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201214.05




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Hallo liebe Experten,

ich habe ein etwas kompliziertes Problem mit der Beziehung zu meinen Eltern. Allerdings bin ich schon 31 Jahre alt.

Es ist so, dass schon früh das Gefühl hatte, meine Eltern vertrauen mir nicht. Ich wuchs völlig überbehütet auf, was mir den Einstieg ins Erwachsenenleben schwer machte. Ich hatte auch lange mit Panikattacken und Ängsten zu kämpfen, die ich vor einem Jahr nach zweijähriger Therapie endlich überwunden habe.

Aufgrund dieser Überfürsorge meiner Eltern begann ich schon im Teenageralter darauf zu achten, was ich zu Hause erzählte und wie ich mich verhielt. Ich begann den Sohn vorzuspielen, den sie gerne haben wollen. Oder wie ich dachte, dass er sein soll. Das Tragische ist, dass ich dies nie ablegen konnte und meine Eltern heute im Prinzip nichts von mir wissen, obwohl wir uns häufig sehen und regelmäßig Kontakt haben.

Beispielsweise hielt ich eine langjährige Beziehung vor meinen Eltern geheim oder auch so ganz profane Dinge, wie Freizeitunternehmungen. In den letzten Monaten bin ich wieder eine neue Beziehung eingegangen und ich schaffe es einfach nicht, meinen Eltern davon zu erzählen, weil ich ihnen noch nie von meinem Privatleben erzählt habe. Das hört sich völlig bekloppt an, wenn man das liest, oder nicht?

Es gibt nämlich objektiv keinen Grund das geheim zu halten. Ich schaffe es einfach nicht, Dinge von mir und meinem Leben zu erzählen. Mich belastet das gerade sehr und ich weiß nicht, wie ich aus diesem Teufelskreis herauskommen soll. Wenn man so viele Jahre nie etwas von sich preisgegeben hat, ist es für mich schwer die kleinste Kleinigkeit von mir zu erzählen.

Gibt es irgendeine Möglickeit, wie ich es schaffen kann diesen Teufelskreis aus Schweigen endlich zu durchbrechen?

Für einen Tip wäre ich sehr sehr dankbar.



  23.05.2012 08:43  
Hallo Ex_Sportler,

das finde ich gar nicht bekloppt und Du stehst damit sicherlich nicht alleine da. Es hatte ja mal einen Sinn, dass Du Dich so verhalten hast. Und Du gibst dann auch schon die Antwort, weshalb Du noch immer so handelst: "Wenn man so viele Jahre nie etwas von sich preisgegeben hat, ist es für mich schwer die kleinste Kleinigkeit von mir zu erzählen".

Du hast also gelernt, wenn es um Deine Eltern geht, dass ein ganz bestimmtes eingeübtes Programm abgerufen wird. Dieses Programm ist gut eingeübt und sofort zur Stelle - und Du bist innerlich wieder Kind. Das ist das erste, was Du Dir klar machen musst ohne Dich dafür zu hassen oder zu verurteilen. Danach beginnt die Arbeit "in kleinen Schritten". Du hättest schon lange dieses Muster verändert, wenn Du nicht Angst hättest, dass "etwas schlimmes passieren könnte, wenn Du Dich Deinen Eltern mehr öffnest" - so wie es früher gewesen ist. Deshalb solltest Du behutsam mit Dir und Deinen Ängsten umgehen. Fange mit kleinen Schritten an. Erzähle Deinen Eltern zuerst etwas mehr über Dich und Dein Leben, nicht alles auf einmal, aber Schritt für Schritt, damit sie sich an "die andere Tochter" gewöhnen können und Du auch ! Und wäre ab, was Du wann erzählen willst, aber tue es, fang damit an, wenn Du das überwinden willst.
Dabei könnte Dir auch folgendes Buch aus dem PAL Verlag helfen, das es allerdings nur noch gebraucht gibt (z.B. amazon): Janet Dight, "Begreif doch endlich, ich bin erwachsen".

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem Unterfangen - und denke daran, langsam, aber Schritt für Schritt !

Herzlichen Gruß

Bernd Remelius

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