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Konkari

Konkari
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Wenn sich ein zentraler Teil verändert – was passiert mit dem Rest?

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag hier wirklich schreiben soll. Vieles davon in dieser Klarheit und Offenheit zu sagen, fällt mir unglaublich schwer – aber ohne den umfangreichen Hintergrund lässt sich meine eigentliche Frage kaum erklären. Der Text ist daher leider etwas länger geworden. Ich habe versucht, mich auf das zu beschränken, was zum Verständnis notwendig ist, ohne dabei Zusammenhänge wegzulassen, die für meine Frage wichtig sein könnten.

Ich bin 48 Jahre alt und beschäftige mich erst seit vergleichsweise kurzer Zeit wirklich systematisch damit, wie meine Ängste und Depressionen entstanden sind, welche Erfahrungen dabei möglicherweise eine Rolle spielen und welche Probleme sich über die Jahre gegenseitig verstärkt haben. Bei manchen Zusammenhängen sehe ich heute recht deutliche Verbindungen, bei anderen kann ich nur vage Vermutungen anstellen. Um meine eigentlichen Fragen verständlich zu machen, muss ich deshalb ein ganzes Stück weit zurückgehen.

1. Die Entstehungsgeschichte

Ich war sechs Jahre alt, als meine fünfjährige Schwester starb. Sie hatte einen angeborenen Herzfehler und erkrankte an einer Lungenentzündung, deren Ernst zunächst nicht erkannt wurde. Den Tod meiner Schwester selbst sehe ich heute nicht als etwas, das ich unverarbeitet mit mir herumtrage. Was sicherlich wesentlich weiterreichende Folgen hatte: Mit meiner Schwester habe ich emotional auch meine Mutter verloren. Unser Verhältnis war wohl schon vorher nicht besonders gut, danach war es jedoch praktisch nicht mehr existent. Von ihr kam zeitlebens keinerlei Zuneigung und Rückhalt – obwohl ich mich jahrzehntelang um eine positive Beziehung zu ihr bemüht habe.


Meine wichtigste Bezugsperson in jungen Jahren war mein Vater. Als ich acht Jahre alt war, erkrankte er an Krebs. Es folgten zehn Jahre mit guten Zeiten, aber auch immer neuen Rückfällen, Operationen und Krankenhausaufenthalten. Die Angst um ihn war irgendwann zumindest latent permanent vorhanden, gleichzeitig blieb er der eine Mensch, dem ich vollkommen vertraute und an den ich mich mit allem wenden konnte.

Einen anderen Erwachsenen, an den ich mich in dieser schwierigen Zeit hätte wenden können, gab es nicht. Besonders deutlich wurde dies, als sich der Zustand meines Vaters wieder einmal akut verschlechterte. Nach einer OP rief eine Ärztin an um uns über seinen kritischen Zustand zu informieren – und meine Mutter war no where to be seen… wortwörtlich. Als sie sah, dass das Krankenhaus anrief, verließ sie die Wohnung und kam mehrere Tage nicht nach Hause. Ich war zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt. Das Telefonat musste ich führen, weil sonst niemand da war, der dies hätte tun können. Man „müsse nun von Stunde zu Stunde denken und dass es besser wohl wäre, schnellstens vorbei zu kommen“ - was ich getan habe: Alleine, ohne meine Mutter. Wohlgemerkt: Dies war kein einmaliger „Ausrutscher“ meiner Mutter, diese Geschichte steht viel mehr für ein Muster, das sich über Jahre hinweg ständig wiederholte. Null Rückhalt. Null Verantwortungsübernahme. Null Miteinander whatsoever.

Als mein Vater starb, war ich 18. Die jahrelange Krankheit und die ständige Unsicherheit halte ich für mich Stand heute für relativ solide verarbeitet. Sein Tod selbst hinterließ allerdings eine riesige Lücke: Mit ihm verlor ich meine wichtigste Vertrauensperson und meinen verlässlichsten Rückhalt. Heute fehlt mir natürlich nicht in erster Linie ein Vater, der mir sagt, was ich tun soll. Was möglicherweise geblieben ist, ist die Lücke eines Menschen, dem ich vollkommen vertrauen konnte und bei dem ich Rückhalt hatte, wenn ich ihn brauchte.

Meiner Mutter habe ich nie verziehen, dass sie sich selbst in den letzten Tagen meines Vaters, als dieser unter unmenschlichen Schmerzen dem Tod entgegen sah, jeder Verantwortung entzog und er die wichtigsten Angelegenheiten noch selbst mit mir regeln musste.

Den Kontakt zu meiner Mutter habe ich trotz allem noch jahrzehntelang aufrechterhalten, irgendwann aber endgültig abgebrochen. Rückblickend bereue ich es sehr, dass ich diesen Schritt nicht wesentlich früher gemacht habe. Seitdem beschäftigt mich dieser Teil meiner Geschichte nicht mehr. Im Gegenteil, seit ich diesen Schritt gegangen bin, empfinde ich sehr viel eher ein Gefühl der Befreiung, Ruhe, Klarheit.


Mit 21 lernte ich meine erste Freundin kennen. Wir führten ungefähr ein Jahr lang eine sehr intensive Beziehung, liebten uns aufrichtig und waren am Ende kurz davor zu heiraten. Relativ früh erfuhr ich leider, dass ihr eigener Vater ihr über Jahre hinweg auf schwerste Weise Dinge angetan hatte, die kein Vater seiner Tochter jemals antun darf. Unmenschliche Dinge. Anders kann ich dies nicht sagen, selbst heute nicht. Mich zerreißt dieser Gedanke nach wie vor innerlich. Hinzu kam, dass insbesondere ihre Mutter und ihr älterer Bruder ihr nicht glaubten und sie damit ausgerechnet von ihrer eigenen Familie im Stich gelassen wurde als sie diese am meisten brauchte.

Ich holte sie, so schnell dies möglich war, zu mir. Meine Mutter lebte damals leider ebenfalls noch bei mir im Haus – weil sie sich keine eigene Wohnung leisten konnte – und terrorisierte meine damalige Freundin ohne jeden erkennbaren Anlass. Sie war ein ruhiger, lieber Mensch, der ohnehin schon viel zu viel mitgemacht hatte und endlich etwas Ruhe im Leben benötigt hätte. Wir versuchten trotzdem, uns gemeinsam etwas aufzubauen, aber irgendwann zerbrach unsere Beziehung kurz vor der geplanten Hochzeit, obwohl wir uns liebten und keiner von uns wollte, dass es so endete. Das hat mich massiv getroffen. Ich hatte große Angst um sie, trauerte lang um unsere Beziehung und machte mir schwere Vorwürfe, weil ich es nicht geschafft hatte, für uns eine tragfähige gemeinsame Basis zu schaffen. Wie weit diese Geschichte heute noch in mir nachwirkt, kann ich allerdings nicht zuverlässig beurteilen.


Während meiner Schulzeit gab es eine Schulfreundin, die mir sehr viel bedeutete. Sie war unglaublich klug, warm und empathisch – und ausgerechnet deshalb hatte ich mich jahrelang kaum getraut, überhaupt mit ihr zu sprechen. Meine sozialen Ängste waren damals bereits deutlich ausgeprägt. Irgendwann lud ich sie trotzdem zu einer Geburtstagsfeier ein. Sie kam zwar nicht, sagte mir aber ab, und erstaunlicherweise veränderte schon dieser Schritt unser Verhältnis. Sie schien verstanden zu haben, was mein eigentliches Problem war, ging danach Stück für Stück von sich aus auf mich zu und mit der Zeit entstand eine recht intensive persönliche Verbindung.

Nachdem wir zeitweise darüber nachdachten, gemeinsam zu studieren, verloren wir uns leider nach dem Abitur weitgehend aus den Augen. Als ich 26 war, wurde sie von einem rechtsextremen Täter ermordet… im Grunde hingerichtet – am Arbeitsplatz. Sie kannte diesen Mann nicht, es gab keinerlei persönliche Vorgeschichte oder irgendeinen Konflikt zwischen ihnen. Sie war nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich dort und geriet vollkommen willkürlich an einen Menschen, der beschlossen hatte, andere Menschen zu töten, die er sich als Feindbild auserkoren hatte. Diese völlige Zufälligkeit und Sinnlosigkeit waren für mich über sehr lange Zeit kaum zu begreifen.

Ihr Tod hat mich psychisch sehr schwer erschüttert. Über Jahre hatte ich Albträume und beschäftigte mich lange mit dem Gedanken, wie wenig dafür ausgereicht hätte, dass sie an diesem zufälligen Tag gar nicht vor Ort gewesen wäre. Heute denke ich meistens an sie als Menschen und an unsere gemeinsame Vergangenheit und nicht mehr daran, wie sie gestorben ist. Rückblickend halte ich ihren Tod wahrscheinlich trotzdem für das schwerste einzelne Trauma meines Lebens, gerade weil er vollkommen aus dem Nichts kam und der ultimative Terror war.


Trotz dieser schweren Phasen gab es bei all diesen Hintergründen damals einen entscheidenden Unterschied zu später: Irgendwann kam ich immer wieder zurück. Diese einzelnen Ereignisse haben Spuren hinterlassen, aber keines davon hat mein gesamtes Leben zum Einsturz gebracht.


2. Ängste

Ängste spielen in meiner psychischen Entwicklung wahrscheinlich eine noch größere Rolle als Depressionen. Eine Besonderheit meiner Ängste ist, dass sie sich fast ausschließlich auf mein Privatleben beschränken. Im beruflichen Kontext treten sie praktisch nicht auf.

Besonders prägend sind soziale Ängste. Sie betreffen vor allem den Kontakt mit fremden Menschen und werden stärker, je mehr Menschen beteiligt sind. Telefonate mit Unbekannten fallen mir schwer, persönliche Kontakte noch wesentlich mehr, und besonders schwierig ist es für mich, selbst auf jemanden zuzugehen, wenn es dafür keinen einfachen sachlichen oder belanglosen Anlass gibt.

Dabei ist nicht grundsätzlich der Umgang mit Menschen das Problem. Bei Menschen, die ich bereits kenne, spielt diese Angst normalerweise keinerlei Rolle und auch bei neuen Kontakten nimmt sie mit zunehmender Vertrautheit immer weiter ab. Das Problem liegt weitestgehend auf dem Weg dorthin, die "Einstiegshürde".

Dadurch ist über die Jahre ein ziemlich ungünstiger Kreislauf entstanden: Ich vermeide Situationen oder schiebe Kontakte auf, dadurch finden weniger davon statt und der nächste Kontakt wird noch schwieriger. Je schwieriger er wird, desto leichter vermeide ich ihn wiederum.

Ähnlich funktioniert meine Versagensangst. Wenn etwas für mich besonders wichtig ist und die Möglichkeit besteht, daran zu scheitern, kann ausgerechnet diese Bedeutung dazu führen, dass mir das Handeln immer schwerer fällt. Dies mündet öfter mal in einer wenig hilfreichen „Verschieberitis“: Ich schiebe etwas auf, der Druck steigt, mögliche Konsequenzen werden größer und dadurch wird der nächste Schritt noch schwieriger. Im Extremfall kann mich das regelrecht lähmen, obwohl mir natürlich bewusst ist, was eigentlich getan werden müsste.

Daneben gibt es auch Zukunfts- und Existenzängste. Für meine eigentliche Frage sind aber vor allem die selbstverstärkenden Mechanismen wichtig: Selbst wenn sich an einer ursprünglichen Ursache etwas ändert, sind die Verhaltensweisen und Folgeprobleme, die daraus über Jahre entstanden sind, schließlich trotzdem da.


3. Depressionen

Depressive Phasen kannte ich schon lange, insbesondere nach den genannten schweren Einschnitten. Danach kam ich jedoch jeweils wieder weitgehend auf mein vorheriges Niveau zurück. Auch eine gewisse depressive Grundtendenz war vorhanden, bestimmte aber nicht dauerhaft mein Leben. Erst vor einigen Monaten habe ich rückblickend darin einen sehr wahrscheinlich zentralen Kern erkannt, der schon sehr lange auf andere Bereiche meines Lebens, meines Handelns und meiner Psyche ausgestrahlt hat. Dieser zentrale Kern ist mittlerweile ausgeräumt.


4. Der Bruch


Meine Lebensgefährtin und ich waren 14 Jahre zusammen, hatten mehr als 13 Jahre gemeinsam gelebt, waren verlobt und hatten seit elf Jahren unsere beiden Katzen (keine Haustiere, viel mehr Familie). Sie war der wichtigste Mensch in meinem Leben und über viele Jahre dessen menschlicher und sozialer Mittelpunkt. Mein Leben war eng mit ihrem verbunden und ich konnte mir damals kaum vorstellen, wie ein Leben ohne sie überhaupt aussehen könnte. Mein eigener früherer Freundeskreis hatte sich leider im Laufe der Zeit über Deutschland verteilt und der Kontakt war über die Jahre deutlich weniger intensiv geworden; der Freundeskreis unseres gemeinsamen Lebens kam im Wesentlichen über sie.

Meine Lebensgefährtin war chronisch krank, aber seit Jahren auf einem stabilen gesundheitlichen Niveau. Ende 2024 verschlechterte sich ihr gesundheitlicher Zustand recht plötzlich, weshalb sie im Januar 2025 zur Abklärung ins Krankenhaus kam. Der Anlass für die Aufnahme war – wie sich später herausstellte – wesentlich harmloser als befürchtet und schnell im Griff. Sie stand mehrfach unmittelbar vor der Entlassung aus dem Krankenhaus. Was während des und bedingt durch diesen Krankenhausaufenthalt geschah, änderte jedoch innerhalb weniger Wochen alles.

Der ursprüngliche Verdacht bestätigte sich nicht; das tatsächlich festgestellte Problem war leicht behandelbar. Während ihres Aufenthalts infizierte sie sich jedoch bei ihrer Zimmernachbarin, weil selbige trotz klarer Symptome nicht rechtzeitig getestet und isoliert wurde – für eine Patientin mit der Vorgeschichte meiner Lebensgefährtin fatal. Parallel dazu traten bei ihr Zustände auf, die wir so vorher nicht kannten: Zeitweise war sie klar, dann wieder kaum bei sich und vollkommen hilflos.

Als wir sie über Tage telefonisch nicht erreichen konnten – das Krankenhaus versicherte uns, ihr ginge es gut und sie wolle sich melden, tat dies aber nicht – und wir schließlich zu ihr kamen, stellten wir fest, dass sie seit drei Tagen nichts gegessen und ihre Medikamente nicht genommen hatte – alles stand unverrichteter Dinge noch dort. Für das Pflegepersonal offenbar ein völlig normaler Zustand. Im weiteren Verlauf erfolgte wiederholt notwendige Hilfe nicht oder wesentlich zu spät. Sie wurde regelrecht sich selbst überlassen. Leider haben wir dies in der Form viel zu spät realisiert, da sie zwischenzeitlich immer wieder wach und normal ansprechbar war – aber uns nicht mitteilen konnte, was geschehen war. Zudem wurde ihr leider das Smartphone entwendet, so dass die Erreichbarkeit massiv eingeschränkt war.

Selbst als sie später bereits vollständig komatös war, mussten wir darauf drängen, dass sie auf die Intensivstation verlegt wurde. Dort wurde sie konsequent behandelt, aber inzwischen war ihr gesundheitlicher Zustand derart desaströs, dass es zu spät war. Sie starb dort nach rund zwei Wochen im Koma. Die Vorgänge während dieses Aufenthalts sind Gegenstand eines laufenden Rechtsverfahrens, weshalb ich medizinisch nicht weiter ins Detail gehen möchte.

Nach ihrem Tod bin ich vollständig zusammengebrochen. Ich habe kaum noch gegessen, bekam massive Kreislaufprobleme, Brustschmerzen und habe fast nur noch geschlafen und geweint und war damit zunächst im Wesentlichen allein – nur unsere beiden Katzen waren ein Halt. Dies veränderte sich nach einigen Wochen. Dem Menschen, der dafür verantwortlich war, dass es irgendwie weiter ging, werde ich dies niemals vergessen.

Diese Phase war anders als alles zuvor: Dieses Mal fehlte nicht irgendein Teil meines bisherigen Lebens. Es fehlte der Mensch, mit dem ich dieses Leben seit 14 Jahren geteilt hatte, und gleichzeitig das Fundament, auf dem es gestanden hatte. Nach früheren Krisen war ich irgendwann wieder aufgestanden. Dieses Mal kam diese weitgehende Stabilisierung nicht zurück. Von diesem Bruch habe ich mich bís dato nie vollständig erholt.


5. Was danach geschah

Auch sozial veränderte sich mein Leben praktisch von einem Tag auf den anderen. Der Freundeskreis, der im Wesentlichen über meine Lebensgefährtin entstanden war, brach fast vollständig weg. Eine wichtige Ausnahme sind ihr Bruder und seine Frau, zu denen ich bis heute einen recht guten und engen Kontakt habe.

Damit verstärkten sich bestehende Mechanismen gegenseitig: mehr Depressionen und soziale Ängste führten zu mehr Rückzug, der wiederum beides verstärkte. Dinge, die vorher normal gewesen waren, wurden schwierig und Dinge, die schon vorher Überwindung gekostet hatten, waren teilweise kaum noch zu bewältigen – manches gar nicht mehr.
Einige Monate nach ihrem Tod begann ich nach therapeutischer Hilfe zu suchen. Mehrere Erstgespräche führten zu keinem geeigneten Therapieplatz. In einem Fall hätte es weitergehen können, dort lag der Schwerpunkt jedoch zunehmend auf der medizinischen Rekonstruktion ihres Todes statt auf den psychischen Folgen und meiner Zukunft. Darin sah ich für mich keinen Wert. Ich habe die Suche später wieder neu aufgenommen und mit der Zeit zunehmend intensiviert. Gerade die Suche nach einem Therapieplatz ist allerdings besonders schwierig, wenn die eigene Energie ohnehin eine sehr begrenzte Ressource ist: Wenig Resonanz, immer wieder Absagen, weitere Anfragen und immer neue Anläufe kosten Kraft, die an anderer Stelle ebenfalls dringend gebraucht wird. Es fanden Erstgespräche statt und stehen weiter an – leider habe ich nach wie vor noch keinen festen Therapieplatz gefunden.


6. Was fange ich nun mit diesem ganzen Knäuel an?

Inzwischen hat sich etwas Entscheidendes verändert. Nach sehr langer Zeit glaube ich einen wahrscheinlich zentralen Kern meiner Depression erkannt zu haben, der über viele Jahre bestanden und möglicherweise auf zahlreiche andere Bereiche meines Lebens ausgestrahlt hat. Worum es dabei konkret geht, möchte ich offen gesagt nicht öffentlich erklären. Entscheidend ist nur: Genau dieser zentrale Punkt hat sich inzwischen grundlegend verändert bzw. gelöst.
Damit ist das über Jahrzehnte entstandene Geflecht aber nicht plötzlich verschwunden. Ängste, Verluste, Depression, Vermeidung, erlernte Verhaltensweisen und ihre gegenseitigen Verstärkungen sind nicht automatisch weg, nur weil sich etwas an einer zentralen Stelle verändert hat.

Und genau das ist meine eigentliche Frage: Was passiert mit einem solchen Knäuel, wenn ein zentraler Faden plötzlich nicht mehr Teil dieses Gewirrs ist? Lösen sich manche Dinge mit der Zeit mit? Welche haben sich längst verselbstständigt und müssen unabhängig davon angegangen werden? Und welche Zusammenhänge sehe ich möglicherweise selbst noch gar nicht oder falsch?

Mich interessieren sowohl eigene Erfahrungen als auch Gedanken zu den Zusammenhängen, die ich beschrieben habe. Vielleicht erkennt jemand von außen auch einen Faden, den ich selbst bisher übersehe.

Vielleicht muss ich gar nicht jeden einzelnen Faden bis zu seinem Ursprung zurückverfolgen. Ich möchte aber verstehen, welche davon heute noch relevant sind – und herausfinden, wohin der Weg von hier aus führt.

Einen herzlichen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben, diesen langen Text bis hierhin zu lesen. Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen. Und wenn jemand eigene Erfahrungen, Gedanken oder vielleicht auch eine ganz andere Sicht auf das Ganze oder Teile dessen hat, freue ich mich sehr, wenn ihr sie mit mir teilt. 🙂

09.09.2026 #1





Mira Weyer
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