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Ich kenne diese Hölle. Die Hölle in mir.
Seit frühester Kindheit; allerdings ohne jeden Grund und Anlass.
Ich erinnere mich, ich war vielleicht 11, da hatte ich einen völlig harmlosen Grützbeutel
an der Wade. Meine Mutter schleppte mich zu unserem, sehr lieben, Hausarzt.
Ich schrie wie am Spieß, ich will nicht sterben, ich will nicht sterben...
Ich hatte die Überzeugung, dass es diese Krankheit ist und ich zwang den Arzt, das
rausgeschnittene Ding vor meinen Augen zu entsorgen, weil ich auf keinen Fall wollte,
dass er es einschickt. Ich wollte nicht wissen, wenn ich sterben muss.
Diese Panik blieb mein ganzes Leben.
Es gab Jahre, wo es mir super geht.
Aber wenn dann mal ein Pickel oder, am Schlimmsten, ein Lymphknoten da wäre,
dann stürze ich ins Bodenlose.
Mir ging es jetzt viele Jahre supergut.
Ich bin ein sehr glücklicher Mensch und ich bin extrem lebensfroh.
Vermutlich ist das der Grund, ich lebe so gerne.
Vor einem Jahr kam mein bisher schlimmster Absturz.
Ein Jahr lang war ich überzeugt, sterben zu müssen.
Ich traue mich nicht einmal, das hier ausführlich zu beschreiben.
Beruf, Freundschaften, alles geht dabei den Bach runter.
Vor Angst oft gestörter Schlaf, Bauchkrämpfe, Zittern.
Irgendwann fand ich mich damit ab, sterben zu müssen.
Das ist extrem, gerade wenn die Welt ringsum so schön ist.
Die Menschen fröhlich.
Sie haben Zukunft*heulheulheul*
Um Weihnachten herum geschah das Wunder, die Ursache der Angst verschwand.
Ich bin bis heute noch extrem dünnhäutig, finde ganz langsam ins Leben zurück.
Ich habe natürlich leider noch Angst, dass ich nur träume und es zurück kommt.
Zur Frage weiter oben - Ja es triggert mich, wenn ich von Fällen lese oder höre,
wo Menschen so Schlimmes widerfährt.
Ich habe unendliches Mitgefühl aber zugleich Panik. Es kam. Jeden so wahllos treffen.
Angst. Angst. Angst.
Dann sage ich mir wiederum, man reagiert nur auf die Horrormeldungen.
Wie vielen Menschen geht es aber gut.
Drauf achtet aber kaum einer.
So.
Und nun ist ein enger Freund, er war für uns wie ein echter Bruder, tatsächlich umgekommen.
Wie damit umgehen?
Weihnachten noch normal zusammen was gegessen.
Er litt da unter einer Erkältung mit verschleppter Bronchitis.
Ich erspare Euch die Einzelheiten.
Das tut uns allen nicht gut.
Vielleicht war es sogar noch gnädig für ihn in dem Unglück.
Nach der Diagnose war er innerhalb von drei Wochen nicht mehr unter uns.
Wie gehe ich, als Ängstler, damit um?
Ich sage mir natürlich, ok, er war seit frühester Jugend Kettenraucher.
Nur die harten Dinger, ohne Filter.
Auch zum Schluss.
Er musste sich Morphium spritzen, um Luft zu bekommen und hat sich danach
eine angezündet.
Wir suchen Erklärungen für das Unerklärliche.
Dann geht es uns etwas besser.
Man sagt, der hat geraucht, der andere hat vielleicht was anderes getan.
Die Gedanken drehen sich.
Ich denke, man muss wirklich versuchen, diese Gedanken zu unterbrechen.
Ich denke, man muss versuchen, sich auf das Positive zu fokussieren.
Das hat mir mal vor Jahren ein alter Neurologe gesagt.
Gedanken kann man sich immer noch machen, wenn es soweit ist.
Aber nicht vorher und nicht ohne Anlass, überwiegend kommt es sowieso völlig anders.
Das was man am meisten überlegt und fürchtet, tritt nie ein, dafür etwas ganz anders,
an das man gar nicht denkt.
Schön wäre es ja.
Ich wünsche allen, dass ihr heute schöne Momente genießt und nicht so viel sorgt.
16.02.2019 14:30 •
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