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F

Flauschball
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Hallo an Alle,

gibt es hier Menschen, die auch bindungstraumatisiert sind und Interesse an einem Austausch haben?

Das Thema findet ja bisher nicht so viel Beachtung. Wenn von Trauma die Rede ist, dann ja meistens eher von der PTBS. Daher weiß ich nicht, ob es hier überhaupt Betroffene gibt.
Aber ich würde mich sehr über einen Austausch freuen!

Also meldet Euch gerne!

25.12.2024 x 3 #1


78 Antworten ↓
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Alfredino
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Hallo Flauschball,

ich habe ebenfalls mit Bindungs- bzw. Entwicklungstrauma zu tun. Alles was ich zum Thema KPTBS lese, passt sehr gut auf mich. Leider haben viele Psychotherapeuten und Ärzte dieses Diagnose noch nicht so wirklich auf dem Schirm, daher zerfiel diese integrale Diagnose in ihren Einzelbestandteilen: Sprich mal wurde bei mir Depression diagnostiziert, ein anderes Mal eine generalisierte Angststörung usw. kPTBS ist ja auch erst kürzlich in das Diagnosemanual aufgenommen (dem ICD-11), obwohl dieses Diagnose schon seit 15 Jahre in der Forschung / bei den Praktikern herumflattert.

Ich war bei drei Psychiatern, bei einer tiefenpsychologischen-fundierten Therapeutin und einen Versuch mit einem Verhaltenstherapeuten musste ich abbrechen. Von „ach, stellen sie sich nicht so an“ bis „sie müssen in die Klinik“, war alles dabei. Mein Leben hatte ich nur stellenweise im Griff, aber gerade im Beruf versage ich immer wieder, weil ich meine Ängste / innere Anspannungen nicht im Griff habe und falle dadurch in eine Art Dissoziation. Das ist für andere ärgerlich, weil ich nach außer super-reflektiert und engagiert rüberkomme, aber dann trotzdem Ausfälle habe. Das können Nicht-Betroffene kaum einordnen und im schlimmsten Fall unterstellen sie mir bösartige Absichten.
Wer an kPTBS leidet bzw. entwicklungstraumatisiert ist, der leidet unter einem dysregulierten Nervensystem. Stress und innere Anspannungen nehmen zu und wollen gelöst werden. Diese innere Anspannungen äußeren sich wie auf einer Tonleiter in Wut, dann in Angst und wenn gar nichts funktioniert in einer inneren Erstarrung, die mit verschiedensten Suchtverhalten kompensiert werden. Menschen die entwicklungstraumatisiert sind wissen nicht wohin mit der Anspannung. Normalerweise erlenen wir uns zu regulieren und in Ruhe zu kommen, durch die Co-Regulationsfähigkeit von unseren Eltern (Mama beruhigt uns, Mama tröstet uns). Wir erlernen eine sichere Bindung zu anderen und zu uns selbst. Wir können in uns selbst Sicherheit finden und Vertrauen auf unsere Fähigkeiten. Und sollte das nicht reichen, dann haben wir genug Vertrauen um uns an andere zu richten.

Meine Mutter war eine Borderlinerin. Sie hatte eine unglaubliche Wut, war nicht reguliert und hatte auch keine äußere Strukturen (Mann oder Groß-Familie), die sie aufgefangen bzw. emotional contained hätten. Ich wurde zu ihrem „Gefäß des Zorns“, musste als kleiner 5-jähriger ihren Wutsturm überleben, wenn ihr Lover nicht so wollte, wie sie wollte. Ich wurde für alles zur Verantwortung gezogen. Beispiel: Wenn ihr in der Küche ein Teller aus der Hand rutschte und zerbrach, war ich Schuld, weil mein Fernseher so laut war. Andererseits forderte sie von mir unangemessen viel Fürsorge. Sie ist doch die Mutter, kann doch für nichts dafür und hat es doch schwer – niemand hilft ihr. Das führte dazu, dass ich einen wahnhaften Helferkomplex entwickelte und ich zum Hyper-Nice-Guy wurde. Ich habe im Studium anderen geholfen, selbst dann, wenn ich mir selbst dabei geschädigt habe (zum Beispiel in einem Projekt die Arbeiten einer anderen Person machen, und die eigenen Aufgaben vernachlässigen). Im Arbeitsleben habe ich mich aufgeopfert, ohne je dafür belohnt zu werden. Ganz im Gegenteil, die anderen haben sich über mich „Trottel“ lustig gemacht. Folgen waren auch kaputte oder toxische Freundschaften, später eine zunehmende Isolation. Und damit brachen mehr und mehr Ressourcen für meine Selbstregulation zusammen. Ich könnte noch ewig weiter schreiben, aber ich belasse es hier dabei.

Was ich später verstanden habe: Ich muss Sicherheit im Leben herstellen, wenn ich gesund werden möchte. Zum einen muss ich mich von (für mich) toxischen Menschen trennen, dann muss ich mir eine berufliche Nische suchen, in der ich mit meinem aktuellen Zustand des Nervensystems überleben kann. Schließlich muss ich Menschen suchen, denen ich vertrauen kann. Und nein, das kann ich nicht willentlich entscheiden, sondern das macht mein Körper von selbst. Wenn mein Körper sich entspannt, gar Freude aufsteigt und eine Lust an der Öffnung entsteht, dann ist da echtes Vertrauen. Viele Psychotherapeuten meinen bzw. wünschen sich Vertrauen, aber ein traumatisierter Mensch hat sehr sensible Fühler, gerade für Gefahren. Da kann schon ein falscher Blick, ein falsches Wort oder eine falsche Betonung dazu führen, dass man in der Tiefe nicht vertraut und bestenfalls das Vertrauen vortäuscht. Und ich glaube genau an diesem Punkt scheitern viele Psychotherapien.

Sorry, für die Textwall, aber es tut so gut darüber zu schreiben. Vielleicht kann der ein oder andere damit etwas anfangen.

21.01.2023 17:06 • x 8 #16


Zum Beitrag im Thema ↓

A


Bindungstrauma Betroffene

x 3


K

Kosmos
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Zitat von Nora5:
Toll!

Das finde ich auch.

Wenn man vom Arzt oder Therapeuten gesagt bekommt, dass man unheilbar krank ist, das ist doch so niederschmetternd. Wo soll man dann noch eine Motivation hernehmen oder die Kraft, für ein besseres Leben zu kämpfen.

Natürlich wird es Fälle geben, wo es nicht mehr perfekt gut wird. Manche Menschen werden vielleicht auch auf Dauer von ihrer Erkrankung verschluckt. Aber insgesamt sieht doch die Prognose gar nicht so schlecht aus.

Und Therapien von vor 20 Jahren kann man nicht den Therapien der heutigen Zeit gleichsetzen. Und Therapie bei unfähigen Behandlern und schlechten Kliniken kann man nicht vergleichen. Dass die Ergebnisse natürlich von vielen Faktoren abhängen ist doch logisch.


In jeder Berufsgruppe gibt es begnadete Talente und Versager. Dementsprechend sieht dann das Ergebnis aus. Man sollte sich davor hüten, dass man sich selbst eine schlechte Zukunft vorstellt, weil andere nicht mit ihrer Erkrankung fertig geworden sind. Dass es manchen Leuten weiterhin schlecht geht, heißt noch lange nicht, dass es bei einem selbst auch so kommen muss und so enden muss.

Und wenn man bisher noch nicht den entscheidenden Wurf gemacht hat, dann kann das in den nächsten Jahren durchaus trotzdem kommen.

Im Vergleich zu früher werden ja heute doch ordentliche Geschütze aufgefahren. In der Politik, in der Gesellschaft sind diese psychischen Erkrankungen heute - im Vergleich zu früher - ein Riesenthema. Und man ist anerkannt als kranker Mensch. Natürlich gibt es viele Menschen, die damit immer noch nicht können und Berührungsängste haben, sich da mit Vorurteilen dagegen stemmen. Aber wenn ich dran denke, wie es vor 20 oder 25 Jahren war, dann sind die Zeiten heute goldig.

Und natürlich hat jeder die Sorge, dass er es nicht schafft und er immer weiterleiden muss. Aber da sage ich echt: Ruhe bewahren! Mit Gelassenheit diese Dinge sehen. Es wird jeden Tag besser. An den Unis werden so viele tolle neue Therapeuten ausgebildet. Und auch in der Medizin wird es sich bald ändern. Die Psychiater sind ja nahezu alle total veraltet und einseitig ausgebildet. Aber auch dort wird es sich ändern.

Wenn ich sehe, was in der allerletzten Zeit an Forschungseinrichtungen aufgebaut wurden. Da fließen Unsummen rein, die besten Wissenschaftler werden zusammengezogen. Auf der ganzen Welt läuft das so. Die ärmsten Ländern investieren in die Prävention von Traumatisierungen, weil es die Volkswirtschaften der Länder so viel Geld kostet, wenn ihre Bürger traumatisiert sind. Die direkten und indirekten Kosten von Traumafolgestörungen sind so irrsinnig hoch, dass jedes Land verstanden hat, dass es sich drum kümmern muss.

Der Druck auf die Politik, auf die Gesellschaft, auf die Medizin und alle davon Betroffenen ist irrsinnig groß. Deshalb wird man sich drauf verlassen können, dass es da in der Zukunft immer mehr Verbesserungen geben wird. Da soll sich mal bloß keiner von der Angst an- oder auffressen lassen.

Und wenn jemand hier im Forum knallhart sagt, dass das alles aussichtslos wäre und man für immer und ewig verdammt sei, krank, sogar schwerkrank zu bleiben, dann sollte man besser weghören. Das ist nämlich einfach nicht der Stand der Medizin.

Ich habe oft mit meinem früheren Traumatherapeuten darüber geredet, was man machen kann. Und er hat immer gesagt, dass es überall gute Leute gibt und man einfach so lange dran bleiben soll, bis man bei solchen Therapeuten und Psychiatern/Ärzten gelandet ist. Und wenn es um stationäre Therapie geht, dann soll man in eine gute Klinik gehen. Er hat immer gesagt: "Das ist total egal, wie weit eine Klinik weg ist. So lange es eine gute ist, ist es gleich wo die ist. Und wenn die auf dem Mond wäre, wäre es egal!".

Und es spielen ja viele Faktoren rein, ob eine Therapie gut läuft. Wenn eben die gegenseitige Sympathie fehlt, dann sitzt man vor der falschen Person.
Da braucht es oft viele Anläufe, bis das Richtige gefunden wurde.

Und alles, was jetzt noch nicht geklappt hat, kann doch noch klappen. Und alles, was noch fehlt, kann noch aufgebaut werden. Symptome, die noch nicht abgeklungen sind, können sich in den nächsten Jahren zum Guten hin verändern.

Dass man glaubt, dass es nie besser oder gut werden kann, weil man schon so lange mit der Erkrankung kämpft oder weil man so viel versucht hat und es nichts geholfen hat, kenne ich nur zu gut. Aber das alles muss man so sehen: Es ist sehr schade und sehr traurig, wenn die Erkrankung sich schon so viel vom Leben geholt hat. Diese Vergangenheit werden wir alle nicht ändern können und müssen damit leben, dass vieles schlecht war, nicht gut gelaufen ist und dass wir sehr schlimme Schäden und viele Einschränkungen, Verluste und Leid erlebt haben und noch erleben werden.

Aber die Zukunft ist eine andere Sache. Die steht auf einem anderen Blatt. Was die Zukunft angeht, werden die Karten neu gemischt werden.

Und hier sind ja auch lauter clevere, intelligente Leute. Das ist der Faktor, der Eure Chancen, Eure Erkrankung zu überwinden extrem erhöht.

Man muss sich auch zu helfen wissen, muss ein gutes Händchen dabei beweisen, welche Helfer man sich sucht, wem man vertraut. Und die andere Sache ist die, wie man sich im Leben geschickt verhält, um dort immer wieder Chancen zu entdecken, sich zu entwickeln und was aus sich und seinem Leben zu machen, auch wenn man krank ist.

Aber ganz klar:

Wenn man ständig vor Angst schlottert, weil es noch nicht viel besser geworden ist und weil man nicht weiter weiß und einem ständig noch irgendwelche Leute einreden, dass das jetzt für immer so bleiben wird, dann kann sich kein Nervensystem beruhigen, kein Gehirn kann mal abschalten, wenn man mit solchen "Prognosen" konfrontiert wird.

Und ok, was heißt es jetzt, wenn man gesagt bekommt, dass man keine Heilung zu erwarten hätte. Gut, wenn ich nur zu 95 % gesund werden würde, dann würde es auf alle Fälle ein trotzdem sehr gutes und lebenswertes Leben sein.

Und was irgendwelche Ärzte oder Kliniken oder Therapeuten sagen, die scheinbar nicht auf dem aktuellen Stand sind, das interessiert mich schon mal gar nicht. Ich habe im Laufe der Zeit immer wieder gesehen, dass deren Aussagen und Statements widerlegt wurden. Mich interessiert nur, was die wirklich guten Ärzte und Therapeuten sagen und nicht das, was irgendwer aus einer Berufsgruppe erzählt.

23.01.2023 12:29 • x 4 #37


Zum Beitrag im Thema ↓


Gaulin
Zitat von Flauschball:
bindungstraumatisiert

Hallo
Könntest du das näher erklären? Bindungsunfähig? Meinst du das oder was genau ist bindungstraumatisiert?

x 1 #2


Nora5
Hallo Flauschball, ja das ist bei mir ebenfalls diagnostiziert und es ist zermürbend und schien mir lange resistent gegen alles, es ist sehr langwierig und hartnäckig. Ich habe vier Langzeittherapien abgeschlossen und Vieles aufgearbeitet, viel verändert, habe sehr viel mehr Lebensqualität, aber diese Sache bleibt und begleitet mit. LG Nora

x 1 #3


F
Welche Therapieformen hast Du denn gemacht und welche hat Dir am Besten geholfen?
Sind bei Dir noch andere Bereiche betroffen, in denen Du Schwierigkeiten hast, außer mit Bindungen?


Darf ich fragen, welche Diagnose Du da genau bekommen hast? Weil es "Bindungstrauma" doch bisher, glaube ich, nicht als eigenständige Diagnose gibt. Oder?

Ich habe zb Probleme mit dem Selbstwert/Selbstbewusstsein, kann keine Beziehungen oder Freundschaften führen und habe auch keinen Beruf, da ich mir nichts zutraue und so wenig von mir halte Sad

x 1 #4


Nora5
Hey, also, ich habe viel gemacht und ich kann definitiv sagen, es hatte nichts mit der Methode oder Form zu tun, sondern immer mit den Menschen und der Beziehung, ob es geholfen hat, das war so viel wichtiger, das kann ich gar nicht in Worten ausdrücken.

Bei mir sind alle anderen Bereiche stabil. Ich habe aber auch einen sehr großen Freundeskreis, genug richtig enge Freunde, hatte lange Beziehungen (10 und 3 und 7 Jahre) und habe mit den Partnern zusammen gewohnt.

Beruflich ist es auch immer schon stabil. Ich bin selbstständig und habe eine Praxis und einige Mitarbeiter. Da ist keine Beeinträchtigung.

Bei mir ist es nur die Angst vor Kontaktabbruch in der Beziehung und dass ich in der Vergangenheit dann zu viel in Kauf genommen habe, um dies zu vermeiden.

x 2 #5


F
Schade.. Offenbar betrifft das Thema hier kaum Jemandem?

Gibt es vielleicht Betroffene einer Komplexen PTBS? Ein Merkmal dieser sind ja auch Bindungsstörungen und Beziehungsprobleme.

#6


E
Ich weiß nicht wirklich was genau du meinst 🤷‍♀

Ich war immer Kontaktfreudig, offen, großer Bekanntenkreis, Partnerschaft.

Vor 2 Jahren Trennung, Bekannte haben sich nicht mehr gemeldet respektive sind mit Ex befreundet geblieben. Ich bin sehr krank dadurch geworden, schwere Depression und bin seit dem auf totalem Abstand zu Menschen. Ich habe so große Angst noch einmal so verletzt zu werden, das ich wie blockiert bin.

x 2 #7


F

#8


F
Hoffe, es ist hier erlaubt, Links zu posten..

Auf der Seite wird es jedenfalls sehr gut erklärt. Das Thema ist wirklich komplex und nicht so leicht zu greifen. Selbst Therapeuten haben davon oft wenig Ahnung, gerade im Bereich der Verhaltenstherapie.

#9


Nora5
Hallo Flauschball,
ich habe das, aber ich habe ein sehr großes Netzwerk an Kontakten, viele enge Freunde und eben auch viele lange Beziehungen gehabt. Eine sehr enge Freundin von mir hat es auch, hat auch den ganz intensiven Workshop bei Dami Sharf gemacht digital, wir haben auch gemeinsam ein Programm zum Thema Recovery bearbeitet. Diese Freundin ist dennoch Führungskraft, pflegt Freundschaften, geht sehr vielen Freizeitbeschäftigungen mit vielen Menschen nach, organisiert sehr viel mit anderen und ist in einer sehr sehr langen Beziehung.

#10


W
Hallo Flauschball,
bei mir ist komplexe PTBS diagnostiziert und ich habe auf jeden Fall Interesse an einem Austausch.
Bindungsstörung ist auf jeden Fall bei mir auch vorhanden - und der Selbstwert ist während meines Lebens ziemlich verloren gegangen.
Am Anfang meines Weges vor 40 Jahren standen lang anhaltende Depressionen. Leider war das Thema Trauma und Therapien in Bezug darauf damals noch nicht so weit wie heute. Bin viel in Selbsthilfegruppen gegangen zum Thema "Aufwachsen in Alk. Familie".
Ich habe immer schon geahnt, dass ich Verhaltensweisen an den Tag lege, die auf traumatischen Erfahrungen beruhen.
Ehrlich gesagt fange ich dennoch erst jetzt an - auch durch die Videos von Dami Charf - zu begreifen, dass ich wirklich ziemlich betroffen bin.
Ich versuche, Hoffnung zu behalten - wenn es auch ziemlich schwer ist, weil ich schon vieles an Therapie gemacht habe und mein Leben dennoch sehr viele schwierige und traurige Zeiten hatte und hat.
Im Moment bin ich gerade dabei, zu versuchen, Mitgefühl für mich und meine Vergangenheit zu entwickeln, für so viele auch falsche Wege, für so viele Irrtümer, Verdrängungen, Misserfolge etc.
Deine Antwort ist nun schon ein paar Tage her. Mal schauen, ob es zu einem Austausch kommt.

x 1 #11


blue1979
@Nora5
Hallo Nora,
hat der Workshop bei Dami Charf deiner Freundin etwas geholfen? Ich überlege seit Jahren einen Online Kurs bei Dami Charf zu machen aber möchte mich nicht nur auf die guten Bewertungen der Homepage verlassen.

Hallo Flauschball,
bei mir lautet einer der Diagnosen Entwicklungstraumata und kPTBS was Bindungstraumata mit einschliesst. Beschäftigt habe ich mich in Therapien nicht damit weil andere Symptome wie Depri, Angst und Panik im Vordergrund standen. Jetzt beschäftige ich mich mit Selbstregulation und mit eigenen Reserven gut haushalten.

x 2 #12


K
Bindungstrauma ist ein schwieriger Begriff. Der ganze Traumabegriff ist mittlerweile doch sehr schwer zu fassen. Und Bindungstrauma ist auch ein schwammiges Gebilde.

Es gibt Menschen, die können das überwinden. Und es gibt Menschen, die können es nie überwinden. Und natürlich gibt es alles dazwischen.

Das hängt sehr von der eigenen Person ab und von ihren Ressourcen. Man ist ja nicht nur, was man erlebt hat, oder was man zu wenig hatte. Da ist ja immer der Mensch selbst. Und es gibt Kinder und Menschen, die schaffen es, ihr Umfeld so für sich zu gewinnen, dass sie neue gute Erfahrungen machen und bei denen kommt irgendwann der Punkt, dass sie drüber wegkommen und ein realistisches und trotzdem gutes Bild von sich und anderen entwickeln können. Und andere Kinder/Menschen schaffen es eben nicht.

Die eigene Persönlichkeit, die Fähigkeiten, die Talente, die eigene Attraktivität, die eigene Kreativität und Zuverlässigkeit und Menschenkenntnis und die eigene Lernfähigkeit sind entscheidend.

Es hängt ganz entscheidend auch von einem selbst ab, wie sich das, was man erlebt hat, später auf das eigene Leben auswirkt. Die eigene Interpretation der Lebensereignisse spielt eine große Rolle.

Und natürlich kennen sich Verhaltenstherapeuten damit aus. Vielleicht gibt es ein paar altbackene Hinterwäldler, an denen alles vorbei gegangen ist, aber zu so jemandem sollte man sowieso nicht gehen. Mein Traumatherpaeut ist auch VT. Und Vertrauen war in der ersten Stunde innerhalb der ersten 30 Minuten schon ein zentrales Thema, das er angesprochen hat. Ich habe ihm dann gesagt, dass er das mit mir nicht besprechen braucht, dass ich damit kein Problem habe und dass ich ihm vertraue. Das hat er so sicher das erste Mal erlebt. Typisch ist, dass Traumapatienten alle riesengroße Probleme haben, anderen zu vertrauen, ganz besonders mit kPTBS und noch schlimmeren Diagnosen. Natürlich sind das auch in einer VT ganz zentrale Fragestellungen. Ich weiß nicht, was die Leute für seltsame Vorstellungen von VT haben. VT ist cool. Viele VT-Therapeuten sind superliebe Leute, die sind oft sehr clever. Bei uns hier gibt es so klasse VTler.

Und Dami Charf tut sich zwar sehr gekonnt präsentieren und hat sicherlich auch viele und gute wertvolle Inhalte. ABER: Es ist nur auf eine bestimmte typische Klientel zugeschnitten und weiß Gott nicht abschließend.

Mit der Bindungstraumatisierung ist es wie mit allem anderen hier im Forum auch: Manches muss therapeutisch angegangen werden. Manches ist Lernsache.

Wenn ich hier im Forum lese, wie sich die Leute mit ihren Symptomen quälen, dann denke ich mir bei vielem nur, dass ich froh bin, dass es mir so nicht geht.

Aber es ist ein weiter Weg, bis man irgendwann sieht, dass alles im Leben nur Wiederholungen sind, dass man - wenn es gut läuft - eigene Strategien entwickelt, wie man mit den Stürmen im Leben umgehen kann, ohne dass sie einen abknicken wie so einen Strohhalm. Wenn man das Grundprinzip erst mal verstanden hat, dann ist es leichter. Wenn man innerlich unabhängig geworden ist, wenn man weiß, wie das Leben funktioniert und weiß, wie man für sich selbst sorgen kann, dann kann man gelassen bleiben.

Die größten Probleme haben die Menschen deshalb mit der Psyche, weil sie in den Abhängigkeiten verhaftet bleiben. Und wenn man sich aus dieser Anhaftung rausgeschafft hat, dann verändert sich der Blickwinkel auf alles. Wesentliches Element beim Überwinden von Bindungstrauma ist, dass man seine kindlichen Versorgungswünsche selbst versorgen kann. Wenn das nicht klappt, klappt alles Andere auch nicht. Und das ist ein innerer Prozess, den man selbst machen muss. Da kann auch Dami Charf nichts herzaubern oder von außen machen. Sie kann was erklären, wie so viele andere Profis auch. Aber da braucht es weitaus mehr als nur irgendwelche Kurse.

x 3 #13


K
Zitat von wolkenstern:
Hallo Flauschball, bei mir ist komplexe PTBS diagnostiziert und ich habe auf jeden Fall Interesse an einem Austausch. Bindungsstörung ist auf jeden Fall bei mir auch vorhanden - und der Selbstwert ist während meines Lebens ziemlich verloren gegangen. Am Anfang meines Weges vor 40 Jahren standen lang anhaltende ...

In dem Fall würde ich mal ganz konkret zu dem Thema "Folgen für Kinder von Alk. im Erwachsenenalter" oder solche ähnlichen Suchbegriffe. Es gibt auch spezielle Foren dafür, wenn man davon betroffen ist. Ich habe auch mal gesehen, dass es spezielle Seiten im Internet genau zu der Fragestellung gibt. Das kann sehr hilfreich sein.

Es ist erschreckend, zu sehen, wie gravierend und nachhaltig die Alk. von Bezugspersonen oder Familienangehörigen für die restlichen Familienmitglieder ist. Man sollte sich mal die sehr konkreten Folgen anschauen. Da wird es einem schlecht.

Ich weiß nicht mehr genau die Textstelle, aber es ist bei EMDRIA auf der HP veröffentlicht worden, dass die Konstellation "Aufwachsen eines Kindes mit einem gewaltätigen Alk. Vater und einer depressiven Mutter" die schlimmsten Traumata hinterlässt.

Leider nehmen sich die Profis diesen Themas kaum noch an. Alle eiern nur um Kindesmissbrauch und sexuelle Gewalt herum und verdrängen damit andere fürchterliche Traumatisierungen aus dem Fokus der Gesellschaft, Politik und der Medizin.

So eine Suchtfamilie hat katastrophale Auswirkungen auf alle Beteiligten. Wenn es nach mir ginge, würde ich heute noch alle Dro. in Deutschland verbieten, einschließlich Alk. Und Canna. zu legalisieren ist größte Mist aller Zeiten. Damit schaffen wir nur neue Probleme, die keiner braucht.

So, das als kleiner Diskurs, weil es dem ein oder anderen hier sicher helfen kann.
Und ja, dissoziative Störungen sind nach dem Aufwachsen bei einem oder zwei Alk. oder sonstwie süchtigen oder gestörten Elernteilen keine Seltenheit.

x 2 #14


K
Als Einstieg in das Thema Spätfolgen für Kinder von Alk. bzw. anderen dysfunktionalen Familien habe ich das hier gefunden:

https://cosucht-frei.de/charakterzuege-...koholiker/

Wenn dann noch jemand mehr wissen will, dann kann er ja selbst googlen. Zu den dissoziativen Störungen passt ja auch z.B. der Kanal von Dr. Jan Gysi. Ich würde gerne was Anderes dazu verlinken, aber es gibt wenig, was wirklich gut ist und frei verfügbar ist. Dissoziative Störungen sind sowieso sehr schwierig zu erklären.

Bindungstrauma ist dieses klassische "Niemandem vertrauen können", ultimativ misstrauische Menschen sind das. Und das geht natürlich nicht auf die Dauer gut. Das sind solche Gefühle, die alles unterminieren.

x 2 #15


A
Hallo Flauschball,

ich habe ebenfalls mit Bindungs- bzw. Entwicklungstrauma zu tun. Alles was ich zum Thema KPTBS lese, passt sehr gut auf mich. Leider haben viele Psychotherapeuten und Ärzte dieses Diagnose noch nicht so wirklich auf dem Schirm, daher zerfiel diese integrale Diagnose in ihren Einzelbestandteilen: Sprich mal wurde bei mir Depression diagnostiziert, ein anderes Mal eine generalisierte Angststörung usw. kPTBS ist ja auch erst kürzlich in das Diagnosemanual aufgenommen (dem ICD-11), obwohl dieses Diagnose schon seit 15 Jahre in der Forschung / bei den Praktikern herumflattert.

Ich war bei drei Psychiatern, bei einer tiefenpsychologischen-fundierten Therapeutin und einen Versuch mit einem Verhaltenstherapeuten musste ich abbrechen. Von „ach, stellen sie sich nicht so an“ bis „sie müssen in die Klinik“, war alles dabei. Mein Leben hatte ich nur stellenweise im Griff, aber gerade im Beruf versage ich immer wieder, weil ich meine Ängste / innere Anspannungen nicht im Griff habe und falle dadurch in eine Art Dissoziation. Das ist für andere ärgerlich, weil ich nach außer super-reflektiert und engagiert rüberkomme, aber dann trotzdem Ausfälle habe. Das können Nicht-Betroffene kaum einordnen und im schlimmsten Fall unterstellen sie mir bösartige Absichten.
Wer an kPTBS leidet bzw. entwicklungstraumatisiert ist, der leidet unter einem dysregulierten Nervensystem. Stress und innere Anspannungen nehmen zu und wollen gelöst werden. Diese innere Anspannungen äußeren sich wie auf einer Tonleiter in Wut, dann in Angst und wenn gar nichts funktioniert in einer inneren Erstarrung, die mit verschiedensten Suchtverhalten kompensiert werden. Menschen die entwicklungstraumatisiert sind wissen nicht wohin mit der Anspannung. Normalerweise erlenen wir uns zu regulieren und in Ruhe zu kommen, durch die Co-Regulationsfähigkeit von unseren Eltern (Mama beruhigt uns, Mama tröstet uns). Wir erlernen eine sichere Bindung zu anderen und zu uns selbst. Wir können in uns selbst Sicherheit finden und Vertrauen auf unsere Fähigkeiten. Und sollte das nicht reichen, dann haben wir genug Vertrauen um uns an andere zu richten.

Meine Mutter war eine Borderlinerin. Sie hatte eine unglaubliche Wut, war nicht reguliert und hatte auch keine äußere Strukturen (Mann oder Groß-Familie), die sie aufgefangen bzw. emotional contained hätten. Ich wurde zu ihrem „Gefäß des Zorns“, musste als kleiner 5-jähriger ihren Wutsturm überleben, wenn ihr Lover nicht so wollte, wie sie wollte. Ich wurde für alles zur Verantwortung gezogen. Beispiel: Wenn ihr in der Küche ein Teller aus der Hand rutschte und zerbrach, war ich Schuld, weil mein Fernseher so laut war. Andererseits forderte sie von mir unangemessen viel Fürsorge. Sie ist doch die Mutter, kann doch für nichts dafür und hat es doch schwer – niemand hilft ihr. Das führte dazu, dass ich einen wahnhaften Helferkomplex entwickelte und ich zum Hyper-Nice-Guy wurde. Ich habe im Studium anderen geholfen, selbst dann, wenn ich mir selbst dabei geschädigt habe (zum Beispiel in einem Projekt die Arbeiten einer anderen Person machen, und die eigenen Aufgaben vernachlässigen). Im Arbeitsleben habe ich mich aufgeopfert, ohne je dafür belohnt zu werden. Ganz im Gegenteil, die anderen haben sich über mich „Trottel“ lustig gemacht. Folgen waren auch kaputte oder toxische Freundschaften, später eine zunehmende Isolation. Und damit brachen mehr und mehr Ressourcen für meine Selbstregulation zusammen. Ich könnte noch ewig weiter schreiben, aber ich belasse es hier dabei.

Was ich später verstanden habe: Ich muss Sicherheit im Leben herstellen, wenn ich gesund werden möchte. Zum einen muss ich mich von (für mich) toxischen Menschen trennen, dann muss ich mir eine berufliche Nische suchen, in der ich mit meinem aktuellen Zustand des Nervensystems überleben kann. Schließlich muss ich Menschen suchen, denen ich vertrauen kann. Und nein, das kann ich nicht willentlich entscheiden, sondern das macht mein Körper von selbst. Wenn mein Körper sich entspannt, gar Freude aufsteigt und eine Lust an der Öffnung entsteht, dann ist da echtes Vertrauen. Viele Psychotherapeuten meinen bzw. wünschen sich Vertrauen, aber ein traumatisierter Mensch hat sehr sensible Fühler, gerade für Gefahren. Da kann schon ein falscher Blick, ein falsches Wort oder eine falsche Betonung dazu führen, dass man in der Tiefe nicht vertraut und bestenfalls das Vertrauen vortäuscht. Und ich glaube genau an diesem Punkt scheitern viele Psychotherapien.

Sorry, für die Textwall, aber es tut so gut darüber zu schreiben. Vielleicht kann der ein oder andere damit etwas anfangen.

x 8 #16


K
@Alfredino

Ich kenne das so von meinem Geschwistern. Fast alle sind total toxisch und alles, was noch ging, war den Kontakt abbrechen. Und wenn es eben zu lange so geht, dann wird man selbst wie die sind. Es hilft nur, dass man sich entfernt. Und Kinder 0-14 Jahre haben dazu ja praktisch gar keine Chance. Und die, die älter sind, haben wenig Chancen darauf. Und wer es bis 18 Jahre an so einem Ort erlebt hat, was Du beschreibst, der hat seinen Schaden weg.

Man kann heilen. Aber je weniger gute Ressourcen da sind, desto schlechtere Karten hat man. Und Therapeuten sind so unterschiedlich, dass man über Therapien fast nicht allgemein schreiben kann. Jeder ist anders, jeder macht es anders. Sie haben verschiedene Vorstellungen, wie es laufen soll usw... Man hat halt leider auch oft keine große Auswahl.

Es sagen aber alle, die Ahnung haben:

Wenn man ausheilen will, dann braucht man den Abstand zu den Leuten, die einem das angetan haben. Zumindest so lange bis es verheilt ist, muss man denen aus dem Weg gehen.

x 3 #17

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Gaulin
Zitat von Kosmos:
Wenn man ausheilen will, dann braucht man den Abstand zu den Leuten, die einem das angetan haben. Zumindest so lange bis es verheilt ist, muss man denen aus dem Weg gehen.

Oh ja, das kann ich nur bestätigen... Das betrifft allerdings alle toxischen Umgänge, wenn man darunter leidet. Also nicht nur Sucht, Alk. oder Gewalt.

x 2 #18


K
Zitat von Gaulin:
Oh ja, das kann ich nur bestätigen... Das betrifft allerdings alle toxischen Umgänge, wenn man darunter leidet. Also nicht nur Sucht, Alk. oder Gewalt.

Ja, das gilt für alle toxischen Beziehungen. Das ist aber nicht mein Wissen gewesen, sondern das hat eine der besten Traumatherapeutinnen gesagt. In den Fällen der toxischen Beziehungen geht es ja meistens um die Frage, ob man den Kontakt komplett beenden muss. Und weil viele das nicht können oder wollen, ist die Frage nach der Alternative natürlich auch da. Und sie hat dann gemeint, dass man eben wenigstens ein Zeitfenster hernehmen soll, wo man sich zurückzieht und wo man seine Wunden heilen lässt. Während dieses Prozesses - z.B. einer Therapie - zieht man sich komplett zurück. Wenn man so weit stabil ist, kann man sich auf den Kontakt - unter Umständen - wieder einlassen. Aber dann hat man bis dahin auch Selbstschutzstrategien entwickelt und kann es halbwegs händeln. Aber wenn einen jemand total fertig gemacht hat, wird der Wunsch, dahin zurückzukehren auch nicht sonderlich ausgeprägt sein.

Wer glaubt, dass er anderen alles antun kann, und hinterher soll alles vergessen sein und wieder gut werden, der hat sich geschnitten.

Das, was mal vorgefallen ist, das ist drin in einem. Und das holt da auch keiner mehr raus.

x 2 #19


M
Zitat von Flauschball:
Das ist Bindungstrauma.

ich habe mir den Link durchgelesen.
Dachte aber im Vorfeld schon, das da stimmige Inhalte für mich sind. Ich kann dennoch nicht allzu viel sagen. Ich vermeide Beziehungen und ich vermeide Freundschaften. Zweitere ist mir auch in letzter Zeit erst mal bewusst geworden. Und weil ich Freundschaften und Beziehungen vermeide, war das in Therapien immer nur kurzweilig Relevant, wenn ich mal in einer kurzweilen Beziehung war. Also quasi nichts bearbeitetes.
Durch den Link konnte ich immerhin eine Erkenntnis für mich gewinnen. Weiß ich zwar jetzt auch nicht, was ich damit anfangen soll... Aber hilfreich, weil sich eine Vermutung nun für mich bestätigt. Dennoch finde ich die Schilderung in dem link sehr schwammig formuliert.
Ich habe das Thema in Therapien vermieden so gut es ging. Kann also nicht wirklich konkret in den Austausch gehen. Es sei denn, ich würde jetzt lesen "bei mir ist es so / so oder so".

x 1 #20


A


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