Zitat von Andromeda:So wie du es beschreibst, kann ich gut nachvollziehen woher das alles kommen könnte. Du sagst dasselbe wie schon mein Therapeut damals sagte: Auf der kognitiven Ebene scheint alles klar zu sein, nur eben die Gefühlsebene spielt nicht mit..
Spielt nicht mit ist gut.
Die Gefühlsebene ist DIE Entscheidende
Zuerst das Gefühl, dann die kognitive Bewertung.
Denn die Gefühle lassen Dich ja in Verhaltensmuster in der heutigen Zeit fallen, die damals gut waren, weil Du damit sozusagen überlebt hast, heute aber ggf. stören bzw. nicht gut sind.
Denn das Nervensystem "weiss" sozusagen NICHT, dass es 20 Jahre älter geworden ist und damals halt damals war. Wie auch, denn im Nervensystem existiert aus dieser Zeit damals eine Blockade bzw. sogar Verletzung, die Gefühle nicht so "fliessen" lässt, wie sie eigentlich sollten. Das führt eben zu Verhaltensmustern aus der damaligen Zeit (z.B. Deinem starken Drang nach Kontrolle).
Je mehr Du versuchst, diese Gefühle zu kontrollieren, desto stärker geräts Du in Bedrängnis, da sich Gefühle nicht kontrollieren lassen. Es kostet Kraft und Energie, sich dagegen aufzulehnen.
Einfacher wäre es, wenn man die Situation zulassen und damit das Gefühl annehmen würde.
Offenbar hast genau Du davor Angst, weil Du noch nie die Erfahrung gemacht haben wie es ist, wenn eine Situation angenommen und damit das Gefühl viel schneller verschwunden ist und bleiben so im ständigen Widerstand gefangen.
Der Gedanke dabei ist, dass Gefühle kontrolliert werden müssen, jedoch genau das Gegenteil passiert. Die Gefühle, die offensichtlich mit Angst bewertet werden, kontrollieren den Menschen und das Leben.
Unterdrückte Gefühle wirken, als haben sie eine magische Anziehungskraft auf Situationen im Leben, die sich ständig wiederholen.
Es ist so, als gäbe es Menschen, die genau diese negativen Gefühle "lesen" können und uns diese fühlen lassen. Wenn das unterdrückte Gefühl Scham oder Minderwertigkeit ist, wird uns diese Person genau diese Scham fühlen lassen, indem sie z.B. ständig an uns herumkritisiert oder uns als Partner betrügt.
DAS ist u.a. der Grund, warum Du über dich sagst, dass Du eine "Maske" aufhast oder eine "Rolle" spielst und NIE Deine wahren Gefühle, wie z.B. Angst oder Schwäche zeigen kannst.
Und oft passiert es, dass wir praktisch erstarren und gefangen sind in der Situation, uns nicht wehren können und uns der Situation völlig ausgeliefert fühlen. Und genau DAS (!) ist Dein Kontrollzwang.
Wir versuchen diese Situation dann oft zu verdrängen, aber die Erinnerung holt uns manchmal ein und man wird wütend auf sich selbst, da unser Verstand uns abstempelt als unfähig.
Doch genau diese Handlungsweise ist nicht mit dem Verstand zu ändern. Die Art und Weise wie wir darauf reagieren, ist
nur mit dem Gefühl zu verändern, welches unterdrückt ist. Es ist sogar so, dass die Situationen, die uns begegnen, immer offensichtlicher werden, als wenn die Kraft der Gefühle uns unbedingt mit der Nase darauf stoßen möchte und uns förmlich zwingen, es endlich anzunehmen.
Zitat von Andromeda:Mein Therapeut hat mir in der Therapiezeit so viel Sicherheit vermittelt, dass das aber nicht so zum Tragen kam. Er war der einzige, dem ich mich richtig anvertrauen konnte und bei dem ich auch mal "schwach" sein konnte, ohne dass es bewertet wurde oder ich mich dabei schlecht gefühlt habe. Seit Therapieende habe ich wieder richtig zu kämpfen, weil eben diese Sicherheit wegfiel und ich wieder auf mich allein gestellt bin. Ich weiß nicht, wie ich das wieder hinbekomme, durch wen / was ich die Sicherheit meines Thera ersetzen könnte.
Nunja, das war/ist eine kognitive Abhängigkeit.
Zitat von Andromeda:Hm ja, meine Vergangenheit habe ich während der Therapie auch nicht aufgearbeitet - es war eine Verhaltenstherapie, zielte mehr auf das Hier und Jetzt ab.
Ja, DAS ist das Problem der Schulmedizin.
Warum?
Sie haben KEINE Therapieform, die das lösen kann!
Im Groben gibt es schulmedizinisch nur zwei Ansätze: tiefenpsychologisch und verhaltenstherapeutisch.
Mehr ist nicht.
Und kein Therapeut wird freiwillig das Fass "Kindheit" aufmachen, da es mit seinen Werkzeugen, die er beherrscht, ein Fass ohne Boden wird und die Betroffenen nach jahrelanger Therapie meistens so dastehen, wie am Anfang. Denn es löst NICHT die "Verwundung" des Nervensystems auf, sondern geht kognitiv heran und versucht zu erreichen, dass der Betroffene weiss, er ist nicht Schuld an dem, was passiert ist.
Das ist jetzt stark vereinfacht dargestellt.
Zitat von Andromeda:Oder kann ich mir selbst irgendwie helfen? Umdenken? Gefühle ausschalten?
Selbst helfen wird schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, nach meiner persönlichen Erfahrung und Einschätzung.
Umdenken? Dann wären wir wieder bei der kognitiven Verhaltenstherapie, die sich so wenig um die Gefühle kümmert
Gefühle ausschalten? Wird auch nicht klappen, außer man lässt sich gewisse Hirnregionen herausoperieren, was schwierig wird, weil die Medizin so weit noch nicht ist, außer man vernachlässigt das Risiko danach nicht mehr sehen, laufen, sprechen etc. zu können
Zitat von Andromeda:Wie hast du das geschafft? Was genau war das für eine Traumatherapie?
Die Methode heisst: Somatic Experiencing und wird z.B. mittlerweilen von relativ vielen Therapeuten angeboten. Ist von einem Amerikaner und das "Schöne" daran ist, dass die eigentlichen traumatisierenden Lebensumstände, keine Rolle spielen und nicht dafür bewusst herangezogen werden müssen.