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lori_123
Hallo alle zusammen,

Ich bin 22. Eigentlich studiere ich zur Zeit.
Naja eigentlich. Seit einem Dreiviertel Jahr kann ich in keine Vorlesung mehr gehen.
Vor lauter Angst komme ich kaum mehr aus dem Haus, somit auch nicht mehr an FH.
Vor fast zwei Jahren musste ich schon mein BA Studium abbrechen. Damals dachte niemand, dass ich unter einer Angststörung leide, sondern das die Übelkeit vom Stress und den dadurch verursachten Unverträglichkeiten kommt.

Da es aber beim Studium an einer FH in der Nähe von uns nach einem Jahr wieder anfing, wurde die Angststörung diagnostiziert. Ich wollte das Studium nicht wieder komplett abbrechen und versuche seit her mir zuhause alles mit Hilfe der Skripte selbst zu erarbeiten. Letztes Semester habe ich dann tatsächlich zwei Prüfungen geschrieben. Mit viel Angst, Geheule und der Unterstützung meiner Mama habe ich es ertragen. Doch das kann so nicht weiter gehen. Der Stoff wird immer komplexer und ich kann nicht nur zwei Prüfungen im Semester schreiben. Will ja auch irgendwann mal fertig werden.

Hat jemand von euch Erfahrung mit der Kombination "Studium und Angst"?
Möglicherweise Tipps ? Oder einfach nur Leute mit dem selben Problem.

Gruß
Laura (Lori)

29.06.2014 13:43 • 05.07.2014 #1


12 Antworten ↓


Hey Laura,

ich denke für dich ist die Frage nicht "Studium und Angst", sondern "Angst". Wie es sich anhört, könntest du aktuell weder zur Schule gehen, zur FH gehen, zur Arbeit gehen, in die Kneipe gehen...und und und.

Bist du zuhause komplett Angstfrei? Wie geht es dir denn außerhalb deines Studium? Woher glaubst du kommen die Ängste, wie glaubst du, dass es besser werden könnte?

VG krausix

29.06.2014 14:27 • #2



Studium und Angst ?

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lori_123
Naja offiziell studiere ich ja noch. Aktuell lerne ich für meine Klausur nächste Woche.

Zuhause bin ich eigentlich Angstfrei. Nur sehr, sehr selten habe ich zuhause Panik. Eigentlich ist es eher so, dass wenn ich heim komme, die Angst schnell wieder verschwunden ist.
Ich versuche so viel wie möglich zu unternehmen. Ob auf den Sportplatz oder mit dem Freund auf ein Fest in der Nähe, kleinere, nicht so weit entfernte Dinge gehen schon. Woher meine Angst genau kommt, weiß ich nicht. Ich versuche aber mit meiner Therapeutin daran zu arbeiten.

Ich hatte einfach die Hoffnung, das ich hier auf Menschen treffe, denen es ähnlich wie mir geht. Ich möchte mein Studium nicht ganz aufgeben. Möglicherweise hat ja jemand Erfahrung damit.

29.06.2014 14:53 • #3


Ja das schwierige ist, dass ein Studium für gesunde Menschen ausgelegt ist. Damit meine ich, dass es für Menschen gemacht ist, die belastbar sind und anwesend sein können. Wie die meisten Aktivitäten des Lebens. Das hört sich salop an, aber die meisten Angstpatienten werden hier zustimmen, denn das was man den Tag über so macht, findet ja nicht daheim statt. Das Ziel eines Studiums ist ja der Erwerb einer Ausbildung für den Einstieg in einen Beruf. Und auch hier ist es so, dass die meisten Berufe nicht daheim statt finden.

Ich kann dir keinen Tipp geben bezogen auf Angst und Studium. Meinen Studienabschluss habe ich vor der Angsterkrankung erreicht.

Ich kann dir nur einen Tipp geben, der aber sehr gegen dein Inneres und deinen aktuellen Wunsch geht. Solange du diese Angst vor der Anwesenheit hast und dort die Symptome am schlimmsten werden, solange wirst du auch keinen Spass an deinem Studium haben, sondern es wird zur reinsten Qual. Viele Verhaltenstherapeuten behaupten, dass es durch Aushalten der Angst besser werden würde. Ich bin hier eher skeptisch. Ich denke du solltest deine aktuelle Energie dazu nutzen, wieder gesund zu werden. Das kann lange dauern und keiner kann dir 100 % sagen, ob es klappt. Das Studium zu erzwingen wird dir viel Kraft kosten. Zu Krankheit (egal ob Angst oder etwas anderes) gibt es nicht viele Lösungen in unserer Gesellschaft. Wenn du nicht anwesend sein kannst, dann wirst du im Studium und im Beruf immer Probleme haben zu bestehen. Es gibt bestimmt Beispiele, die hier einen akzeptablen Weg finden oder gefunden haben. Das sollte man nie ausschließen.

Ich würde dir raten mehr Energie in deine Genesung zu stecken als Jahre zu studieren und dann keinen Abschluss zu bekommen, weil du dem Tackt der normalen Leute nicht standhalten kannst. Nimm das als Gedankenanstoß und ich bin mir bewusst, dass es eher Pessimistisch klingt. Und ich denke auch, dass Kritik an meiner Aussage gerechtfertig ist

29.06.2014 17:38 • #4


Schlaflose
Ich bekam vor ca. 27 Jahren PAs, als ich anfing, gegen Ende des Studiums meine 1. Staatsexamensarbeit zu schreiben. Es fing in den Weihnachtsferien an. Ich hatte das "Glück", dass mich die PAs (mehrere täglich) auch zuhause heimsuchten, so hatte 2 Wochen Zeit, festzutellen, dass ich während der Attacken nicht ohnmächtig wurde oder gar tot umfiel (obwohl ich jedes Mal dachte, dass es passieren würde). Als dann nach den Ferien die Uni wieder anfing, bin ich trotz allem hingegangen und habe die PAs einfach über mich ergehen lassen, egal ob im Zug, im Bus, an der Haltestelle, während den Veranstaltungen, in der Mensa usw., immer in dem Wissen, dass bisher nichts passiert war, also würde auch diesmal nichts passieren.
Da das Studium mein ein und alles war, und ich außerdem auch noch eine Hiwi-Stelle bei einem Professor hatte, wäre für mich ein Abbruch nie in Frage gekommen. Lieber wäre ich wirklich an der Uni tot umgefallen, als nicht mehr hinzugehen. Nach ein paar Monaten wurden die PAs seltener und schwächer und nach etwa einem halben Jahr war alles ganz weg und nicht wieder gekommen.

29.06.2014 18:17 • #5


lori_123
Ich hoffe ich schaffe es auch mal, mich so lange "quälen" zu können, dass ich wieder an Vorlesungen teilnehmen kann.

01.07.2014 13:03 • #6


Hallo lori,

ich leide seit letztem Jahr unter der Angst und Panikstörung und bin auch Studentin.
Ich kann dich sehr gut verstehen, denn es ging mir genauso wie dir! Bei mir war vor allem das Pendeln das Problem, da ich immer Panik in der Regionalbahn bekommen habe. Danach musste ich auch noch die Ubahn bis zur FH nehmen, ein Ding der Unmöglichkeit. Das nächste Problem waren die vollen Seminarräume. Aber ich möchte dir Mut machen, ich habe es geschafft, habe dieses Semester sogar 5 Prüfungsleistungen erbracht,mache sogar noch bis Ende nächste Woche eine Blockseminare. Komme dann ins 7. Semester, eigentlich (wäre die Krankheit) nicht gewesen, würde ich nun mein Thesis anmelden, aber als ich letztes Jahr im März die Panikstörung bekam konnte ich im vierten Semester grad mal ein Seminar belegen, zu mehr war ich nicht fähig. Und das nicht nur wegen der Panikattacken, sondern auch weil ich keine Konzentration hatte, sobald ich etwas an den Hausarbeiten geschrieben habe, baute sich ein enormer Druck im Kopf auf, ich fühlte mich wie benommen,hinzu sogar Schwindel, Ohrenrauschen, das Gefühl umzukippen. Meine körperlichen Symptome haben es mir wirklich nicht einfach gemacht. 'War dann in den Semesterferien im September 2013 für 5 Wochen in einer psychosomatischen Klinik, als ich da raus war, bin ich zwei Tage später an die Fh gefahren und habe alles wieder weitergemacht. wenn du Fragen hast, frag ruhig!

Ich möchte dir nur Mut machen, es wird wieder, nur ganz fest dran glauben und leider ist Konfrontation das A und O bei Ängsten, da kommt man nicht drum herum. Ich habe noch immer etwas Platzangst, aber es geht, inzwischen denke ich mir, na gut Panik komme wenn du willst, aber ich fliehe nicht. Eine richtige PA hatte ich schon gut 8 Monate nicht mehr, Angstsymptome verspüre ich ab und an noch, aber es die PA bricht nicht so schnell aus, denn damit eine PA entsteht muss man ja die z. B die Symptome als gefährlich bewerten. Es geht also darum wie ich gewissen Dinge bewerte....

darf ich fragen was du studierst?
Was macht dir genau Angst wenn bevor du PA bekommst? Sind es Symptome die dir Angst machen, hast du Angst umzukippen, hast du Angst vor den Anderen aufzufallen?
Hattest du vor dem Ausbruch deiner Ängste besonders viel Stress?

01.07.2014 21:02 • #7


Halle lori,
auch ich bin Studentin und hatte die Angststörung schon vor beginn des Studiums. Ich kann voll und ganz nachvollziehen wie du dich fühlst, aber ich habe gemerkt, je mehr ich zu Hause bleibe, desto schlimmer wird es. Es ist zwar jedes Mal ein innerer Kampf für mich meine Wohnung zu verlassen, aber wenn ich es dann geschafft habe, wird es von Minute zu Minute besser.

Verstecke dich nicht zu Hause und traue dir ruhig mehr zu. Ich habe heute phasenweise noch heftige Probleme, zumal ich auch noch für das Studium alleine in eine andere Stadt musste. Aber ich habe es bisher in der Regelstudienzeit geschafft und stehe jetzt vor meinem 1. Staatsexamen. Und selbst wenn man ein oder zwei Semester dran hängt, wäre es auch nicht schlimm.
Außerdem gibt es viel mehr Studenten mit Angst- und Panikstörungen als man denkt

Also, setze dich nicht zu sehr unter Druck (weil Stress ist Gift für uns Angsthasen), aber trau dir mehr zu. Du wirst tierisch stolz auf dich sein können, wenn du im Laufe der Zeit siehst, was du alles schaffst

01.07.2014 22:40 • #8


Hallo lori,

auch ich bin Studentin und leider unter einer Angststörung.
Ich hatte früher schonmal eine Angststörung, die ich allerdings wieder in den Griff bekommen hatte.
Als ich mein Studium begonnen habe fingen sie wieder an. Im 1. Semester konnte ich keine einzige Prüfung ablegen, hatte nur noch Angst. Nun im 2. Semester überwiegen die körperlichen Symptome meiner Angststörung: extreme Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, diffuse Schmerzen, etc. Das macht das Ganze wirklich nicht leichter.
Aber entgegen meiner Erwartungen habe ich bisher schon 2 Prüfungen geschrieben (und davon 1 schon bestanden ) und 2 weitere folgen noch.
Ich habe mir einfach gesagt ich werde hingehen und es probieren, es kann mir ja nichts passieren. Entweder ich schaffe die Prüfung oder nicht, wenn ich eine Panikattacke bekomme gebe ich das Blatt ab und schreibe die Prüfung eben im kommenden Semester nochmal.

Ich werde mein Studium nicht in der Regelstudienzeit schaffen, das ist klar, aber das muss ich in Kauf nehmen, wenn ich das Studium nicht schmeißen möchte, was für mich nicht in Frage kommt.
Ich kenne so viele Studenten, die hinterher 1-2 Semester dran hängen und damit gar kein Problem haben.
Als ich vor ein paar Jahren in einer psychosomatischn Klinik war, habe ich erstaunlich viele Studenten / Akademiker kennengelernt, die an Depressionen, Burnout oder Angststörungen litten, scheint wohl wirklich öfter vorzukommen als man denkt.
Eine der Patientinnen hat um 2 Semester verlängert und ihren Master mit 1,0 gemacht und ist nun Dozentin an einer Uni
Du siehst, deine Krankheit muss nicht zwangsläufig das Aus für deine Karriere sein, auch wenn ich auch oft in so ein Loch falle und am liebsten alles schmeißen möchte - irgendwann wird es wieder bergauf gehen.

Viele liebe Grüße

01.07.2014 23:26 • #9


Heutzutage gibt es ja tausend Möglichkeiten.

Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Klinik

Und hervorragend wirksame, gut verträgliche Antidepressiva und Betablocker. Also Optionen hat man viele.

02.07.2014 00:34 • #10


Hey,

bin auch Studentin, habe eine Angsterkrankung, Agoraphobie und Depressionen.

Und alles schon vor Beginn meines Studiums. Hatte mich nach dem Abi wegen den Ängsten nicht mal um einen studienplatz bemüht weil ich es mir nicht zugetraut habe. habe eine Ausbildung begonnen die ich nicht wollte. Irgendwann war die Wut so groß dass ich dachte jetzt oder nie...hab mich dann beworben und nen Platz bekommen. War die ersten Semester fast nie anwesend und hab alles von zu Hause gemacht...war furchtbar. Aber hab die Prüfungen gerockt (einige erst beim 3. versuch....)

Jedenfalls steh ich kurz vorm bachelorabschluss und komm jetzt im Oktober in den Master. es ist alles möglich auch mit Angst.

Du schaffst das. Mit Therapie und Selbstvertrauen!

02.07.2014 00:58 • #11


Liebe Lori,

ich bin auch mit einer massiven Angststörung ins Studium gegangen. Die ersten Semester hab ich auch nicht geglaubt, dass das irgendetwas wird. Ich bin aus fast jeder Vorlesung wieder raus, hab geheult und an Klausuren war gar nicht zu denken. Aber nach und nach hab ich mich durchgebissen. Immer wieder gezwungen. Bis es angefangen hat Spass zu machen. Ich hab da tolle Freunde gefunden und war sogar ein Semester in China. Ganz allein! Und nun hab ich einen Bachelor mit 1,0 abgeschlossen!
Glaub an dich! Du schaffst das auch!
So gut wie jede Uni hat einen psychologischen Dienst, die dir durchs Studium helfen können. Und denk immer daran, dass laut Statistik jeder zehnte Deutsche Angst hat.... zähl mal die Reihen in der Vorlesung durch und stell dir vor, dass du nicht allein bist.

02.07.2014 11:57 • #12


lori_123
Ach Gott seid ihr klasse.

Das ist so schön für mich von Leuten zu hören, denen es ähnlich geh wie mir und die es trotzdem schaffen.
Ich bin offiziell im 4. Semester und studiere Maschinenbau.
Meine Angst kam am Anfang des 3. Semesters und seit dem war ich in keiner Vorlesung mehr.
Prüfungen konnte ich im 3. Semester nur zwei schreiben. Ohne eine Vorlesung gehört zu haben, habe ich sie dennoch bestanden. Im vierten habe ich mich jetzt für drei angemeldet. Am Dienstag die erste (Daumen drücken). Ich finde es nicht so schlimm, sollte ich die Prüfung nicht schaffen. Bei meiner letzten Prüfung habe ich kurz vorher im Saal totale Panik bekommen und konnte kaum aufhören zu heulen.

Meine Angst ist immer mir könnte Übel werden und ich würde dann nicht mehr nach hause kommen. Zum Glück begleitet mich meine Mutter zu den Prüfungen, aber komisch kommt man sich dann schon vor. Ich will mein Studium nicht noch einmal abbrechen (haben mein BA Studium schon abgebrochen . )

Ihr macht mir Mut. Ich muss nur noch irgendwie die 30 minuten Fahrt überstehen können und dann kann ich versuchen an Vorlesungen teilzunehmen. Vielleicht schaffe ich es ja nur ein Jahr dran zu hängen.

05.07.2014 20:10 • #13



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