Alice321
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ich bin neu hier und suche Menschen, die vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder einen Tipp für mich haben, weil es in meinem privaten Umfeld niemanden gibt, der so etwas wirklich nachvollziehen kann.
Ich kämpfe eigentlich schon mein ganzes Leben mit psychischen Problemen. Der Ursprung liegt wahrscheinlich in meiner Kindheit. Ich bin mit einer emotional instabilen Mutter und einem eher emotional abwesenden Vater aufgewachsen. Beide waren zusätzlich körperlich erkrankt. Dazu kommt sexueller Missbrauch, den ich im Alter von ca. 4–9 Jahren erlebt habe. Geld war bei uns nie ein Problem und nach außen hin wirkte eigentlich immer alles normal.
Mit ungefähr 16 entwickelte ich eine Essstörung (Magersucht). Die akute Phase ging ca. 1–2 Jahre, bis sich das irgendwann wieder einigermaßen normalisierte.
Danach kamen meine ersten Erfahrungen mit Männern. Rückblickend würde ich sagen, dass ich eine sehr hypersexuelle Phase hatte. Ich bin von einem zum nächsten Mann gegangen und wenn Beziehungen entstanden sind, waren sie meistens toxisch und instabil. Es waren oft sehr dominante Männer, denen ich mich stark untergeordnet habe. In dieser Zeit habe ich auch weitere sexuelle Übergriffe erlebt, auf die ich hier erstmal nicht genauer eingehen möchte.
Währenddessen habe ich gelernt zu dissoziieren, um den Sex / die Erfahrungen irgendwie auszuhalten.
Heute bin ich 23 und zum ersten Mal in einer gesunden Beziehung, mittlerweile seit ungefähr einem Jahr. Mein Freund kommt aus einem guten Elternhaus, ist selbst eher wenig emotional und kennt psychische Probleme weder wirklich von sich selbst noch aus seiner Familie.
Vor ungefähr einem Jahr ging es mir dann psychisch extrem schlecht. Ich steckte zu der Zeit noch in einer toxischen On-Off-Geschichte, hatte eine sehr depressive Phase, kam kaum noch aus dem Bett, nahm fast 10 kg ab und musste mein Studium pausieren. Daraufhin machte ich eine Akuttherapie. Das Reden tat mir gut und war in den jeweiligen Situationen entlastend, aber langfristig kamen viele meiner Probleme immer wieder hoch.
Während dieser schwierigen Zeit lernte ich auch meinen jetzigen Freund kennen. Die toxische On-Off-Beziehung konnte ich schließlich hinter mir lassen und seit Beginn meiner jetzigen Beziehung habe ich den Kontakt zu diesem Mann der mir so viel Leid zugefügt hat vollständig eingeschränkt.
Im Juni habe ich mich dann entschieden, erneut eine Therapie zu beginnen, weil ich gemerkt habe, dass es so nicht weitergeht. Es kamen unter anderem Suizidgedanken und Zwangsgedanken dazu.
Das Schwierige ist, dass mir wahrscheinlich niemand von außen ansehen würde, wie es mir teilweise geht. Ich habe eine schöne Wohnung, Haustiere, verdiene mein eigenes Geld, studiere und bin nach außen hin eigentlich immer offen, freundlich und funktioniere. Hinter verschlossenen Türen bzw. in mir drin sieht es teilweise ganz anders aus.
Meine jetzige Therapeutin ist wirklich eine liebe Seele. Ich kann mit ihr über sehr vieles reden und vor allem habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass jemand wirklich versteht, wo mein eigentliches Problem liegt.
Eine Zeit lang war ich ca. 2–3 Mal pro Woche bei ihr. Vor Kurzem haben wir dann einen ersten Versuch mit EMDR gestartet und ich konnte mich wirklich 0,0 darauf einlassen.
Das lag gar nicht unbedingt daran, dass ich Angst vor EMDR oder den Erinnerungen selbst habe. Ich merke vielmehr, dass ich keine negativen Emotionen zulassen oder zeigen kann, sobald ein anderer Mensch dabei ist. Ich habe extrem das Bedürfnis, alles alleine schaffen zu müssen und die Kontrolle zu behalten.
Ich vertraue meiner Therapeutin wirklich sehr und fühle mich bei ihr grundsätzlich sicher. Aber mich vor ihr wirklich fallen zu lassen, Kontrolle abzugeben, emotional zu werden und sie quasi „sehen zu lassen“, was in mir passiert das geht irgendwie nicht.
Wir haben EMDR deshalb erstmal wieder zurückgestellt und wollen uns mehr Zeit geben. Trotzdem frage ich mich, ob andere dieses Problem auch kennen.
Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Gerade dieses: Man vertraut dem Therapeuten eigentlich, kann reden und rational alles erzählen aber sobald es darum geht, wirklich Gefühle zuzulassen und die Kontrolle ein Stück abzugeben, macht innerlich alles dicht?
Falls ja: Was hat euch geholfen, euch irgendwann mehr darauf einzulassen? Kam das einfach mit der Zeit oder habt ihr bestimmte Dinge mit eurem Therapeuten gemacht, die euch mehr Sicherheit gegeben haben?
• • 09.08.2026 x 1 #1