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Rogue
Zitat von -juli:
VT kann super zur Stabilisierung sein und kann dabei helfen, die Werkzeuge zu haben, um überhaupt erst den Zugang zur TP zu finden und TP ist ja auch nicht für alle Leute was


Zitat von -juli:
Oh, ja… Ich bin bei „Schema F“ eh raus, das funktioniert für mich nicht. Die VT hat durchaus wertvolle Elemente und VT und TP könnte man so wunderbar miteinander kombinieren, wenn da nicht der ewige Konflikt zwischen den Therapieschulen wäre.

👍 So sehe ich das auch. Bei mir hat auch erst die Kombination beider Verfahren echte Fortschritte gebracht.

Zitat von -juli:
Bei dem ADHS und Autismus ist das nicht sinnvoll, weil es angeboren ist. Aber grade, wenn man erst später diagnostiziert wurde, kann es super heilsam sein, über die Wunden, die die spätere Antwort hinterlassen hat, zu sprechen.

Das kann ich sehr gut nachempfinden! Gerade dann, wenn die eigentliche Diagnose erst spät erkannt wird, hat man ja oft (durch die vergebliche Suche nach Hilfe) noch einen zusätzlichen langen Leidensweg hinter sich, der das ursprünglich Leid durch Unverständnis, Fehldiagnosen etc. noch verstärkt.
Zitat von -juli:
Diese klare Struktur der VT ist für mein ADHS-Hirn nichts, wobei viele ADHSler davon profitieren und da mag es auch an der schlechten Erfahrung gelegen haben

Das kann ich gut verstehen! Ich war oft mit ADHSlern zusammen auf Station und in Gruppentherapien, dort habe ich oft erlebt, wie die manchmal doch sehr starre VT-Struktur einfach nicht funktioniert hat, weil gerade diese Patienten eher flexible Therapeuten gebraucht hätten/haben, die auch out-of-the-box denken und sich flexibel auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten einstellen können, auch deren Stärken und Fähigkeiten sehen können und nicht nur deren Probleme.

Zitat von -juli:
Und die „Chemie“ zwischen Therapeut und Patient ist auch unfassbar wichtig. Mir bringt der beste Traumatherapeut nichts, wenn ich mich nicht wohlfühle und mich nicht öffnen kann. Ich habe für mich inzwischen gelernt, im Zweifelsfall auch mal länger zu suchen, als den erstbesten Platz abzunehmen…

👍 Ganz genau, die persönliche Passung zwischen Patient und Therapeut ist für mich auch sehr viel wichtiger als die Therapieschule/-form/-methode.
Inzwischen warte ich auch lieber länger als mit einem unpassenden Therapeuten zu arbeiten. Früher war das noch anders, da dachte ich immer "Hauptsache, ich habe einen Therapeuten", aber das unpassende Therapie auch schaden kann, habe ich dann im Laufe meines therapeutischen Weges leider oft genug erleben und miterleben müssen.

x 5 #21


-juli
@Rogue jepp, es sind super Verfahren in Kombination bzw. TP ab einer gewissen Stabilität auch alleine. Ich muss halt immer verstehen, warum ich wie bin oder warum etwas passiert ist, nicht nur, dass es so ist…

Oh, ja! Bei Fehldiagnosen kann ich auch einiges berichten, ich muss aber zugeben, dass es in meinem Fall einfach sehr komplex war, die ganzen Antworten zu finden und je länger man sucht, desto unverstandener fühlt man sich.

Jepp, mich wundert es echt, dass VT bei ADHS so empfohlen wird. Gut, ist super individuell und wenn der Therapeut sich auf die Flexibilität einlassen würde, ginge vielleicht auch VT. Ich habe nur den Eindruck, dass man da besonders konsequent an dem Aufbau festhält, vielleicht lag es aber auch nur an den Leuten, die ich bisher so kennengelernt habe.

Das war bei mir auch so… Inzwischen würde ich das dem Gegenüber auch ehrlich kommunizieren, bei meiner jetzigen Therapeutin hat’s zum Glück gepasst.

x 3 #22


A


Traumafolgestörung - EMDR funktioniert nicht

x 3


Alice321
@Lebenswert Hallo, vielen Dank für deine Antwort. Es freut mich so hören, dass es dir mittlerweile so viel besser geht und dass das alles für dich so hilfreich war!

Zitat von Lebenswert:
Also musste ich das alles erstmal für mich einordnen, verdauen, es hat mir aber auch geholfen, mir selbst mein zum Teil extremes Verhalten zu verzeihen und komplett neu anzufangen.

Ich glaube, genau das ist für mich tatsächlich der schwierigste Teil.

Bei Dingen, die einem in der Kindheit oder Jugend passiert sind, fällt mir die Einordnung irgendwie leichter: Dafür konnte man nichts. Da waren die älteren Täter diejenigen, die die Verantwortung getragen haben.

Viel schwieriger finde ich den Umgang mit den eigenen, teilweise extremen Verhaltensweisen, die man später im Erwachsenenalter entwickelt hat – und mit Dingen, die man sich dadurch vielleicht auch selbst angetan hat.
Das anzunehmen und mir selbst dafür zu verzeihen, fällt mir unglaublich schwer. Ich weiß rational, woher viele dieser Verhaltensweisen kamen und dass dabei wahrscheinlich sehr viel unbewusst abgelaufen ist. Trotzdem sind die Schuldgefühle so stark, dass dieses Wissen emotional kaum dagegen ankommt. Ich glaube, genau dieses Annehmen und mir selbst Verzeihen ist momentan meine größte Baustelle.

Hast du vielleicht einen Tipp, was dir dabei konkret geholfen hat? Gab es irgendwann einen bestimmten Gedanken oder einen Punkt in deiner Therapie, durch den du anders auf dein damaliges Verhalten schauen konntest?

Manchmal denke ich sogar, dass ich umziehen und mein altes Leben komplett hinter mir lassen müsste, um wirklich neu anfangen zu können. Gleichzeitig wäre das eigentlich unglaublich schade, weil ich hier Menschen habe, die ich liebe, und auch eine Beziehung, in der ich eigentlich glücklich sein könnte.

Eigentlich möchte ich also gar nicht vor meinem heutigen Leben weg. Ich möchte nur endlich einen Weg finden, mit meiner Vergangenheit zu leben, ohne dass diese ständigen Schuldgefühle und Erinnerungen mich innerlich auffressen.

x 1 #23


Alice321
@Rogue Ich hab mir deine Antworten alle mal in Ruhe durchgelesen, und kann dir eigentlich nur in allem zustimmen.

Ich denke ebenfalls, dass die Chemie mit dem Therapeuten sehr wichtig ist und aber eben auch die Fährigkeiten und die Erfahrung des Therapeuten.

Meine letzte Therapeutin wollte mir eine (stille) Borderline-Persönlichkeitsstörung disgnostizieren nach 10 Therapiestunden und ohne dass ich jemals irgendwelche Fragebögen ausgefüllt hatte. Nachdem sie von dieser Diagnose überzeugt war, hab ich mich irgendwie total abgestempelt gefühlt und hatte auch das Gefühl, dass sie von meinen Problemen genervt ist / mich verurteilt, weil wir irgendwie nicht weiter kamen...

Meine jetzige Therapeutin sagt, dass die Diagnose völliger Quatsch ist und dass die Symptome einfach Traumabedingt sind. Natürlich ist eine gewisse emotionale Instabilität da, was aber nicht gleichbedeutend mit einer instabilen Persönlichkeitsstörung ist. Naja... Grundsätzlich war die Therapeutin bestimmt nicht schlecht, aber sie war sehr persönlich und hat viel ihre eigene Meinung und ihre eigenen Erfahrungen mit rein gebracht, was ich als eher unprofessionell empfand.

Vielleicht kommt daher auch meine Angst mich zu öffnen.

Habt ihr auch mal "schlechte" Erfahrungen mit Therapeuten gemacht?
Zitat von Rogue:
Von solchen Faktoren gibt es viele, und so kommt es dazu, dass prognostisch jeder Patient unterschiedlich ist, selbst bei gleichen Diagnosen.


Ja äußere Faktoren spielen eine riesige Rolle. Grade zum Jugendalter gibt es ja unfassbar viele Studien zu welche Voraussetzungen sich positiv und welche eher negativ auswirken... Stichwort Prävention, da macht die Politik meiner Meinung nach immernoch viel zu wenig was psychische Erkrankungen angeht

x 3 #24


-juli
@Alice321 japp, habe ich. Mir wurde mal nach 20 min Erstgespräch Boderline diagnostiziert. Und dann habe ich erlebt, wie stigmatisiert das ist, weil die Diagnose dann auch bei meiner damaligen Hausärztin gelandet war und ich mit körperlichen Beschwerden nicht mehr ernst genommen wurde, für die dann jedes Mal auch organische Erklärungen gefunden wurden.

Danach wurde ich nie wieder mit einer BPS diagnostiziert. Aber mit einer PTBS und später mit ADHS und Autismus, wodurch ich schon Probleme mit der Emotionsregulation und einer gewissen Impulsivität habe, aber das sind nicht zwangsläufig Symptome, die nur bei einer BPS auftreten können. Meine jetzige Therapeutin kennt sich in diesem Gebiet ziemlich gut aus und meinte, dass mir die Kennzeichnen auf der zwischenmenschlichen Ebene für eine BPS fehlen würden und dass die BPS im Beziehungskontext mit anderen Menschen auftreten würde. Ich erfüllte damals maximal zwei der Diagnosekriterien…

Ich habe SvV-Narben, die man heute (glücklicherweise) kaum noch sieht und auch das war ein Grund. Aber auch das ist erstmal ein Symptom, das mehr Ursachen als eine BPS haben kann, an die man grade bei weiblich gelesenen Personen oft erstmal denkt und selbst, wenn eine Person eine BPS hat, sollte das nicht das Maß an medizinischer Abklärung beeinflussen.

Und grade komplexe Biografien können, aber müssen nicht zwangsläufig, zu einer Persönlichkeitsstörung führen.

x 2 #25


L
Hallo Alice,

hmm, wann konnte ich mir verzeihen? Das war schon eher eine rationale Entscheidung. Mir ist in der Therapie klar geworden, dass meine Kindheit nicht normal war. Ich kann froh sein, dass ich das überlebt habe, hätte auch anders ausgehen können an manchem Tag. Daraus hat sich nunmal eine psychische Störung entwickelt, in deren Rahmen ich Dinge getan habe, auf die ich heute nicht stolz bin. Aber hat das nicht vielleicht fast jeder? Ich sage mir, ich habe niemand anderen verletzt, ich war nicht zimperlich mit mir selber, aber auch das habe ich überlebt und es ist jetzt einfach vorbei. (Sichtbare Narben sind bei mir nicht geblieben.) Die Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern. Aber mein aktuelles Leben liegt in meiner Hand. Jeder anderen Person würde ich verzeihen, warum also nicht mir?

Außerdem habe ich trotzdem sehr viel erreicht im Leben. Heute führe ich ein glückliches und zufriedenes Leben. Die meisten beschreiben mich als total lebensfrohen Menschen, der in allen und allem das Positive sieht. Es ist auch erlaubt, fröhlich zu sein. Meine Vergangenheit ist Teil von mir, das lässt sich nicht leugnen und nicht ändern und manche Sachen sind bei mir vielleicht anders als bei anderen Menschen. Das akzeptiere ich. Das heißt aber nicht, dass ich den Rest meines Lebens leiden muss.

Um das vom Denken ins Fühlen zu kriegen, ist EMDR tatsächlich gut geeignet.

Auch dafür:
Zitat:
Ich möchte nur endlich einen Weg finden, mit meiner Vergangenheit zu leben, ohne dass diese ständigen Schuldgefühle und Erinnerungen mich innerlich auffressen.


Und zum Thema Umzug: Das bringt gar nichts. Man nimmt sich selbst mit und damit auch die Probleme. Wenn du wüsstest, wie viel ich umgezogen bin. Das verändert gar nichts. Das bringt nur etwas, wenn man Abstand zwischen sich und ein schädliches Umfeld bringen möchte.

Alles Gute für dich lachen

x 2 #26


Alice321
Hallo an alle,
ich möchte mal ein Update geben...

Ich gehe ja weiterhin 1-2x pro Woche zur Therapie.
Das Problem ist, dass jedes mal wenn ich dann erzähle was mich aktuell so stark belastet, dass meine Therapeutin sagt, dass da halt etwas drauf wartet verarbeitet zu werden. Und dass wir EMDR nochmal versuchen sollten.

Sie sagt mir das wirklich fast jede Stunde.
In mir drin sträubt sich irgendwas dagegen. Ich weiß nicht genau was es ist. Aber ich finde das Setting einfach total unangenehm dass der Therapeut so nah vor einem sitzt und einen anschaut. Und mit den Augen folgen find ich auch sehr anstrengend. In mir drin macht dann auch alles zu, sodass ixh gar nichts zulassen kann.

Natürlich könnte ich dem ganzen nochmals eine Chance geben und es nochmal probieren. Aber ist es wirklich das richtige, wenn mein Bauchgefühl mir so stark Nein signalisiert ?

Ich bereits mehrfach gefragt, ob wir das nicht über reden lösen könnten meine Themen.

Und es ist ja auch nicht so, dass die Therapie nichts bringt. Seit Beginn bis jetzt haben sich meine Symptome/ Gedanken im Bezug auf das Trauma sehr ins positive verändert. Weg ist es natürlich nicht, aber das kann man ja auch nicht unbedingt erwarten innerhalb von wenigen Monaten. Ich bin überhaupt froh, dass die Belastung weniger geworden ist und sich meine Gedanken nicht mehr unerträglich anfühlen.

Grundsätzlich mag ich meine Therapeutin sehr gerne. Sie ist die erste die meine Themen versteht. Sie ist kompetent und empathisch.

Über die traumatische Situation an sich habe ich ihr schon sehr ausführlich erzählt. Von den toxischen Beziehung in der das alles passiert ist nur sehr Oberflächlich. Ich glaube, dass es mir helfen würde generell mal mit jemandem darüber zu reden und das einzuordnen.
Allgemein habe ich das Bedürfnis einfach mal alles im Detail erzählen zu dürfen.
Aber dazu kommt es irgendwie gar nicht, weil sie jedes mal vorschlägt sobald ich erzähle was mich belastet, nochmal EMDR zu versuchen.

Nächste Stunde wollen wir EMDR mit einer niederschwelligen Angst versuchen. Bspw. Höhenangst oder sowas.
Ehrlichgesagt habe ich dem nur zugestimmt weil sie es immer wieder vorschlägt.

Und ich weiß gar nicht was das richtige ist

x 3 #27


Feuerschale
@Alice321 Das scheint dann so DIE Methode der Therapeutin zu sein....(hab ich einen Hammer, sehe
ich überall Nägel...)Wahrscheinlich als Hintergrund so der Ansatz - Trauma wenn es auftaucht kann man ein Stück weit "ableiten" damit oder die Sachen integrieren.

Ist halt so eine Sache, wenn du dich mit der Methode eigentlich nicht wohlfühlst.
Hattest du es denn schonmal versucht? hatte jetzt die anderen Beiträge nicht gelesen,
aber wenn du schon weißt, da sitzt jemand so nah, und Titel ist "funktioniert nicht",
dann hast du das ja wohl schonmal probiert.

Sonst könnte man ja sagen, ok ich geb dem ne Chance und dann eher bei ner kleineren Sache.
Aber ich denke man MUSS sich nicht unbedingt an einer Methode festbeißen.

Und wenn du meinst, reden hilft dir jetzt eher,vielleicht kannst du es nochmal ansprechen, dass du ein anderes
Bedürfnis hast. Ggf kann sie darauf eingehen oder zumindest erklären, warum ihrer Meinung das weniger hilft als ihr Vorschlag.

x 4 #28


Alice321
Zitat von Feuerschale:
Das scheint dann so DIE Methode der Therapeutin zu sein....(hab ich einen Hammer, sehe
ich überall Nägel...

Exakt. Sie meint auch öfter dass manchmal zu ihr Leute kommen die bspw. eine Trauma Situation haben die aufarbeiten wollen.

Mit EMDR soll das dann nur 6h brauchen und dann sind die glücklich und brauchen keine Therapie mehr.

Keine ahnung aber da kann dann ja gar keine Bindung aufgebaut werden zwischen Patient und Therapeut. Es gehört ja auch viel Vertrauen dazu. Grundsätzlich vertraue ich ihr.
Aber dieses sich "Fallen lassen" ist ein ganz schwieriges Thema bei mir.

Aber das muss man bei EMDR ja tun, sich drauf einlassen.

Und zu deiner Frage, ich habe es einmal mit ihr ausprobiert. Konnte mich null darauf einlassen und hab gesagt, dass ich es erstmal nichtmehr machen möchte.
Seitdem ist aber jetzt auch schon einiges an Zeit vergangen.

x 4 #29


Rogue
Hallo Alice321,

es tut mir sehr leid zu lesen, dass deine Therapeutin das Thema EMDR einfach nicht ruhen lassen will.
Du hast sehr gute Argumente dafür, dass es für den Moment nicht die richtige Methode ist, und der aktuelle fachliche Diskurs zu der Thematik ist voll auf deiner Seite.

Du bist die Klientin, du arbeitest gut mit und sperrst dich ja nicht grundsätzlich. Du hast es ausprobiert, es fühlte sich nicht gut an, und du möchtest eine Methode, die in deinem Fall fachlich eh sehr umstritten ist, zu diesem Zeitpunkt nicht machen, sondern erstmal anders an deine Thematik herangehen. Das ist völlig legitim und in guter Trauma-Therapie übrigens völlig normal.
Gute Trauma-Therapeuten gehen da normalerweise auch drauf ein, das hat auch viel damit zu tun, den Patienten zu respektieren und nicht über dessen Kopf hinweg zu handeln, denn das kann im schlechtesten Fall sogar retraumatisierend wirken. Dem Patienten eine Stimme zu geben, sich für sich selber einzusetzen und zu erleben, dass persönliche Grenzen respektiert werden, ist ein zentraler Teil jeder guten Traumatherapie.
Es wirkt wirklich so, als wollte sie einfach die Methode, für die sie die Fortbildung hat, bei möglichst jedem Patienten anwenden. (Und es kann noch einen anderen Grund geben, dazu später mehr.)

Zitat von Feuerschale:
Das scheint dann so DIE Methode der Therapeutin zu sein....(hab ich einen Hammer, sehe
ich überall Nägel...)

Sehr gut gesagt 👍 .
Ich habe solche Therapeuten auch schon selber erlebt und miterlebt (an anderer Stelle hatte ich da schonmal etwas zu geschrieben).

Zitat von Alice321:
Sie meint auch öfter dass manchmal zu ihr Leute kommen die bspw. eine Trauma Situation haben die aufarbeiten wollen.

Mit EMDR soll das dann nur 6h brauchen und dann sind die glücklich und brauchen keine Therapie mehr.

Das ist doch für deine Form der Traumatisierung der völlig falsche Grundansatz. Ohne deiner Therapeutin zu nahe treten zu wollen (ich habe ja an anderer Stelle auch schon positive Seiten Deiner Therapeutin und ihres Ansatzes erwähnt),
aber sie kann doch nicht kontinuierlich Mono- und Komplex-Trauma in einen Topf werfen und so tun, als wenn das dieselben Erkrankungen wären (denn die Symptomatik weicht an vielen Stellen voneinander ab), die gleich behandelt werden könnten.

Und dieses ständige Verweisen auf den zeitlichen Aspekt ist in diesem Umfang einfach nur fehlgeleitet.
Gerade gute Trauma-Therapie ist ein Marathon und kein Sprint. Ich kenne, wie gesagt, viele Patienten, bei denen man in ihrer Aussage das Wort "Stunden" locker durch "Jahre" ersetzen kann.
Gerade bei Komplex-Traumatisierungen ist es de facto ausgeschlossen, dass ein Patient innerhalb von 6 Stunden "wieder glücklich wird". Selbst wenn man diese Zahl verdoppelt oder verdreifacht, kommt man noch immer nicht mal ansatzweise in die Nähe der Dauer einer durchschnittlichen Traumatherapie. Meistens umfasst eine Trauma-Therapie sogar mehr als eine Langzeittherapie (wenn man mal eine durchschnittliche Zeit von 80-100 Stunden pro Langzeit-Therapie ansetzt).

Wie gesagt, ich verurteile ihren Ansatz, auch ein bisschen das Zeit-Kontingent im Auge zu behalten, ja nicht ganz grundsätzlich, aber ihr wiederholtes Verweisen darauf ist völlig unangemessen.
Warum hat sie es so eilig? Bei komplex traumatisierten Patienten wissen die meisten guten Therapeuten eigentlich, dass man eine längere Zeit mit diesen arbeiten wird.

Komplexe Traumatisierungen brauchen Zeit, um heilen zu können. Und dieses ständige "Drängeln" und verweisen darauf, dass man ja auch eine "Abkürzung" nehmen könnte, um das Problem zu lösen, finde ich sehr befremdlich.

Und wie gesagt: Das, was du dir von der Therapie wünscht, ist völlig legitim, absolut im Einklang mit modernen Ansätzen zur Behandlung von Komplex-Trauma und alles andere als ungewöhnlich.
Es ist total normal, komplex traumatisierte Patienten eben genau nicht mit EMDR zu behandeln, schon gar nicht, wenn diese das nicht wollen.

An deiner Stelle würde ich dabei bleiben, diese Therapiemethode zu diesem Zeitpunkt nicht machen zu wollen und erstmal anders weiterarbeiten zu wollen (dazu hatte ich ja auch schonmal etwas geschrieben).
Als jemand, der Erfahrung damit gemacht hat: So eine EMDR ist ja nicht gerade minimal-invasiv, sondern macht viel im Gehirn, und das gegen den Willen des Patienten durchzuführen, ist meiner Meinung nach keine gute Idee, sondern sogar nicht ganz ungefährlich.
Gerade auch, wenn man empfindlich an den Augen ist (das bin ich übrigens auch).
Vielleicht wäre es eine Überlegung, zumindest auf Tapping umzustellen, um wenigstens diesen Faktor auszuklammern.

Du sagst, du verstehst dich grundsätzlich gut mit ihr, und ich finde es schade, dass sie diese eigentlich gute Beziehung zwischen euch mit ihrem ständigen Drängeln gefährdet.
Ich würde ihr das auch ganz klar so kommunizieren.
Wenn sie dieses Mal darauf eingeht und es endlich respektiert, steht ja einer weiteren Zusammenarbeit nichts im Wege. Sollte sie damit aber nicht aufhören, würde ich über einen Wechsel zumindest nachdenken, da unpassende Trauma-Therapie im schlechtesten Fall tatsächlich sogar schädigend und retraumatisierend sein kann.

x 4 #30


Rogue
Ach ja, und noch zur Motivlage mancher Therapeuten:

Ich sage ganz deutlich, dass ich das jetzt nicht auf deine Therapeutin beziehe, sondern dass es Erfahrungen sind, die ich im Laufe von Trauma-Therapien selber gemacht oder bei Mitpatienten miterlebt habe (in Bezug auf EMDR oder auch andere Trauma-Verfahren):

Manche Therapeuten
- wollen einfach zu schnell zu viel erreichen,
- glauben, durch eine bestimmte Therapieform eine Art "Wunderlösung" gefunden zu haben, die eigentlich fast immer funktioniert (fast wie ein Universal"Werkzeug"), die eine Abkürzung darstellt, mit der man Zeit sparen kann und (eigentlich unpassende) Effizienz in die Therapie bringen kann (aus einem manchmal fehlgeleiteten Effizienz-Gedanken heraus)
-
Trigger

manche schwarzen Schafe machen leider auch gerne EMDR-Stunden, weil sie diese nicht groß vorbereiten müssen, sich währenddessen nicht so konzentrieren müssen, weil sie ja selber nicht viel sagen müssen


- wollen mit solchen Methoden ihre eigene empfundene Hilflosigkeit mit dem Leid ihrer Patienten kompensieren, wollen das Gefühl bekommen, schnell etwas "reparieren" zu können
- wollen nicht die Zeit investieren, die eine Trauma-Langzeit-Therapie benötigt, sondern machen grundsätzlich lieber nur Kurzzeit-Therapien
- können oder wollen nicht akzeptieren, dass es eben nicht die "eine" Methode gibt, die bei allen Patienten funktioniert (also ähnlich wie Punkt 2)
- bekommen eine Art "Tunnelblick", wenn sie sich auf ein Verfahren versteift haben, und werden dann unflexibel in ihrem Vorgehen, greifen dann "standardmäßig" darauf zurück, statt sich die Mühe zu machen, einen wirklich individuellen Therapieplan für den individuellen Patienten zu erstellen.

Manche Therapeuten werden auch wieder offener, wenn der Patient sie direkt darauf anspricht, dass der 08/15-Plan bei ihnen nicht funktioniert, und suchen dann nach Alternativen.
Andere wollen sich diese Arbeit nicht machen oder sind einfach zu versteift auf ihr "Universal-Werkzeug", um noch Alternativen sehen zu können.

x 3 #31


Alice321
Zitat von Rogue:
Hallo @Rogue, vielen Dank für deine Antworten!

Zitat von Rogue:
Dem Patienten eine Stimme zu geben, sich für sich selber einzusetzen und zu erleben, dass persönliche Grenzen respektiert werden, ist ein zentraler Teil jeder guten Traumatherapie.

Ja eben das sehe ich auch so. Gerade bei für mich ist das ja eine Sache die noch lernen muss, gesunde Grenzen zu setzen und die Erfahrung zu machen, dass diese dann auch respektiert werden. Ich hab bisschen das Gefühl, dass dieses "drängen" ihrerseits mein Vertrauensverhältnis anknackst.
Weil ich mich nicht als Individuum gesehen fühle, sondern eher so als würde sie ihre Standard Methode, die sie immer anwendet wie "Fließbandarbeit" (mal übertrieben gesagt), einfach auch bei mir durchziehen zu wollen ohne auf meine Bedürfnisse einzugehen.



Zitat von Rogue:
Meinung nach keine gute Idee, sondern sogar nicht ganz ungefährlich.
Gerade auch, wenn man empfindlich an den Augen ist (das bin ich übrigens auch).
Vielleicht wäre es eine Überlegung, zumindest auf Tapping umzustellen, um wenigstens diesen Faktor auszuklammern.


Ja den Vorschlag mit Tapping hat sie mehr oder weniger überzeugt auch gemacht. Jedoch meinte sie, dass das nicht so effektiv wäre wie mit den Augen. Zeitgleich wäre dann auch wieder der Faktor da, dass sie ja noch näher an mir dran wäre und mich berühren würde. Was sich für mich einfach befremdlich und unangenehm anfühlt, wenn ich mir die Situation vorstelle.

Zitat von Rogue:
Wenn sie dieses Mal darauf eingeht und es endlich respektiert, steht ja einer weiteren Zusammenarbeit nichts im Wege. Sollte sie damit aber nicht aufhören, würde ich über einen Wechsel zumindest nachdenken, da unpassende Trauma-Therapie im schlechtesten Fall tatsächlich sogar schädigend und retraumatisierend sein kann.

Darüber habe ich ehrlichgesagt auch schon nachgedacht. Grundsätzlich fände ixh es sehr schade, da ich sie grundsätzlich mag, sie meine Probleme versteht und es ja auch Mut und Überwindung kostet seine Sachen bei jemanden zu erzählen. Da jetzt nochmal von vorne anzufangen wäre echt hart. Sie ist sogar Supervisorin. Also ich kann nicht verstehen, warum sie mir nicht andere Methoden vorschlägt...


Zitat von Rogue:
wollen mit solchen Methoden ihre eigene empfundene Hilflosigkeit mit dem Leid ihrer Patienten kompensieren, wollen das Gefühl bekommen, schnell etwas "reparieren" zu können
- wollen nicht die Zeit investieren, die eine Trauma-Langzeit-Therapie benötigt, sondern machen grundsätzlich lieber nur Kurzzeit-Therapien
- können oder wollen nicht akzeptieren, dass es eben nicht die "eine" Methode gibt, die bei allen Patienten funktioniert (also ähnlich wie Punkt 2)
- bekommen eine Art "Tunnelblick", wenn sie sich auf ein Verfahren versteift haben, und werden dann unflexibel in ihrem Vorgehen, greifen dann "standardmäßig" darauf zurück, statt sich die Mühe zu machen, einen wirklich individuellen Therapieplan für den individuellen Patienten zu erstellen.

Ich muss sagen, dass ich mir diese Punkte schon gut vorstellen könnte.
Ich habe sie auch mal gefragt, wieviel Stunden die meisten Patienten bei ihr haben.
Sie sagte, dass sie überwiegend Kurzzeitige Therapien macht mit 24h .
Sie hatte bisher wohl nur 2 Fälle bei denen die Therapie auf 80-100 h erweitert wurde.

Ich werd es bei meinem nächsten Termin mal ansprechen ( weiß nur noch nicht ganz wie 😅) und werde euch dann auf dem Laufendsn halten.

Vielen Dank aber schonmal für die Antworten, hat mir sehr weiter geholfen!

x 3 #32


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Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher
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