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KiraStuttgart26
Das Selbstwertgefühl und das „Urvertrauen“ sind natürlich wenn es denn gut angelegt ist. Dies geschieht wohl und da sind sich Psychologen und Pädagogen einig, in den ersten Lebensjahren. Mütter die ihre Kinder wenig anschauen , wenig kuscheln , Bedürfnisse ignorieren usw. können es stark ins wanken bringen.Fraglich ob man da therapeutisch noch gut rankommt und was nachholen kann.
Ja ich hatte schon 2,3 Therapien aber ich fühle mich schon recht lange so stabil und Krieg es allein ganz gut in den Griff.
Wie geht’s bei dir voran ? Kommst du weiter ? Waren es konkret diese Themen, von denen du hier schreibst, die dich zu einer Therapie bewogen haben ?

• #21


freely
Zitat von hilfefuchs:
Aber ich bin mir gar nicht so ganz sicher was mein authentisches Ich überhaupt ist

Ich klink mich mal ein mit paar Gedanken dazu.

Ich denke wenn man alleine ist, ist man doch so wie man ist. Warum sollte man sich anders geben wenn niemand da ist?

Andererseits, was ist daran verkehrt sich auf sein Gegenüber einzustellen und "anders" sein. Wer ist denn wirklich bei jedem Menschen gleich? Wir schlüpfen doch ständig in verschiedene Rollen, anders wäre Kommunikation auf Augenhöhe doch gar nicht möglich. Wer spricht mit einem Kind wie mit seinem Chef zb. Unter Freunden ist man anders als unter Fremden.
Wobei ich persönlich schnell mit Fremde wie mit Freunden rede. Das verschreckt aber auch manche, andere sind froh wenn sie dadurch lockerer reden können.

Ich denke also eine gewisse Flexibilität ist viel sinnvoller als ein starres Selbst.

• #22


A


Unbeholfen trotzdem Geltungsdrang

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freely
Zitat von KiraStuttgart26:
Ich kann dann nichts entspanntes normales sagen sondern lege Zuviel „Wucht“ in manche Aussagen , störe mich an Augenkontakt und habe immer Angst davor irgendwie beschränkt oder seltsam zu erscheinen.

Was würde dir in solchen Momenten helfen? Was könnten deine Gesprächspartner tun, damit du wieder zu dir findest?

• #23


B
Zitat von KiraStuttgart26:
Erkennt sich jemand wieder ?

Ja.
Du sprichst vieles an, aber einiges trifft nur dem Anschein nach zu. Es ist verführerisch einer bestimmten Denkweise zuzustimmen, weil sie scheinbar alles erklärt, aber letztendlich die eigene Person als problematisch darstellt. Man sollte so sein wie andere, dann wäre alles gut.

Drei Punkte:

- Wenn du kein schlechter Mensch bist, dann tust du nie etwas schlechtes.
Hierbei geht es auch darum, dass Menschen anderen Menschen, oder sie sich selbst, einreden ein böser Mensch zu sein. Das gibt es auch in der Version einen Mangel zu haben.

- Identität ist eine gesellschaftliche Krankheit
Die Idee, dass jede Person eine Identität haben muss, ist im historischen Kontext eher neu bei den Menschen. Es gibt Wissenschaftler, die schreiben, dass sowas wie Selbstbewusstsein erst im Mittelalter bei allen Menschen auftrat. Vorher nur bei einigen, wie den Intellektuellen.

- Beides zusammen: Worauf es tatsächlich ankommt, ist nicht, welche Identität eine Person hat, sondern wie sie sich verhält. Hier steht Identität versus Verhalten. Leider vermurksen einige dies so, dass sie es so darstellen, dass beides dasselbe wäre und es dadurch nichtig machen, worauf damit hingewiesen werden will, weil sie das vermeiden wollen.

Es ist eigentlich eine veraltete Denkweise, dass Leute durch ihre Identität ihr Verhalten wett machen könnten - sie also Privilegien gegenüber anderen haben. Aber diese Denkweise ist noch tief verankert, wird aber nicht mehr offen zur Schau gestellt.

Hier kommen wir zum Vergleich mit mir. Deine Selbstsicherheit ergibt sich nicht aus einer Identität, sondern aus dem simplen Fakt, dass du ein sehr gutes Verhalten hast. Du reagierst angemessen ohne viel darüber nachzudenken oder dies zu inszenieren. Du bist ein ehrlicher Mensch. Du kannst dich darauf und also auf dich verlassen. Du musst keine Angst haben jemals etwas falsches zu sagen. Deine Reaktionen sind immer passend und stärken dich. Das bedeutet nicht, dass du nicht nachdenken würdest, wie du dich angemessen verhalten und was du passendes sagen solltest, sondern, dass du dir keine weiteren Gedanken machen musst, dass es unangemessen oder unpassend wäre. Und selbst wenn, das kann jedem mal passieren. Denn hier kommt es auf deine Gegenüber an, wie sie reagieren. Reagieren sie überzogen und unangemessen? Dann stimmt mit diesen etwas nicht.

Du brauchst keine Identität um dir sicher zu sein. Deine Sicherheit ergibt sich aus deinem Verhalten.

OK. Das bedeutet nicht, dass du absolut frei von Fehlern wärst. Es ist möglich, dass dein Verhalten, anderen nicht in die Augen sehen zu können, eine psychologische Angelegenheit ist, die ihre eigenen Ursachen hat. Es kann aber auch sein, dass dies daher kommt, weil du in dieser Identitäts-Denkweise gefangen bist.

Vergiss auch das mit dem Selbstwert, weil das ist extrem heikel. Weder ein Mensch noch eine Person hat einen Wert. Da gibt es auch keine Ausrede von wegen, dass dies bedeutet, etwas wertzuschätzen, wie ein Kunstwerk, weil es dann darum geht, das das eine mehr und das andere weniger wert ist. Das entspringt der Identitäts-Denkweise, die grundlegend problematisch ist.

Ich mache Kunst, und da muss ich frei aggieren können. Und da ich kein schlechter Mensch bin, kann ich mir sicher sein, keine Grenzen zu überschreiten. Dass heißt nicht, dass ich nicht darüber nachdenken würde. Ich denke sehr viel darüber nach und weiß daher, wo die Grenzen sind und was ich machen kann und was nicht. Vielleicht mag der oder die eine oder andere sich provoziert fühlen, aber ernsthaft belangt werden kann ich nicht. Diese meine Selbstsicherheit ist von grundauf gegeben, weswegen ich mir auch in spontanen Situationen keine weiteren(!) Gedanken machen muss. Manchmal kommt etwas einfach so aus mir heraus und es passt perfekt.

Ich war früher auch und auch heute noch gelegentlich anders und habe vorher ewig nachgedacht wie ich mich angemessen verhalte, insbesondere, damit eine Situation so ausgeht, dass ich der Gewinner bin. Das war und ist schrecklich. Manchmal war es aber auch angebracht, damit ich eine stressige Situation gut überstehe.

Ich war manchmal auch von mir selbst überrascht, wie ich mich spontan ohne weiteres Nachdenken verhalten habe.

Aber, auch ich habe Probleme, da ich körperlich und psychisch krank bin, was in Situationen negativ wirken kann. Aber da kommt es nicht nur auf mich an, sondern auch auf die anderen, wie sie darauf reagieren. Ich für meinen Teil muss dabei nur zu meinen Krankheiten stehen und sie nicht verheimlichen wollen. Manchmal ist das aber schwierig.

• x 1 #24


konfus
Zitat von KiraStuttgart26:
Fraglich ob man da therapeutisch noch gut rankommt und was nachholen kann.

Das entscheidet sich wohl individuell auf dem Schlachtfeld (des Lebens).

Zitat von KiraStuttgart26:
Ja ich hatte schon 2,3 Therapien aber ich fühle mich schon recht lange so stabil und Krieg es allein ganz gut in den Griff.

Das freut mich, zu hören. lachen

Zitat von KiraStuttgart26:
Wie geht’s bei dir voran ? Kommst du weiter ? Waren es konkret diese Themen, von denen du hier schreibst, die dich zu einer Therapie bewogen haben ?

Ich glaube, es geht gut voran. Bin seit Frühling in Therapie und fühle mich dort verstanden und sehr gut aufgehoben. Ich hatte vor 8 Jahren eine Psychose, die mein Leben gecrasht hat und die ich bis heute nicht verarbeiten konnte. Mir gings aber schon vorher nicht so gut und ich hatte schon als Kind Selbstwertprobleme.

Warum bist du denn in Therapie gegangen? Und welche Therapieverfahren hast du kennengelernt?

• #25


konfus
Zitat von freely:
Ich denke wenn man alleine ist, ist man doch so wie man ist. Warum sollte man sich anders geben wenn niemand da ist?

Irgendwie ist man ja immer man selbst. Aber manchmal verliert man irgendwie auch den Kontakt zu sich und das Selbstbild entspricht nicht mehr der Realität.

• #26


konfus
Zitat von beside:
Vergiss auch das mit dem Selbstwert, weil das ist extrem heikel. Weder ein Mensch noch eine Person hat einen Wert.

Also mir ist mein Leben mehr wert als deins und ich halte das für eine ziemlich natürliche Einstellung. Daraus folgt ja nicht, dass ich deins für wertlos halte. Und der Begriff "Wert" ergibt ja auch nur Sinn, wenn er im Bezug zu einem Subjekt steht. So etwas wie objektiv Wert haben gibt es gar nicht in meinen Augen.

• #27


konfus
Zitat von konfus:
Schlachtfeld (des Lebens)

Das ist blöd ausgedrückt. Das Leben ist kein Krieg. Weiß nicht, warum das so rauskam. Ich hoffe, dass das Eigentliche trotzdem irgendwie ankam.

Zeit zum Schlafen... Gute Nacht, Leute!

• #28






Dr. Reinhard Pichler
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