Hallo Alice321,
es tut mir sehr leid zu lesen, dass deine Therapeutin das Thema EMDR einfach nicht ruhen lassen will.
Du hast sehr gute Argumente dafür, dass es für den Moment nicht die richtige Methode ist, und der aktuelle fachliche Diskurs zu der Thematik ist voll auf deiner Seite.
Du bist die Klientin, du arbeitest gut mit und sperrst dich ja nicht grundsätzlich. Du hast es ausprobiert, es fühlte sich nicht gut an, und du möchtest eine Methode, die in deinem Fall fachlich eh sehr umstritten ist, zu diesem Zeitpunkt nicht machen, sondern erstmal anders an deine Thematik herangehen. Das ist völlig legitim und in guter Trauma-Therapie übrigens völlig normal.
Gute Trauma-Therapeuten gehen da normalerweise auch drauf ein, das hat auch viel damit zu tun, den Patienten zu respektieren und nicht über dessen Kopf hinweg zu handeln, denn das kann im schlechtesten Fall sogar retraumatisierend wirken. Dem Patienten eine Stimme zu geben, sich für sich selber einzusetzen und zu erleben, dass persönliche Grenzen respektiert werden, ist ein zentraler Teil jeder guten Traumatherapie.
Es wirkt wirklich so, als wollte sie einfach die Methode, für die sie die Fortbildung hat, bei möglichst jedem Patienten anwenden. (Und es kann noch einen anderen Grund geben, dazu später mehr.)
Zitat von Feuerschale: Das scheint dann so DIE Methode der Therapeutin zu sein....(hab ich einen Hammer, sehe
ich überall Nägel...)
Sehr gut gesagt
👍 .
Ich habe solche Therapeuten auch schon selber erlebt und miterlebt (an anderer Stelle hatte ich da schonmal etwas zu geschrieben).
Zitat von Alice321:Sie meint auch öfter dass manchmal zu ihr Leute kommen die bspw. eine Trauma Situation haben die aufarbeiten wollen.
Mit EMDR soll das dann nur 6h brauchen und dann sind die glücklich und brauchen keine Therapie mehr.
Das ist doch für deine Form der Traumatisierung der völlig falsche Grundansatz. Ohne deiner Therapeutin zu nahe treten zu wollen (ich habe ja an anderer Stelle auch schon positive Seiten Deiner Therapeutin und ihres Ansatzes erwähnt),
aber sie kann doch nicht kontinuierlich Mono- und Komplex-Trauma in einen Topf werfen und so tun, als wenn das dieselben Erkrankungen wären (denn die Symptomatik weicht an vielen Stellen voneinander ab), die gleich behandelt werden könnten.
Und dieses ständige Verweisen auf den zeitlichen Aspekt ist in diesem Umfang einfach nur fehlgeleitet.
Gerade gute Trauma-Therapie ist ein Marathon und kein Sprint. Ich kenne, wie gesagt, viele Patienten, bei denen man in ihrer Aussage das Wort "Stunden" locker durch "Jahre" ersetzen kann.
Gerade bei Komplex-Traumatisierungen ist es de facto ausgeschlossen, dass ein Patient innerhalb von 6 Stunden "wieder glücklich wird". Selbst wenn man diese Zahl verdoppelt oder verdreifacht, kommt man noch immer nicht mal ansatzweise in die Nähe der Dauer einer durchschnittlichen Traumatherapie. Meistens umfasst eine Trauma-Therapie sogar mehr als eine Langzeittherapie (wenn man mal eine durchschnittliche Zeit von 80-100 Stunden pro Langzeit-Therapie ansetzt).
Wie gesagt, ich verurteile ihren Ansatz, auch ein bisschen das Zeit-Kontingent im Auge zu behalten, ja nicht ganz grundsätzlich, aber ihr wiederholtes Verweisen darauf ist völlig unangemessen.
Warum hat sie es so eilig? Bei komplex traumatisierten Patienten wissen die meisten guten Therapeuten eigentlich, dass man eine längere Zeit mit diesen arbeiten wird.
Komplexe Traumatisierungen brauchen Zeit, um heilen zu können. Und dieses ständige "Drängeln" und verweisen darauf, dass man ja auch eine "Abkürzung" nehmen könnte, um das Problem zu lösen, finde ich sehr befremdlich.
Und wie gesagt: Das, was du dir von der Therapie wünscht, ist völlig legitim, absolut im Einklang mit modernen Ansätzen zur Behandlung von Komplex-Trauma und alles andere als ungewöhnlich.
Es ist total normal, komplex traumatisierte Patienten eben genau nicht mit EMDR zu behandeln, schon gar nicht, wenn diese das nicht wollen.
An deiner Stelle würde ich dabei bleiben, diese Therapiemethode zu diesem Zeitpunkt nicht machen zu wollen und erstmal anders weiterarbeiten zu wollen (dazu hatte ich ja auch schonmal etwas geschrieben).
Als jemand, der Erfahrung damit gemacht hat: So eine EMDR ist ja nicht gerade minimal-invasiv, sondern macht viel im Gehirn, und das gegen den Willen des Patienten durchzuführen, ist meiner Meinung nach keine gute Idee, sondern sogar nicht ganz ungefährlich.
Gerade auch, wenn man empfindlich an den Augen ist (das bin ich übrigens auch).
Vielleicht wäre es eine Überlegung, zumindest auf Tapping umzustellen, um wenigstens diesen Faktor auszuklammern.
Du sagst, du verstehst dich grundsätzlich gut mit ihr, und ich finde es schade, dass sie diese eigentlich gute Beziehung zwischen euch mit ihrem ständigen Drängeln gefährdet.
Ich würde ihr das auch ganz klar so kommunizieren.
Wenn sie dieses Mal darauf eingeht und es endlich respektiert, steht ja einer weiteren Zusammenarbeit nichts im Wege. Sollte sie damit aber nicht aufhören, würde ich über einen Wechsel zumindest nachdenken, da unpassende Trauma-Therapie im schlechtesten Fall tatsächlich sogar schädigend und retraumatisierend sein kann.