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Liebe Emise,
ich arbeite seit Jahren mit Kindern in dem Alter und auch mit deren Eltern.
Deine größte Ressource ist dein Wunsch, deinem Kind den besten Start in sein Leben zu ermöglichen. Was ich gelesen habe, klingt für mich nicht so, als würdest du versagen. Ganz und gar nicht. Kinder durchleben immer wieder Phasen - auch Trotz-Phasen, die sich so äußern, wie du es beschreibst. Ich finde einen Psychologen nach dem, was du beschreibst, irgendwie überzogen (sind aber auch nur meine zwei Cent). Wärst du eine meiner Klientinnen, würde ich dir raten, dir einen Termin bei der Familienberatungsstelle deiner Stadt geben zu lassen. Dort kann man hingehen und sich beraten lassen und sich auch nochmal eine Einschätzung von außen geben lassen. Das ist ein rein freiwilliges Angebot und es kommt auch keiner zu dir nach Hause oder holt das Jugendamt dazu oder sowas.
Die Kollegen können gute Tipps im Umgang mit Wutanfällen geben, aber auch dich stützen, wenn Bedarf besteht. Zudem haben sie eine Schweigepflicht, so dass du ganz vertrauensvoll und offen sprechen kannst.
Was generell den Umgang mit Wut anbelangt, hilft es immer, sich ein bisschen an sich selbst zu erinnern: Was willst du, wenn du wütend bist? Willst du, dass ständig einer auf dich einreden, oder möchtest du dich lieber erst mal allein beruhigen und dann klären? Häufig brauchen Kinder kurz Zeit, um sich zu beruhigen - jede Emotion, die ein Kind zeigt, offenbart ja auch eine gewisse Not, die es gerade empfindet. Dabei spielt es keine Rolle, ob das aus unserer Sicht Kleinigkeiten sind, über die es sich nicht aufzuregen lohnt - aus Sicht deiner Kleinen kann das eben ganz anders aussehen. Und das ist Uhr gutes Recht. Wichtig ist, im Nachgang das Problem zu besprechen und auch das Verhalten zu spiegeln - zu erklären, was das bei dir auslöst. Dass es dir körperlich weh tut, wenn sie dich bewirft, oder dass ihr Spielzeug kaputt gehen könnte, wenn sie es herumwirft und sie es dann nicht mehr hat. Also Konsequenzen aufzeigen und deutlich machen, dass sie diese Entscheidung trifft, ob sie die Konsequenzen tragen will oder nicht. Kinder brauchen außerdem die Gewissheit, dass ihre Emotionen in Ordnung sind. Wut ist normal und wichtig. Man kann Kinder in Gesprächen nach solchen Ausbrüchen aber gut anleiten und mit ihnen gemeinsam Möglichkeiten erarbeiten, wie man noch mit Wut umgehen kann, als Sachen zu werfen. Ins Kissen boxen zum Beispiel. Fest auf den Boden aufstampfen. Oder Dinge zu machen, die einem gut tun. Man kann zu sowas z. B. Gemeinsam ein Plakat basteln: "Was macht mich wütend?" und "Was tut mir gut und macht mir ein gutes Gefühl?". In einer Phase von Wut muss deine Kleine sich dann nicht erst Strategien überlegen, wie sie aus der Wut rauskommt, sondern sie kann auf das Plakat schauen und sieht direkt selbst erarbeitete Möglichkeiten. Das Plakat müsste mit Symbolbildchen gestaltet werden, weil sie ja sicher noch nicht lesen kann.
Liebe Grüße!
13.04.2018 22:53 •
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