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Hall zusammen,
ich bin neu hier. Habe dieses Forum heute auf der Suche nach Hilfe
gefunden. Vielleicht könnt Ihr mir ja helfen oder Tips geben.

Meine Tochter leidet unter Panik-Attacken, sowie großer Prüfungsangst.
Ich würde ihr so gerne helfen. Aber sie lässt einen kaum an sich heran. Sie
ist eine sehr selbständige Person und möchte alles alleine schaffen.
Was natürlich einen großen Druck für sie bedeutet. Wenigstens ist sie seit langem bei einem Therapeuten in Behandlung.
Was kann ich tun, um ihr zu helfen, ohne sie zu bedrängen?

Ich wäre dankbar für alle gut gemeinten Ratschläge!!

07.05.2008 17:40 • 15.05.2008 #1


13 Antworten ↓


Hallo!

Das ist schwer für eine Mutter. Jeder reagiert anders.
Aber auf keinen Fall sagen das wird schon wieder, denk nicht dran. Das ist für mich schlimm..
Einfach da sein wenns schlimm wird, ohne viel reden, nur das Gefühl nicht allein zu sein. Ernst genommen werden ist auch ganz wichtig.

lg Sonja

07.05.2008 22:13 • #2



Wie können Angehörige helfen?

x 3


Gibt es denn gar keine Möglichkeit zu helfen?

Nur da sein?

Meine Tochter sagt, der Therapeut erzählte ihr, wenn sie den Grund für diese Angst erforschen können, sind sie einen großen Schritt weiter.
Hat das schon jemand erlebt?

Liebe Grüße
Florentine

08.05.2008 10:53 • #3


Christina
Hallo Florentine,

ich krieg' hier gerade auf Verdacht hin eine Krise...

Zitat von Florentine:
Wenigstens ist sie seit langem bei einem Therapeuten in Behandlung.
Wie lange ist seit langem?
Zitat von Florentine:
Meine Tochter sagt, der Therapeut erzählte ihr, wenn sie den Grund für diese Angst erforschen können, sind sie einen großen Schritt weiter.
Hat das schon jemand erlebt?
Was ist das für eine Therapie? Ich frage deshalb (und rege mich auch deshalb auf), weil die defnitiv effektivste Therapieform bei Angstproblemen die Verhaltenstherapie ist. Und die sorgt zuallererst dafür, dass man lernt, mit den Symptomen so umzugehen, dass man schnellstmöglich wieder alltagstauglich wird - bevor man den Beruf aufgeben, die Schule schmeißen oder bei allen Prüfungen durchfallen muss. Und ich finde es extrem ärgerlich (und habe es am eigenen Leib erlebt), wenn irgendein Therapeut seinen Stiefel auf Kosten der Lebenszeit des Patienten durchzieht. Diesen Eindruck habe ich hier, wobei ich mich natürlich irren kann... Verhaltenstherapie sucht auch in gewisser Weise nach Gründen, aber das hat dann mehr damit zu tun, dass der Patient sich besser verstehen kann und dass man Rückfällen besser vorbeugen kann.

Falls Deine Tochter also beim "falschen" Therapeuten oder in der "falschen" Therapieform sein sollte, kannst Du ihr sehr wohl auch tatkräftig helfen. Natürlich nur, wenn sie für Kritik am Therapeuten und für eine andere Vorgehensweise zugänglich ist, und natürlich, ohne sie zu bevormunden. Vielleicht kannst Du ihr Informationen geben, ein Buch wie das von Doris Wolf, das Forum hier o.ä. Dräng' sie nicht, aber gib' ihr zu verstehen, dass Du Dir Sorgen machst und - selbstverständlich - für sie da bist, auch falls Du ihre Entscheidung und ihr Vorgehen letzten Endes nicht gut finden solltest.

Liebe Grüße
Christina

08.05.2008 11:10 • #4


Hallo Florentine, hallo Christina,

das ist echt ein heikles Thema.

Ich mache selbst seit ca. einem Jahr eine Gesprächstherpie und mir scheint es da so wie Deiner Tochter zu gehen Florentine. Ich lasse auch niemanden, oder nur sehr wenige Menschen an mich ran, weil ich glaube, dass ich selbst mein Leben, meine Gedankenwelt, meine Ängste und meine Verhaltensmuster in den Griff bekommen muss.
Der Therapeut Deiner Tochter hat m. E. den richtigen Weg eingeschlagen, wenn er versucht, die Wurzel des Übels anzupacken. Klar, ist das erstmal schwieriger, als wenn er versucht, die Symptome zu behandlen. Aber ich denke, es ist doch auf alle Fälle sinnvoller, wenn versucht wird, der Seele auf Dauer zu helfen und nicht nur die Brandstellen gelöscht werden.
Deshalb kann ich Dir, Christina, da leider gar nicht beipflichten. Natürlich ist es höchst wichtig, dass man den richtigen Therapeuten - also jemanden, zu dem man ein wirkliches Vertrauensverhältnis aufbauen kann - findet. Nur zeigt sich das manchmal nicht immer gleich.

Als eine Tochter kann ich Dir, Florentine, den Tipp geben, Deine Tochter wirklich spüren zu lassen, dass sie geliebt wird, egal wie sie ist, was sie tut, oder welche Noten sie hat, etc. Sie muss fühlen können, dass sie um ihrer selbst willen geliebt wird. Alles andere ist absolut sinnlos. D. h. jetzt nicht, dass Du sie von früh bis spät betutteln, oder ihr ständig um den Hals fallen sollt. Sag oder schreib ihr einfach, wie wichtig sie Dir ist und dass sie immer bei Dir ein offenes Ohr findet. Alles andere musst Du ihr überlassen. Ich kann mich da so gut reinversetzen, weil ich das selbst nicht bekomme von meiner Mutter...

marian

08.05.2008 13:29 • #5


Hallo Florentine,

aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Verständnis das allerwichtigste ist, das man panischen Angehörigen gegenüber aufbringen kann. Und hier habe ich eine Site gefunden mit Ratschlägen für Angehörige. Ich glaube, da ich durch diese Seite hierher verlinkt wurde darf ich diesen Link auch hier posten, oder?

http://www.panik-attacken.de/index.php? ... &Itemid=73

08.05.2008 13:31 • #6


Christina
Zitat von marian:
Der Therapeut Deiner Tochter hat m. E. den richtigen Weg eingeschlagen, wenn er versucht, die Wurzel des Übels anzupacken. Klar, ist das erstmal schwieriger, als wenn er versucht, die Symptome zu behandlen. Aber ich denke, es ist doch auf alle Fälle sinnvoller, wenn versucht wird, der Seele auf Dauer zu helfen und nicht nur die Brandstellen gelöscht werden.
Das Problem ist, dass sich bei der Mehrheit der Angstpatienten die Wurzel des Übels nicht finden lässt. Generell sind die Ursachen sehr unklar, es wird ein Mischmasch aus Veranlagung, Entwicklung, Umfeld und akutem Stress vermutet. Und Angststörungen sind genau die psychischen Störungen, deren (Weiter-)Entwicklung ganz besonders vom Umgang mit den Symptomen abhängt. Gerade bei Panikstörungen kann ein eigentlich verursachendes Ereignis (so es das gab) schon längst abgehakt sein, während sich die Panik durch erhöhte Selbstaufmerksamkeit und Selbstwahrnehmung jahrelang am Leben hält und nur noch verschlimmert. Daher finde ich es sinnvoll, erstmal bei den Symptomen anzusetzen, um einer Chronifizierung und Verschlimmerung vorzubeugen. Die üblichen lebensgeschichtlichen Ursachen, die sich während einer Therapie rauskristallisieren (schlechtes Selbstwertgefühl, Perfektionismus, Kontrollfreaks, nicht-nein-sagen-können), müssen bei der Behandlung der Symptome sowieso mit einbezogen werden...

BTW: Wie gesagt, ich kann mit meiner Einschätzung der Therapie von Florentines Tochter völlig falsch liegen. Es ist aber eine Richtung, in die man nachdenken kann. Meine persönliche Erfahrung mit der "dauerhaften Hilfe für die Seele" und "Ursachenforschung" ist eine vierjährige Psychoanalyse, während der sich nichts gebessert hat und ich komplett aus dem sozialen Leben (Studium, soziale Kontakte) rausgefallen bin. Dass ich nach der nutzlosen Analyse nicht gesund und nahtlos wieder da eingestiegen bin, wo ich aufgehört hatte, dürfte sich von selbst verstehen.

Liebe Grüße
Christina

08.05.2008 16:05 • #7


Hallo alle zusammen,
tut mir leid, daß ich mich jetzt erst für Eure Antworten bedanken kann. Aber ich war unterwegs und kam nicht ins Internet.

Christina,
vielen Dank für Deine ehrlich aufgeregte Meinung.
Und ich selbst habe auch Zweifel an der Arbeit dieses Therapeuten mit meiner Tochter. Natürlich gibt es da ein Vertrauen zwischen ihr und ihm Anders würde es ja sicher gar nicht funktionieren. Aber nur ein Beispiel:
meine Tochter hatte eine lange Autofahrt vor sich und verzweifelte daran. Wir konnten ihr kaum Mut zusprechen. Da sagte dieser Mann zu ihr: das würde sie schon schaffen!! Was sie dann leider nicht tat.
Ehrlich gesagt hatte ich mir etwas mehr von ihm erhofft. Schließlich ist er der Fachmann, nicht wir. Auch fühle ich mich so hilflos weil ich nie weiß, ob es richtig ist was ich sage, oder ob gerade das dann alles schlimmer macht. Man denkt doch, daß Therapeuten das besser wissen sollten. Aber das hat mich wirklich geschockt und enttäuscht. Ich dachte, vielleicht erwarte ich zuviel?!!
Ich werde versuchen, mit ihr zu reden, ob sie vielleicht einmal etwas anderes probieren möchte, oder es ihrem Therapeuten vorschlagen. Denn wir wohnen in einer Kleinstadt. Da ist die Auswahl an solchen nicht sehr groß. Und weiter fahren ist halt ein Problem für sie. Und gefahren werden möchte sie schon gar nicht.

sommersonne 888
vielen Dank für den Link. Werde ich gleich mal reinschauen!!


marian,
ja, Du hast bestimmt Recht!! Sie muß es auf jeden Fall selber wissen, was ihr am besten hilft. Das können wir nicht im geringsten erahnen.
Ich denke, vielleicht ist es ja auch bei jedem Mensch unterschiedlich, ganz individuell.
Aber natürlich werde ich immer wieder versuchen, ihr zu zeigen, daß ich für sie da bin. Wenn sie mich lässt.


sonja1717
Nein, das habe ich noch nie gesagt. "es wird schon wieder" Das kann ich noch nicht mal denken. Nur hoffen!

Ehrlich gesagt, bin ich etwas geschockt, wenn ich in diesem Forum lese. Erstmal wusste ich nicht, dass es so viele Betroffene gibt. Und zweitens dachte ich, dass die Chancen auf Heilung, sofern man es so nennen kann, bedeutend besser wären.
Es macht mir Angst.

Ich danke Euch allen so sehr für Eure Hilfe!

Liebe Grüße
Florentine

13.05.2008 15:08 • #8


Dr. Rolf Merkle
Hallo

in den Agoraphobie Videos gibt es auch eines für Angehörige
https://www.psychic.de/agoraphobie-video.php

Grüße Robbie

14.05.2008 11:37 • #9


Hallo Florentine,

ich möchte dir Mut zusprechen...Soviel ich weiß, lassen wir das Wort "Heilung" weg in der Verhaltenstherapie...aber ich würde bei mir sagen, dass ich sehr gut damit umgehen kann...Ich hatte auch sehr lange Panikattaken und Angstzustände und habe seit einiger Zeit nichts mehr...

Es dauert aber eine WEile, bis man sich selbst versteht, merkt woran es liegt usw.

Ich weiß nicht wie alt deine Tochter ist...Aber bei mir ging es mit Anfang 20 los. Das war die Zeit, wo ich mich von zuhause habe abgenabelt...Es liegt glaube ich auch manchmal an den Lebensphasen...

Zitat:
ber nur ein Beispiel:
meine Tochter hatte eine lange Autofahrt vor sich und verzweifelte daran. Wir konnten ihr kaum Mut zusprechen. Da sagte dieser Mann zu ihr: das würde sie schon schaffen!! Was sie dann leider nicht tat.


Das war bei mir ähnlich mit der Flugangst...Mein Thera sagte mir auch einen ähnlichen SAtz zwei Tage vor dem Flug...Ich habe es zwar geschafft, aber mit zick Angstzuständen...

Aber mal ehrlich ? Was hätte er denn sagen sollen ? "Du schaffst das nicht ?"

Bei mir war es so, dass ich am liebsten auch einen Rückzieher machen wollte, aber die Vorstellung zur nächsten Therapiesitzung zu gehen und es nicht geschafft zu haben, war für mich schlimmer...Also habe ich es versucht durchzuziehen...

Ich denke schon, dass der Ansatz vom Therapeute gar nicht so schlecht war.

lg nicita

14.05.2008 12:14 • #10


Hallo nicita,
vielen Dank für Deine aufmunternden Worte!!

Allerdings muß ich sagen, daß mich dieser Satz des Therapeuten wirklich geschockt hat. So etwas hätte ich vielleicht von jemandem erwartet, der keine Ahnung von der Marterie hat. Ich hatte gehofft, er würde sie aufbauen, ihr sagen, was sie machen kann, damit sie sich stärker fühlt. Irgendwelche Tips gibt, die sie evtl probieren könnte. Denn schließlich hat er mehr Erfahrung in diesem Bereich. Dachte ich! Irgendetwas mehr als nur zu sagen, sie würde es schon schaffen. Das finde ich so lapidar.
Das hätte selbst ich nicht gesagt. Weil ich das so, hm, ich weiß nicht genau wie ich es ausdrücken soll, nichtssagend und wenig hilfreich finde. Denn gerade das ist ja das Problem: es zu machen!! Es zu schaffen.

Ich bewundere Dich für Deine Kraft!! Etwas zu tun, wovor Du so viel Angst hast!!! Das ist echt stark!
Aber nur so kann man es sicher schaffen?!! Anschließend kann man dann stolz auf sich sein und man weiß, man kann es wenn man sich nur traut. Kann man das so sagen??

Ich hoffe, meine Tochter kann das auch bald!!!

Alles Liebe
Florentine

14.05.2008 16:25 • #11


Hallo,

Zitat:
Ich bewundere Dich für Deine Kraft!! Etwas zu tun, wovor Du so viel Angst hast!!! Das ist echt stark!


Naja, es hat immerhin 10 Jahre gedauert, bis ich wieder in ein Flugzeug gestiegen bin und damals hatte ich schon fast 3 Jahre Therapie hintermir..

Hhmm es ist schwer zu beurteilen was er gesagt hat, wenn man nicht dabei war.

Mein Thera hat mir einmal erklärt, was im Körper vorgeht wenn man eine Angstattake hat, damit ich verstehe was da eigentlich passiert..

DAs wichtigste ist, dass man versucht ruhig zu atmen und sich eventuell ablenkt..Ich hatte auch eine zeitlang Probleme im Auto. Ich habe dann immer das Fenster runtergedreht und laut zu Musik gesungen...So laut wie es geht...

Ja, ich war schon stolz darauf, aber es ist so.. nur mit einmal hast du das nicht geschafft...es ist jetzt fast ein jahr her und ich habe immer noch Muffe vorm Fliegen..Das wichtigste ist die Übung und erleben, dass nichts passieren kann durch die Angst...

Kann sie denn kleine Strecken fahren alleine ?

lg

14.05.2008 18:42 • #12


Hallo nicita,

ja, sie kann kleinere Strecken alleine fahren. Eigentlich fährt sie viel Auto. Aber halt immer hier im nahen Umkreis. Auch trifft sie sich mit Freunden, geht Essen. Nur ins Kino geht sie nicht mehr. Und Reisen gehen gar nicht.

Wie ich hier im Forum gelesen habe, sind ja wirklich viele sehr stark eingeschränkt in ihrem Alltag. Können schlecht aus dem Haus gehen.
Das tut mir so leid!!
Und ich bin unendlich dankbar, daß meine Tochter das kann.

Ich finde es aber doch sehr mutig und stark von Dir, daß Du es geschafft hast, in ein zu Flugzeug steigen. Schade nur, daß Du das gute Gefühl; oder hattest Du kein gutes Gefühl, etwas geschafft zu haben; wieder verloren hast. Sind die Ängste danach genau so stark gewesen??

Alles Liebe
Florentine

15.05.2008 09:48 • #13


Hallo Florentine,

ich bin heute abend etwas durcheinander, hoffe aber trotzdem einigermaßen antworten zu können...

Vielleicht sollte die Übung erstmal sein, eine etwas kleinere weitere Strecke immer öfter zu fahren. DAs hat eine Freundin von mir gemacht. Zuerst waren es nur 100 Meter weiter und dann hat sie es immer mehr gesteigert...aber erst wenn die 100 Meter weiter langweilig und selbstverständig geworden sind...

Ich hatte ein sehr gutes Gefühl danach...Es ist bei mir Stimmungsabhängig...stehe ich unter STress, kann ich es mir gar nicht vorstellen, geht es mir gut, kann ich es mir gut vorstellen...das problem ist, dass meine Mutter vier Wochen später zu mir kam und da hatte der Flieger 2 Stunden Verspätung wg. eines techn. Defektes, das hat mich wieder runtergezogen, obwohl alles gut ging.

lg
nicita

15.05.2008 21:45 • #14



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