Zitat von Blume3008: Mein Hauptproblem sind soziale Kontakte bei der Arbeit: Ich habe immer wieder extreme Angst, etwas falsch zu machen, "es mir zu versauen", dass man mich nicht mag, etc. Es kommen immer wieder emotionale Flashbacks und die Gefühle und Ängste sind für mich sehr schlimm.
Das scheint nicht das einzige Problem zu sein. Die Ursache dafür kannst nur du selbst in Erfahrung bringen. Es bestehen neben diesen geistigen sozialen Ängsten auch begründete weltliche soziale Ängste, die durch erstere gefördert werden.
Die Frage ist, die nicht hier, sondern nur von Fachärzten beantwortet werden kann, wie schlimm es ist.
Mal eine andere Begebenheit, nicht zum Vergleich, sondern rein zur Darstellung. Auf Arbeit in West-Deutschland wurde in den 1990er Jahren eine Person aus Ost-Deutschland angestellt. Diese wurde von keinem gemocht und pauschal als faul abgestempelt. Jeder Fehler wurde 10-fach gewertet. Der Person war das egal, da sie ihre Arbeit wie alle anderen machte und eben auch mal Fehler. Allein ihr Dialekt wurde als "Fehler" verstanden. Da sie sich davon nicht beeindrucken lies, gewann sie sogar Sympathien. Letztendlich wussten die anderen ihre negative Einstellung ihr gegenüber nicht mehr zu begründen. Sie verflog zu blöden Sprüchen. Das Blatt wurde gewendet.
Eine andere Person auf Arbeit war gegen alle, die nicht ursprünglich deutsch waren, was viele nervte. Sie sagte stetig falsches. Aber sie wurde so akzeptiert wie sie war, eben als Ausländerfeind. Die Welt ist bunt und es gibt unzählige Charakter. Ein weitere Person auf Arbeit war hinterlistig und gemein und hat stetig getrickst. Das war allen bekannt und auch sie wurde so wie sie ist akzeptiert, auch wenn ihr Verhalten falsch war. Es kommt nicht darauf an so zu sein wie es die anderen wollen, sondern so, dass andere einen nicht nach ihren Wünschen verändern können. Dann bleibt ihnen nichts weiter übrig als einen so zu akzeptiern wie man ist, mit allen Fehlern. Ja, wir haben Fehler, und sogar solche, die wir an uns selbst nicht mögen.
Das schwierigste daran ist nicht von anderen akzeptriert zu werden, sondern sich selbst so zu akzeptieren wie man ist. Das fällt auch mir sehr schwer und es ist das eigentliche Hauptproblem. Denn das eigentliche Hauptproblem ist, daran nichts ändern zu können.
Eine weitere Frage bei dir ist, wie weit du es dir zutraust eine neutrale Aussage über dich selbst treffen zu können, was die Arbeitsleistung betrifft. Spielen da Wunschvorstellungen mit rein, wie viel du theoretisch arbeiten könntest? Denn was dabei letztendlich zählt ist wie ehrlich du da zu dir selbst bist. Bei mir ist es so, dass ich denke, ich kann alles, aber tatsächlich bin ich sofort überfordert und kann gar nichts. Das ist ein hartes Eingeständnis, das ich nicht immer akzeptiere, aber immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geworfen werde. Jedes Mal aufs neue die volle Ladung an Enttäuschung meiner selbst. Dies insbesondere im Anbetracht eines Vermeidungsdenken, bei dem schlimmeres (Sozialhilfe) vermieden werden will. Es ist jedoch besser sich gut darauf vorzubereiten, auch und insbesondere mental, auch wenn es am besten nicht passiert. Angst ist ein schlechter Berater.
Als Bürokauffrau käme vielleicht eine Anstellung bei einer kleinen 1-Personen-Firma ohne Publikumsverkehr in Frage, die eine Buchhalterin sucht. Aber sowas zu finden wird sicher schwierig.
Ich habe über 20 Jahre lang versucht mich nicht aufzugeben. Weil ich Angst vor dem sozialen Absturz hatte. Aber letztendlich war das ein Selbstbetrug. Ich war schon längst abgestürzt. Dann wurde ich mehr oder minder dazu gezwungen mich aufzugeben. Das war sehr hart. Denn es war gegen meinen Willen. Jetzt bin ich davon befreit und bemerke aber, dass dies Gefahren neuer Art birgt. Ich werde leichtsinnig im Umgang mit meiner gestörten Persönlichkeit. Ein gesunder Zweifel gegenüber allem ist gut, aber es muss dabei auch bedacht werden, ob er auch tatsächlich gesund ist, oder ob doch eher die anderen eher Recht haben, was die eigene Verfassung betrifft.
Das mit der Reha und Entlassung als arbeitsfähig ist leider ein Automatismus. Was dir helfen könnte wäre ein Klinikaufenthalt, bei dem dein Zustand diagnostiziert wird. Die Ämter werden zuerst versuchen dich als arbeitsfähig einzustufen, aber auch sie können die Realität nicht leugnen. Wenn du nicht in der Lage bist Bewerbungen zu schreiben, dann gehe zum Arzt. Suche auch eine PIA auf und lasse dich beraten. Stelle einen Rentenantrag aber nicht auf eigene Faust, sondern nur auf Empfehlung des Jobcenters. Du kannst beim Jobcenter vorerst eine berufliche Reha beantragen, wegen Arbeitsunfähigkeit in deinem Beruf.