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Interessantes Thema und Artikel. Besonders wenn es um ein strukturgebendes Umfeld geht, ist Klinik für mich immer wieder ein Thema gewesen. Wenn die Therapiedichte zudem noch passt, bietet es auch eine gute Gelegenheit, die eigene Erkrankung besser zu verstehen. Auch wenn es mir direkt nach meinen Aufenthalten so vor kam, das alles irgendwie nichts gebracht hätte, muss ich im Nachhinein feststellen, es hat mich immer irgendwie weiter gebracht. Auch der reale Austausch mit anderen Patienten war überwiegend bereichernd.
Es ist auch ein geschütztes Umfeld in dem ich sein konnte wie ich bin, ohne mir Gedanken machen zu müssen, ob das jetzt jemand anderen belastet. Gezwungen wird man ja zu nichts und in meinen Entscheidungen war ich immer frei, egal ob es um Medikamente oder Teilnahme an bestimmten Therapien ging. Inklusive einer Reha war ich jetzt acht mal in fünf verschiedenen Kliniken sowohl voll als auch teilstationär und bin wohl auch ein Drehtür Patient. Aber ich finde den Begriff nicht abwertend, denn meine Erkrankung erfordert es, weil sie ja da ist. Ambulante Therapie ist mir zwar lieber, aber eben oft nicht zeitnah zu realisieren und Medikamente sind halt auch nur Krücken um überhaupt Bewegung in mein Leben zu bringen.
@Fatuu Deine Meinung in allen Ehren. Es ist die, die wohl die meisten Menschen haben, die noch nie in einer psychosomatischen oder psychischen Klinik waren. Das ein Aufenthalt dort nichts mit der Realität, was auch immer Du darunter verstehen magst, zu tun hätte, kannst Du erst beurteilen, wenn Du es erlebt hast. Es sind immer Stigmata und Vorurteile, die Menschen davon abhalten, sich in eine Klinik zu begeben und sich somit selbst einer Chance berauben, mit ihrer Erkrankung besser umgehen zu können. Auch das Argument, man könnte jemandem den Platz wegnehmen, der dringender einen bräuchte ist in meinen Augen nicht zielführend. Zum einen gibt es immer Vorgespräche, zum anderen kann man immer, sofern man freiwillig in die Klinik geht, den Aufenthalt jederzeit beenden. Komischerweise denkt kaum ein Mensch, der ins Kino, Theater oder Konzert geht, darüber nach, ob er jemandem da vielleicht einen Platz wegnehmen könnte, der viel lieber dahin wollte.
05.11.2022 13:13 •
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