Hallo zusammen,
Warum trifft man wohl auf so ein Forum? Genau - weil einen die selbe Angst beschäftigt und man sich irgendwie Hilfe verspricht.
Ich fasse mich kurz, seit nunmehr 12 Jahren beschäftigt mich die selbe Angst vor schlimmen Krankheiten.
Die Angst vor ALS würde ich wohl als Endstufe betrachten, ist es schließlich eine unheilbare Krankheit ohne Aussicht auf Heilung wohingegen bei vielen weiteren ernsten Erkrankungen zumindest eine Chance besteht.
Ich weiss genau wie lähmend diese Angst sein kann.
Der Körper wird genau beobachtet, die Symptome werden schlimmer und passen genau auf die Krankheit vor der man sich so fürchtet.
Man ist gefangen in der eigenen Gedankenspirale. Alles wird genau analysiert. Das kleinste zucken wird wahr genommen und in unseren Köpfen fügt sich alles wie ein logisches Puzzle zusammen.
Ich habe diese Schwäche, dieses zucken - es muss ALS sein. Alles passt.
Weitere Symptome kommen hinzu und verstärken und bestätigen unsere Gedanken.
Dann überfällt dich diese Angst, ein Teufelskreis, ein weiteres Symptom kommt hinzu- wir googeln es.
Und wieder ist sie da UNSERE Bestätigung.
Die Bestätigung dass wir glauben ganz genau zu wissen was wir haben während zahlreiche Ärzte unserer Meinung nach einfach nicht genau geguckt haben, sie haben vielleicht das falsche untersucht oder die Messung war ungenau.
Alles was ich schreibe klingt erstmal sehr rational. Ist es ja auch. Aber genau darin liegt unser aller Problem. Befindet man sich einmal in dieser Angstspirale sind diese Gedanken alle irrational. Hart ausgedrückt kann man nicht mehr klar denken, die Angst gewinnt überhand. Wahrscheinlichkeiten können nicht mehr genau differenziert werden. Für uns ist es wahrscheinlicher an einer extrem seltenen Krankheit zu leiden als dass das wirklich Wahrscheinliche - ein Harmloses zucken oä. In Betracht gezogen wird.
In einigen Momenten ist einem das sogar irgendwie bewusst aber der dunkle Begleiter- die Angst- scheint übermächtig zu sein.
Ein Beispiel.
Ein "gesunder" Mensch hat ein kurzes heftiges stechen im Kopf.
Er denkt sich, wenn überhaupt, oh krass...naja ist ja aber wieder weg und vergisst dass es überhaupt da war.
Bei vielen von "uns" würde es vermutlich so aussehen. Kurzes heftiges stechen im Kopf. Wir: OMG. Was war das? Das war so schlimm wie noch nie. Besser mal hinlegen und beobachten. Nicht das ich einen Hirnschlag habe. Google: heftiges stechen im Kopf = "in Verbindung mit kribbeln und Taubheitsgefühl in den Armen kann es Hinweis auf einen Schlaganfall sein"
Wird gerade mein Arm taub?
Spüre ich da nicht ein kribbeln?
Oh nein ich merke mein Gesicht wird taub.
Google: stechen im Kopf- Gesicht fühlt sich taub an. Google = "Verdacht Schlaganfall "
Ich wusste es...ich habe oder kriege gleich einen Schlaganfall.
Das war nur ein Beispiel und kann beliebig mit anderen Krankheiten ausgetauscht werden.
Unbewusst lenken wir also unsere Gedanken zu genau der Krankheit die wir glauben zu haben und dementsprechend steuern wir auch unsere google Suche. Dann fühlen wir uns bestätigt dabei haben wir allein uns überhaupt dort hin geführt.
Jemand der sowas noch nie hatte kann oft nicht verstehen wie lähmend diese Angst sein kann, wie paradox unsere Gedanken oder handeln.
Wie man da raus kommt...keine Ahnung.
Sicher ist nach Krankheiten googlen der falsche Weg aber dennoch manchmal wie ein Zwang. Irgendwie hofft man dass einem die Angst dadurch genommen wird weil da irgendwie was harmloses steht, wird allerdings nicht passieren da wir, wie oben beschrieben, direkt alles so lenken wie es für uns passt.
Vielleicht hilft es dem einen oder anderem es so nüchtern geschrieben einmal zu lesen und vielleicht schafft es jemand -sich so zumindest kurzfristig- aus der Angst zu befreien.
Was ich allen hier sagen kann. In den 12 Jahren in denen ich mal mehr und mal weniger an dieser Angst leide hatte ich in meinem Kopf schon alle möglichen Krankheiten inkl der passenden Symptome.
Herzinfarkt, Schlaganfall, Hirntumor, Magentumor, HIV, Gebärmutterhalskrebs...um nur einige zu nennen

nichts davon hat sich zum Glück je bestätigt.
Nun bin ich also bei ALS angekommen und irgendwo gaaaanz tief drinn in mir weiss ich auch dieses Szenario wird sich nicht bestätigen auch wenn ich weiss das diese Gedanken hinfällig sind sobald einen die Angst wieder überfällt.
Am Ende ist es ja so : wenn es so ist dann können wir es nicht ändern. Wenn es nicht so ist haben wir, Wochen, Monate oder gar Jahre mit Angst verschwendet. Jahre unseres Lebens welches uns eigentlich so wichtig ist, andernfalls hätten wir nicht so große Angst zu sterben.
Wie traurig. Also kämpft gegen diesen dunklen Begleiter an.
Alles liebe für alle.