Hallo,
ich habe mich zwar erst heute angemeldet und grabe mich durchs Forum. Dieser Thread ist für mich sehr interessant, weil ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe und möchte meinen Senf dazugeben.

Ich war neulich auch auf einem großen Meeting (4Tage). Das erste mal nach einem langen Burn out und Depriphase.
Diese Zusammenkünfte habe ich immer gehasst und habe mich teilweise für ein paar Tage aus dem Verkehr nehmen lassen, nur um meiner Angst, die ich schon Tage bevor es überhaupt losgegangen ist hatte, nachzugeben. Ich konnte zuhause dann nicht schlafen, reagierte meiner Familie gegenüber gereizt und war zu nichts zu gebrauchen. Auf dem Meeting hatte ich immer das Gefühl, mich zurückziehen zu müssen, aber wohin? Also habe ich alles über mich ergehen lassen, war aber eigentlich gar nicht anwesend. Beim Teambuilding habe ich mich immer wieder zurückgezogen. Eigentlich bin ich nur mit Maske dort rumgelaufen. In jeder Pause erst einmal weg und Luft für den nächsten Durchgang tanken. Ich mag Menschen, aber 4 Tage mit Leuten zusammen zu sein, die getreu nach dem Motto leben, "da wo ich bin ist vorne" und immer mit Ihren materiellen Dingen prahlen, passt mit meiner Welt nun mal gar nicht zusammen.
Aber dieses mal habe ich mir geschworen, ich fahre dort ohne Angst hin, ohne Anzug und Krawatte, bin einfach nur ich und mache etwas, das es mir gut geht dabei.
(Habe ich in der Tagesklinik und Reha gelernt

) Ich habe mir meine neuen Lieblingsschuhe, die wirklich extrem zwischen Anzugträgern auffallen angezogen, ne schicke Jeans an (Hemd baumelte schön draussen

) und los ging es.
Alle haben geschaut

und ich habe mich wohl gefühlt damit. Ich dachte immer die wollen bestimmt auch alle gerne casual tragen und haben sich nicht getraut. Bin ich deswegen ein anderer Mensch? Und sie da... Es fragten Kollegen wie es mir nach meiner langen Pause geht und sie hätten das, oder ähnliches auch schon einmal selbst oder im Freundes und Bekanntenkreis erlebt. Aha... also doch alles nur Menschen wie du und ich und keine Halbgötter. Ich entwickelte meine eigene Strategie, damit umzugehen. Wenn ich nicht mehr konnte, habe ich den Raum verlassen um für ein paar Minuten Luft zu holen und was sage ich?.... keinen hat's gestört. Das wäre für mich vorher undenkbar gewesen. Abendveranstaltungen habe ich nicht mitgemacht, muss ja nicht 24h für die Firma da sein. Nächsten Morgen beim Frühstück dann... Essen nicht gut, Veranstaltung nicht berauschend, schlechte Luft, viel zu spät im Hotel usw. Also dachte ich, alles richtig gemacht, mich nicht dem Gruppenzwang unterworfen und einfach ich geblieben. Ich hatte schön gegessen, habe meditiert und mir Ruhe gegönnt und mit Schlaftablette schön genächtigt. Punkt um, die Tage vergingen wie im Flug ohne große Angst und Panik. Entweder waren das meine Medikamente oder ich fange an, eine andere Einstellung zu entwickeln. Und darin glaube ich liegt der Schlüssel.
Alle haben ihre Päckchen zu tragen. Bei einigen Menschen sieht man es, bei anderen ist es geschickt getarnt. Aber tragen tun wir alle eines.
Wichtig ist aus meiner Sicht nur sich nicht aus Angst zu verbiegen und das zu machen, was andere Menschen von mir verlangen, wenn es mir dabei nicht gut geht.
Ob Du nun alleine fährst oder nicht. Entscheidend dabei ist nur wie Du dich bei Deiner Entscheidung fühlst. Weglaufen hilft leider aus eigener Erfahrung, auf Dauer nicht. Irgend eine Entscheidung muss immer getroffen werden.
Ich weiß nicht, ob Du aus meinen Zeilen etwas nutzen kannst. Für mich ist es jedenfalls schön gewesen, das nieder zuschreiben und Stolz zu sein, das ich dieses Meeting nicht nur überlebt habe, sondern dabei etwas entscheidendes für mich getan habe.
LG
Andi