre Depressionen. Mittlerweile ist es so, dass ich als Folge von länger anhaltenden Gefühlen von Überforderung eher Symptome entwickle, die dem Burnout-Syndrom nahekommen (muss zur Zeit mit den kürzer werdenden Tagen auch aufpassen), d.h. die negativen Gedanken fehlen, aber ich habe einfach das Gefühl, nicht abschalten zu können und weitere Beschwerden. Burnout und Depression sind ja ähnlich und werden fast identisch behandelt.

Es wurde eigentlich schon alles gesagt, also versuchen, den Druck rauszunehmen, irgendwas für Dich neben dem Studium tun, was Dir gefällt, würde ich sagen.
Allerdings kann panischer Aktionismus auch schaden, damit habe ich Depressionen sogar schon ausgelöst bzw. verschlimmert. Manchmal hilft ja auch das genaue Gegenteil, also sich mal gar nichts vorzunehmen, einfach mal ein paar Stunden nichts tun. Fällt mir wahnsinnig schwer.

Grüße, pc

14.11.2009 19:32 • #4


Hallo Sonnenblume,

ich schließe mich meinen Vorrednern an und möchte Dich auch beruhigen. Mir ging es ähnlich wie Dir: Vor 14 Jahren hatte ich zum ersten Mal die klassischen Panikattacken in der Bahn und beim Autofahren und habe sie mittels Verhaltenstherapie ziemlich schnell innerhalb von drei Monaten in den Griff bekommen. Zwei Jahre später kriegte ich dann wieder Panik, aber ohne direkte Triggersituationen. Ich konnte also nicht so wirklich dagegen angehen. War verzweifelt, weil mein altes "Rezept" gegen die Angst nicht mehr griff. Daher habe ich dann eine leichte bis mittelschwere Depression bekommen, die mit ADs innerhalb von zwei Monaten wieder verging. Vielleicht bist Du "enttäuscht" von Dir selber, weil Du dachtest die Sache im Griff zu haben. Das musst Du aber nicht. Ich denke, sowohl Angst als auch Depression sind Dinge, die im Leben immer mal wieder auftreten und niemand kann seine Angst "endgültig" besiegen.

Versuche, so viel positives wie möglich für Dich zu tun. Das "beschützt" Dich schon mal halbwegs vor einer Depression. Und wenn Du Dich dauerhaft wirklich niedergeschlagen und unmotiviert fühlst, dann sprich mit Deinem Arzt/Therapeuten darüber. Ich bin nicht grundsätzlich für Medikamente, aber manchmal helfen sie einfach. Wobei ich in Deinem Fall denke, dass Du es ohne schaffst.

Grüße, sphinx

14.11.2009 20:01 • #5




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