Zitat von hans_albers:hallo,
ich habe mich jetzt auch
durch alle seiten hier im forum durchgearbeitet um
vielleicht einen potentielllen lösungsweg für mich
zu finden bzw. zu diskutieren
(respekt für die vielen beiträge !)
...
zu meiner geschichte:
ich bekomme seit 3 jahren die von winston beschriebenen
attacken besonders beim überholen von lkws und
bei höheren geschwindigkeiten,
dabei hatte ich weder früher ein traumatisches erlebnis auf
der autobahn, noch war ich ein ängstlicher autofahrer.
eine tiefenpsychologische therapie habe ich daraufhin
für ca. 6 monate in anspruch genommen,
wobei ich sagen muss , dass so eine therapie im grunde genommen
für das eigene selbstverständnis erstmal nichts schlechtes
ist, sie mir jedoch bei dem eigentlichen problem
auch nicht wirklich geholfen hat,
da diese attacken (bzw, starken angstgefühle)
immer noch auf tauchen,allerdings in meinem fall
mal mehr, mal weniger.
(kann manchmal problemlos überholen, anderentags
gehts überhaupt nicht).
in der stadt habe ich bis jetzt überhaupt keine probleme.
ich finde den ansatz des "erkennen" der eigenen angstgefühle und
das "zulassen" einen für mich sehr wichtigen punkt,
nur frage ich mich zur zeit , ob ich dieses für mich alleine lösen kann,
oder doch vielleicht mal eine verhaltenstherapie beginnen sollte,
da ich z. zeit nicht das gefühl habe ,
damit für mich alleine weiterzukommen.
(bin heute 3 std.bei 80 km den lkws hinterhergekrochen,
wobei es mir nicht um die 3 std. ghet, sondern um den umgang mit den angstgefühlen)
grüsse,
lars
Ich würde Dir nur dann zu einer Verhaltenstherapie raten, wenn Du einen Therapeuten findest, der etwas mehr drauf hat, als Dich immer wieder in die Konfrontation zu jagen. Das ist nämlich m.M. nach kontraproduktiv - bei mir war es das jedenfalls. Und Berendt ist für mich das Paradebeispiel dafür, wie Verhaltenstherapie in diesem Fall völlig falsch angewendet wird.
Ich habe dadurch nämlich nur super eingelernt, wie ich meine Ängste bzw. die Symptome der Ängste unterdrücke (und sie damit gleichzeitig verstärke bzw. überhaupt erst zum Leben erwecke). Das bringt natürlich genau null. Man übt genau das Gegenteil von dem, was man üben sollte, nämlich zulassen.
Das Problem der meisten hier ist nämlich m.M. nach nicht, daß sie Angst vor dem Autofahren haben, sondern daß sie Angst haben, beim Autofahren Angstsymptome zu bekommen. Das mag zwar auf den ersten Blick das gleiche sein, ist es aber nicht.
Im ersteren Fall würde nämlich das reine Autofahren als Therapie etwas nützen (wie z.B. bei Leuten, die wenig Fahrpraxis haben - deren Ängste sind ja auch begründet) - in zweitem Fall nützt das reine Autofahren aber gar nichts, schon alleine deshalb, weil die Leute schon tausende Kilometer auf dem Buckel haben.
Es nützt dann nur etwas, zu lernen, daß nichts schlimmes passiert, wenn man die Angstsymptome beim Autofahren zuläßt. DAS ist der entscheidende Punkt.
Bei mir selbst habe ich jedenfalls festgestellt, daß alles damit anfing, daß ich mich gegen die Angst bzw. Angstgefühle gewehrt habe bzw. versucht habe sie zu unterdrücken. Das führt zu Muskelverspannung/verkrampfung, veränderter Atmung (meist schon in der Erwartungshaltung) - und dann wird einem schwindlig und man bekommt dieses Kontrollverlustgefühl.
Ich wage auch zu behaupten, daß für die meisten von uns gar nicht mehr die Angstsymptome das Problem sind, sondern die Symptome der Unterdrückung der Angst(symptome) wie Verkrampfung, stockende Atmung etc.
Beispiel:
Adrenalinstoss entsteht durch Streß, also durch Angst (z.B. beim Überholen von LKWs)
Der Adrenalinstoss wird aber bei niemand dazu führen, daß er in den LKW kracht - ganz im Gegenteil - er wird uns im höherem Maße davon abhalten, daß das passiert, weil wir hellwach werden.
Das eigentliche Problem ist, daß wir dann versuchen, diese Adrenalinstösse zu unterdrücken, wir verkrampfen, atmen falsch, daraus ensteht dann das schwindelartige Gefühl und das Gefühl des Kontrollverlusts. Wir überwachen ununterbrochen unsere Körpersymptome.
Wir haben einmal so auf einen Adrenalinstoss reagiert und dieses Verhalten dann quasi falsch eingeübt - bis es sich verselbstständigt und fast automatisiert hat (LKW - oje, es darf auf keinen Fall Angst/Adrenalinstoss erfolgen - Verkrampfung usw.)
Die richtige Einstellung ist m.M. nach: Körperlich Angst zulassen und sich mental gegen die Angst stellen.
Und um es ganz klar zu sagen: Zulassen kannst nur Du selbst - das kann Dir niemand abnehmen - auch kein Verhaltenstherapeut.
Das ist ein Prozeß, den man nicht von heute auf morgen lernen kann, das erfordert Übung - denn man muß ja förmlich verlernen, was man zuvor oft über Jahre eingeübt hat (nämlich mental vor der Angst zurückzuweichen und körperlich dagegen anzukämpfen).
Ich würde Dir auch dringend raten, möglichst wenig darüber nachzudenken. Auch nicht im therapeutisch-analytischem Sinne. Denn da wirst Du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Lösung XY finden. Weder in der Kindheit, noch sonst wo.
Die Ursache bei meisten ist einfach die, daß sie zu Zeitpunkt XY Streß haben, dieser Streß sich zufälligerweise im Auto zeigt und man dann oft über Jahre falsch darauf reagiert und anfängt darüber nachzudenken, sodaß sich die Angst von selbst am Leben erhält.
Je mehr Du Dich mit Deiner Angst beschäftigst, desto früher begrüßt sie Dich wieder (das kannst Du Dir vorstellen wie mit einem Menschen, der um Aufmerksamkeit bettelt - je mehr Du ihm davon schenkst, desto lästiger wird er - wenn Du ihn dagegen ignorierst, wird er irgendwann Ruhe geben).
Ideal wäre also, ins Auto einzusteigen und an gar nichts zu denken oder zumindest nicht an die Angst (wenn sie sich aufdrängt, kann man ja z.B. mit Kopfrechnen beginnen) - muß man auch lernen.
Und nach dem Aussteigen ist es auch wichtig, nicht mehr drüber nachzudenken, EGAL wie die Fahrt gelaufen ist. Wenn man nämlich stundenlang drüber nachdenkt, züchtet man nur die Angst für die nächste Fahrt (remember: Angst und Aufmerksamkeit).
Übrigens ist das ein zentrales Problem vieler hier: Sie schenken ihrer Angst viel zu viel Aufmerksamkeit (in welcher Form auch immer) und merken nicht, daß das nicht nur nichts bringt sondern schon ein Faktor ist, der ihre Angst überhaupt am Leben erhält.
Das einzige, über was Du nachdenken "darfst" sind allgemeine Stressoren bzw. welche es da in Deinem Leben geben könnte - aber das kannst Du völlig losgelöst vom Auto sehen.
Einfach Dinge, von denen Du annimmst, daß sie Deinen Adrenalinspiegel Stück für Stück steigern. Meistens ist das nicht ein einziger, sondern mehrere.
Das wird zwar Dein Autofahrproblem nicht lösen, aber es wird Dich davor bewahren, daß Du hinkünftig im Auto oder sonst wo aus heiterem Himmel eine Streßsymptomatik kriegst (und dann wieder beginnst, falsch darauf zu reagieren .....denn wo kein Streß ist, kannst Du auch nicht falsch drauf reagieren).
Ich hoffe, mich verständlich ausgedrückt zu haben.