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Basti88

Basti88
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Ich kann die Verantwortung für die Gefühle meiner Partnerin nicht loslassen. Schon kleinste mögliche Fehler lösen morgens einen massiven Alarm aus. Ich fühle mich gezwungen, sofort aufzustehen und Dinge zu reparieren. Das belastet mich seit Jahren und beeinflusst inzwischen sogar mein Zusammenleben und meine Beziehung.

Ich weiß, dass es aus meinem Kindheits Trauma rauskommt und vielleicht hat ja jemand ähnliche Situation oder Erfahrungen gemacht. Wäre mal schön darüber zu sprechen vielen Dank

• • 20.08.2026 x 1 #1


18 Antworten ↓

User_0815_4711
Zitat von Basti88:
Schon kleinste mögliche Fehler lösen morgens einen massiven Alarm aus. Ich fühle mich gezwungen, sofort aufzustehen und Dinge zu reparieren.

Kannst du bitte Beispiele nennen?

• #2


A


Wie lerne ich, nicht ständig alles retten zu müssen?

x 3


Basti88
@User_0815_4711 Ich wache morgens auf und denke sofort: „Habe ich irgendetwas vergessen?“
Ich kann nicht einfach weiterschlafen, weil ich Angst bekomme, dass meine Partnerin etwas bemerkt und deswegen genervt sein könnte.
Ich mache mir Gedanken darüber, ob ich Vogelfutter rausgestellt oder das Fleisch für die Hunde zum Auftauen herausgelegt habe.
Wenn meine Partnerin etwas vergisst oder ihr etwas schiefgeht, habe ich schnell das Gefühl, ich müsste es verhindern oder für sie lösen.
Wenn sie sauer, gestresst oder überfordert ist, löst das in mir einen starken inneren Alarm aus.
Selbst wenn ich weiß, dass sie sich nach kurzer Zeit wieder beruhigt, kann ich ihren Ärger in diesem Moment kaum aushalten.
Ich habe ständig das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben oder jemandem eine Belastung zu sein.
Dadurch bin ich morgens angespannt, unruhig und erschöpft, obwohl ich eigentlich gut geschlafen habe.
Manchmal fühlt sich Alleinleben für mich leichter an, weil ich dann nicht ständig die Stimmung eines anderen Menschen beobachten muss.
Gleichzeitig liebe ich meine Partnerin und möchte ihr nichts verbieten. Ich möchte lernen, dass sie ihre Gefühle haben darf, ohne dass mein Körper sofort in den Alarmmodus geht.

• x 1 #3


User_0815_4711
Zitat von Basti88:
ohne dass mein Körper sofort in den Alarmmodus geht.

Das ist nicht angenehm.
Ich habe im anderen Theme nur deinen Eingangstext gelesen und die äußerst schwierige Kindheit, um es mal so auszudrücken.
Ich weiß auch nicht, was du schon alles getan hast, damit es dir besser geht.
Ich kann also keine Hilfe anbieten.
Ich denke aber, dass andere Userinnen und User hier das können.
Viel Erfolg!

• x 3 #4


Abendschein
Ich habe zig Jahre lang das Thema meiner Mutter im Kopf. Ich glaube, wenn es aus der Kindheit
her rührt, das man das nicht so einfach abstellen kann. Was einem vielleicht Jahrelang eingetrichtert
wurde. Meine Mutter hat mich immer ignoriert, wenn ich Fehler (in ihren Augen) gemacht habe.

Ich konnte Jahrelang nicht mit Ignorierten Menschen umgehen, also die mich Ignoriert haben.
Habe dann Therapien gemacht und mein jetziger Therapeut sagt, das ich Erwachsen bin und für mein
Leben selbst verantwortlich bin. Daran muß ich arbeiten.

Hilft Dir das ein bißchen? @Basti88

• x 1 #5


Basti88
@Abendschein

Danke dir. Ja, heute ist es besonders schwer, finde ich. Heute ist ein Tag, an dem ich viel Überforderung gespürt habe, die eigentlich gar nichts mit heute zu tun hatte. Diese Muster haben sich einfach so tief eingebrannt, dass ich es heute aufschreiben musste.
Meine Partnerin möchte mir nichts Böses, nur weil sie von etwas genervt ist. Das fällt mir sehr schwer. Das Schlimmste dabei ist, dass ich sogar die Schuld bei ihr gesucht habe. Ich dachte immer: Bei mir ist doch alles richtig, bei ihr muss doch irgendetwas nicht stimmen. Und erst jetzt fällt mir langsam auf, dass das eigentlich mein Problem ist und nicht ihres. Das macht mich irgendwie noch trauriger.
Sie mag manchmal unrecht haben, aber in vielen Bereichen möchte sie einfach nur ihre Meinung äußern. Das darf sie auch. Ich muss nicht sofort davon ausgehen, dass etwas Schlimmes dahintersteckt.
Ich hatte heute einen Arzttermin, und der war für mich die Hölle. Allein der Gedanke an diesen Termin hat mir schon den ganzen Magen verschnürt. Und direkt beim Aufwachen ging es schon los: „Oh Gott, hoffentlich machst du nichts falsch oder hast irgendetwas vergessen.

• x 2 #6


Schlaflose
Zitat von Basti88:
Oh Gott, hoffentlich machst du nichts falsch oder hast irgendetwas vergessen.

Was kann man denn da falsch machen oder vergessen? Wenn der Arzt das zu sich sagen würde, könnte man das nachvollziehen, aber als Patient?

• x 2 #7


Basti88
@Schlaflose Zu spät kommen, die Krankenkassenkarte vergessen, einen Termin verpassen – darum geht es eigentlich gar nicht um den Arzttermin direkt. Nicht darum, wenn ich dann tatsächlich dort bin. Es geht vielmehr um die ganze Vorbereitung und um alles, was vorher passiert. Genau das kostet mich unglaublich viel Kraft.
Ich habe immer gedacht, dass das einfach so ist und dass es normal wäre. Aber langsam merke ich, dass es für mich eben nicht normal ist. Ich habe manchmal sogar richtig Probleme damit, dort anzurufen, wenn ich zum Beispiel einen Termin erfragen oder etwas klären muss. Obwohl ich weiß, dass es harmlos ist und eigentlich überhaupt nichts Schlimmes passieren kann, muss ich mich jedes Mal überwinden.
Es löst in mir einfach diese Unruhe und Überforderung aus. Und zumindest in mir fühlt sich das dann wie ein richtiges Alarmsignal an, obwohl objektiv eigentlich gar keine Gefahr besteht

• x 2 #8


Gaulin
@Basti88 vielleicht musstest du schon zeitig Verantwortung übernehmen, oder hast dich um jemanden gesorgt? Mutter, Vater, Geschwister? Ich kenne es so ähnlich selbst...

• x 2 #9


Somatom
@Basti88 wie ist das Verhältnis heute zu deiner Mutter?

• x 2 #10


Basti88
@Somatom
Ich bin mit neun Jahren von meiner Mutter weggelaufen, weil sie durch ihren Alk. wiederholt hingefallen ist. Ich habe es einfach nicht mehr ertragen. Ich habe sie dann vor vier Jahren das letzte Mal gesehen, da ist sie gestorben. Aber ich habe keine wirkliche Verbindung zu ihr.
Ich habe mir Pflegeeltern gewünscht. Meine Kindheit war einfach nicht schön. Bis zu meinem sechseinhalbten Lebensjahr waren wir, meine Geschwister und ich, weitgehend auf uns allein gestellt. Dann hat uns das Jugendamt entdeckt und wir wurden alle ins Kinderheim gebracht.
Ich habe lange gedacht: So schlimm war es ja eigentlich nicht, weil ich keine Schläge bekommen habe und auch nicht missbraucht wurde. Aber inzwischen sehe ich, dass wir extrem emotional vernachlässigt wurden. Wir wurden schon als Säuglinge schreien gelassen, bis wir irgendwann aufgegeben haben, weil der Alk. für meine Eltern immer wichtiger war.

• x 2 #11


Basti88
@Gaulin ja, ich habe nie Regulation von ihm erfahren. Der Alk. war bei Ihnen wichtiger. Ich war quasi auf mich allein gestellt, bis zu meinem neunten Lebensjahr, wo ich Pflegeeltern bekam und die waren toll und haben alles versucht, aufzufangen, mitzumachen. Aber dieses Trauma und dieses Fundament konnte keiner richten, weil niemand davon wusste. Ich hab mich so gut angepasst

• x 3 #12


Basti88
Zitat von Somatom:
@Basti88 wie ist das Verhältnis heute zu deiner Mutter?

Sie ist gestorben, und ich wollte nichts von ihr ich bin weggelaufen. Kinderheim hat uns mehrmals besucht und am Vormittag war alles gut. Am Nachmittag bist du schon wieder völlig besoffen gewesen und hat uns zurückgebracht. Ich konnte das nicht mehr. Ich glaub mit acht oder neun Jahren war endgültig Schluss. Ich hab den ganzen Familienrücken gekehrt. Also was heißt der ganzen Familie? Mein Vater hat angerufen und er hat gesagt er kommt nicht mehr da war ich sieben aber er war auch kein wirklicher Vater.

• x 2 #13


Somatom
@Basti88 das war so ein Bauchgefühl gerade und klar beziehe ich das auf meine eigene Lebensgeschichte. Ich hatte mich emotional erst nach dem 30. Lebensjahr irgendwann von meiner Ursprungsfamilie gelöst. Als Teenager hatte ich keine Ahnung dass eine Ablösung normal ist weil einfach nur Chaos war. Der Schritt zurück war für mich ein Schritt zu mir.

• x 2 #14


Kruemel_68
Zitat von Basti88:
Ich möchte lernen, dass sie ihre Gefühle haben darf, ohne dass mein Körper sofort in den Alarmmodus geht.

Das ist leider gar nicht so einfach. Es ist sehr wichtig, sich klar zu machen, woher diese Muster stammen - nämlich aus der Kindheit. Es sind gelernte und fest verankerte Verhaltens- und Denkmuster, die uns durch andere aufgedrückt wurden.

Wenn ein Kind keine Sicherheit und Regulation bei seinen Bezugspersonen erfährt, entwickelt es Strategien, um mit dieser Situation umzugehen. Diese Strategien entstehen aus der Kinderbrille heraus - weil wir als Kind das Leben natürlich anders sehen als als Erwachsener. Sie sichern in der Kindheit unser Überleben.

Mal ein Beispiel von mir: mein Vater strafte mit Liebesentzug. Das war für mich als ängstliches und sensibles Kind sehr schwer auszuhalten und wesentlich schlimmer, als wenn er mir eine geschallert hätte. Meine Strategie war also, möglichst nichts zu tun, was ihm missfallen könnte, alles das zu tun, was er sagt, keine Widerworte zu geben und nie meine Meinung zu äußern. Dieses Muster hat sich derart verfestigt, dass ich als Erwachsene nicht in der Lage war, Grenzen zu setzen, ein extremes People-Pleasing betrieben habe und selten meine Meinung sagte. Es ist heute noch sehr schwer für mich, meinem Mann einen simplen Satz wie: "Räum bitte die sch. Gefrierbeutel von der Arbeitsfläche und leg sie in die Schublade, wo sie hingehören." zu sagen. Es könnte ja sein, dass er sauer wird und nicht mehr mit mir spricht oder wir uns deswegen streiten und er dann tagelang nicht mehr mit mir spricht.

Da raus zu kommen ist sehr schwierig, aber zumindest zu einem guten Teil schon machbar. Wie gesagt, das Wichtigste ist, sich klar zu machen, dass es Glaubenssätze aus der Kindheit sind, die wir als Erwachsene nie angepasst haben. Der zweite Schritt ist, sich im Alltag immer und immer wieder klar zu machen, wenn diese Muster gerade wieder durchschlagen. Und zwar nicht im Sinne von: "Ich bin einfach zu blöd dazu", sondern im Sinne von: "Okay, dieses schlechte Gefühl gerade entsteht jetzt wieder, weil ich es in meiner Kindheit so gelernt habe und es jetzt erst umlernen muss." Und dann muss man anfangen, die neuen Verhaltensweisen zu lernen, wie eine neue Sprache. In meinem Fall habe ich erst mit meinem Therapeuten im Rollenspiel gefühlt hundert mal den Satz "Leg den sch. Gefrierbeutel in die Schublade" gesagt. Ich habe mir immer und immer wieder klar gemacht, dass ich das Recht habe, diesen Satz zu sagen, dass es einer normalen Kommunikation unter Erwachsenen entspricht und das nichts schlimmes passieren wird. Und dann muss man sich einmal das Herz fassen, und diesen Satz wirklich aussprechen. Und dann nochmal, und nochmal. Und irgendwann wird es immer vertrauter und man merkt, dass man es kann und das nichts schlimmes passiert. Und daran wächst man ein Stück.

Das Beispiel mit dem Gefrierbeutel ist übrigens gerade bei mir aktuell. Ich habe schon viel geschafft in Zusammenhang mit meinem Mann - aber gerade blockt in mir wieder alles, diesen blöden Satz zu sagen. Ich schaffe es gerade nicht, das baut einen unglaublichen Druck in mir auf, auf den ich gerade wieder extrem mit körperlichen Symptomen reagiere und mein Energielevel komplett im Keller ist, weil dieser innere Kampf so viel Kraft kostet. Jetzt werde ich wieder zu meinem Therapeuten dackeln, mit ihm das üben und meinem Mann dann irgendwann diesen Satz vor den Kopf knallen. Und so lange, bis ich das schaffe, geht es mir wieder x.. Und genau das ist das Spiel, dass wir spielen müssen, wenn wir gewinnen wollen.

Wenn Du Dich mit diesem Thema mal eingehender beschäftigen möchtest, kann ich Dir sehr das Buch "Das Kind in Dir muss Heimat finden" von Stefanie Stahl empfehlen. Darin werden diese Muster gut erklärt. Und es gibt auch ein Arbeitsbuch dazu. Ideal ist es natürlich, so etwas im Rahmen eines therapeutischen Settings aufzuarbeiten, aber es geht auch allein.

• x 4 #15


Basti88
@Kruemel_68 deine Nachricht hat mich sehr berührt. Danke, dass du deine Gedanken so offen geteilt hast. Es tut einfach gut zu sehen, dass andere die gleichen Kämpfe kennen – besonders dieses Gefühl, keinen Wert zu haben, wenn man eigene Bedürfnisse äußert.
Ich bin jetzt seit einem halben Jahr auf meinem Heilungsweg und lerne Stück für Stück, meine alten Überlebensmuster zu verstehen. Das Buch werde ich mir auf jeden Fall besorgen! Deine Beschreibung von Fort- und Rückschritten hat mich sehr erinnert: Man wagt einen Schritt nach vorne, freut sich – und fällt doch wieder in alte Zweifel zurück.
Mir hilft in solchen Momenten die Erkenntnis, dass Heilung keine gerade Linie ist. Die schlechten Tage gehören genauso zum Leben dazu wie die guten; erst durch den Kontrast können wir das Glück überhaupt schätzen.
Gestern war so ein schwerer Tag für mich. Es tut unglaublich gut, hier im Raum zu stehen, ohne Mitleid zu suchen, und einfach ehrliche Antworten wie deine zu bekommen. Kein Strohhalm, sondern echtes Mitgefühl auf Augenhöhe. Danke für deinen Mut und deine Zeilen, das gibt mir wirklich viel Kraft! Also es gibt mir auch das Gefühl hier in diesen Forum auch da sein zu dürfen. Ich finde das toll, dass auch andere sich mitteilen. Ich will die Probleme des anderen sehen, sondern auch sich selber mit einfügen. Ich finde das toll also vielen Dank

• x 2 #16


Kruemel_68
@Basti88 Sehr, sehr gern. Ich freue mich, wenn ich mit dem, was ich bisher gelernt habe, weiterhelfen kann. Und ich kenne es auch, dass man sich fühlt wie der letzte Depp und meint, man wäre der einzige, dem es so geht. Weit gefehlt. Den meisten Angststörungen und Depressionen liegen diese Muster zugrunde. Weil man sie irgendwann nicht mehr kompensieren kann und die Seele einem klar macht, dass es so nicht weitergeht.

Und auch, dass die Heilung in Wellen verläuft, hast Du richtig erkannt. Man hakt nicht ein Thema ab und dann klappt es in Zukunft. Diese Themen werden erst einmal durch die Bearbeitung beiseite gelegt und es geht einem ein Stück besser. Aber dann spült das Leben dieses Thema wieder hoch, und man muss weiter daran arbeiten. Was wichtig ist, ist zu sehen, dass es einen beim nächsten Mal nicht mehr ganz so weit zurückwirft. Dass man etwas schneller wieder aus dem Loch kommt. Und beim nächsten Mal geht es wieder ein Stückchen besser. Im Grunde ist es ein lebenslanger Prozess. Aber man kommt irgendwann in einen Bereich, wo einen das Thema dann nur noch für einen Tag oder ein paar Stunden beschäftigt und das war es dann.

Wir können uns sehr gern zu diesem Thema weiter austauschen wenn Du magst. Kannst mich auch gern per PN anschreiben.

• x 3 #17

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Gaulin
Zitat von Kruemel_68:
Wenn Du Dich mit diesem Thema mal eingehender beschäftigen möchtest, kann ich Dir sehr das Buch "Das Kind in Dir muss Heimat finden" von Stefanie Stahl empfehlen. Darin werden diese Muster gut erklärt. Und es gibt auch ein Arbeitsbuch dazu. Ideal ist es natürlich, so etwas im Rahmen eines therapeutischen Settings aufzuarbeiten, aber es geht auch allein.

Dieses Buch hat mir ebenfalls sehr geholfen plus dem Arbeitsbuch dazu. Kann ich sehr empfehlen

• x 3 #18


Basti88
Zitat von Gaulin:
Dieses Buch hat mir ebenfalls sehr geholfen plus dem Arbeitsbuch dazu. Kann ich sehr empfehlen

Das freut mich. Vielen Dank.

• x 1 #19


A


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