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Julia0712

Julia0712
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Hallo ich bin Juna, 31 Jahre alt und leide an sehr extremen Nebenwirkungen durch Tavor / Diazepameinnahme.

Alles begang letzten Oktober als mir Tavor aufgrund einer Wochenbettdepression verschrieben wurde. Anfangs wirkte es wie ein Wundermittel und schaltete meine Gedanken komplett aus (0.5 er Dosis) und wirkte den ganzen Tag. Es wurde versucht ein Antidepressiva (Sertralin) parallel einzuschleichen was bei mir aber sofort paradox wirkte (starke Übelkeit, viel mehr innere Unruhe, starke Selbstmordgedanken) und nach 4 Wochen abgesetzt wurde. Seitdem bekam ich immer wieder Tavor und es wurden wirklich etliche Medikamente „getestet“
Trimiparin, Doxepin, Quetiapin, Pregabalin usw
ALLES wirkte paradox mit noch mehr Unruhe. Um die Unruhe etwas zu lindern gabs dann immer wieder Tavor.
Es vergingen Wochen in der Klinik und mittlerweile reichte eine 0.5 Tablette nur noch für ein paar Stunden. Es wurde alles probiert um das Tavor langsam auszuschleichen aber ich hatte schon während der Einnahme starke Entzugssymptome.
Mittlerweile bin ich an einem Punkt wo ich fast nichts mehr schmecke, überhaupt nicht mehr schlafen kann, dauerhaften Ruhepuls von 120 habe, kaum
noch laufen kann (habe das Gefühl meine Muskeln laufen gegen Wiederstand und nach 10 Minuten gehen am Stück muss ich mich hinlegen!) Icj habe dauerhaft kaltschweißige Hände und Füße wirklich eiskalt. Mein Kopf brennt höllisch von innen und ich hab ständig Zitteranfälle an den Armen und mit dem Kopf wo ich mich unkontrolliert schüttel und Töne von mir gebe.
Die Ärzte sagen sie haben sowas noch nie gesehen als Nebenwirkung von Benzos aber ich bin leider betroffen.
Jede Minute ist eine Qual. Ich schmecke kaum noch was, das Essen was ich esse (maximal 2 Brote am Tag) breche ich wieder aus und auch mittlerweile schon reines Wasser kommt wieder raus) stehe permanent unter Dauerstrom aber bin absolut bettlägerig. Ständig zittern meine Beine und diese extreme Kälte in den Füßen und Händen ist beißend. Ich habe extremen Haarausfall und mein Gesicht hat sich total verändert und sieht aus wie eine starre Maske. Ich erlebe wirklich jede Minute Folter.
Skills wie Atemübungen bringen den Puls nachweislich nicht runter und auch sonst gibt es NICHTS was mich mal 1 STUNDE am Tag runterfahren lässt.
Über die Monate veränderte sich auch das Zeitfenster wo es zum Nachmittag (damals war’s mal gegen 17 Uhr) mittlerweile erst gegen 22 Uhr! leicht besser wird. Ich hab sehr oft probiert zu schlafen aber es ist absolut nicht mehr möglich. Nur noch Quetiapin retard + zusätzlich Quetiapin dröhnen mich irgendwann weg aber ich wache morgens nie erholt auf, es ist kein echter Schlaf. Durch diese Medikamente habe ich extreme unruhige Beine aber kann mich mittlerweile kaum noch bewegen also tappe ich gequält immer auf der Stelle. Es ist die pure HÖLLE.
Ich weiß auch nicht warum ich hier schreibe. Habe die Hoffnung irgendjemand zu finden der was dazu sagen kann, evtl ähnliches erlebt hat. Ob das Gehirn jemals aus diesem Glutamatsturm wieder rauskommt?
Habe das Gefühl meine Gabazellen sind für immer zerstört. Ich fühle mich jede Minute GEFANGEN in meinem Körper und kann absolut nichts gegen diese Nebewirkungen tun. Es ist unbeschreiblich wie groß diese Qual ist. Mir wurde jegliche Lebensqualität genommen. Die Ärzte können sich das auch nicht erklären und sagen das kann nicht von der Einnahme von Benzos kommen - IST ES ABER. Vor der Geburt habe ich nie Medikamente genommen, mich sehr gesund ernährt, war oft spazieren, kerngesund usw und hatte trotzdem depressive Phasen auch mit Panikattacken aber konnte meinen Körper immer! darausholen. Jetzt ist alles unmöglich. Ich bin wirklich gefangen und total machtlos. Kann man sich kaum vorstellen wie quälend das ist weil auch keiner in mich reingucken kann

14.05.2026 #1


2 Antworten ↓

-juli
@Julia0712 Hallo, es tut mir erstmal leid, dass es dir so dermaßen elend geht. Dann muss ich aber sagen, dass es mich wundert, dass deine Ärzte meinen, dass sie noch nie gesehen hätten, dass Tavor solche Entzugserscheinungen macht. Und es wundert mich, dass das nur ambulant versucht wird, wenn es dir so schlecht geht.

Du bist vermutlich sehr eingespannt als Mutter und das verstehe ich auch, aber ich würde dir dringend ans Herz legen, den Entzug stationär zu machen. Ich bin keine medizinische Fachkraft, sondern habe meine Erfahrungen durch Angehörige mit Suchterkrankungen und einem somit entstandenen persönlichen Interesse an dem Thema. So ein Tavor Entzug kann lebensgefährlich werden und so, wie du es beschreibst, trifft das absolut auf deine Situation zu. Bitte versuche dir die Hilfe zu holen, die du brauchst. Lass dich nicht wegschicken. Das kann nicht so bleiben und stationär könnte man wenigstens z. B. den Flüssigkeitsverlust ausgleichen und es wären immer Leute vor Ort.

#2


Lokalrunde
Guten Morgen, leider kann ich dir nicht viel dazu sagen. Als ich damals 1997 in meiner Rehamaßnahme in der Klinik Rastede gewesen war wegen Panikstörungen, waren dort einige Patienten mit Medikamentenentzug gewesen. Eine gute langjährige Freundin war auch in so einer Behandlung zusammen mit mir dort. Wir hatten damals das Glück und wurden am gleichen Tag in der Klinik aufgenommen. Ich war damals erst 33 und kam in ein für mich völlig fremdes Umfeld. Meiner Begleitung erging es ebenso. Irgendwie war es für uns beide beruhigend, zusammen dort sein zu können.

Ich habe daher den vollen Umfang ihres Entzuges miterlebt. Sie nahm seit über drei Jahren regelmäßig Tavor, was immer wieder von ihrer Hausärztin verschrieben wurde, was für sie extrem negative Auswirkungen hatte, weil die Dosis immer mehr wurde. Mir erging es da etwas besser, ich war bei einem Facharzt für psychotherapeutische Medizin, der von Anfang an sehr kritisch eingestellt war gegenüber Benzodiazepinen. Ich bekam es nicht verordnet von ihm, und später war ich ihm dafür extrem dankbar. Auch in der Klinik war man gegen eine Vergabe dieser Medikamente, nur in absoluten extremen Ausnahmesituationen.

Ihr Entzug ging sehr langsam voran und zeitgleich war sie im vollen Umfang in die Therapiemaßnahmen der Klinik eingebunden. Ich habe jedes ihrer körperlichen und psychischen Probleme erlebt, und ich erinnere mich an den eigentlichen Entzug, bei dem am Ende nur noch ein ganz kleiner Krümel Tavor verabreicht wurde, wie sie darauf reagierte und an ihre Reaktionen. Sie konnte damals nach 8 Wochen die Klinik wieder verlassen und nach Hause.

Ich kann daher nur damalige Aussagen treffen und kenne die heutigen Therapien nicht. Ich weiß nicht, wie darauf heutzutage reagiert wird, dass Hausärzte so etwas aber immer noch verordnen, ohne die schlimmen Auswirkungen zu bedenken. Aus meiner Sicht ist das Unwissenheit und wenn nicht, dann verantwortungslos. So etwas ist nur für die Psychiatrie und für Fachärzte, was kein Hausarzt abdecken könnte! Zumindest daran hat sich leider nur sehr wenig verbessert. Der Entzug wird wie damals nicht leicht werden und je nachdem, wie viel und wie lange man die Einnahme hatte, seine psychische und körperliche Gesundheit, muss man mit heftigen und langen Problemen kämpfen. Dies sollte dann nach Möglichkeit mit Hilfe von einem Fachmann oder einer Klinik passieren. Alles Gute dir…!

#3






Dr. med. Andreas Schöpf
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